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Wenn man sich bei den Analysten umschaut, ist es eher selten der Fall, dass dort eine nennenswerte Zahl von Experten eine Aktie im Aufwärtstrend als nicht mehr kaufenswert einstuft. Bei der Aktie der DHL Group ist das so – ein Hinweis, den man nicht ignorieren sollte.
Das Geschäft mit der internationalen Logistik läuft bei der Deutsche-Post-Mutter DHL Group weiter tadellos, zumindest konnte man da im Zuge der Ergebnisse zum ersten Quartal nicht klagen. Zwar rechnen die Analysten für das laufende Jahr nur mit einem leichten Gewinnanstieg. Aber das scheint denen, die in den vergangenen Monaten immer weiter zugegriffen haben, zu genügen. Die Frage ist, warum die Analysten das anders sehen und wer da womöglich falsch liegen könnte.
Dass die Experten für den Aufwärtsspielraum der DHL Group zusehends skeptisch werden, zeigt sich daran, dass von den 20 diese Aktie aktuell einstufenden Analysten nur noch fünf eine „Kaufen“-Empfehlung aussprechen. Zwölf sagen „Halten“, drei plädieren sogar für den Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit bei gut 52,40 Euro und ist klar überboten, das höchste, aktuell geltende Kursziel von 62 Euro immerhin nahe. Dabei sind Analysten tendenziell ja eher bullisch, nicht selten werden Kursziele einfach mit dem Anstieg der Aktie nach oben genommen. Hier aber eher nicht – wieso?
Expertenmeinung: Das dürfte vor allem daran liegen, dass die Bewertung auf Basis des im Schnitt von den Analysten geschätzten 2026er-Gewinns pro Aktie mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 16 bereits ungewöhnlich hoch ist. Zwar würde sich diese Bewertung moderieren, wenn man auf die Schätzungen der Experten für den Gewinn in zwei Jahren schaut. Aber erstens ist das DHL-Geschäftsfeld nicht ganz unwesentlich konjunktursensibel – und die Konjunkturlage schwankt bisweilen auch zum Schlechten. Zum anderen wäre das Kurs-/Gewinn-Verhältnis 2028 bei höheren Gewinnen pro Aktie ja nur dann normalisiert, wenn die Aktie als das andere Element der Berechnung da bliebe, wo sie aktuell ist. Steigt sie weiter, wird auch die Bewertung teurer.
Das zweite Element, das auch Analysten oft nicht kalt lässt, ist die Charttechnik. Und da sehen wir, dass die DHL-Aktie ab dem Tief vom Frühjahr 2025 einen Aufwärtstrendkanal ausgebildet hat, dessen Begrenzungslinien leicht auseinanderdriften. An dessen oberer Begrenzung ist der Kurs jetzt angekommen, wäre damit also auch aus charttechnischer Sicht „oben“.

Natürlich wäre es nicht ausgeschlossen, dass die Aktie aus diesem Trendkanal nach oben ausbricht. Aber mit Blick auf die eher hohe Bewertung und die mehrheitlich skeptischen Analysten hätte man dann nicht gerade üppigen Rückenwind. Zugleich sollte man sich daran erinnern – ein Aspekt, der in Aufwärtstrends gerne komplett ausgeblendet wird –, dass ein Kurs grundsätzlich beide Enden eines Trendkanals touchieren könnte … und es oft auch tut.
Zwar haben Aufwärtstrends den Vorteil, dass die entscheidenden Chartmarken nach oben laufen. Und in diesem Fall wird die untere Begrenzung des Trendkanals auch noch durch die 200-Tage-Linie verstärkt. Der Haken ist aber, dass dieser doppelte Leitstrahl im Bereich 46,60/47,10 Euro liegt – das ist problematisch weit entfernt.
Ob man sich hier mit sukzessiv nachgezogenen, engen Stoppkursen absichert oder auch mal ein wenig an Beständen verkauft, ist von der persönlichen Risikoneigung abhängig, aber wenn man sich dieses Gesamtbild ansieht, kommt einem schon der alte, platte und trotzdem nicht so ganz verkehrte Börsenspruch in den Sinn: „Durch Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden“.
Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/DHL.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 16.07.2026 um 18:18 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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