Zu Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit legte der Euro zum US-Dollar deutlich zu, ein Zeichen des Misstrauens, das die Trader gegenüber Trumps Wirtschaftspolitik hegten. Doch jetzt tritt das Währungspaar unter dem Strich seit fast einem Jahr auf der Stelle – wieso?
Aktuell notiert der Euro zum US-Dollar in etwa dort, wo er zu Beginn des zweiten Halbjahres 2025 auch schon notierte. Da könnte man sich schon wundern. Immerhin hat sich seither einiges getan: Donald Trumps Beliebtheit ist deutlich gesunken, so dass die Wahrscheinlichkeit wächst, dass er in knapp sechs Monaten im Zuge der US-Zwischenwahlen seine Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Kongress verliert. Er hat den Iran-Krieg begonnen und findet derzeit den Ausgang nicht, während dadurch nicht nur die Inflation wiederbelebt wurde, sondern auch der ohnehin fragile Staathaushalt noch mehr ins Wanken gerät. Und nicht nur das:
Zwar müsste man normalerweise damit rechnen, dass die US-Notenbank auf die wieder höheren Inflationsraten reagiert und den Leitzins anhebt, was den US-Dollar stützen würde … vor allem, wenn die EZB nicht gleichziehen würde. Aber mit dem anstehenden Amtsantritt eines von Mr. Trump ausgewählten neuen Notenbankchefs vermutet man unter den Investoren, dass solche Zinsanhebungen ausbleiben könnten, während man bei der EZB frei von politischer Einflussnahme agiert. Auch das würde gegen den US-Dollar sprechen. Der aber trotzdem nicht weiter in die Knie geht, wie unser Chart auf Wochenbasis zeigt:

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.
Expertenmeinung: Das Währungspaar hat sich zwar oberhalb der Hochs der Jahre 2023 und 2024 festgesetzt, d.h. im Vergleich zu diesen Jahren ist der Euro zum US-Dollar durchaus stark. Aber an die nächste Widerstandszone in Form der beiden Hochs aus dem ersten Halbjahr 2021 bei 1,2266 zu 1,2349 US-Dollar pro Euro wagen sich die Euro-Bullen einfach nicht heran. Dabei wäre der schwindende Status der USA bzw. der US-Wirtschaft als „sicherer Hafen“ doch ein Argument dafür?
Das wäre es, aber offenbar bleiben genug Akteure am Devisenmarkt in der althergebrachten Denkweise verhaftet, dass man im US-Dollar am sichersten aufgehoben ist, wenn es in der Welt kriselt. Dass die USA einiges an diesen Krisen entscheidend angeschoben haben, spielt dabei keine entscheidende Rolle. Eigentlich.
Allerdings wäre diese Argumentation in der aktuellen Gemengelage trotzdem eher wacklig, weil die US-Wirtschaft diesmal nicht, wie oft bei geopolitischen Spannungen, wirtschaftlich profitiert. Einzelne Bereiche wie die Ölindustrie und der Rüstungssektor mögen davon derzeit Vorteile haben, aber die Gesamtwirtschaft sieht nicht mehr allzu gut aus, wie schwache Ergebnisse in Sachen Verbrauchervertrauen, das magere Wachstum der vergangenen zwei Quartale und der inflationsbereinigt kaum noch wachsende Einzelhandel andeuten. Dass der Euro zum US-Dollar weiter an Boden gewinnt, sprich die Euro/US-Dollar-Relation wieder Fahrt nach oben aufnimmt, wäre also allemal begründbar, nur:
Es passiert eben bislang nicht. Zwar mag der Euro/US-Dollar-Kurs nach unten derzeit argumentativ wie charttechnisch gleichermaßen nach unten abgesichert sein. Aber auf der Oberseite sehen wir bislang nach der Gegenbewegung des Euro im Anschluss an die „instinktiven“ Käufe im US-Dollar (d.h. die Euro/US-Dollar-Relation fiel) im März keine Anstalten eines Ausbruchs nach oben. Darauf auf Verdacht zu setzen, wäre vorerst vergebene Liebesmüh‘, daher, so unbefriedigend das für Euro-bullische Akteure auch klingen mag, kann man dieses ansonsten so spannende Währungspaar ausgerechnet in einer Phase wie dieser aktuell nur mit „neutral“ einstufen.
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen







