Jenoptik: Da ist ein Deckel drauf … aber was ist mit der Falltür?

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Jenoptik
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Zur Jenoptik Aktie

Die Ergebnisse des dritten Quartals bei Jenoptik waren tadellos. Trotzdem wurden anfängliche Kursgewinne als Reaktion auf die Zahlen abverkauft. Da dürfte also erst einmal ein Deckel auf der Aktie sein. Die Frage ist, ob diese Reaktion auf die Bilanz für weitere Verkäufe sorgt.

Eigentlich war alles wie gewünscht. Der Umsatz des Optoelektronik-Spezialisten legte im dritten Quartal um knapp 25 Prozent zu. Der Auftragseingang lag über dem Umsatz, das Auftragsbuch wird also sukzessiv dicker. Der Gewinn zum Vorjahresquartal stieg überproportional, um 65 Prozent auf EBITDA-Basis und um 105 Prozent netto. Und die Gewinnmarge auf EBITDA-Basis lag mit ca. 21,6 Prozent über der derzeitigen, unternehmenseigenen 2021er-Prognose von 19,0 bis 19,5 Prozent. Was hätte man denn mehr erwarten können?

Nichts. Und das machte den Abverkauf der zunächst als Reaktion auf das Zahlenwerk ins Plus gelaufenen Aktie so bemerkenswert. Am Ende stand ein Minus von 4,5 Prozent zu Buche. Und am gestrigen Donnerstag, dem „Tag danach“, gelang es nicht, diese Abschläge aufzuholen. Warum ist hier der Wurm drin?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Jenoptik Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Denkbar ist, dass viele Akteure jetzt vorausblicken und sich fragen, ob sich das Wachstum, mit dem man jetzt an das sehr starke Jahr 2018 anknüpft, über 2021 hinaus so fortsetzen kann, dass nennenswert höhere Kurse gerechtfertigt sind. Zwar sehen die Analysten momentan eine moderate Fortsetzung des Wachstums im kommenden Jahr. Aber könnte das nicht durch den „Flaschenhals“, der immer mehr Branchen durch steigende Produktions- und Transportkosten ebenso wie durch reißende Lieferketten erfasst, aufgefressen werden?

Möglich wäre es. Sicher ist es nicht. Aber da Jenoptik im Zuge dieser Bilanz nur den bisherigen Ausblick für 2021 bestätigte, bleibt offen, wie es 2022 weitergeht. Ein Ausblick auf 2022 wäre wohl erst im Zuge der Bilanz zum vierten Quartal Anfang kommenden Jahres zu erwarten. Bis dahin bleiben also die Zweifel. Nur stellt sich die Frage, ob das ein hinreichender Grund wäre, selbst auszusteigen. Denn solange die Grundstimmung am Aktienmarkt nicht ins Negative kippt, wäre ein „vielleicht“ hinsichtlich den Gewinn bremsender Faktoren nicht zwingend ein Grund, warum auf abverkaufte Gewinne nahe am mehrjährigen Hoch zwingend weitere Abgaben folgen müssten.

Es würde sich anbieten, angesichts dieser unsicheren fundamentalen Perspektive vor allem die Charttechnik als Richtschnur zu nutzen. Und da wird deutlich: Die Jenoptik-Aktie stoppte den Abverkauf bislang auf Höhe einer zwischen 31,38 und 32,46 Euro liegenden Unterstützungszone. Würde die fallen, wäre der Ausstieg aus aggressiven Long-Positionen zumindest zu überlegen, denn dann wäre der Weg aus rein charttechnischer Sicht bis an die mittelfristige Leitlinie in Form der 200-Tage-Linie und der auf gleicher Höhe verlaufenden, mittelfristigen Aufwärtstrendlinie bei derzeit 27,70 Euro frei. Aber erst, wenn auch dieser mittelfristig relevante Support brechen sollte, wäre hier wirklich etwas angebrannt, für die Leerverkäufer wäre die Jenoptik-Aktie also bislang keine leichte Beute.

Jenoptik-Aktie: Chart vom 11.11.2021, Kurs 33,50 Euro, Kürzel JEN | Online Broker LYNX

 

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Eine Handelsspanne von knapp vier Prozent und am Ende ein kleines Plus von 0,6 Prozent: Das war nicht gerade eine klare Wegweisung, wie es mit der Jenoptik-Aktie weitergehen wird. Woran sollte man sich orientieren? An den vorgelegten Zahlen … oder an der Charttechnik?

Der Grund, weshalb das gestern vorgelegte Zahlenwerk zum zweiten Quartal nicht für größere Ausschläge sorgte, lag darin, dass der Optoelektronik-Konzern bereits am 15. Juli vorläufige Ergebnisse gemeldet und in einem Aufwasch auch die Gesamtjahresprognose angehoben hatte. Da begann die Rallye, welche die Jenoptik-Aktie von zuvor um 24 auf jetzt über 30 Euro geführt hat. Was gestern passierte, war aber nicht unwichtig. Denn jetzt, nachdem die Ergebnisse präzisiert wurden, stellte sich für viele Akteure die Frage, ob man, nachdem die Nachrichten auf dem Tisch liegen, kaufen/zukaufen, einfach halten oder aussteigen sollte?

Dass die Aktie Gewinnmitnahmen widerstand, ist daher gar nicht mal so schlecht, bedenkt man, dass es seit diesen Vorab-Daten Mitte Juli um gut 25 Prozent nach oben ging. Grundsätzlich ist also die ausgebliebene Rallye gestern kein Beinbruch. Aber wie geht es weiter? War die Bilanz stark genug, um der Aktie nach einem kurzen Atemholen noch weiteren Spielraum nach oben zu verleihen?

Expertenmeinung: Das ist in diesem Fall wirklich Ansichtssache, denn ja, Jenoptik könnte den bisherigen Rekordgewinn aus dem Jahr 2018 überschreiten, wenn alles gutgeht. Aber das ist eben noch offen. Denn das Unternehmen avisierte zwar Mitte Juli eine deutlich höhere als zuvor prognostizierte EBIDA-Gewinnmarge zwischen 19 und 19,5 Prozent. Aber die Umsatzprognose ist recht weit gefasst: Zwischen 800 und 900 Millionen Euro sollen es werden. 800 Millionen, das entspräche der vorherigen Prognose eines niedrigen, einstelligen Umsatzzuwachses. 900 Millionen hingegen wäre ein Umsatzplus von ca. 17 Prozent gegenüber 2020.

In letzterem Fall und bei einer 19,5prozentigen EBITDA-Marge wären Rekordgewinne drin und die Aktie auf dem aktuellen Niveau normal, aber noch nicht teuer bewertet. Dann wäre da noch Luft nach oben. Aber solange die Gesamtjahres-Perspektive so weit gefasst bleibt, ist das eben eine subjektive Angelegenheit: Wer bullisch ist, glaubt an das Best Case-Szenario, wer skeptisch ist, nicht. Also?

Also ist die Charttechnik hier in der Tat der derzeit bessere Wegweiser. Und da haben wir eine interessante Gemengelage, wie Sie in diesem längerfristigen Chart auf Wochenbasis sehen.

Jenoptik-Aktie: Chart vom 11.08.2021, Kurs 30,32 Euro, Kürzel JEN | Online Broker LYNX

Die Jenoptik-Aktie hat zwar per Mittwochabend die langfristige, 2018 etablierte Abwärtstrendlinie überboten. Aber noch ist die Handelswoche ja nicht zu Ende. Würde sich der Kurs bis Freitagabend solide über dieser Linie und den Hochs vom November 2019 und Februar 2021 halten, die zusammen mit dem Abwärtstrend zwischen 29,36 und 30,22 Euro eine charttechnische Schlüsselzone bilden, wäre es allemal möglich, dass die Käufer das dann freigewordene Potenzial bis 33,20 Euro ausloten, wo die obere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals warten würde.

Vorsicht wäre geboten, wenn die Aktie diese Zone 29,36/30,22 Euro auf Wochenschlusskursbasis wieder unterbietet, der Ausbruch also missling, egal, ob noch in dieser oder in einer der kommenden Wochen. Dann wäre es in jedem Fall zu erwägen, den Gewinn erst einmal mitzunehmen.

Das sieht konstruktiv aus, was die Jenoptik-Aktie am Dienstag zeigte. Mit +3,49 Prozent wurde sie unter hohen Umsätzen Tagessieger im TecDAX. Und die Charthürden, die es für einen Befreiungsschlag zu nehmen gälte, sind nahe. Es könnte aber einen Haken geben.

Das Zwischentief vom Juni lag höher als das vom Mai, das ist schon mal gut. Die mittelfristige, im Februar etablierte Abwärtstrendlinie wurde mit dem gestrigen Anstieg überboten, das ist ebenfalls tadellos. Der Trendfolge-Indikator MACD hat wieder auf Kauf gedreht und die entscheidende Widerstandszone, die durch die 200-Tage-Linie verstärkte Zone 25,15/25,40 Euro, ist dadurch in Schlagdistanz gekommen. Es sieht also gut aus für die Bullen. Und dass die Umsätze im Zuge dieses kräftigen Kursanstiegs recht hoch waren, ist ebenfalls positiv.

Trotzdem müsste man, sollte es gelingen, durch Schlusskurse klar über 25,40 Euro ein bullisches Signal zu generieren, zumindest auf der Hut sein. Wieso?

Jenoptik-Aktie: Chart vom 13.07.2021, Kurs 24,86 Euro, Kürzel JEN | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Weil Jenoptik nicht gerade auf einem dynamischen Wachstumspfad wandelt. Zwar avisiert das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatzzuwachs im niedrigen zweistelligen Bereich und eine 10 bis 15 Prozent steigende EBITDA-Marge. Aber die daraus ableitbare Schätzung eines Gewinns pro Aktie zwischen 1,13 und 1,15 Euro läge noch unter den 1,18 Euro aus dem Jahr 2019 und deutlich unter dem 2018 eingefahrenen Gewinn von 1,53 Euro pro Aktie.

Und seit diese im Mai bestätigte, Ende März mit den 2020er-Zahlen vorgelegte Prognose bekannt wurde, ging es mit der Aktie per Saldo bergab. Der seither höchste Kurs, der im Zuge eines im April gescheiterten Ausbruchsversuchs erreicht wurde, lag nur bei 27,38 Euro. Warum sollte die Jenoptik-Aktie also, wenn der Sprung über die charttechnisch in der Tat wichtige Hürde im Bereich 25,15/25,40 Euro gelingt, diesmal weiter nach oben laufen und sich auf einem entsprechend höheren Niveau halten?

Das wäre dann möglich, wenn das Ergebnis des zweiten Quartals überzeugt, wenn es besser als erwartet ausfällt und eine Anhebung der unternehmenseigenen Prognose nach sich zieht. Aber falls Jenoptik keine vorläufigen Ergebnisse weiterreicht, stünde dieser Bilanztermin erst in vier Wochen an … die charttechnische Entscheidung aber jetzt. So gesehen:

Ja, wenn Jenoptik diese Hürde 25,15/25,40 Euro nimmt, wäre das ein definitiv bullisches Signal. Solange aber von Seiten der Bilanzzahlen keine Rechtfertigung eines solchen Befreiungsschlags kommt, wären enge Stoppkurse auf der Long-Seite zwingend.

Mittelfristiger Aufwärtstrend kontra kurzfristiger Abwärtstrend: Die Jenoptik-Aktie läuft in die Spitze eines aus diesen Linien zusammengesetzten Dreiecks hinein. Eine mittelfristige Trendentscheidung steht an … und sie kann jetzt jederzeit fallen!

Die durchschnittliche Gewinnschätzung der Analysten sieht derzeit die Rückkehr zum Gewinnlevel des Jahres 2019, d.h. man erwartet, dass das Optoelektronik-Spezialist den gedrückten Gewinn des Corona-Jahres 2020 im laufenden Jahr wieder auf die vorherigen Levels zurückführt. Aber 2019 war bereits ein Jahr mit nachgebenden Gewinnen gewesen. Und dass Jenoptik die Gewinne des Jahres 2018 wieder erreicht, erwarten die Experten nicht vor 2022, eher noch im Jahr 2023. Immer vorausgesetzt, dass der Rückkehr dynamischen Wachstums keine unerwarteten Steine in den Weg gelegt werden.

Jenoptik selbst legte Ende März die Bilanz des Jahres 2020 vor und avisierte dabei für 2021 ein Umsatzplus im niedrigen zweistelligen Bereich, d.h. etwas über zehn Prozent, und eine EBITDA-Marge die knapp über der des Prä Corona-Jahres 2019 liegt. Richtig Schwung sieht man also derzeit nicht aufkommen. Am 11. Mai stehen die Ergebnisse des ersten Quartals an, aber wenn es da nicht zu positiven Überraschungen, idealerweise zu einer Anhebung der Gesamtjahresprognose kommt, könnte damit der Bruch der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie besiegelt werden. Denn bei solchen Perspektiven ist Geduld gefragt. Und der Chart deutet an, dass viele Marktteilnehmer diese Geduld nicht mitbringen wollen.

Expertenmeinung: Das Chartbild der Aktie ist bemerkenswert. Seit einem Jahr bewegt sich Jenoptik in Wellenbewegungen. Aufwärtsimpulse wurden immer wieder abverkauft, daraus entwickelte sich eine breite, grob zwischen 20 und 26 Euro gelegene Seitwärtsrange. Im Januar gelang endlich der Ausbruch nach oben. Aber die Dynamik der Rallye erschöpfte sich schnell. Und seither liegen die Zwischenhochs der Aktie jeweils unter dem vorherigen – die kurzfristig gute Stimmung der Akteure bröckelt also deutlich. Daraus hat sich ein kurzfristiger Abwärtstrend entwickelt, der den Kurs in eine mittelfristig entscheidende Schlüsselzone gedrückt hat:

Zum einen hat die Aktie auf der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie bei aktuell 25,30 Euro aufgesetzt, die zusammen mit der 200-Tage-Linie (24,85 Euro) den übergeordneten Aufwärtstrend führt. Zugleich ist dieser Bereich die Zone, in welcher der Kurs bis Januar mehrfach nach unten, danach nach mehrfach oben abgedreht hat.

Grundsätzlich könnte Jenoptik erneut nach oben drehen und mit einem durch Schlusskurse über 27,50 Euro hinreichend deutlichen Ausbruch über die Januar-Abwärtstrendlinie und die letzten Zwischenhochs ein bullisches Signal generieren. Aber dass diese mittelfristige Aufwärtstrendlinie gerade erst Mitte April getestet wurde und die Aktie jetzt schon wieder an dieser Linie „klebt“, unterstreicht die schwindende Kaufbereitschaft. Sollte die Schlüsselzone durch einen Schlusskurs unter der bei 24,85 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie eindeutig gebrochen werden, ist ein solches Bild genau das, worauf sich Bären vorzugsweise stürzen.   

Chart vom 30.04.2021, Kurs 25,48 Euro, Kürzel JEN | Online Broker LYNX

Ein Minus von 4,5 Prozent als Reaktion auf die 2020er-Bilanz und den Ausblick auf 2021, das wirkt, als hätte Jenoptik die Anleger enttäuscht. Aber die Perspektive war besser, als das gestrige Minus andeutet.

2020 hatte auch beim Optoelektronik-Unternehmen Jenoptik seine Spuren hinterlassen. Aber der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 130,7 Millionen nicht allzu deutlich unter den 138 Millionen des Vorjahres, da sich die operative Marge mit 14,6 nach 15,7 Prozent recht solide halten ließ. Außerdem war es vor allem der Blick nach vorne, der die Anleger interessierte. Und der machte einen soliden Eindruck:

Jenoptik rechnet 2021 mit einem Umsatzanstieg im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Damit könnte der Umsatzrückgang des Jahres 2020 wettgemacht, der 2019er-Umsatz wieder erreicht werden. Und für die Marge rechnet das Unternehmen mit einer Spanne zwischen 16 und 17 Prozent nach den 14,6 Prozent im Jahr 2020. Das wäre mehr als 2019, so dass die Chance, dass Jenoptik im laufenden Jahr den Gewinn des „Prä Corona“-Jahres 2019 sogar leicht überbietet, nicht schlecht wäre. Warum gab es bei solchen Perspektiven Verkäufe?

Expertenmeinung: Weil die Analysten eine solche Perspektive bereits erwartet hatten. Dieser Ausblick war somit zwar gut, aber keine Überraschung. Und der Kurs der Aktie bewegt sich momentan bereits wieder auf einem Niveau, das auch Mitte 2019 galt. Daher gab es keinen Grund, auf diese Zahlen hin unmittelbar zuzugreifen, zumal die Aktie ja bereits einen langen Weg nach oben hinter sich hat. Da reichte die vorangegangene Konsolidierung nicht, um neue Käufer zu mobilisieren. Zumindest nicht auf dem Niveau des Kurses vor Vorlage des Zahlenwerks.

Denn Sie sehen im Chart, dass die Aktie zeitweise noch deutlich mehr nachgegeben hatte. Aber auf Höhe des Anfang März markierten Zwischentiefs griffen einige Anleger zu. Diese Zone liegt im Bereich 25,36/25,78 Euro, das ist eine auf das zweite Halbjahr 2020 zurück gehende Supportzone. Könnten diese Käufe als Sprungbrett für einen neuen Aufwärtsimpuls dienen? Immerhin war die Perspektive grundsätzlich gut. Und das durchschnittliche Kursziel der Analysten für Jenoptik lag schon vor der Vorlage der Bilanz knapp unter 30 Euro. Das könnte die Akteure locken, diese Chance einer verteidigten Unterstützung zu nutzen.

So könnte es laufen, muss es aber nicht. Aber es wäre auch nicht ratsam, hier auf Schwarz oder Rot zu setzen, das Chartbild bietet klare Ankerpunkte hinsichtlich der Frage, ob man hier besser aussteigen oder doch im Gegenteil einsteigen bzw. zukaufen sollte. Sie sehen, dass sich aus dem mittelfristigen Aufwärtstrend, aktuell bei 24 Euro und verstärkt durch die 200-Tage-Linie, und der kurzfristigen Abwärtstrendlinie bei derzeit 28,40 Euro, eine Dreiecksformation gebildet hat. Aus der muss die Aktie heraus, dann wäre ein klares Signal entstanden. Sich hier auf die Lauer zu legen und dann in Ausbruchsrichtung auf den Zug aufzuspringen, wäre damit allemal einen Gedanken wert.

Chart vom 25.03.2021, Kurs 26,40 Euro, Kürzel JEN | Online Broker LYNX

Rein charttechnisch zeigt die Jenoptik-Aktie einen Ausbruch aus einer flachen Trompeten-Formation (einem nach rechts offenem Dreieck) nach oben. Das ist kurzfristig zunächst einmal bullisch, aber es ist nicht allein der Umstand, dass die nächste Widerstandslinie im Bereich 27,50/27,55 Euro bereits in unmittelbarer Nähe wartet, die ein wenig vorsichtig stimmen sollte.

Das Optoelektronik-Unternehmen hatte am Morgen des 10. November seine Bilanz für das dritte Quartal vorgelegt. Obwohl der Gesamtmarkt zu diesem Zeitpunkt noch im Bann des gewaltigen Kurssprungs vom Vortag stand, der durch die BioNTech/Pfizer-Impfstoffmeldung ausgelöst wurde, fiel die Aktie daraufhin um 5,5 Prozent. Was angesichts der Ergebnisse nicht überraschen konnte:

Der Umsatz war gegenüber dem Vorjahresquartal um 15,3 Prozent und damit mehr als seitens der Analysten erwartet gefallen. Der Gewinn nach Steuern sackte überproportional um 30,8 Prozent durch. Dass Anleger daraufhin entschieden, dass ein Kursniveau, das weit näher am „Prä Corona“-Niveau als am Tief vom März lag, eine gute Gelegenheit wäre, um den Gewinn mitzunehmen, ist nachvollziehbar. Doch die Aktie zog unmittelbar am nächsten Tag nach anfänglichen Verlusten an und ist jetzt dem Niveau, von dem aus es im Februar rapide bergab ging, bis auf etwa einen Euro nahegekommen – warum?

Expertenmeinung: Das ist eben eine Frage, die über den Versuch von Tradern hinaus, ein bullisches Signal und dadurch Anschlusskäufe, die ihre eigenen Positionen in den Gewinn tragen, keine überzeugende Antwort findet. Seitens der Analysten gab es zwei Reaktionen. Die LBBW stufte die Aktie von Kaufen auf Halten ab und sieht dabei ein Kursziel von 27 Euro. Und gestern – das mag mitgeholfen haben, um die Aktie über diese Dreiecksformation zu tragen – hob Independent Research das Kursziel von 25 auf 27 Euro an. Allerdings bleibt man dort bei der Einstufung „Halten“. Auch das durchschnittliche Kursziel der die Aktie beobachtenden Experten liegt momentan um die 27 Euro. Was bedeutet:

Das Kursziel der Analysten ist fast erreicht, zugleich wartet dort, im Bereich dieses Kursziels, die obengenannte Widerstandszone 27,50/27,55 Euro. Dies in Kombination mit einem aktuell in der überkauften Zone laufenden Stochastik-Oszillator erzeugt ein Gesamtbild, in dem es die Bullen jetzt zumindest nicht gerade einfach hätten. Die Aktie müsste zügig über 27,50/27,55 Euro hinaus, um das nötige Momentum für weitere Kursgewinne zu behalten, würde dann aber gegen eine eher magere Bilanz ankämpfen müssen. Es wäre daher opportun, hier auf der Hut zu sein. Sollte die Aktie mit Schlusskursen unter 24,40 Euro nicht nur in diese „Trompeten-Formation“ zurückfallen, sondern auch noch das letzte Zwischentief vom vergangenen Donnerstag unterbieten, wäre zu überlegen, hier erst einmal den Gewinn vom Tisch zu nehmen.

Jenoptik Aktie: Chart vom 23.11.2020, Kurs 26,42 Euro, Kürzel JEN | Online Broker LYNX