Stratec: Der Druck sollte besser umgehend enden, sonst …

von |
In diesem Artikel

STRATEC Biomedical
ISIN: DE000STRA555
|
Ticker: SBS --- %

---
EUR
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur STRATEC Biomedical Aktie

Stratec ist ein Medizintechnikunternehmen, das vollautomatische Diagnostik-Systeme projektiert, entwickelt und produziert. Ein Bereich, der solide Wachstumsperspektiven bietet, so dass es nicht überrascht, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren solide wachsende Umsätze vorzuweisen hat. Was sich auch im Jahr 2020 fortgesetzt haben dürfte. Zwar fehlen noch die Ergebnisse des vierten Quartals, die wohl nicht vor Ende März/Anfang April vorgelegt werden, sofern Stratec sich nicht der Tendenz anschließt, so früh wie möglich vorläufige Ergebnisse zu melden. Aber die Neun-Monats-Zahlen, die Anfang November auf den Tisch kamen, zeigten Wachstum und eine optimistische Unternehmensführung:

Der Umsatz legte gegenüber den ersten neun Monaten 2019 um gut 13 Prozent zu, der Gewinn stieg überproportional um 48 Prozent. Das veranlasste Stratec, für das Gesamtjahr ein Ergebnis am oberen Ende der eigenen Prognose-Spanne zu avisieren, die ein organisches Umsatzwachstum zwischen 14 und 18 Prozent und eine Vorsteuer-Gewinnmarge zwischen 15,5 und 16,5 Prozent (2019: 13,7 Prozent) anpeilte. Die Fragen, die sich angesichts der aktuell auftretenden Verkäufe stellen, sind:

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur STRATEC Biomedical Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Haben die Anleger diese positive Entwicklung bereits eingepreist? Und was ist mit dem Blick nach vorne, sprich den Perspektiven für das Jahr 2021? Die erste Frage lässt sich im Chartbild beantworten. Die Vorlage der Neun-Monats-Ergebnisse fand am Morgen des Tages statt, an dem die Aktie das damalige Verlaufs-Rekordhoch von 144,60 Euro erzielte … und nach unten abdrehte. Man hatte die Ergebnisse also zur Kenntnis genommen und angesichts der kräftigen Aufwärtsbewegung im Vorfeld entschieden, dass die Zahlen nicht gut genug waren, um Gewinnmitnahmen bleiben zu lassen. Die noch intensiviert wurden, als die Stratec-Aktie am 9. November, als die erste Meldung über einen einsatzbereiten Corona-Impfstoff über die Nachrichtenticker lief, mit anderen zuvor als „sicherer Hafen“ angesehenen Aktien auf den Markt geworfen wurde.

Seither gab es keine neuen Daten, so gesehen bedeutet die erneute Aufwärtsbewegung einen Vorgriff auf weiteres Wachstum, das indes noch völlig offen ist. Die Analysten schätzen derzeit für 2021 einen Gewinnanstieg um etwa 20 Prozent. Auf Basis dieser Gewinnprognose läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Aktie derzeit bei 40. Das wäre für einen solchen Gewinnanstieg fair. Aber zum einen hat das Jahr erst begonnen, zum anderen müsste diese Prognose auch erst einmal Realität werden.

Nachdem die Stratec in den vergangenen zweieinhalb Monaten vom Tief des 10. November aus gerechnet satte 55 Prozent gelaufen ist und am Mittwoch das vorherige Rekordhoch erreichte, setzten gestern Gewinnmitnahmen ein, die andeuten, dass einige das Ziel als erst einmal erreicht ansehen. Solange die doppelte Leitlinie der Aufwärtsbewegung in Form der am 10.11. etablierten Aufwärtstrendlinie und der parallel zu ihr laufenden 20-Tage-Linie bei derzeit 129/130 Euro hält, muss das nicht den Beginn eines erneuten Selloffs wie im November bedeuten. Wenn dieser doppelte Leitstrahl jedoch auf Schlusskursbasis brechen sollte, könnte es für Stratec ein weiteres Mal an die immens wichtige Unterstützungslinie bei 93 Euro abwärts gehen … ein Stoppkurs knapp unter 129/130 Euro wäre unbedingt zu überlegen.

Chart vom 28.01.2021, Kurs 137,60 Euro, Kürzel SBS | Online Broker LYNX
Sie möchten täglich vor Börsenstart unsere Chartanalysen per E-Mail erhalten?

Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen


Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Das Medizintechnikunternehmen STRATEC gehört zu denjenigen Unternehmen, deren Aktien als potenzielle Profiteure der Corona-Krise seit März liefen wie geschnitten Brot. Und so kam die Aktie auch ebenso wie die bekannteren Flaggschiffe der „Corona-Hausse“ unter die Räder, als am 9. November die erste Meldung über einen nahen Impfstoff über die Nachrichtenticker lief. Wobei der Selloff bei STRATEC aus zwei Gründen besonders heftig ausfiel.

Zum einen, weil diese im SDAX notierte Aktie marktenger ist als andere, im Zuge dieses Runs nach scheinbar „sicheren Häfen“ gekaufte Aktien wie z.B. Sartorius oder Shop Apotheke. Zum anderen, weil STRATEC unmittelbar zuvor seine Bilanz vorgelegt hatte und diese mit Gewinnmitnahmen beantwortet wurde. Die Aktie war also ohnehin gerade auf dem Weg nach unten, das hat die Verkäufe als Reaktion auf die Impfstoff-Meldung intensiviert. Aber ist dadurch jetzt wirklich ein Deckel drauf … oder können die Bullen noch einmal zurückkommen?

Expertenmeinung: Das könnten sie durchaus. Zum einen fielen die Anfang November vorgelegten Neun-Monats-Zahlen überzeugend aus. Der Umsatz legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent zu, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg um 40 Prozent. Und wenn die Analysten Recht behalten, wird der Gewinn 2021 noch einmal um 20 Prozent anziehen. Für das laufende Jahr weist die Aktie damit auf Basis des aktuellen Kurses ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 40 aus, das ist angesichts dieser Gewinndynamik nicht teuer. Warum aber kam es dann zu diesem Abgabedruck?

Weil STRATEC zuvor extrem gestiegen war. Sie hatte einfach nach obnen überzogen und was massiv überkauft. Vom März-Tief bei 46,60 Euro bis hinauf zum Verlaufsrekord bei 144,60 Euro, erreicht am Morgen der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen, war es ein Plus von 210 Prozent. Da konnte es nicht wundern, dass einige Anleger trotz dieser starken Bilanz ihren Einsatz vom Tisch nehmen wollten und sich ausgerechnet da, nach einer solchen Hausse, erst einmal nicht genug Käufer in einer relativ marktengen Aktie fanden. Aber:

Dieser Abverkauf wurde genau dort aufgefangen, wo er aufgefangen werden musste um zu verhindern, dass die Einstufung von „nicht mehr bullisch“ in „bärisch“ überging. Dort, wo die Aktie Anfang September nach oben drehte, als zum ersten Mal aus einer überhitzten Rallye die Luft herausgelassen wurde. Dort, wo Anfang April ein markantes Zwischenhoch entstand, das damit zum zweiten Mal seine Tragkraft bewies. Und wo zugleich die 200-Tage-Liknie diese Unterstützungslinie verstärkte: bei 93 Euro.

Solange diese Linie hält, haben die Bullen noch alle Chancen, den Kurs erneut nach oben in Marsch zu setzen. Aktiv bullisch wäre das Chartbild zwar erst, wenn die nächstliegende Widerstandszone bei 120/121 Euro zurückerobert wäre. Aber das zu schaffen, bleibt durch die Verteidigung der mittelfristig entscheidenden Supportlinie bei 93 Euro eben weiterhin möglich.

Chart vom 19.11.2020, Kurs 112,00 Euro, Kürzel SBS | Online Broker LYNX

STRATEC ist ein Medizintechnik-Unternehmen, das vor allem für die Bereiche klinische Diagnostik und Biotechnik fertigt. Damit bewegt sich STRATEC in einer Wachstumsbranche, die bislang von der Rezession nicht beeinträchtigt wurde und gute Chancen hat, auch weiterhin kräftig wachsen zu können. Das belegten auch die Bilanzdaten zum zweiten Quartal. Während andere Branchen durch Lockdown und Rezession massiv in die Knie gingen, konnte STRATEC gegenüber dem Vorjahresquartal ein leichtes Wachstum beim Umsatz vermelden. Und der Gewinn stieg sogar deutlich, vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) ging es da um beeindruckende 37 Prozent nach oben.

Diese erfreuliche Entwicklung führte dazu, dass STRATEC die eigene Prognose für das laufende Jahr bereits zweimal anhob. Nach einer ersten Anpassung der Ziele im Mai hob man Mitte August die Erwartung für den Umsatz auf eine Spanne von +14 bis +18 Prozent an, die Perspektive für die Marge liegt jetzt in einer Range zwischen 15,5 bis 16,5 Prozent, die hatte zuvor bei 15 Prozent gelegen. In einem Umfeld, in dem sich bei vielen Branchen gerade herausstellt, dass die Hoffnung der Investoren, dass die Krise schnell und restlos bereinigt werde, überzogen war, ist ein solches Unternehmen für Anleger natürlich interessant.

Expertenmeinung: Doch eine Einbahnstraße ist auch STRATEC nicht. Gegenüber dem Jahresende 2019 hatte sich der Kurs Ende August mehr als verdoppelt. Das war ein ziemlich satter Aufschlag auf den Umstand, dass hier die Unternehmensgewinne steigen, während sie woanders fallen. Momentan erwarten die Experten, dass STRATEC im laufenden Jahr etwa 30 Prozent mehr verdient, 2021 dann noch einmal 20 Prozent auf die 2020er-Gewinne obendrauf kommen. Tadellos, aber damit war der Kurs weit schneller gestiegen als der Gewinn … ein zuletzt typisches Phänomen für Aktien, die als „sicherer Hafen“ gesehen werden – mit der nicht minder typischen Folge, vor allem bei eher marktengen Aktien wie dieser:

STRATEC brach Ende August scharf ein, nur, weil ein Analyst der Ansicht war, dass die Aktie kurzfristig überzogen hatte und seine Einschätzung von „Halten“ auf „Verkaufen“ setzte. Auf einmal erinnerten sich viele an die Erkenntnis, dass keine Aktie nonstop steigt und wollten aussteigen, zugleich waren die Käufer rar. STRATEC sackte in wenigen Tagen vom Verlaufsrekord bei 128,80 Euro bis 93 Euro durch. Genau dort drehte die Aktie aber an wichtigen Unterstützungen, was unterstrich, dass so einige Marktteilnehmer die Aktie auf der Watchlist haben und bei günstigen Gelegenheiten zugreifen.

STRATEC verteidigte die im Frühjahr markierten Hochs des ersten Aufwärtsimpulses und eroberte umgehend die mittelfristige Aufwärtstrendlinie zurück. Seither dominieren vorsichtige, zugleich aber stetige Käufe das Kursbild. Ob man diesem erneuten Anstieg noch hinterherlaufen sollte, ist fraglich, nicht zuletzt mit Blick auf die bereits wieder überkaufte Markttechnik (im Chart unten eingeblendet der Stochastik-Oszillator). Aber sollte eine erneute Korrektur an wichtige Unterstützungen erneut zu deren Verteidigung führen, wäre das allemal eine interessante Basis, um mit Stoppkursen knapp unterhalb der dann verteidigten Supportmarken auf den Zug aufzuspringen.

Chart vom 25.09.2020, Kurs 117,40 Euro, Kürzel SBS | Online Broker LYNX