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Die Relation US-Dollar/Yen schickt sich an, den höchsten Stand seit 40 Jahren zu erreichen. Aber schon jetzt hat der US-Dollar gegenüber dem Yen in den letzten fünfeinhalb Jahren gut 50 Prozent zugelegt. Was befeuert die Hausse? Und wie lange kann das noch weitergehen?
Wenn der Kurs der hier im Chart gezeigten Währungsrelation steigt, bedeutet das, dass man immer mehr Yen für einen US-Dollar bezahlen muss. Aktuell muss man für einen Dollar fast 162 Yen auf den Tisch legen. Anfang 2021 bekam man ihn noch für 105 Yen. Zwar war der Yen zum US-Dollar in den Siebziger- und Achtzigerjahren noch deutlich „billiger“, so lag die Relation 1971 sogar bei sagenhaften 350 Yen für einen US-Dollar.

Aber das war ein völlig anderes, weltwirtschaftliches Umfeld und der US-Dollar war gegenüber allen Währungen weitaus mehr wert als heute. Daher fragt man sich schon:
Warum ist der Yen so schwach? Und wieso greift die Bank of Japan, die japanische Notenbank, nicht ein? Denn diese schwache Währung ist zwar gut für die japanischen Exporteure, weil die Verkäufe im Ausland beim Rücktausch der Einnahmen in Yen mehr erlösen. Aber Japan ist ein Land fast ohne eigene Rohstoffe. Und deren Import wird, da Rohstoffe in US-Dollar fakturiert werden, durch den Abstieg des Yen immer teurer. Was zuletzt auch dazu führte, dass Japan in den vergangenen Jahren kurzzeitig Inflationsraten von bis zu vier Prozent hatte, Größenordnungen, die es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hatte.
Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars USD.JPY und historische Wechselkurse finden Sie hier.
Expertenmeinung: Im Prinzip hat die Bank of Japan durchaus eingegriffen, immerhin hat sie ab 2024 schrittweise die Leitzinsen angehoben. Zwar nur auf 1,0 Prozent, für unsere Verhältnisse nahezu paradiesisch niedrig … für Japan aber ungewohnt hoch: Lange Jahre hatte der japanische Leitzins bei -0,1 Prozent gelegen. Den Verfall des Yen gestoppt hat das, der Chart zeigt es, aber nicht.
Und damit ist eine entscheidende potenzielle Bremse für den Anstieg von US-Dollar/Yen aus dem Rennen. Denn noch „radikalere“ Zinsanhebungen sind derzeit nicht wahrscheinlich. Erstens, weil es gelungen ist, die japanische Inflationsrate in den vergangenen Monaten wieder in den Bereich von 1,5 Prozent zu drücken. Zweitens, weil höhere Zinsen unter anderem politisch wenig erwünscht sind, weil der aktuelle, massive Wachstumskurs der Regierung dadurch behindert würde.
„Unter anderem“, weil noch ein zweiter, womöglich noch wichtigerer Aspekt mit hineinspielt: die sogenannten „Carry Trades“. Hier werden immense Kredite in Yen zu niedrigen Zinsen aufgenommen, um sie in höher verzinsten Anleihen anderer Währungen, wie z.B. in US-Dollar, anzulegen. Die Zinsdifferenz ist ein sicherer Gewinn … vorausgesetzt, der Währungsaspekt ruiniert die Sache nicht. Denn in dem Moment, in dem die Kreditwährung, also der Yen, an Wert zur Anlage- oder Heimatwährung des Kreditnehmers, in diesem Fall dem US-Dollar, teurer wird, erleidet der Kreditnehmer Währungsverluste, die Zinsdifferenz-Gewinne leicht übersteigen können. Das würde nicht nur den Spekulanten mit ihrem Kredit schaden, sondern oft auch den japanischen Banken, die dann, vor allem bei einem starken Anstieg des Yen, auch komplette Kreditausfälle befürchten müssten.
So gesehen sind derart viele daran interessiert, dass die US-Dollar/Yen-Relation nicht nennenswert nach unten abdreht, dass auch der jetzt anstehende Sprung über das markante 2024er-Hoch bei 161,95 Yen pro US-Dollar gelingen und diese Hausse weiterlaufen könnte. Wie lange das gutgeht und wie weit das führt, könnte niemand vorhersagen. Aber klar wird: Sich hier gegen den Trend zu stellen, wäre eine äußerst verwegene Idee!
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.06.2026 um 23:10 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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