Square: Panik am Allzeithoch? Auf Pump gezockt wie nie

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Derzeit trifft es einen Überflieger nach dem anderen. Während der Markt am Allzeithoch steht, werden ganze Sektoren in den Boden gestampft. Wachstumsaktien wie Square (neuerdings Block Inc.) sind regelrecht kollabiert. Ist das eine Gelegenheit?

Panik am Allzeithoch

Wir hatten die Angelegenheit in den letzten Wochen bereits mehrfach thematisiert. Die Divergenzen am Markt sind derzeit außerordentlich ausgeprägt.

Der S&P500 steht nur knapp unter dem Allzeithoch, doch ganze Sektoren sind im Crash-Modus.
Besonders hart trifft es aktuell Wachstumsaktien. Viele einstiege Überflieger kommen gerade richtig unter die Räder. Es herrscht regelrechte Panik.

Das hat aus meiner Sicht vor allem zwei Gründe: Einerseits schwingt das Pendel zurück und es werden Überbewertungen abgebaut, andererseits besteht eine gewisse Furcht vor steigenden Zinsen und einer anhaltend hohen Inflation.

Der erste Faktor ist nicht zu unterschätzen. Der Markt überschießt gerne in beide Richtungen.
Nehmen wir als Beispiel PayPal, zu der ich am Vortag eine Analyse veröffentlicht hatte. Der Kursverlauf ist geradezu exemplarisch.
Nach dem 2020-Crash ist die Aktie quasi ohne Zwischenstopp von 82 auf 309 USD gestiegen und hat sich nahezu vervierfacht.

Die Konsequenz davon erleben wir derzeit. Ein Großteil der Gewinne wurde wieder abgegeben, aktuell stehen wir bei 183 USD. Ob das schon der Boden ist, werden wir sehen, es zeigt aber, zu welchen Extremen die Börse neigt.

In ähnlicher Manier passiert das derzeit bei sehr vielen Aktien von teilweise herausragenden Unternehmen.

Das Pendel schwingt zurück

Das hat, wie bereits angesprochen, auch mit der Furcht vor steigenden Zinsen und einer anhaltend hohen Inflation zu tun. Viele der schnell wachsenden Unternehmen benötigen ständig frisches Kapital.
Steigen die Finanzierungskosten, kommen sie unter Druck.

Darüber hinaus arbeiten viele Marktteilnehmer mit DCF-Modellen (Discounted Cashflow).
Je nachdem mit welchem Zinssatz man abdiskontiert, kommt man zu grob unterschiedlichen Bewertungen von Unternehmen.

Ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl, dass teilweise mit 0,x% abgezinst wird. Bei 5% Inflation und womöglich steigenden Leitzinsen, ist das natürlich nicht mehr haltbar – eigentlich war es nie haltbar.

Aber wie sagt Charlie Munger immer so schön: „An der Börse wird zu viel gerechnet und zu wenig nachgedacht.“

Was machen wir aus all diesen Informationen? Wir nehmen sie zur Kenntnis, um eine rationale Einschätzung der Gesamtverfassung der Börse treffen zu können.

Zocken auf Pump

Betrachtet man alle Faktoren, muss man zu dem Schluss kommen, dass der Markt sehr fragil ist.
Die Divergenzen sind so stark ausgeprägt, wie man es nur selten erlebt: Eine kleine Zahl von hochkapitalisierten Unternehmen halten die Indizes nahe dem Allzeithoch, gleichzeitig sind bedeutende Teile des Marktes im Crash-Modus.
Teilweise werden ganze Sektoren abverkauft.

Aktuell notieren 65,8% aller in den US-Aktien unter ihrem 50-Tagesschnitt und 59,4% unter ihrem 200-Tagesschnitt.  

Hinzu kommt der Faktor, dass noch nie mehr Aktien auf Pump gekauft wurden, wie derzeit. Die Summe der Börsenkredit haben ein nie dagewesenes Niveau erreicht.

Mein Kollege Ronald Gehrt hatte es am Montag eindrucksvoll illustriert:
(Der IOS-Skandal: Warum die Lehren von damals auch heute noch wichtig sind)

Börse aktuell: Entwicklung des Kreditvolumens zur Finanzierung der Margins im Derivate-Trading in den USA von 1985 bis 2021 | Online Broker LYNX

Das bedeutet übrigens nicht, dass alles schlecht ist, oder der Markt unmittelbar zusammenbrechen muss. Die Hausse kann sich noch über Monate ziehen.

Als antizyklischer Investor sollte man sich wahrscheinlich einfach freuen, dass zumindest ein Teil des Marktes abgestürzt ist. Hier kann man jetzt langsam Aktien einsammeln.

Um es konkret zu machen: Ich finde Square (Block) auf diesem Niveau zunehmend interessant.
Die gestrige Kehrtwende mehrt auch aus technischer Sicht die Hoffnung auf ein Ende des Abverkaufs.

In Luft aufgelöst

Man vergisst oft, was derartige Kursausschläge bedeuten. Der Börsenwert von Square ist binnen weniger Wochen von 140 auf 70 Milliarden Dollar implodiert.

Das sind 70 Milliarden Dollar weniger in den Depots von unzähligen Anlegern.

Ob Square bereits das Tief erreicht hat, werden wir sehen. Wer allerdings noch nicht an Bord ist, der könnte langsam einen Fuß in die Türe stellen.

Denn die Zahlen von Square sind mehr als überzeugend. Seit 2012 konnte der Umsatz von 0,20 auf 9,50 Mrd. USD gesteigert werden.
In den letzten zwölf Monaten lag der Umsatz bereits bei 16,74 Mrd. USD.

Darf man den Schätzungen Glauben schenken, könnten es 2024 bereits 37 Mrd. USD sein.
Es ist schwer vorstellbar, dass die Aktie sich nicht früher oder später in ähnlichem Ausmaß zur Oberseite bewegen wird.

Die Wachstumsraten sind wirklich atemberaubend. Darüber hinaus ist man operativ profitabel und erzielt einen positiven freien Cashflow.
Im Gegensatz zu vielen anderen Wachstumswerten wird man also keine Probleme haben, sollten die Zinsen tatsächlich steigen.

In Summe bringt mich das zu einem positiven Fazit. Das KUV liegt „nur“ bei 4,0. Seit dem Börsengang von Square lag das KUV durchschnittlich bei 6,4 und die Spannbreite reichte von 2,9 bis 13,6.
Wir sind also eher am unteren Ende der Skala angekommen.

Chart vom 11.01.2022 Kurs: 144,30 Kürzel: SQ - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 11.01.2022 Kurs: 144,30 Kürzel: SQ – Wochenkerzen

Wer sich hier engagieren möchte, sollte allerdings mit einer erhöhten Volatilität rechnen, das war bei Square seit jeher der Fall.

Vorerst hat der wichtige Support bei 134 USD gehalten. Ausgehend von dieser Basis, wäre jetzt eine Erholung in Richtung 160 USD möglich.
Darüber würde es zu einem prozyklischen Kaufsignal kommen.

Fällt die Aktie hingegen unter 133 USD, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 118 USD gerechnet werden.

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Square gehörte bereits vor Corona und dem neu aufgeflammten Hype um Bitcoin zu den absoluten Überfliegern an der Börse.
Nach der IPO verzehnfachte sich der Kurs in nur drei Jahren

Seit dem Tief des Corona-Crashs ging es von 30 auf 230 USD.

Da stellt man sich natürlich die Frage, ob das nicht ein wenig zu viel des Guten ist und ob die Bewertung inzwischen nicht fernab jeder Rationalität angekommen ist.

Abklopfen

Eins ist sicher, mit 100 Mrd. Börsenwert ist man inzwischen ein Schwergewicht. Man muss schon Einiges zu bieten haben, um das zu rechtfertigen.

Dafür muss der adressierbare Markt gigantisch sein und das ist er auch. Zahlungsdienstleistungen und -Abwicklung ist „big business“.

Darüber hinaus wächst Square mit atemberaubendem Tempo. Seit 2012 ist der Umsatz von 203 Mio. USD auf 9,50 Mrd. USD gestiegen.

Im Geschäftsjahr 2020 hat sich der Umsatz kurzerhand verdoppelt.

Dadurch relativiert sich das hoch erscheinende P/S von 10,7 plötzlich. Vergleicht man es mit manch einem anderen Wachstumswerten, ist der Multiplikator gar nicht so hoch.

Was bringt das, wenn kein Geld verdient wird?

Die Bären verweisen gerne auf die fehlende oder marginale Profitabilität des Unternehmens. Die forward P/E sei mit knapp 100 einfach zu hoch.
Aus meiner Sicht ist der Blick auf die P/E in diesem Fall aber wenig zielführend.

Square befindet sich mitten in einer massiven Expansion. Man reinvestiert schlichtweg alle Mittel.
Darüber hinaus ist man operativ profitabel und kann den größten Teil der Expansion aus den laufenden Einnahmen finanzieren.

Bitcoin löst Explosion aus

Was bei Square im ersten Quartal 2021 los war, das hatte wohl niemand sehen gekommen.

Der Umsatz lag mit 5,06 Mrd. meilenweit über den Erwartungen von 3,40 Mrd. USD und legte auf Jahressicht um 266% zu.
Das muss man erstmal sacken lassen.

Dazu beigetragen haben eine ganze Reihe von positiven Entwicklungen. Square hat viele Neukunden gewonnen.
Im regulären Geschäft stammt ein Großteil des Wachstums aber von größeren Bestandskunden mit einem jährlichen Umsatz von 500.000 USD und mehr.

Das Bitcoin-Geschäft verzehnfachte sich kurzerhand. Aber auch abseits der Kryptowährung legte der Umsatz auf Jahressicht um 44% zu.

Der Gewinntreiber von Square ist nach wie vor die Cash App. Das Bruttoergebnis stieg um 171% auf 495 Mio. USD zu.

Ziemlich relativ

Durch das erste Quartal relativiert sich die Price-Sales-Ratio (P/S) ganz erheblich.

Nimmt man das abgelaufene Geschäftsjahr als Grundlage, liegt der Wert bei 10,7.

Ziehen wir zu Berechnung allerdings die letzten vier Quartale heran, sinkt die P/S auf 7,8.

Nehmen wir nun an, dass Square in den kommenden drei Quartalen einen ähnlichen Umsatz erzielt, wie in Q1, sinkt die P/S im Jahresverlauf sogar auf 5,0.

Plötzlich erscheint die Bewertung gar nicht mehr so hoch und der enorme Kursanstieg der letzten Monate durchaus gerechtfertigt zu sein.

In den drei Jahren vor Corona lag das P/S per Jahresschluss zwischen 6,1 und 7,5.

Chart vom 10.05.2021 Kurs: 230 Kürzel: SQ - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 10.05.2021 Kurs: 230 Kürzel: SQ – Tageskerzen

Die Aktie ist übergeordnet klar bullisch und der Aufwärtstrend intakt. Solange das der Fall ist, ist eine Trendfortsetzung in Richtung 242 USD jederzeit möglich.
Darüber käme es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 250 sowie 258 und 275 USD.

Fällt die Aktie jedoch unter 216 USD, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan. In diesem Szenario muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 200-205 USD gerechnet werden.
Unter 200 USD trübt sich das Chartbild zunehmend ein.