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Aktuelle Analyse:
Delivery Hero: Das müssen Sie wissen, es ist verrückt

Die Delivery Hero SE fungiert als Holding einer Unternehmensgruppe, die auf dem Gebiet des Online-Essenslieferungsgeschäfts tätig ist. Die Gruppe ist in mehr als 40 Ländern aktiv und bietet dort über ihre Online-Marktplätze eine persönliche und einfache Möglichkeit, bei ausgewählten, lokalen Restaurants Essen zu bestellen. Im Dezember 2016 erfolgte die Übernahme von foodpanda.

Enormes Wachstum und enorme Verluste

Der Umsatz ist seit 2015 von 166 auf 543 Mio. Euro erfreulich stark gestiegen.
Auch im laufenden Geschäftsjahr konnte an die positive Entwicklung in diesem Feld angeknüpft werden.
In den ersten sechs Monaten kletterten die Einnahmen um 38,1% auf 340,0 Mio. Euro.

Hier enden aber leider die positiven Nachrichten. Denn die „Cost of Sales” sind gleichzeitig um mehr als 70% gestiegen.
Die Kosten sind also schneller gestiegen als der Umsatz. Bei einem ohnehin defizitären Unternehmen ist das sehr unerfreulich. Denn die ganze Hoffnung ist ja, dass sich die Lücke durch das hohe Wachstum schließt und irgendwann ein Gewinn erzielt wird.

Am Ende lag das operative Ergebnis bei -114,1 Mio. nach -134,5 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Cashflow war ebenfalls negativ.

Wie auch in allen Jahren zuvor. Delivery Hero wächst schnell und der Verlust wird immer größer, inzwischen wurden hunderte Millionen Euro investiert und verbrannt. Doch beim Gewinn Fehlanzeige.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr musste unter dem Strich ein Verlust von 345 Mio. verbucht werden, wohlgemerkt bei einem Umsatz von 543 Mio. Euro. Das ist wirklich keine Kleinigkeit.
Selbst wenn der Umsatz um 60% steigen würde, de Kosten aber gleichbleiben, wäre man gerade einmal beim Breakeven angekommen.
Wie wir bereits festgestellt haben, ist das aber natürlich eine illusionäre Annahme.

Vergleich zur Konkurrenz

Das sollte Aktionären zu Denken geben, denn das US-Pendant Grubhub hat 2014 bereits mit einem Drittel des Umsatzes sowohl einen Gewinn als auch einen positiven Cashflow generiert und war seitdem durchweg profitabel.

Die Diskrepanz ist riesig. Nehmen wir das zurückliegenden Geschäftsjahr.
Delivery Hero hat bei einem Umsatz von 543 Mio. Euro einen Verlust von 345 Mio. Euro erzielt.
GrubHub hat bei einem Umsatz von umgerechnet 583 Mio. Euro hingegen 85 Mio. Euro Gewinn erwirtschaftet.

Ob beide Unternehmen grundsätzlich sinnvoll bewertet sind, ist eine andere Frage. Doch in Anbetracht der Zahlen und dem weitaus größeren US-Markt, sollte Delivery Hero mit einem substanziellen Abschlag bewertet sein.
Bis vor kurzem war aber tatsächlich Grubhub noch weitaus günstiger und selbst nach der massiven Rallye ist man aktuell nur 20% teurer. Eine kleine Korrektur könnte die Frage nach der besseren Alternative unter diesen beiden Unternehmen also schnell klären.

Am Ende sollte man sich aber vor allem die Frage stellen, wo die Einnahmen von Delivery Hero eigentlich versickern?

Selbstbedienungsladen: Die Aktionäre werden über den Tisch gezogen

Hunderte Millionen Verlust scheinen den Vorstand nicht davon abzuhalten, ebenfalls für Millionensummen Aktien an Mitarbeiter und natürlich sich selbst zu verteilen.

Den Posten „anteilsbasierte oder aktienbasierte Vergütungen“ findet man im Jahresbericht unter „Verwaltungsaufwendungen“. Diese Tatsache lassen wir unkommentiert.

Im zurückliegenden Jahr lagen die Kosten bei 69,5 Millionen Euro und überstiegen somit sogar noch die Personalaufwendungen.
Auch im Verhältnis zur Unternehmensgröße und Umsatz eine astronomische Summe.

Alleine die Kosten für aktienbasierte Vergütungen von CEO Östberg und CFO Thomassin beliefen sich auf stattliche 9,2 Mio. Euro.
Zum Vergleich: Würde Daimler-Chef Zetsche einen ebenso großen Teil des Umsatzes in Form von Aktien erhalten, wären das schlappe 2,77 Mrd. Euro. Wohlgemerkt nur für das vergangene Jahr.

Aber selbstverständlich sind diese Vergütungen erfolgsabhängig und bei einem Verlust von 345 Mio. Euro sicherlich auch gerechtfertigt, oder nicht?
Delivery Hero gleicht einem Selbstbedienungsladen und am Ende ist das natürlich nicht im Interesse der Eigentümer = Aktionäre.

Jeder Anteilseigner sollte sich über diese Tatsachen im Klaren sein, denn es ist sein Geld, welches hier verpulvert wird, statt zu Wachstum oder Gewinn beizutragen. In den letzten beiden Geschäftsjahren 123,3 Millionen Euro.

Ausblick und fundamentale Bewertung

Delivery Hero hat im Vorjahr einen Verlust erzielt und erwartet auch in diesem und im kommenden Jahr keinen Gewinn. Der Cashflow ist ebenfalls negativ. Nicht einmal das operative Geschäft kann einen positiven Cashflow vorweisen.

Eine Bewertung auf dieser Grundlage ist also nicht möglich. Bleibt am Ende nur Hoffnung und das Kurs-Umsatz-Verhältnis KUV.
Gehen wir davon aus, dass Delivery Hero im Gesamtjahr ebenso stark Wachsen kann, wie in den ersten beiden Quartalen. In diesem Fall läge das KUV Ende des Jahres bei 11,2.

Zum Vergleich: Im gesamten S&P500 gibt es nur 21 Aktien, die auf Basis des KUV teurer sind. Allerdings gibt es darunter nicht einen Wert, der in diesem Jahr keinen Gewinn erwirtschaftet.
Und selbst Google, Apple, Amazon, Microsoft usw. kommen nicht auf derartige Bewertungen.

Egal wie man es dreht oder wendet, die Bewertung erscheint absurd hoch. Aus fundamentaler Sicht kann daher keine Kaufempfehlung ausgesprochen werden.

Charttechnik

Diese Tatsachen wurden bisher ignoriert und die Aufwärtstrends sind weiterhin intakt. Der Abwärtstrend muss an dieser Stelle noch als korrektiv eingestuft werden.
Fällt die Aktie jedoch nachhaltig unter 42 Euro, könnte die Stimmung kippen. Erste Kursziele auf der Unterseite lägen in diesem Fall bei 40,50 und 38 Euro. Darunter wäre der weg in Richtung 35 und 32 Euro frei.
Gelingt hingegen eine Rückkehr über 45 Euro, könnte eine Erholung bis 46,50 und 48 Euro einsetzen.

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