DAX Prognose DAX: 17.000 sind möglich … aber wären sie auch zwingend?

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Das Wochenminus des DAX war immens und brachte eine ganze Reihe an bärischen Signalen der Chart- und Markttechnik mit sich. Die Frage, die sich jetzt alle stellen, lautet: Wie weit geht es jetzt noch nach unten? Die 17.000er-Zone böte sich als Ziel an, aber muss es so kommen?

Da war eine Menge Kapital unterwegs in der vergangenen Woche, raus aus den Aktien der Eurozone, hinein in Anleihen und US-Aktien. Der Exodus wurde losgetreten durch das Ergebnis der Europawahl und den als unmittelbare Folge angesetzten, vorgezogenen Neuwahlen in Frankreich. Und denkbar wären solche Neuwahlen auch in Deutschland. Das interpretieren offenbar nicht wenige internationale Investoren so, als werde Europa in Zukunft ein schlechterer Standort für Investitionen, könnte noch weniger Wachstum zeigen und seitens der internationalen Konkurrenz in vielen Branchen noch weiter zurückfallen. Die Konsequenz: Man reduziert seine Kapitalexposition in der Eurozone und sieht zu, das Geld woanders sicherer unterzubringen.

Aber irgendwann hätte da ja verkauft, wer verkaufen wollte, d.h. dieser Abgabedruck dürfte endlich sein. Das ist der erste Punkt, über den man nachdenken sollte. Der zweite ist: Würden Neuwahlen die Lage wirklich verschlechtern und ist die politische Lage jetzt instabiler als vor der Wahl? Und zuletzt: Muss der DAX denn zwingend mit abrutschen, wenn es in Frankreich ungemütlich wird … oder könnte er nicht vielmehr der Index sein, der Kapital, das aus dem französischen Leitindex CAC 40 abfließt, aufnimmt?

Expertenmeinung: Bei allen drei Fragen kann es nur subjektive Antworten geben, sogar bei der ersten. Denn ja, sicherlich ist das Reduzieren der Positionen seitens internationaler Investoren endlich. Aber wir können aus dieser Erkenntnis nicht ableiten, wie viel Geld bereits abgeflossen ist, wie viel man noch verkaufen will und vor allem nicht, ob manche Hedgefonds jetzt nicht umschwenken und gezielt in der Eurozone auf die Short-Seite setzen.

DAX: Tages-Chart vom 14.06.2024, Kurs 18.002,02 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 14.06.2024, Kurs 18.002,02 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Hinsichtlich der zweiten Frage könnte man sagen: Unruhig war die Lage ja schon vorher, das Ergebnis der Europawahl ist nur das Ergebnis dieser Unzufriedenheit. Es ist zwar möglich, dass eine neue Regierungskonstellation in Frankreich und ggf. in den kommenden Jahren auch in anderen Eurozone-Ländern die Lage verschlimmert, weil dann Parteien in der Verantwortung stünden, die bislang noch nicht bewiesen haben, dass sie nicht nur die Entscheidungen der Regierenden kritisieren, sondern es auch besser machen können. Aber es muss nicht zwingend so kommen.

Und da man außerhalb Europas Deutschland lange Zeit als eine Art ruhenden Pol innerhalb der EU angesehen hat, könnte der DAX theoretisch durchaus aus anderen Eurozone-Ländern aufnehmen. Allerdings musste man das mit dem „ruhenden Pol“ zuletzt eher auf das stagnierende Wachstum und eine Art „Entscheidungsstau“ beziehen. Was nicht gerade für Deutschland als erste Wahl für internationales Kapital im Vergleich zu anderen EU-Ländern spricht.

Hinzu kommt, dass die Drohung der EU von Strafzöllen gegen bestimmte Importe chinesischer Elektrofahrzeuge trotz massiver Warnung von Experten und Automobilindustrie nicht gerade den Eindruck erweckt, dass die EU imstande wäre, in Sachen Wirtschaftsstandort und Wachstum die richtigen Entscheidungen zu treffen. Was aus meiner Sicht hieße:

Es ist möglich, dass die Verkäufe erst einmal weitergehen, es ist möglich, dass sich das Bären-Lager gezielt und massiv auf den DAX stürzt, aber es wäre leichtsinnig, das als beschlossene Sache anzusehen. Zumal das Kapital, vor allem das, welches in US-Hightech-Aktien übersiedelte, die mehrheitlich heiß gelaufen und überbewertet sind, dort womöglich nicht lange bleiben könnte, so dass manch einer relativ bald überlegen könnte, den DAX auf niedrigerem Level wieder einzusammeln. Bald heißt aber nicht „umgehend“, zumal:

DAX: Wochen-Chart vom 14.06.2024, Kurs 18.002,02 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochenchart vom 14.06.2024, Kurs 18.002,02 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Die Supportzone bei 17.000 Punkten nebst der bei 16.900 Zählern verlaufenden 200-Tage-Linie wären potenzielle Kursziele der Trader … und noch ist der Index nicht einmal auf Tagesbasis überverkauft. Hinzu kommt diese auffällige negative Divergenz des RSI-Indikators zum Index auf Wochenbasis. Der Weg nach unten wäre kurzfristig also der leichtere. Und da am Freitag mal wieder eine große Abrechnung am Terminmarkt ansteht, könnte der Druck bis dahin anhalten.

Aber danach würde ich mit Short-Trades deutlich vorsichtiger sein. Zwar wäre die Luft nach oben jetzt dünner als zuletzt, so dass man vom DAX besser nicht allzu viel Aufwärtspotenzial erwarten sollte. Aber das heißt nicht, dass man jetzt mit Mann und Maus hoch gehebelt Short gehen könnte, ohne das Risiko, plötzlich von einer starken Gegenbewegung überrollt zu werden. Denn klar ist eben auch: 16.900/17.000 wäre ein Kursziel, aber Ziele können, müssen aber nie erreicht werden, daher: Vorsicht jetzt beim kurzfristigen Trading!

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Vorherige Analysen des DAX Index

Der DAX klopft weiter ans Rekordhoch, obwohl man in Sachen Zinsphantasie eher ernüchtert sein müsste. Denn die Trader haben zwar bekommen, worauf sie monatelang gesetzt hatten, aber ein „Nachschlag“ könnte vorerst ausbleiben. Kommt die Reaktion beim DAX noch?

Seit Ende Oktober 2023 trieb die Erwartung den DAX, dass die Leitzinsen in der Eurozone und den USA bald, spätestens im März, zu sinken beginnen und dann schnell und weit zurückgenommen werden. Und das ohne vorherigen, heftigen Abstieg der Wirtschaftsleistung. Kurz: Man nahm seit letzten Herbst ein „Best Case-Szenario“ vorweg. Man startete diese Hausse beim DAX bei 14.630 Zählern und erreichte das bisherige Hoch am 15. Mai bei 18.893 Punkten. Der Haken: Das „Best Case-Szenario“ kam nicht zustande.

Die Konjunkturentwicklung in der Eurozone insgesamt blieb wacklig, in Deutschland war und ist sie schlicht miserabel. Und statt einer ersten Zinssenkung im März, der dann schnell weitere folgen sollten, kam dieser erste Zinsschritt erst am gestrigen 6. Juni. Gut, könnte man sich sagen, dann eben etwas später, aber Hauptsache, die Zinsphantasie wird genährt und ab jetzt geht es zügig zurück in die wachstumsfördernde Region des „billigen Geldes“. Doch das könnte man nur behaupten, wenn man die wirtschaftliche Gemengelage nicht kennt und weder das Statement der EZB gelesen noch die Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde gesehen hat. Denn nein, weitere Zinsschritte wurden nicht nur nicht avisiert. Die EZB machte recht klar, dass man darauf besser vorerst nicht wetten sollte.

Expertenmeinung: Was man angesichts des deutlich über der Toleranzschwelle der EZB liegenden Lohnanstiegs in der Eurozone ebenso wie in Deutschland im ersten Quartal längst ahnen durfte, wurde gestern auch so kommuniziert: Das war einem Rückgang der Teuerungsrate zurück an die Zwei-Prozent-Zone absolut nicht zuträglich. Die Folge:

Die EZB korrigierte ihre Inflationsprojektion für das laufende Jahr, und zwar nach oben: von bislang 2,3 auf 2,5 Prozent für die Gesamtinflation und von 2,6 auf 2,8 Prozent für die Kernrate, die die volatilen Preise für Nahrungsmittel und Energie herausrechnet. Und für beide Bereiche sieht die EZB jetzt 2,2 Prozent per Ende 2025 statt zuvor 2,0 Prozent. Letzteres hätte bedeutet: Ziel erreicht. Ersteres nicht.

DAX: Tages-Chart vom 06.06.2024, Kurs 18.652,67 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 06.06.2024, Kurs 18.652,67 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Damit muss man nüchtern betrachtet konstatieren: Diesem ersten Schritt müssen keineswegs in nächster Zeit weitere folgen, die EZB wird sich erst einmal genau ansehen, wie sich die Gesamtsituation weiter entwickelt. Damit wäre die Zinsphantasie erst einmal entschwunden … nach einer Zinssenkung um 0,25 Prozent, die somit kaum mehr als fünf Prozent des vorherigen Anstiegs des Leitzinses von 0,0 auf 4,5 Prozent zurücknimmt. Wachstums-Stimulus sieht anders aus. Damit ist der Kursrakete DAX also der Treibstoff ausgegangen. Kann es gelingen, auch ohne weiter zu fliegen?

Das wird darauf ankommen, wie viele derjenigen, die regelmäßig Geld in den DAX investieren, dabei aber nur auf dessen Trend und nicht auf das Umfeld achten, jetzt den Eindruck gewinnen, dass es besser wäre, langsam mal Gewinne mitzunehmen. Und diese Klientel wird voraussichtlich erst dann reagieren, wenn der DAX unter neuralgische Punkte rutscht. Solange nicht zu viele reagieren, wird die Masse also auch nicht verkaufen, vermutlich sogar einfach weiter kaufen, bis irgendjemand laut genug „Feuer“ schreit. Was, wenn man sich um das Umfeld nicht kümmert, nur die Kurse selbst tun könnten. Da sich aber nicht nur passive und unerfahrene Anleger im DAX tummeln, kann das durchaus passieren.

DAX: Monats-Chart vom 06.06.2024, Kurs 18.652,67 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 06.06.2024, Kurs 18.652,67 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Dass der DAX gestern trotz der eher „falkenhaften“ Aussagen der EZB ein Plus über die Ziellinie rettete, hat da noch wenig zu sagen. Man muss einfach mal abwarten, ob die nächste, wichtige Supportmarke jetzt angesteuert wird und ob sie hält oder nicht. Das Problem der Bullen: Diese Marke ist ziemlich nahe:

Es geht um das jüngste Zwischentief bei 18.365 Punkten, von dem aus der deutsche Leitindex gerade erst am Dienstag den letzten Aufwärtsimpuls gestartet hatte. Das war zugleich die Bestätigung der Oktober 2023-Aufwärtstrendlinie als dem Leitstrahl der Hausse. Fällt diese Marke auf Schlusskursbasis, wäre die Chance, dieses Zwischentief zum Sprungbrett für einen Anlauf an und über das bisherige Rekordhoch zu machen, vertan. Das wäre, als würde der DAX selbst „Feuer“ schreien. Und das dürften auch diejenigen mitbekommen, die sich um das „Drumherum“ nicht scheren. Fazit: Die DAX-Hausse könnte zwar theoretisch auch ohne Zinsphantasie weitergehen … aber ich würde nicht allzu hoch darauf wetten!

Dass die Wall Street am Donnerstag trotz stark steigender Nvidia-Aktie einen Abwärtsschwenk vollzog, schlug sich auch im DAX nieder, aber zum Handelsende des Freitags waren die Verluste wieder aufgeholt. Ist der Weg nach unten also blockiert, der nach oben offen?

Würde man sich in den Kopf eines überzeugt bullischen Traders versetzen, würde man etwa folgendes finden: Im Fall eines massiven Rallye-Schubes der US-Indizes im Kielwasser starker Nvidia-Bilanzdaten steigt der DAX natürlich mit, keine Frage. Im Fall eines Abwärtsimpulses, ob Nvidia daran „schuld“ wäre oder nicht, ist das kein Grund, beim DAX auszusteigen, schließlich ist der in Bezug auf KI kaum betroffen. Egal also, wie es kommt, lautet das Motto „vorwärts immer, rückwärts nimmer.“ Ein Problem könnte dabei nur dann auftreten, wenn zu viele gegenteiliger Ansicht sind. Am Freitag waren sie es nicht.

DAX: Tages-Chart vom 24.05.2024, Kurs 18.693,37 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 24.05.2024, Kurs 18.693,37 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Wir sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der DAX zwar zeitweise nachgab, dann aber genau dort auf Käufe traf, wo es darauf ankam. Und das schon bei den unmittelbar nächstgelegenen Supportlinien, sprich bereits auf der Ebene des „Mikrokosmos“. Genau auf Höhe der im Tageschart schwarz gehaltenen 20-Tage-Linie drehte der Index, holte die Verluste wieder auf und schloss quasi unverändert, wodurch die nächstliegende horizontale Supportlinie in Form des April-Hochs bei 18.567 Zählern ebenfalls auf Schlusskursbasis verteidigt wurde.

Doch es ist selten mit einer erfolgreichen Defensive getan, vor allem nicht in einem Umfeld mit mehrheitlich bärischen Rahmenbedingungen. Jetzt müssen die Bullen weitermachen, attackieren, eventuelle Verkaufsorders im Bereich des jüngsten Verlaufsrekords bei 18.893 Punkten abräumen und nach oben ausbrechen, denn:

Expertenmeinung: Mit der Verteidigung dieser nahe gelegenen Supportlinien ist auch eine Achillesferse entstanden: Wenn diese 20-Tage-Linie bei einem zweiten Test fallen sollte, wäre das ein Signal dafür, dass das bullische Lager zu schwach ist, um stärkeren Druck abzufangen. Dann würden diejenigen, die zwar von dem Intraday-Reversal der US-Indizes am Donnerstag irritiert waren, deren Finger aber über der „Sell“-Taste stehen blieb, diesmal doch draufdrücken. Und das weiß auch das bärische Lager, dessen Stärke man nie wirklich abschätzen kann, zumal:

Am Freitag wirkte das Kursverhalten nicht so, als hätten die Bären nennenswert mitgemischt. Unter der 20-Tage-Linie und damit unter 18.500 Punkten dürfte sich das aber ändern, denn dann wäre die nächste Unterstützungslinie von Bedeutung erst das April-Tief bei 17.627 Zählern. Ein Spielraum, denn auszuloten die Short-Seller allemal versuchen dürften, denn die wacklige Gesamtsituation würde einem nach unten abdrehenden DAX ja nicht zuwiderlaufen.

Die Käuferseite ist also trotz dieser erfolgreichen Verteidigung weiter gefordert. Diese Woche muss da nach oben etwas vorangehen. Wenn nicht, wäre dieser 20-Tage-Durchschnitt die Linie, auf die es auf kurzfristiger Ebene ankommt. Ein leichtes Unterbieten wäre noch kein großer Beinbruch, aber spätestens bei Schlusskursen unter 18.400 Punkten würde die Trendampel auf „dunkelgelb“ umspringen.

DAX: Monats-Chart vom 24.05.2024, Kurs 18.693,37 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 24.05.2024, Kurs 18.693,37 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Am Donnerstag ist der DAX mit Schwung über das bisherige Verlaufshoch gelaufen. Damit ist ihm gelungen, was Euro Stoxx 50, Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100 noch nicht gelungen ist. Charttechnisch ist das klar bullisch. Aber könnte das nicht doch als Bullenfalle enden?

Wer sich in letzter Zeit beim DAX-Trading darauf verlassen hat, dass der deutsche Leitindex ein Spiegel der wirtschaftlichen Gesamtsituation sei, hatte wenig zu lachen. Das Wachstum pendelt um eine „rezessive Null“ herum, der Auftragseingang ist unerfreulich. Die Hoffnung, China werde massiv durchstarten und den Karren aus dem Dreck ziehen, bleibt bislang unerfüllt. Manche Quartalsbilanz auch großer deutscher Unternehmen fiel schwach aus. MDAX und TecDAX ziehen bei dieser Hausse nicht mit … und doch, es läuft.

Natürlich ist das dünnes Eis, es ist sogar äußerst dünn. Aber erstens müsste man erst einmal wissen, dass das der Fall ist. Und sehr vielen, die am Aktienmarkt aktiv sind, fehlen dazu das nötige Grundwissen und/oder das Interesse daran. Warum Fachbücher wälzen, wenn es auch so geht? Und zweitens ist genau das, nämlich dass es bislang ja trotzdem aufwärts ging, für viele der Beweis dafür, dass die Hausse des DAX eine Einbahnstraße ist, Gegenverkehr ausgeschlossen. Und einen Faktor haben die Bullen ja nun definitiv auf ihrer Seite: die Charttechnik.

DAX Index: Monatschart vom 09.05.2024, Kurs 18.686,60 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX Index: Monatschart vom 09.05.2024, Kurs 18.686,60 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Mit diesem Ausbruch über das vorherige Verlaufshoch ist der DAX nach oben erst einmal frei. Sicher, mit dem Anstieg über den ganz langfristigen Aufwärtstrendkanal sehen wir ein „Überschießen“, das ist nie so ganz ohne. Hinzu kommt, dass der DAX sogar auf Monatsbasis markttechnisch nahe der überkauften Zone unterwegs ist. Das passiert nicht oft. Und wenn, das zeigt unser Chart auf Monatsbasis, ist eine Korrektur nie weit. Aber da geht es um langfristige Zeitraster, was hieße:

Jetzt ist der DAX eben erst einmal wieder klar bullisch. Und eine Korrektur könnte zwar jeden Augenblick einsetzen und ggf. auch heftig ausfallen. Aber sie muss es nicht, es könnte auch noch wochenlang weiter gutgehen mit diesem Tanz auf dem dünnen Eis und, wer weiß, sogar die „magische 20.000“ erreicht werden. Von der wirtschaftlichen Realität hat sich der Index ohnehin abgekoppelt, also, warum nicht? Immerhin zählt nur, ob mehr Geld in den Index hinein als hinaus fließt. Ist das der Fall, ist nach oben grundsätzlich nicht unmöglich. Aber!

Expertenmeinung: Deswegen eine Bullenfalle, sprich den unverhofften Rückfall unter das alte Hoch von 18.567,16 Punkten nebst danach weiter fallenden Kursen einfach frohgemut ins Reich der Märchen abzuschieben, wäre höchst verwegen. Denn eines weiß man eben nie:

Wie groß ist die Zahl derer, die gestern bei diesem Ausbruch nicht mitgezogen haben, nicht, weil sie es nicht mitbekommen haben, sondern weil sie nur abwarten wollen, bis den Käufern das Geld ausgeht, um dann in aus ihrer Sicht perfekt hohe Kurse hinein auszusteigen und/oder auf die Short-Seite zu gehen? Denn dass es beim gestrigen Anstieg, der weit über die Kursgewinne anderer großer Indizes hinausging, keine Gegenwehr gab, die man durch immer mal wieder abrutschende Kurse hätte erkennen können, ist völlig normal. Erfahrene Investoren, auch große Adressen, stellen sich einem derart dahinrasenden Güterzug nie in den Weg. Sie warten ab, bis er durch ist, bevor sie aktiv werden. Was bedeutet:

Die DAX-Bullen müssen zwingend immer in Bewegung bleiben, dürfen Bären und potenziellen Verkäufern keine Angriffspunkte bieten. Auf Dauer ist das nicht möglich. Und wenn der DAX noch ein paar Hundert Punkte weiterläuft, könnten bei einem dann auch auf Tagesbasis markttechnisch überkauften Level sogar die Handelsprogramme und die rein technisch agierenden Trader zu Verkäufern werden. Aber wo und wann das passiert, ist eben, wie immer, offen, daher ließe sich als Fazit nur eines festhalten:

DAX Index: Tageschart vom 09.05.2024, Kurs 18.686,60 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX Index: Tageschart vom 09.05.2024, Kurs 18.686,60 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Sollte der DAX dieses vorherige Hoch deutlicher und auf Schlusskursbasis unterbieten, was man als Anhalt bei Closings unter 18.450 Zählern annehmen könnte, dann wäre das Risiko einer Bullenfalls immens, dann beginnt hier das Eis zu brechen. Solange das nicht der Fall ist, ließe es sich auf der Long-Seite angenehmer leben … immer vorausgesetzt, man agiert, wie man es immer sollte, mit einer Stop Loss-Absicherung und zieht diese auch regelmäßig nach!

Der DAX ist seit Ende Oktober gewaltig gelaufen, da wäre eine größere Korrektur als das, was wir bislang gesehen haben, nur normal. Aber es scheint, als wollten es die Bullen nicht darauf ankommen lassen, den Test der kritischen Zone unbedingt vermeiden. Klappt das auf Dauer?

Man kann es recht simpel zusammenfassen: Der DAX darf nach seiner Super-Rallye korrigieren, so viel und so lange er will, solange nur eines nicht passiert: Er darf nicht nennenswert unter 17.000 Punkte zurückfallen. Denn dort liegen nicht nur die Hochs der Phase um die Jahreswende.

DAX: Monats-Chart vom 29.04.2024, Kurs 18.118,32 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 29.04.2024, Kurs 18.118,32 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Um 17.000 bis 17.250 Zähler verläuft auch die obere Begrenzungszone des ganz langfristigen Aufwärtstrendkanals, wie wir im Chart auf Monatsbasis sehen. Würde er zu einem Monatsende, womöglich gar schon im Mai, in diesen Trendkanal zurückfallen, wäre das ein markant bärisches Signal. Und die Bullen wissen:

Die Rahmenbedingungen bieten ihnen derzeit nicht gerade Rückenwind. Die Preise steigen weiter, die Vorab-Inflationsdaten des Aprils aus Spanien und Deutschland gestern machten das erneut deutlich. Zwar sinkt die Jahresrate der Inflation immer näher an die Zwei-Prozent-Marke. Aber solange die Preise im Vergleich zum jeweiligen Vormonat in Regionen zwischen +0,3 bis +0,6 Prozent bleiben, wo sie derzeit liegen, würde die Jahresrate in den kommenden Monaten wieder steigen.

Was auch der EZB klar ist. Daher ist die – im Prinzip ja beflügelnde – Zinssenkungsphantasie momentan dünnes Eis. Dass die EZB im Juni eine kleine Zinssenkung vollzieht, ist zwar tendenziell wahrscheinlich. Dass das dann erst einmal nur ein symbolischer Akt ist und eine Phase des Prüfens und Abwartens folgt statt einer Nonstop-Senkungsserie, aber auch. Und was bliebe ansonsten als Kaufargument?

Expertenmeinung: Der DAX könnte durchaus an das bisherige Hoch und darüber hinaus laufen, wenn die Marktteilnehmer sehen würden, dass die im DAX gelisteten großen Unternehmen imstande sind, trotz der so hohen Zinsen einfach immer mehr und mehr Gewinn zu erzielen. Dass genau das gelingt, war ja auch Teil der Argumentation, die den Index seit Ende Oktober derart rasant und weit nach oben trieb. Der Haken dabei:

Bislang sieht man genau das aber nicht. Bislang hat zwar erst ein Teil der DAX-Unternehmen seine Quartalszahlen bzw. vorläufige Ergebnisse präsentiert. Aber die waren mehrheitlich eher enttäuschend. Und dass so manches Unternehmen bislang keine Vorab-Zahlen präsentiert hat, das sonst immer dann vorprescht, wenn man besser liegt als die Analysten es prognostiziert hatten, lässt nicht unbedingt Gutes erwarten.

Dass der DAX noch so deutlich über dieser Zone um 17.000 Punkte wieder nach oben drehte, erscheint daher eher wie eine „offensive Defensive“ der Bullen und weniger wie Käufe aus Überzeugung. Achten Sie daher auf dieses jüngste Zwischentief bei 17.627 Punkten. Das darf aus Sicht des bullischen Lagers nicht fallen. Passiert es doch, wäre ein Test der Region 17.000/17.250 Punkte sehr wahrscheinlich. Und wenn erst einmal die Kurse kippen, kann die Stimmung schnell hinterher purzeln, daher würde ich, wenn diese Zone wirklich erreicht würde, eher nicht allzu viel darauf wetten, dass sie dann auch hält.

DAX: Tages-Chart vom 29.04.2024, Kurs 18.118,32 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 29.04.2024, Kurs 18.118,32 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Kaum hatte das 2. Quartal begonnen, war es mit den Rallyes der großen Indizes schlagartig vorbei, da bildete der DAX keine Ausnahme. Der hat sich jetzt um 17.800 etwas stabilisiert. Aber das dürfte nicht von Dauer sein, denn so steht er charttechnisch zwischen zwei Stühlen.

Das Rekordhoch, am Morgen des 2. April erreicht, lag bei 18.567 Punkten. Die charttechnisch logischste Zielzone der Korrektur findet sich um 17.000, konkret zwischen 16.963 und 17.050 Punkten. Der DAX findet sich also aktuell genau in der Mitte wieder. Ein Zustand, den Trader nicht gerne so stehen lassen, eine Entscheidung muss her. Was hieße: Entweder, es gelingt, die Korrektur glaubwürdig vor Erreichen der Zielzone abzubrechen … oder die Zielzone wird konsequent angesteuert und getestet. Was wäre wahrscheinlicher?

DAX: Wochen-Chart vom 18.04.2024, Kurs 17.850,81 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochenchart vom 18.04.2024, Kurs 17.850,81 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Man würde in diesem geopolitisch sukzessiv kritischer werdenden Umfeld und angesichts enttäuschender Quartalszahlen der DAX-Mitglieder Continental und Sartorius zwar unwillkürlich zur bärischen Variante neigen. Aber angesichts eines längst geplatzten Zinssenkungs-Szenarios und trotzdem erreichten, neuen Rekordhochs sollte man sich nicht zu sehr auf die Rahmenbedingungen und die Logik stützen. Letztere holt einen davonlaufenden Markt zwar immer ein, egal, ob der zuvor nach oben oder unten übertrieben hat. Aber man weiß nie, wann. Aber woran könnte man sich sonst orientieren?

Expertenmeinung: Zunächst einmal muss man im Hinterkopf haben, dass heute eine Abrechnung der Index-Optionen am Terminmarkt läuft. Das kann den DAX in den letzten zwei, drei Tagen gestützt haben, es kann aber ebenso mit ein Grund gewesen sein, dass er überhaupt in die Mitte dieser Range zwischen Allzeithoch und der 17.000er-Zone gerutscht ist. Das kann man nie sicher absehen, wichtig ist nur, diesen so unkalkulierbaren Aspekt mit einzubeziehen, indem man in dieses aktuelle Verharren um 17.800 Punkte nicht zu viel hinein interpretiert. Unter dem Strich ließe sich sagen:

Nach den am Montag danach oft noch auftretenden „Nachwehen“ einer solchen Abrechnung dürfte der DAX ab dem kommenden Dienstag wieder in normales Fahrwasser zurückkehren, indem der Terminmarkt ins zweite Glied zurücktritt. Ab dann wären zwei Szenarien wegweisend in Bezug auf die Frage, ob die Bullen sich doch noch durchsetzen oder nicht.

Ein entscheidender Erfolg wäre, wenn der deutsche Leitindex nach der knapp unter ihr verlaufenden Oktober-Aufwärtstrendlinie die 20-Tage-Linie zurückerobern könnte, die aktuell bei 18.150 Punkten verläuft.

DAX: Tages-Chart vom 18.04.2024, Kurs 17.850,81 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 18.04.2024, Kurs 17.850,81 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Denn der Blick auf den Chart auf Tagesbasis zeigt, dass der DAX dort am vergangenen Freitag ebenso wie am Montag abgewiesen wurde, als versucht wurde, ihn wieder nach oben zu bringen. Ein Abdrehen an dieser Linie deutet auf aktiv Short agierende, charttechnische Trader hin. Können die an dieser Linie bremsenden Trader bezwungen werden, wäre das ein zumindest kurzfristig klar bullisches Signal.

Sollte der Index aber deutlicher unter das bisherige Korrekturtief von 17.713 Punkten fallen und auch darunter schließen, steigt die Wahrscheinlichkeit immens, dass es weiter Richtung der Zone um 17.000 geht. Die kommende Woche dürfte somit Weichen stellen.