Sobald die Relation zweier Währungen zum Politikum wird, wird die Sache knifflig. Dann beginnen schnell zu viele Köche im Brei herumzurühren. Im Fall der Relation US-Dollar/Yen rührt man in Washington, Tokio und sogar in Brüssel. Die Frage ist: Wie geht das aus?
Die US-Notenbank hat mit dem Problem, das die USA und Japan mit der dramatischen Schwäche des japanischen Yen haben, nichts zu tun. Daher wirkte die gestern Abend vorgenommene Zinserhöhung mit der, durch die Forward Guidance ausgedrückten, Erwartung eines zweiten Zinsschritts noch in diesem Jahr kontraproduktiv. Denn daraufhin zog der US-Dollar an, zum Euro, aber auch zum Yen, wie wir in den beiden Charts sehen, die abbilden, wie viel Yen man für einen US-Dollar bezahlt. Und genau das, die Stärke des US-Dollars, würde man gerne stoppen, ggf. sogar umkehren. Wo liegt das Problem?

Aus US-Sicht ist ein starker US-Dollar bzw. ein zum US-Dollar schwacher Yen deswegen unerfreulich, weil er US-Exportwaren in Japan teurer macht oder, wenn die US-Exporteure die Preise bei weiter nachgebendem Yen nicht anheben, die Gewinnmargen verringert. Zugleich bietet der aus japanischer Sicht sukzessiv im Wert steigende US-Dollar den japanischen Unternehmen, die in den USA verkaufen, Vorteile.
Aus japanischer Sicht hat diese Yen-Schwäche aber den großen Haken, dass der schwache Yen die Inflation befeuert, weil Japan nahezu alle Rohstoffe, vor allem Energierohstoffe, importieren muss und diese in US-Dollar fakturiert werden. Eigentlich wären also beide Seiten daran interessiert, den Anstieg des US-Dollars zum Yen bzw. umgekehrt dessen Schwäche zu stoppen. Eigentlich.
Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars USD.JPY und historische Wechselkurse finden Sie hier.
Expertenmeinung: Doch obwohl die japanische Notenbank bereits den Leitzins angehoben hat und dies für morgen erneut erwartet wird, ist eine echte Abwärtswende noch nicht vollzogen. Auch Interventionen am Devisenmarkt durch die USA, Japan und selbst seitens der EU brachten zwar kurze Abwärtsschübe des Werts des US-Dollars (und des Euros) zum Yen zuwege, aber der übergeordnete Aufwärtstrend, den wir im Chart auf Wochenbasis sehen und der aktuell um 151 Yen pro US-Dollar verläuft, hält bislang trotzdem. Durch das Erstarken des US-Dollars als Folge der gestrigen US-Notenbankentscheidung hat sich das Währungspaar sogar wieder ein gutes Stück von dieser Linie gelöst.

Ein nicht unwesentlicher Grund dafür, dass es bislang misslingt, den Yen deutlicher zu stärken, ist, dass den vorgenannten, grundsätzlichen wirtschaftlichen Interessen der beiden beteiligten Länder monetäre Interessen großer Investoren bis hin zu privaten Spekulanten gegenüberstehen, und zwar in Form der sogenannten „Carry-Trades“.
Dabei nimmt man einen Kredit in einer Währung auf, in der man besonders niedrige Zinsen zahlen muss, und investiert dieses Geld in einer Währung mit höheren Zinsen. In diesem Fall nimmt man billige Yen-Kredite auf, bei denen der Zins niedriger liegt als die Rendite von US-Staatsanleihen, investiert in diese und macht dadurch ein scheinbar risikoloses Geschäft. Das bringt umso mehr Gewinn, wenn die Kreditwährung, also der Yen, während der Laufzeit im Verhältnis zur Investmentwährung US-Dollar an Wert verliert, denn dann kommen zur Zinsdifferenz auch noch Währungsgewinne hinzu. Es sei denn …
… der Yen würde unerwartet teurer. Dann müsste man auf einmal mehr US-Dollar in die Hand nehmen, um die Yen-Kreditsumme zurückzuzahlen. Dann könnte auch der Gewinn über die Zinsdifferenz schnell aufgezehrt sein und ein Verlust entstehen. Und bei den immensen Summen, die man in diesen Carry-Trades vermutet, will man das natürlich verhindern. Doch das hieße: Eine echte Abwärtswende des US-Dollars zum Yen und damit eine nachhaltige Stärkung des Yen ist in Finanzkreisen tendenziell unerwünscht. Und die Erfahrung lehrt, dass sich die Politik mit Interventionen selten durchsetzt, wenn die Finanzmärkte sich dagegen stemmen.
Fazit: Sollte es tatsächlich zu einem Bruch der Anfang 2021 etablierten Aufwärtstrendlinie bei derzeit 151 Yen kommen, könnte die US-Dollar/Yen-Relation zwar aus rein charttechnischer Sicht schnell in Richtung 140 Yen pro US-Dollar weiter nachgeben. Aber die eher planlos wirkenden Interventionen und das große Interesse am Finanzmarkt daran, dass die Wende ausbleibt, machen das unwahrscheinlich genug, um hier nicht vor einem solchen, glasklaren Chartsignal auf die Wende setzen zu wollen.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 16.09.2026 um 21:59 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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