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Der DAX ist in die zwischen Juni und Dezember geltende Handelsspanne zurückgefallen. Die nächsten Kursziele lägen im Bereich um 23.000 und im Extremfall bei 20.800 Punkten. Aber eine Supportlinie könnte das aufhalten. Die Frage ist: Wird diese Linie auch wahrgenommen?
An den US-Börsen hatte man am Montag versucht, eine größere Abverkaufswelle zu verhindern, indem man die Flucht nach vorne antrat. Das anfängliche Minus wurde zum Handelsende nahezu eliminiert, womit das bullische Lager den Eindruck erwecken wollte: Keine Panik, kein Grund zur Sorge, alles ist im Griff. Das Problem war: Die dortigen Anleger dürften sich zwar wenig dafür interessiert haben, dass man in Europa keineswegs so verwegen war, die durch die militärischen Aktionen der USA ausgelösten Verluste mit großem Kapitaleinsatz aufzukaufen, aber sie sahen einen massiv steigenden Ölpreis. Und neben dem Trend des Aktienmarkts sind für viele US-Bürger der Öl- bzw. Benzinpreis Dreh- und Angelpunkt für die Beurteilung der Lage.
Dementsprechend war die Aufholjagd der US-Aktienindizes am Dienstagmorgen in den Futures schon fast komplett zurückgenommen worden. Nach Handelsbeginn nahm der Druck sogar zu. Und das dürfte denen, die im DAX am Montag noch ausgeharrt hatten, den Rest gegeben haben: Der deutsche Leitindex startete mit einer Abwärts-Kurslücke von 430 Punkten zum ohnehin schwachen Montags-Schlusskurs in den Handel und fiel zügig weiter. Am Ende stand ein Minus von 847 Punkten oder 3,44 Prozent zu Buche. Eines, das aus charttechnischer Sicht allerhand „Flurschaden“ angerichtet hat.
Denn dadurch ist der Index mit einem Schlag tief in die das zweite Halbjahr 2025 dominierende Handelsspanne zwischen 22.943 und 24.771 Punkten zurückgefallen und hat zudem gleich zur Eröffnung seine 200-Tage-Linie durchbrochen. Damit wäre die untere Begrenzungszone der alten Handelsspanne zwischen 22.943 bis 23.381 Punkte eigentlich das nächste Kursziel. Aber es gibt noch eine Linie, die nicht nur darüber wartet, sondern am Dienstag auch ziemlich genau touchiert wurde, bevor sich das Minus zumindest ein klein wenig reduzierte. Das Problem könnte sein: Es ist nicht wirklich sicher, dass diese Linie auch alle sehen, denn:
Expertenmeinung: Diesen gestern am Tagestief angelaufenen, potenziellen Support findet man eigentlich nur, wenn man sich ein längerfristiges Chartbild des DAX auf Wochenbasis ansieht. Und ob das in einer „Getümmel-Phase“ wie derzeit viele tun, ist zumindest offen. Worum geht es?

Es geht um die obere Begrenzung des im Herbst 2022 etablierten Aufwärtstrendkanals. Beide Linien dieses Trendkanals, der im Januar 2025 nach oben verlassen wurde, haben sich in den vergangenen zwölf Monaten als wichtig erwiesen. So drehte der DAX im Zuge des „Zoll-Crashs“ im April 2025 auffällig nahe an der unteren Begrenzung des Kanals nach oben. Und die obere Begrenzungslinie diente im November als Unterstützung, als der DAX drohte, aus dem Seitwärts-Kanal, in den er jetzt wieder hineingerutscht ist, nach unten herauszufallen. Grundsätzlich wäre diese um 23.600 Punkte verlaufende Linie also allemal eine Chance, einen Test oder gar Bruch der Supportzone 22.943 zu 23.381 Punkte zu verhindern. Wenn genug Akteure diese Linie sehen, als relevant einstufen und, vor allem, daraufhin auch aktiv auf der Long-Seite agieren.
Doch das ist in einem Umfeld wie momentan alles, nur nicht sicher. Und selbst wenn diese Linie auch heute und im Rest der Woche standhalten sollte: Angesichts der komplett unkalkulierbaren Nachrichtenlage, bei der der Iran derzeit zwar dominiert, aber die anderen Aspekte wie Zölle oder US-Konjunkturdaten jederzeit wieder ins Rampenlicht rücken können, ist eine verteidigte Unterstützung eine genauso unsichere Sache wie eine zurückeroberte Unterstützung. Andererseits: Wenn man im DAX aktiv agieren möchte, sind Ankerpunkte mit einem höheren Unsicherheitsfaktor als sonst immer noch weit besser, als würde man sich von der jetzt herrschenden Hektik und Nervosität anstecken lassen und einfach aus dem Bauch heraus mal hier, mal dort vor sich hin traden.

Fazit: Falls diese obere Begrenzung des 2022er-Kanals im Bereich 23.600 Punkte hält, wäre das ein Grund mehr, Short-Positionen, die über Daytrading und „kleines Geld“ hinausgehen, erst einmal aufzuschieben. Ein mittelfristig relevantes, bärisches Signal wäre ohnehin erst gegeben, wenn der Index aus dieser jetzt wieder relevanten Seitwärtsrange durch Schlusskurse unter 22.943 Punkten nach unten herausfällt. Aber weitere bärische Signale zu verhindern, bedeutet nicht im Umkehrschluss, dass der DAX dann automatisch als bullisch einzustufen wäre. Dazu müsste er nicht nur die jetzt im Feuer stehende Linie halten, sondern umgehend wieder aus dieser Seitwärtsspanne nach oben hinauslaufen. Dazu bräuchte es Schlusskurse über 24.771 Zähler. Und das ist definitiv nichts, dem man im Vertrauen auf die „Bullen-Power“ vorgreifen sollte!
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