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Nemetschek Aktie Prognose Nemetschek am Scheideweg: Absturz oder Einstiegschance? 

News: Aktuelle Analyse der Nemetschek Aktie

In diesem Artikel
Nemetschek
ISIN: DE0006452907
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Ticker: NEM -,-- %
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Börse: --

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Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral
Zur Nemetschek Aktie

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

Die Nemetschek-Aktie ist massiv eingebrochen, doch ausgerechnet jetzt könnte sich ein genauer Blick auf das Unternehmen lohnen. 

Ganz schlechter Moment 

Für die Aktionäre von Nemetschek waren die letzten Monate kein Zuckerschlecken. Die Aktie ist innerhalb kürzester Zeit von fast 140 auf 50 Euro eingebrochen – und das mit kaum einer nennenswerten Gegenwehr. 

Doch seit einiger Zeit zeigen die Bullen Gegenwehr. Es läuft ein Bodenbildungsversuch, der bis vor wenigen Tagen noch äußerst aussichtsreich erschien.

Nemetschek Aktie: Chart vom 10.09.2026, Kurs: 59,75 EUR – Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 10.09.2026, Kurs: 59,75 EUR – Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Doch dann scheiterte die Aktie an der 70-Euro-Marke. Ein Anstieg über diese Marke wäre für die Bullen ein echter Durchbruch gewesen, doch leider ist dieser nicht geglückt.

Die Bären haben das Ruder wieder übernommen und könnten den nächsten Angriff auf den mehrjährigen Aufwärtstrend starten. Fällt die Aktie unter 50 Euro, würde sich das Chartbild nachhaltig eintrüben.

Können die Aufwärtstrends jedoch gehalten werden, könnte es sich womöglich um eine ideale Einstiegsmöglichkeit handeln.

Entscheidend ist, was dahintersteckt

Wo der Kurs jedoch langfristig stehen wird, hängt von einem anderen Faktor ab: Dem Geschäftsmodell und den daraus resultierenden Ergebnissen in den kommenden Jahren.

Um einschätzen zu können, wie diese Zukunft aussehen könnte, muss man verstehen, dass Nemetschek längst mehr als ein Anbieter von Software für Architekten ist. Das Unternehmen entwickelt sich zunehmend zu einer vertikalen Softwareplattform für die gesamte Wertschöpfungskette der Bauindustrie.

Die Produkte begleiten Projekte von der Planung und Gestaltung über die eigentliche Bauphase bis hin zum Betrieb und zur späteren Renovierung. Nemetschek versucht nicht nur, einzelne Softwareprodukte zu verkaufen, sondern die verschiedenen Schritte eines Bauprojekts digital miteinander zu verbinden.

Dafür ist die Struktur des Konzerns entscheidend. Nemetschek ist eine Sammlung etablierter Spezialisten. Graphisoft steht mit Archicad für die Planung, Vectorworks und Allplan decken weitere Bereiche von Architektur und Ingenieurwesen ab, Bluebeam digitalisiert Dokumentation und Zusammenarbeit im Bauprozess, GoCanvas bringt mobile Workflows direkt auf die Baustelle und Solibri unterstützt die Prüfung von BIM-Modellen. Maxon wiederum ist mit seinen Lösungen für Rendering, Animation und visuelle Effekte stärker im Medienbereich positioniert.

 Diese dezentrale Markenstruktur ist kein Nachteil, sondern ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells. Die einzelnen Produkte sind tief in den Arbeitsabläufen ihrer Kunden verankert. Wer jahrelang mit Archicad, Allplan oder Vectorworks arbeitet, wechselt nicht einfach den Anbieter. Dafür müssten Mitarbeiter geschult, bestehende Daten übertragen, Arbeitsabläufe angepasst und Schnittstellen neu aufgebaut werden.

Darauf kommt es wirklich an

Je stärker Software in den täglichen Prozess integriert ist, desto höher sind die Wechselkosten und umso höher sind Kundenbindung und Preissetzungsmacht.

All das hat dazu beigetragen, dass sich das Geschäft langfristig außerordentlich stark entwickelt hat, auch wenn das Kursgeschehen etwas anderes vermuten lässt.

In den letzten fünf Geschäftsjahren konnte der Umsatz von 681 Mio. Euro auf 1,19 Mrd. Euro erheblich gesteigert werden. Das Ergebnis hat sich in dieser Zeit in jedem Jahr verbessert und kletterte von 1,17 auf 1,88 Euro je Aktie.

Die Dividende wurde von 0,39 auf 0,68 Euro je Aktie erhöht. Darüber hinaus hat das Unternehmen im vergangenen Jahr damit begonnen, die Kursschwäche zu nutzen und eigene Aktien einzuziehen.

Das eigentliche Bild ist komplexer

Die starke Entwicklung wird jedoch von Sondereffekten überlagert, die scheinbar Nervosität an der Börse verursachen. Abgesehen davon, dass Nemetschek als möglicher KI-Verlierer betrachtet wird, wurde mit HCSS ein größerer Zukauf getätigt und gleichzeitig läuft eine Umstellung von Lizenzen und Serviceverträgen auf Subskriptionen und SaaS.

Das erschwert die Vergleichbarkeit der Geschäftszahlen, was in vielen Fällen zu Kursdruck führt.

Darüber hinaus wirkt die Geschäftsentwicklung durch die Umstellung des Geschäfts auf den ersten Blick schwächer als sie ist, weil Umsätze nicht mehr vollständig zu Beginn eines Vertrags erfasst werden.
Wirtschaftlich wird das Geschäft dadurch jedoch attraktiver. Wiederkehrende Erlöse machen die Entwicklung planbarer, erhöhen die Visibilität und verbessern langfristig die Qualität des Cashflows.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache

Während an der Börse die Zweifel überwiegen, scheint sich das Geschäft von Nemetschek weiterhin gut zu entwickeln.
Im ersten Halbjahr konnte der Umsatz währungsbereinigt um 14,5 % auf 327,7 Mio. Euro gesteigert werden. Im Bereich Subskription/SaaS kletterte der Umsatz um 29,6 % auf 266,4 Mio. Euro. Die Umstellung des Geschäftsmodells ist demnach weitgehend abgeschlossen.

Gleichzeitig hat sich die Marge verbessert, wodurch der Konzernüberschuss um 29,9 % auf 126,4 Mio. Euro gesteigert werden konnte. Das Ergebnis verbesserte sich von 0,84 auf 1,09 Euro je Aktie. Vor Abschreibungen lag das Ergebnis sogar bei 12,5 Euro je Aktie.

Um das Wachstum auch in Zukunft weiter voranzutreiben, wurde HCSS integriert. Mit der Markteinführung von Bluebeam Max, der ersten umfassenden agentenbasierten KI-Lösung der Nemetschek Group für den Bausektor, wurde ein wichtiger Meilenstein bei der Umsetzung der KI-Strategie erreicht.

Gewinnsprung und Rekordergebnis erwartet

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde bestätigt. Nemetschek erwartet weiterhin ein organisches Umsatzwachstum von 14 bis 15 %, ohne den Zukauf von HCSS.

Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 19 % auf 2,22 Euro je Aktie steigen.
Nachdem Nemetschek den Gewinn im ersten Halbjahr um 30 % steigern konnte und in diesem Zeitraum bereits ein Ergebnis von 1,09 Euro je Aktie erzielt hat, erscheint diese Schätzung plausibel und konservativ zu sein.

Sollten die Erwartungen erfüllt werden, kommt Nemetschek auf ein KGVe von 26,8. In Anbetracht der hohen Wachstumsraten und der vorliegenden Informationen scheint das vertretbar zu sein.
Im langjährigen Durchschnitt lag das KGV von Nemetschek bei 52.

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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 10.09.2026 um 14:17 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Mehr als 13.000 Investoren & Trader folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants.

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Vorherige Analysen der Nemetschek Aktie

28.08.2026
08:23 Uhr

Nemetschek: Ein Nachzügler geht an die Startlinie — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.08.2026 um 21:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Kann es in einem Markt, in dem so viele Informationen für alle verfügbar sind und der derart „bevölkert“ ist wie der Aktienmarkt, Aktien geben, die von den Anlegern längere Zeit einfach übersehen werden? Bei Nemetschek neigt man dazu, zu antworten: Ja, das kommt vor, aber:

Dieser Schein könnte trügen. Die Ausgangslage: Bereits seit einigen Wochen sind die meisten Aktien aus dem Software-Sektor wieder gesucht. So haben beispielsweise SAP, ATOSS Software oder TeamViewer ihre 200-Tage-Linien längst wieder überboten, weil die zuvor monatelange Argumentation des bärischen Lagers, dass die Softwarebranche unter dem Siegeszug der KI erheblich leiden werde, offenbar nicht ansatzweise so heiß gegessen werden muss, wie man es zwischen Ende Januar und Ende Juli gekocht hatte. Doch die Aktie des Bau- und Architektursoftware-Entwicklers Nemetschek blieb auffällig zurück. Bis gestern.

Mit einem Plus von 9,85 Prozent wurde die Aktie mit Abstand Tagessieger im MDAX ebenso wie im TecDAX. Die überzeugenden Bilanzzahlen des US-Softwarekonzerns Salesforce hatten weitere Zweifler zurück ins Käufer-Lager geholt, die Aktien der Branche waren am Donnerstag allgemein gesucht. Aber keine Aktie zog so stark an wie Nemetschek. Doch damit ist sie bislang in Bezug auf eine charttechnische Aufwärtswende nur an die Startlinie gegangen, vollendet ist die Wende noch nicht. Worum geht es?

Expertenmeinung: Das Chartbild zeigt: Die bei 69,70 Euro verlaufende 200-Tage-Linie wurde durch die Käufe des Donnerstags überboten, aber noch ist die Widerstandszone, die für die Vollendung der monatelangen Bodenbildung ebenfalls bezwungen sein muss, nur erreicht: der Bereich zwischen 69,50 und 73,10 Euro.

Nemetschek Aktie: Chart vom 27.08.2026, Kurs 71,40 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 27.08.2026, Kurs 71,40 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Bleiben die Käufer jetzt dran, könnte das zügig gelingen. Die Frage ist indes: Würde ein solches, bullisches Signal Anschlusskäufe hervorbringen und damit die Wende zementiert werden … oder müsste man fürchten, dass der Aufwärtsimpuls als Bullenfalle endet?

Ginge es alleine nach den Analysten, könnte man seine Skepsis begraben, denn 14 der 18 die Aktie derzeit bewertenden Analysten stufen sie als kaufenswert ein. Zugleich liegt das durchschnittliche Kursziel dieser Experten mit 85 Euro ein gutes Stück über dem letzten Kurs. Aber es geht eben nicht alleine nach den Analysten. Denn wäre es so, wäre die Nemetschek-Aktie in Bezug auf die Erholung der Software-Aktien kein solcher Nachzügler geworden.

Aber was mag die Akteure dann dazu bewogen haben, andere Software-Aktien deutlich entschlossener einzusammeln als diese? Könnte es wirklich sein, dass man Nemetschek nur „übersehen“ hat? Bei einer kaum gehandelten Aktie außerhalb der größeren Indizes kann so etwas wirklich mal vorkommen. Aber nicht bei Nemetschek, die in TecDAX und MDAX gleichzeitig notiert ist und 2021 und dann 2023 bis 2025 erneut zu den Publikumslieblingen gehörte. Zwar erlebt man regelmäßig, dass viele Anleger zögern, wenn eine Aktie zurückbleibt, weil sie glauben, andere wissen mehr als sie, sodass das kurzfristige Ausbleiben eines Impulses tatsächlich dazu führen kann, dass eine Aktie eine Zeit lang nicht ins Laufen kommt. Aber bei Nemetschek gibt es durchaus einen Aspekt, der diese bisherige Zurückhaltung begründen könnte:

Die Bewertung. Denn die lag jahrelang deutlich höher als in der Branche üblich. Für Software-Aktien gilt als Faustregel ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) um die 30, je nach Gewinndynamik mal etwas mehr, mal etwas weniger. Bei Nemetschek sah man in früheren Jahren aber oft KGVs über 60, teilweise ging es bis 100. Nur ist das nach dieser massiven Korrektur nicht mehr der Fall. Der Gewinn stieg in dieser Zeit, der Kurs fiel zugleich. Das Ergebnis: Das KGV der Aktie liegt jetzt um 32. Nicht „billig“, aber eben auch kein Grund mehr, die Aktie links liegen zu lassen.

Sollte diese Erkenntnis, die bisweilen in der Tat Zeit braucht, bis sie alle erreicht, eine nennenswerte Rolle bei der Donnerstags-Rallye gespielt haben, dann hätte die Aktie in der Tat eine Chance, diese Trendwende mit Schlusskursen über dieser jetzt angegangenen Widerstandszone von 69,50 bis 73,10 Euro zu vollenden und den Ausbruch auch zu verteidigen. Sollte das gelingen, wäre die nächste Charthürde von Bedeutung erst wieder bei 87,20 Euro zu finden. Wo die Aktie dann zwar vom KGV her nicht mehr billig wäre … aber wie man die Lage dann einschätzt, muss man dann sehen. Erst einmal gälte es, den Weg dorthin mit weiteren Kursgewinnen freizumachen … ob das gelingt, werden die kommenden Handelstage zeigen.

Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

17.08.2026
08:13 Uhr

Nemetschek: Mit fremden Flügeln unterwegs zur Wende? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 14.08.2026 um 22:59 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Mit +8,43 Prozent gelang es, bei der Nemetschek-Aktie eine am Vorabend noch gefährdete Unterstützungszone zu verteidigen. Das ist ein positives Signal. Aber dessen Auslöser stellt die Frage in den Raum: Wie weit kommt man, wenn man mit fremden Flügeln fliegen will?

Von Nemetschek kamen am Freitag keine neuen Nachrichten. Die kamen aus den USA, von der US-Software-Firma Workday. Oder besser: Es waren Meldungen über dieses Unternehmen, denn die Nachrichtenagentur „Reuters“ hörte von „mit der Angelegenheit vertrauten Personen“, dass die Private Equity-Gesellschaft Silver Lake Gespräche über eine Übernahme von Workday führe. Was hat das mit Nemetschek zu tun?

Unmittelbar gar nichts, außer, dass Workday und Nemetschek beide im Softwaresektor agieren. Das Argument, das Nemetschek und auch einigen anderen Software-Aktien zu diesem Kurssprung verhalf, dürfte gewesen sein, dass der dramatische Druck auf die Kurse durch die Behauptung, KI werde der Branche das Wasser abgraben, offenbar große Adressen wie Silver Lake auf den Plan gerufen hat. Adressen, die nicht zuletzt aufgrund der oft starken Bilanzen in der Branche ohne Hinweise darauf, dass KI sich negativ auswirkt, erkennen, dass sich da eine Chance ergibt, zu niedrigen Kursen an hoch interessante Unternehmen zu kommen.

Und da Nemetschek von einer vor einem Jahr noch überzogen hohen Bewertung mittlerweile auf ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 25/26 gerutscht ist, das man als fair bis sogar günstig einordnen könnte, mögen einige auch diese Aktie als potenzielles Objekt der Begierde von Private Equity-Firmen gesehen haben, aber:

Expertenmeinung: Zunächst einmal hieß es, dass die Gespräche zwischen Silver Lake und Workday schon seit Monaten laufen. Und zum Stand der Verhandlungen gab es keine Kommentare seitens der Beteiligten. Darüber hinaus ist Workday im Bereich Personal-Software aktiv, Nemetschek im Sektor Bau- und Architektursoftware. Und dann wäre da natürlich die Frage, ob ein solcher Schritt für Nemetschek überhaupt infrage kommen würde. Denn ja, käme es zu einem Übernahmeangebot, müsste der Interessent einen lukrativen Preis für die Aktien anbieten, der klar über dem aktuellen Kursniveau liegt. Aber dazu käme es nur, wenn Nemetschek mitspielt. Und bislang ist nicht bekannt, dass da überhaupt jemand ernsthaft an das Unternehmen herangetreten wäre.

Damit war dieser kräftige Satz der Aktie nach oben einer, der mit fremden Flügeln erfolgt ist. Und das ist gemeinhin keine vertrauenerweckende Basis für eine nachhaltige Aufwärtswende, zumal die aus charttechnischer Sicht noch gar nicht zur Diskussion stünde.

Dieses Plus des Freitags hat erreicht, dass der Kurs sich aus der Unterstützungszone 55,00 zu 57,34 Euro nach oben lösen konnte. Was dringend geboten war, immerhin war im Vorfeld eine Rallye abverkauft worden und führte Nemetschek in diese Zone zurück, von der sie sich seither nicht hatte lösen können. Aber für ein echtes, bullisches Signal reicht es nicht, Unterstützungen zu halten, da müssen Widerstände aus dem Weg geräumt werden. Und da kommt es auf den Bereich 69,50 zu 73,10 Euro an.

Nemetschek Aktie: Chart vom 14.08.2026, Kurs 61,75 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 14.08.2026, Kurs 61,75 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Bis dorthin wäre es noch ein weiter Weg … und auch, wenn die Analysten für Nemetschek mehrheitlich bullisch sind und deren durchschnittliches Kursziel von 85 Euro meilenweit über dem derzeitigen Kursniveau liegt: Alleine mit diesen fremden Flügeln, die nicht einmal eine zwingende Verbindung mit Nemetschek haben, an und über diese Charthürden zu gelangen, wirkt derzeit nicht realistisch. Denkbar wäre, dass dieser Kurssprung mehr Blicke auf diese Aktie gezogen hat und das dem Kurs beim Fortkommen hilft. Aber solange der Abwärtstrend an sich noch intakt ist, wäre auch das erst einmal nur eine Chance, in den kommenden Wochen an die entscheidenden Kurslevels heranzukommen.

Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

31.07.2026
08:06 Uhr

Nemetschek: Zu früh gefreut? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.07.2026 um 22:09 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Nemetschek legt seine Quartalsbilanz vor und die Aktie bricht um 13,69 Prozent ein. Ein Großteil der viertägigen Rallye zuvor ist dadurch wieder abverkauft. Doch bedeutet das, dass sich das Bärenlager wieder durchsetzt und die Aktie auf neue Jahrestiefs drücken könnte?

Unmöglich ist an der Börse, das weiß man ja, definitiv nichts. Aber dass dieser Sell-off des Donnerstags der Beginn eines neuen, größeren Baisseschubs sein wird, ist noch lange nicht raus. Denn die Argumente, die man für weiteren Abgabedruck hätte, wirken nach einem genaueren Blick in diese Bilanz dünn.

Argumentiert wurde damit, dass der Entwickler von Bau- und Architektursoftware zwar in Sachen Umsatz mit einem Plus von nicht währungsbereinigt 13,0 Prozent auf 327,7 Millionen Euro über den Analystenerwartungen lag, beim operativen Gewinn, gerechnet als EBITDA, aber nicht. Da wurden 11,5 Prozent erreicht, das waren 98,6 Millionen Euro. Der Grund für den weniger stark als der Umsatz gestiegenen operativen Gewinn war natürlich eine gesunkene Gewinnmarge: Die EBITDA-Marge fiel auf 30,1 Prozent nach 30,5 Prozent im Vorjahresquartal. Das wäre ein Warnsignal, wenn der Druck auf die Gewinnspanne operative Gründe hätte. Aber das hatte er eben nicht.

Expertenmeinung: Hier gab es zwei Faktoren, die die Gewinnspanne schmälerten. Zum einen waren das Kosten, die durch die Akquisition des US-Softwareunternehmens HCSS entstanden sind. Das sind aber Einmalaufwendungen, die in den kommenden Quartalen vom Tisch sind und nichts mit dem unternehmerischen Erfolg zu tun haben. Zum anderen ging es da um eine – um den Text der Quartalsmeldung zu zitieren – „stichtagsbezogene Neubewertung von in nichtfunktionaler Währung gehaltenen Bilanzpositionen einer einzelnen Konzerngesellschaft infolge der erheblichen und unerwarteten Wechselkursschwankungen im zweiten Quartal“. Was ebenfalls eine einmalige Belastung darstellt.

Rein vom Basisgeschäft her läuft es bei Nemetschek eher besser als seitens der Analysten im Vorfeld vermutet. Immerhin lag der Gewinn pro Aktie für das zweite Quartal mit 0,57 Euro höher als die im Schnitt prognostizierten 0,55 Euro – ein Ergebnis, das zudem deutlich über den im Vorjahreszeitraum erzielten 0,45 Euro lag. Dementsprechend behielt das Unternehmen auch die bestehende Prognose für 2026 bei, die neben einem Umsatzwachstum von 14 bis 15 Prozent – exklusive des Beitrags des Zukaufs HCSS – eine EBITDA-Gewinnmarge zwischen 32 und 33 Prozent vorsieht, nach 31,2 Prozent im Vorjahr.

Das war also kein taugliches Argument, der Aktie ein derartiges Minus zu verpassen. Und diese Ansicht hatten offenbar auch die beiden Experten, die ihre Kursziele auf Basis der Bilanzzahlen noch am selben Tag überprüften. Zwar senkte man bei MWB Research das Ziel von 95 auf 91 Euro. Aber das mit dem Zusatz „Kaufen“. Und bei JPMorgan blieb man bei 110 Euro, natürlich mit Blick auf den Abstand zum aktuellen Kurs ebenso mit der Einschätzung „Kaufen“. Insgesamt raten hier derzeit 13 von 18 Analysten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 85 Euro. Allein: Die Aktie ist nicht bullisch.

Zwar war sie das auch vor diesem herben Minus noch nicht, weil die entscheidende, mittelfristig relevante Widerstandszone zwischen 69,50 und 73,70 Euro durch die vorherige Kaufwelle zwar näher gerückt, aber noch nicht überboten worden war. Aber jetzt ist man hier in die Defensive gedrängt und muss seitens des bullischen Lagers zusehen, dass die Supportzone zwischen 54 und 57 Euro nicht bricht. Da könnten sich also einige in Sachen Aufwärtswende zu früh gefreut haben, aber:

Nemetschek Aktie: Chart vom 30.07.2026, Kurs 58,00 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 30.07.2026, Kurs 58,00 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Verschoben ist nicht unbedingt aufgehoben. Und angesichts des Umstands, dass hier auf ein kleines Haar in der Suppe ein großes Minus erfolgt ist, erscheint der Gedanke, sich hier auf der Short-Seite zu betätigen, äußerst gewagt.

Quellenangaben:
Ergebnis des 2. Quartals 2026, 30.07.2026: https://ir.nemetschek.com/nachrichten/nemetschek-group-erfolgreiches-1-halbjahr-2026-mit-weiterhin-starkem-profitablem-wachstum/2beb0dfe-0064-4831-9563-c44e7fa899e8
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

12.06.2026
08:20 Uhr

Nemetschek: Hier zahlt sich Trading-Disziplin aus — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 11.06.2026 um 22:42 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Wenn eine zuvor zu hoch bewertete Aktie eine umfassende Korrektur sieht, die Bewertung wieder eher günstig ist und die Analysten-Kursziele weit über dem Kurs liegen, wird man in Sachen Aufwärtswende leicht ungeduldig. Aber bei Nemetschek ist nun einmal Geduld nötig.

Manchmal kann man es als Gewinn verbuchen, wenn man aufgrund disziplinierten Tradings nichts verliert. Bei der Nemetschek-Aktie gab es in den vergangenen Wochen zahlreiche Situationen, die Trader zu voreiligen Aktionen verleiteten. Aktuell hätte es die Bullen getroffen:

Anfang Juni sah es so aus, als würde jetzt endlich der Ausbruch über die Zwischenhochs der vergangenen Monate gelingen. Die Aktie des Entwicklers von Bau- und Architektur-Software schob sich in die obere Begrenzungszone der seit Februar andauernden Seitwärtsspanne bei 69,50 zu 73,10 Euro … und scheiterte. Und nicht nur das:

Nemetschek Aktie: Chart vom 10.06.2026, Kurs 57,10 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 10.06.2026, Kurs 57,10 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Der fehlgeschlagene Ausbruchsversuch erzeugte frischen Abgabedruck, der die Aktie jetzt bereits nahe an das untere Ende der Handelsspanne im Bereich 55,00 bis 57,34 Euro gedrückt hat. Ausbruch nach unten statt nach oben? Rein aus fundamentaler Sicht wäre das nicht logisch unterfüttert, denn:

Es gab keine neuen Nachrichten, Kursziele oder Bilanzdaten zwischen dem Ausbruchsversuch nach oben und dem aktuellen Rutsch Richtung „Keller“. Wenn es Argumente für einen Befreiungsschlag gab, dann wären die also immer noch vorhanden … dementsprechend müsste das Abwärtspotenzial eher limitiert sein bzw. diese Supportzone halten. Oder?

Expertenmeinung: Würde es an der Börse immer streng logisch zugehen, wäre das so. Das tut es aber höchst selten. Hier geht es nicht um Analysten-Kursziele (der Schnitt für Nemetschek liegt derzeit mit 94 Euro weit über dem Kurs) oder Bewertungen (das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist auf Basis der 2026er-Konsens-Gewinnschätzung mit 26 im Vergleich zu früheren Jahren niedrig). Es geht darum, in welche Richtung kurzfristige Trader die besseren Chancen für Gewinne sehen.

Je länger eine Seitwärtsbewegung anhält, desto größer wird üblicherweise der Anteil derer, die auf extrem kurzfristiger Ebene agieren und dadurch auch mit relativ kleinen Kursgewinnen zufrieden sind. Diese „Range-Trader“, die innerhalb der Handelsspanne operieren, bestimmten dann meist das Tagesgeschäft. Was auch hieße: Sofern keine neuen Argumente für einen Ausbruch nach unten kommen sollten, könnte die Nemetschek-Aktie diese jetzt anvisierte Supportzone halten und wieder nach oben drehen.

Aber sich darauf zu verlassen, wäre ebenso riskant, wie sich sicher zu sein, dass es „diesmal bestimmt klappt“ mit dem Ausbruch aus der Spanne, wenn die Aktie auf deren oberes oder unteres Ende zusteuert. Wer genau das bei dem so dynamisch wirkenden Start dieser und anderer Software-Aktien in den Juni dachte, hat jetzt feststellen müssen: Trading-Disziplin und damit die Geduld, zu warten, bis aus einem „Vielleicht“ ein Fakt wird, ist gerade in solchen Situationen zwingend, was zum Fazit führt:

Nemetschek könnte weiterhin in beide Richtungen ausbrechen, wobei Bewertung, Wachstum und Analysten der Oberseite mehr Argumente liefern würden. Aber erst, wenn ein Ausbruch wirklich vollzogen wurde, kann man hier sinnvoll und mit tauglichen Stoppkursen agieren. Bis dahin wäre es unbedingt angeraten, sich auf die Beobachterrolle zu beschränken!

Quellenangaben: Analysten-Kursziele: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

02.06.2026
08:24 Uhr

Nemetschek: Sind die Käufer gekommen, um zu bleiben? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 01.06.2026 um 22:20 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Sieht man sich die Verliererliste des TecDAX seit Jahresbeginn an, stellt man fest: Sie setzt sich fast durchweg aus Aktien des Software-Sektors zusammen … Nemetschek liegt auf Platz 4 der „Biggest Loser“. Aber gestern ging ein Ruck durch den Kurs: Könnte das die Wende sein?

Um es gleich vorwegzunehmen: Es könnte die Wende werden, noch ist es definitiv keine. Denn der Blick auf den Chart macht deutlich, dass sich die Aktie des Entwicklers von Bau- und Architektursoftware durch das unstrittig beeindruckende Plus von 8,74 Prozent zwar aus einer kleinen Dreiecksformation nach oben hinausbegeben hat.

Nemetschek Aktie: Chart vom 01.06.2026, Kurs 67,20 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 01.06.2026, Kurs 67,20 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Aber um die dadurch fortgeführte Bodenbildung abzuschließen, müsste der Kurs ganz aus seiner Handelsspanne der vergangenen vier Monate hinaus – und dazu braucht es Schlusskurse über 73,10 Euro. Aber man könnte immerhin sagen: Man ist auf dem Weg dorthin. Die Frage ist:

Kann daraus wirklich eine Aufwärtswende werden? Wurden die Software-Aktien nicht seit Ende Januar massiv gedrückt, weil man sich sagte, dass die KI dieser Branche erheblich zusetzen werde? Und sind Aussagen, die das als überzogen oder sogar als falsch einstuften, nicht bislang ignoriert worden? Warum sollte das jetzt auf einmal anders werden?

Expertenmeinung: Das muss nicht anders werden – und wenn diese „KI-Angst“ erhalten bliebe, hätten nachhaltige Aufwärtswenden vorerst keine guten Chancen. Aber es könnte anders werden. Denn Szenarien wie diese „KI-Angst“, die auf Annahmen basieren, sind sehr davon abhängig, ob das Chartbild sie unterstützt. Wenn die Kurse fallen, ist die Akzeptanz automatisch höher, weil die Kurse diese Sichtweise ja scheinbar beweisen. Dreht der Trend jedoch, kann sich Berichterstattung und allgemeine Meinung sehr schnell wandeln. Die Kurse formen ganz und gar nicht selten die Art der Berichterstattung, statt umgekehrt.

Dass diese Käufe bei Nemetschek und vielen anderen Software-Aktien am ersten Tag eines neuen Börsenmonats erfolgten und zugleich kräftige Gewinnmitnahmen bei den im April und Mai favorisierten Halbleiter-Aktien zu beobachten waren kann darauf hindeuten, dass hier große Adressen umschichten. Das ist keine Garantie dafür, dass die Käufe bei Nemetschek weitergehen und die charttechnische Aufwärtswende dadurch gelingt. Die Chance wäre aber groß genug, um die Aktie im Auge zu behalten, denn Argumente hätte man ja mittlerweile durchaus.

So ist die Bewertung über das Kurs-/Gewinn-Verhältnis, die bei Nemetschek jahrelang viel zu hoch lag (Ende 2024 kam man da noch auf 62), mittlerweile auf 27 für die durchschnittliche 2026er-Gewinnschätzung der Analysten heruntergekommen. Und eben diese Analysten stufen die Aktie mehrheitlich als kaufenswert ein. Zugleich hatte der Kurs Mitte April das niedrigste aller Analysten-Kursziele von 55 Euro erreicht. Das durchschnittliche Kursziel liegt derweil bei aktuell 94 Euro und damit weit über dem derzeitigen Kurs.

Falls es gelingt, Nemetschek aus dieser Handelsspanne nach oben hinaus zu tragen und die Bodenbildung dadurch zu vollenden, ist also ein Deckel wegen der „KI-Angst“ nicht zwingend zu erwarten. Dieses Argument kann wiederkommen, muss es aber nicht. Aber einer Aufwärtswende vorzugreifen, wäre riskant – abzuwarten, ob diese Wende wirklich gelingt, wäre da der klar vernünftigere Weg.

Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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