Was wäre, wenn man am Erfolg der nächsten Blockbuster partizipieren könnte, ohne die Risiken zu tragen? Halozyme könnte diese Möglichkeit bieten.
Die Pharma-Plattform, die kaum jemand kennt
Bei Biotech-Aktien denken Anleger meist an klinische Studien, Zulassungsrisiken und die Hoffnung auf den nächsten Blockbuster. Halozyme Therapeutics funktioniert anders. Das Unternehmen entwickelt keine eigenen Medikamente mehr und setzt stattdessen auf eine Technologie, mit der sich bestehende Medikamente einfacher verabreichen lassen.
Das Herzstück ist Enhanze. Dabei handelt es sich um eine Technologie, die es ermöglicht, Medikamente, die normalerweise per Infusion gegeben werden müssen, einfacher und schneller zu verabreichen.
Dabei wird ein Enzym (rHuPH20) verwendet. Dieses Enzym baut vorübergehend Hyaluronsäure im Gewebe unter der Haut ab. Hyaluronsäure sorgt normalerweise dafür, dass das Gewebe relativ dicht ist und größere Flüssigkeitsmengen nur langsam aufgenommen werden.
Durch rHuPH20 wird diese Barriere für kurze Zeit gelockert. Dadurch können größere Mengen eines Wirkstoffs innerhalb kurzer Zeit unter die Haut verabreicht werden. Das Enzym wird anschließend wieder abgebaut und die normale Gewebestruktur stellt sich wieder her.
Minuten statt Stunden
Der Vorteil wird besonders bei großen biologischen Wirkstoffen deutlich. Viele Antikörper und andere Biologika lassen sich nicht einfach in kleinen Mengen unter die Haut spritzen. Ohne ENHANZE wäre deshalb häufig eine intravenöse Infusion notwendig, die deutlich länger dauert und in einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus durchgeführt werden muss.
Ein gutes Beispiel ist Darzalex von Johnson & Johnson zur Behandlung des multiplen Myeloms. Die ursprüngliche intravenöse Verabreichung kann mit Hilfe von ENHANZE durch eine subkutane Variante ersetzt werden.
Dadurch sinkt die Dauer der Verabreichung von 3 bis 5 Stunden auf wenige Minuten. Für Patienten ist das ein gigantischer Mehrwert. Gleichzeitig wird weniger Personal benötigt, was Enchanze auch wirtschaftlich hoch attraktiv macht.
Es handelt sich um eine echte Win-win-Situation für alle Seiten.
Für Halozyme ist der entscheidende Punkt: Halozyme verkauft nicht die Medikamente, sondern verdient an der Technologie dahinter. Pharmaunternehmen integrieren Enchanze in ihre eigenen Medikamente und zahlen Halozyme dafür Lizenzgebühren sowie umsatzabhängige Royalties.
Zu den wichtigsten Partnern gehören Johnson & Johnson, Roche, Bristol Myers Squibb, argenx, Vertex Pharmaceuticals, Takeda und Pfizer. Diese und andere Partner arbeiten stetig daran, weitere Medikamente auf die Enchanze-Plattform zu bringen und entsprechende Zulassungen zu erhalten.
Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell mit enormem Hebel
Das ist der eigentliche Charme des Geschäftsmodells. Wenn ein Partner ein Medikament mit Enchanze erfolgreich auf den Markt bringt und dieses Medikament anschließend Milliardenumsätze erzielt, wächst auch der Umsatz von Halozyme mit, ohne dass Halozyme selbst auch nur einen Cent in die Entwicklung, Zulassung oder Vermarktung investieren muss oder ein Risiko trägt.
Man kann ENHANZE deshalb vereinfacht als eine Art „Verabreichungsplattform“ für Biologika betrachten. Halozyme versucht, nicht den nächsten Blockbuster-Wirkstoff zu finden, sondern die Technologie zu liefern, die bei möglichst vielen Blockbustern eingesetzt wird.
Und genau deshalb ist Halozyme als Unternehmen interessanter, als es auf den ersten Blick wirkt. Ein Medikament kann scheitern. Eine Technologie, die bei Dutzenden erfolgreichen Medikamenten eingesetzt wird, kann dagegen zu einem sehr breit diversifizierten Royalty-Geschäft werden – oder ist es längst geworden.
Das hatten selbst die Bullen nicht erwartet
Daher hatte ich bereits mehrfach auf Halozyme hingewiesen. Zuletzt bei einem Kurs von 68 USD (Plattform statt Risiko: Halozyme auf dem Weg in die Zukunft?).

Seitdem ist der Kurs erheblich gestiegen, doch das nicht ohne Grund.
Bereits im ersten Quartal lieferte das Unternehmen überzeugend ab. Der Gewinn lag mit 1,60 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 1,54 USD. Mit einem Umsatz von 377 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 358 Mio. USD ebenfalls übertroffen.
Damals stellte Halozyme für das laufende Geschäftsjahr in etwa eine Verdopplung des Gewinns auf 7,75 – 8,00 USD je Aktie in Aussicht.
Seit dem letzten geschäftlichen Update vom 6. August wissen wir, dass das Geschäft noch besser läuft als bisher angenommen.
Im zweiten Quartal lag der Gewinn mit 2,28 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 1,82 USD. Mit einem Umsatz von 481 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 410 Mio. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus und einem Gewinnsprung von 48 %.
Aktie trotz der Rally noch attraktiv?
Daraufhin hat Halozyme die Umsatzprognose von 1,71 – 1,81 auf 1,84 – 1,91 Mrd. USD und die Gewinnerwartungen von 7,75 – 8,25 USD auf 8,65 – 9,00 USD je Aktie erhöht.
Diese Neuigkeiten haben zu einem Kurssprung von etwa 20 % auf ein neues Allzeithoch geführt. Doch auch auf diesem Niveau scheint die Bewertung moderat zu sein.
Ein Kurs von 102 USD entspricht einer forward P/E von 11,6. In Anbetracht der vorliegenden Wachstumsraten, der hohen Profitabilität und den Eigenschaften des Geschäftsmodells ist das problemlos vertretbar.
Gleichzeitig laufen Aktienrückkäufe. Im Mai hat das Unternehmen Buybacks mit einem Volumen von 1,0 Mrd. USD beschlossen, wovon mindestens 400 Mio. USD in diesem Jahr aufgewendet werden sollten.
Glücklicherweise wurde der Beschluss unmittelbar in die Tat umgesetzt und im zweiten Quartal 4,8 Millionen Aktien für einen Durchschnittspreis von 69,30 USD zurückgekauft.
Neue Wachstumstreiber
Darüber hinaus waren einige neue Entwicklungen und Aussagen des Vorstands äußerst interessant. Darunter beispielsweise das Wachstum neuer Produkte, die für Enhanz zugelassen wurden. Der Umsatz in diesem Bereich konnte im letzten Quartal im Vergleich zum vorherigen Quartal um 80 % gesteigert werden.
Darüber hinaus funktioniert Enhanze offenbar nicht nur bei monoklonalen Antikörpern. Die Anwendung wird zunehmend auf weitere Wirkstoffklassen ausgeweitet.
Halozyme hat 2026 unter anderem Vereinbarungen mit Vertex, Oruka und GSK abgeschlossen. Besonders interessant ist die erste Lizenzierung von Enhanze für ein Nukleinsäure-Medikament.
Das erweitert den adressierbaren Markt und senkt die Abhängigkeit von einzelnen Kooperationspartnern und Medikamenten weiter.
Noch wichtiger ist aber, dass Halozyme dadurch nicht mehr ausschließlich vom Wachstum klassischer Antikörper abhängig ist. Auch Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (das sind Medikamente, die zwei Komponenten miteinander verbinden) und Nukleinsäure-Therapeutika rücken in den Fokus.
Damit verändert sich die Investmentstory: Enhanze könnte sich als Plattform für die subkutane Verabreichung komplexer Medikamente etablieren, auch abseits von monoklonalen Antikörpern.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 10.08.2026 um 15:33 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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