Carl Zeiss Meditec: Langsam könnte man an den Einstieg denken

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Carl Zeiss Meditec
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Zur Carl Zeiss Meditec Aktie

Es ist keine vier Wochen her, da war die Carl Zeiss Meditec-Aktie von der Bewertung her deutlich zu teuer. Doch mittlerweile hat die Aktie eine schon jetzt weitreichende Korrektur vollzogen und nähert sich bei überkaufter Markttechnik einer solide wirkenden Supportzone.

Wie die meisten Medizintechnik-Unternehmen ist auch Carl Zeiss Meditec in den letzten Jahren solide gewachsen und hatte in den Lockdown-Phasen nur geringfügige Rückschläge hinnehmen müssen. Insbesondere das am 30. September beendete Geschäftsjahr 2020/2021 wird gut gelaufen sein. Auf Basis der bisher bekannten Zahlen (die Bilanz des dritten Geschäftsjahresquartals) wird der Umsatz im Vergleich zu den Vorjahren überproportional um über 20 Prozent gewachsen sein. Das honorierten die Investoren. Der Haken dabei:

Man nahm dieses starke Geschäftsjahr vorweg. Die Aktie lief auf in der Spitze 202,10 Euro, nachdem die Bilanz des Sommerquartals am 6. August auf dem Tisch lag. Damit war das starke Jahr bereits in den Kursen drin. Und erst in den kommenden Wochen wird Carl Zeiss Meditec erste Tendenzen zum am 1. Oktober begonnenen Geschäftsjahr 2021/2022 herausgeben. Geht es nach den Analysten, wird das Gewinnwachstum in den kommenden zwei Geschäftsjahren zwar erhalten bleiben, aber spürbar an Schwung verlieren. Und kommt es so, war die Aktie bei 202,10 Euro mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 75 für die bereits eingepreisten Gewinne 2020/2021 deutlich überbewertet. Was auch die Analysten so sehen.

Die Experten haben mit dem immensen Anstieg der Aktie sukzessive ihre Einschätzungen angepasst. Im Durchschnitt gilt für Carl Zeiss Meditec nur noch ein „Halten“, das durchschnittliche Kursziel liegt momentan bei 174 Euro und war somit schon deutlich überboten. Jetzt aber liegt die Aktie klar unter diesem Ziel – eine Einstiegschance?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Carl Zeiss Meditec Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Grundsätzlich ja. Aber noch ist die Abwärtstendenz nicht gebrochen. Das sollte man erst einmal abwarten, denn eine Aktie, die im Vorfeld „überschossen“ hat, ist gegen Übertreibungen nach unten nicht gefeit, vor allem dann nicht, wenn die Short-Seller, die „Bären“, die Aktie für sich entdeckt haben. Der Vorteil im Fall Carl Zeiss Meditec: Die Aktie nähert sich einer solide wirkenden charttechnischen Auffangzone.

Sie sehen im Chart, dass der Kurs nach der Vollendung eines Doppeltopps schnell nach unten durchgereicht wurde und aktuell versucht, einen Boden zu bilden. Was gelingen kann, aber nicht muss. Denn auch, wenn der unten im Chart eingeblendete RSI-Indikator bereits die überverkaufte Zone erreicht hat, was selten vorkommt, könnte er sich bei entsprechender Abwärtsdynamik wochenlang in diesem überverkauften Bereich aufhalten. Es wäre daher ratsam, entweder abzuwarten, bis die Aktie die eigentliche mittelfristige Supportzone testet oder mit dem Break über die nächstliegenden Charthürden zeigt, dass die Käufer zurück sind.

Diese mittelfristig relevante Unterstützungszone reicht vom Februar-Hoch bei 140,50 Euro bis zur 200-Tage-Linie bei 153,30 Euro. Hält diese Zone, wäre Carl Zeiss Meditec ein spannender Kaufkandidat, bei dem man dann einen Stoppkurs knapp unter dieser Zone platzieren sollte. Kommt es nicht zu einem Test dieses Bereichs, wäre ein Schlusskurs über 166 Euro und damit über dem Zwischenhoch der Vorwoche die Chance für einen neuen Aufwärtsimpuls. Welche Variante auch greifen wird, langsam sollte man sich diese Aktie in die Watchlist legen!

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Chart vom 11.10.2021, Kurs 159,40 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

 

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Das Medizintechnikunternehmen Carl Zeiss Meditec glänzt derzeit mit beeindruckendem Umsatz- und Gewinnwachstum. Doch das feit die Aktie nicht vor womöglich auch scharfen Korrekturen, denn der Aktienkurs war dem Gewinnwachstum riskant weiter vorausgelaufen.

Dass die Carl Zeiss Meditec-Aktie ungewöhnlich „teuer“ ist, gilt schon seit Monaten. Doch wer deshalb auf Verdacht auf die Short-Seite gesetzt hatte, wurde ein ums andere Mal überrannt. Denn solange das Gros der Marktteilnehmer einen dynamischen Aufwärtstrend vorfindet, scheren sich die wenigsten um ein eigentlich zu hohes Kurs/Gewinn-Verhältnis. Kritisch wird es für das bullische Lager gemeinhin erst dann, wenn einer solchen Aktie die Käufer ausgehen, dadurch das Momentum schwindet und erste Unterstützungen fallen.

Das bei Carl Zeiss am 30.9. endende Geschäftsjahr 2020/2021 wird zwar mit Rekordgewinnen zu Ende gehen, die Analysten sehen hier einen Gewinn um die 2,80 Euro pro Aktie. Aber in Relation zu den bisherigen Hochs der Aktie knapp über 200 Euro errechnet sich daraus ein Kurs/Gewinn-Verhältnis gut 70 – und das ist sehr hoch.

Das wäre hinnehmbar, wenn Carl Zeiss auch in den kommenden Jahren vergleichbar rasant wachsen würde, wie das 2021 gelang. Aber derzeit zeichnet sich das nicht ab, die Analysten sehen momentan für 2022 und 2023 nur einen Gewinnanstieg von im Schnitt zehn Prozent pro Jahr. Damit wäre die Aktie zu teuer. Und in den letzten Wochen kam dann die zweite Zutat hinzu, die eine Korrektur auslösen kann:

Expertenmeinung: Sie sehen im Chart, dass die Carl Zeiss Meditec-Aktie in den vergangenen Handelstagen gleich zweimal versuchte, über das vorherige Verlaufshoch von 200 Euro hinaus zu kommen, das im August erreicht wurde. Beide Male wurde der Kurs knapp darüber abgewiesen. Das war zum Ende der vergangenen Woche für erste Akteure das Signal, doch besser erst einmal die über die letzten Monate gerechnet höchst stattlichen Gewinne mitzunehmen. Dass diese Gewinnmitnahmen am Montag weitergingen, bringt die Bullen jetzt in Bedrängnis.

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Chart vom 27.09.2021, Kurs 181,00 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Der Kurs hatte im August bei 182,40/182,55 Euro wieder nach oben gedreht, von dort aus wurde dieser zweite, jetzt als gescheitert anzusehende Versuch gestartet, einen Schlusskurs über der runden Marke von 200 Euro zu erreichen. Die zwei vergangenen, markant schwachen Tage, an denen die Aktie jeweils auf Tagestief aus dem Handel ging, haben dafür gesorgt, dass diese Unterstützung 182,40/182,55 Euro am Montagabend fiel. Noch ist der Bruch mit einem Montags-Schlusskurs von 181,00 Euro nicht signifikant, aber:

Damit wäre heute die letzte Chance der Bullen, die Vollendung eines Doppeltopps auf den letzten Drücker noch abzuwenden. Sollte eine Gegenreaktion nach oben ausbleiben oder, was psychologisch noch ungünstiger ist, gestartet, aber abverkauft werden, wäre der Weg aus charttechnischer Sicht frei bis in den Unterstützungsbereich 150/160 Euro, bestehend aus dem mittelfristigen Aufwärtstrend und der 200-Tage-Linie. Und selbst dort wäre die Aktie noch nicht „billig“. Das wissen die Short-Seller … und das wissen auch die Bullen, so dass es durchaus möglich wäre, dass die Zahl derer, die jetzt freiwillig aktiv werden, um die Korrektur zu verhindern, begrenzt ist.

Dass Carl Zeiss Meditec 2021 Rekordgewinne erreichen wird, ist absehbar. Und derzeit spricht viel dafür, dass auch die kommenden Jahre gut werden. Trotzdem könnte die Aktie kippen. Die Ursache teilt die Carl-Zeiss-Aktie mit vielen anderen aus zuletzt stark gesuchten Branchen.

Der Unternehmensgewinn ist zwar stark gestiegen, befeuert durch kräftig angezogene Gewinnmargen. Aber die Aktie stieg noch deutlich stärker. Dadurch liegt die Bewertung weit über dem Normalniveau vergangener Jahre, zugleich wurden charttechnische Kursziele nicht nur erreicht, sondern sogar überboten. Nach einer Super-Rallye von in der Spitze 85 Prozent von Jahresbeginn an ist es daher kein Wunder, dass eine solche Aktie auch mal Luft ablässt. Die Frage ist: Könnte man langsam schon wieder einsteigen … oder geht es noch tiefer?

Expertenmeinung: Das hängt von der jetzt erreichten, charttechnischen Unterstützungslinie ab. Sie sehen, dass die Carl Zeiss-Aktie an die runde Marke von 200 Euro herangelaufen war, dabei aber sogar über den steileren der beiden mittelfristigen Aufwärtstrendkanäle hinaus geschossen war. Dessen obere Begrenzung verläuft momentan bei 182,50 Euro und stellt die jetzt entscheidende Unterstützung dar. Die müsste, nachdem der Kurs dieser oberen Begrenzung des Trendkanals schon mehrfach nahe gekommen war, aber bislang auf Distanz gehalten wurde, erneut halten. Gelingt das, könnte das bisherige Hoch abermals angesteuert, im Idealfall auch überboten werden. Aber wenn nicht, läge die nächste Auffangzone erst im Bereich von 165 Euro, wo wir die obere Begrenzung des übergeordneten, im Frühjahr 2020 etablierten Trendkanals als natürliches Kursziel finden.

Grundsätzlich ist diese Aktie eine mit herausragenden Perspektiven. Aber einer solchen Hausse hinterherzulaufen, die die Carl Zeiss-Aktie derzeit auf ein zu hohes Kurs/Gewinn-Verhältnis von 67 (auf Basis der Konsens-Schätzungen der Analysten für das am 30.9. endende Geschäftsjahr 2020/2021) getragen hat, ist riskant. Vor allem, weil auf diesem luftigen Level der Rückenwind der Analysten nachlässt:

Da ist für die Carl Zeiss Meditec-Aktie aktuell ein durchschnittliches Kursziel von 180 Euro aufgerufen – die Aktie hat also auch da „überschossen“. Hier sollte die Geduld die Sorge, etwas zu verpassen, besiegen. Gelingt ein Einstieg auf tieferem, konsolidiertem Niveau, ist ein Stoppkurs enger platzierbar und das Aufwärtspotenzial besser. Gelingt das nicht, weil die Aktie doch nicht weiter zurückkommt, wäre es besser, sich erst einmal nach anderen, spannenden Kandidaten umzuschauen.

Chart vom 26.08.2021, Kurs 185,05 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Nachdem der Medizintechnikspezialist Carl Zeiss Meditec Mitte Juli überzeugende Neun-Monats-Zahlen vorlegte, setzte sich die bereits im Vorfeld gestartete Rekordjagd fort. Wäre es jetzt, da die „good news“ auf dem Tisch liegen, nicht Zeit, an Gewinnmitnahmen zu denken?

Nach drei Viertel des Geschäftsjahres 2020/2021 (Geschäftsjahresende ist hier immer der 30. September) sieht die Lage bei Carl Zeiss Meditec entsprechend der am 16. Juli vorab des regulären Bilanztermins (6.8.) vorgelegten Ergebnisse hervorragend aus. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz um 23,8 Prozent, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) legte um knapp 153 Prozent zu. Der überproportionale Gewinnanstieg basierte auf einer beeindruckenden EBIT-Marge von 23,6 Prozent (Vorjahreszeitraum 11,6 Prozent).

Auf Basis dieser starken Ergebnisse hob Carl Zeiss Meditec die Prognose für das Gesamt-Geschäftsjahr 2020/2021 insofern an, als man jetzt erwartet, dass das bisherige Umsatzziel von 1,6 Milliarden Euro übertroffen wird und die EBIT-Marge die bislang geltende Zielzone von 20 Prozent deutlich überbieten werde. Angesichts solcher Zahlen kann die Aktie ja eigentlich nur steigen – oder?

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Tages-Chart vom 26.07.2021, Kurs 182,45 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Natürlich sind positive Nachrichten die Basis steigender Kurse. Aber diese Zahlen kamen am 16. Juli. Seither ist die Carl Zeiss-Aktie kräftig gestiegen und war bereits zuvor wochenlang auf Rekordkurs. Dabei ist die Aktie aus ihrem mittelfristigen Aufwärtstrendkanal nach oben ausgebrochen, es ist also ein „overshooting“ aufgetreten, das auch seine Spuren bei der Markttechnik hinterlassen hat. Sie sehen im Chart auf Wochenbasis den Relative Stärke Indikator RSI. Dieser ist jetzt weit über die Grenze der überkauften Zone von 70 gelaufen. Und man sieht im Rückblick, dass Levels über 70 zuletzt entweder eine Seitwärtsbewegung einläuteten oder sogar eine Korrekturphase.

Wäre die Aktie trotz dieser Super-Rallye noch relativ günstig bewertet, könnte man sich überlegen, eisern am Ball zu bleiben. Aber wenn wir uns ansehen, dass der Carl Zeiss Meditec-Kurs gegenüber dem „Prä Corona“-Hoch vom Februar 2020 über 50 Prozent zugelegt hat, sollte man da genauer hinsehen. Da das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr 2019/2020 Corona-bedingt Druck auf den Gewinnen sah, wäre da der Vergleich zum vorvergangenen Geschäftsjahr 2018/2019 sinnvoll.

Damals standen Ende September 2019 1,80 Euro Gewinn pro Aktie zu Buche. Derzeit schätzen die Analysten für 2020/2021 einen Gewinn von 2,70 Euro pro Aktie. 50 Prozent mehr als damals, mit Blick auf die oben genannten Neun-Monats-Zahlen, die einen Gewinn von 2,04 Euro pro Aktie in diesen ersten neun Monaten ausweisen, dürfte das hinkommen. Ende Juli 2019, als diese damaligen Zahlen herauskamen, notierte die Aktie um 90 Euro. Heute, bei einem Gewinnplus von 50 Prozent, liegt sie aber bei über 180 Euro und damit 100 Prozent höher. Die Aktie ist also deutlich teurer geworden – und war schon damals nicht unbedingt „billig“, was das Kurs/Gewinn-Verhältnis angeht.

Würde die Carl Zeiss-Aktie dieses Tempo des Gewinnanstiegs über die kommenden zwei Jahre beibehalten, wäre ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 67, wo wir es derzeit sehen, zwar in Ordnung. Aber die Experten sehen über die kommenden zwei Geschäftsjahre nur noch ein Gewinnplus von im Schnitt zehn Prozent. Und dafür wäre diese Bewertung deutlich zu hoch.

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Wochen-Chart vom 26.07.2021, Kurs 182,45 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Fazit: Die „good news“ liegen auf den Tisch, die Aktie ist markttechnisch überkauft, die Bewertung hoch und, das kommt noch hinzu, das durchschnittliche Kursziel der Analysten von 167 Euro überboten. Da wäre der Gedanke, sich hier zumindest bei einem Teil einer bestehenden Position den Gewinn zu sichern, allemal opportun.

Ein Minus von 3,55 Prozent bei der Carl Zeiss Meditec-Aktie als Reaktion auf starke Halbjahreszahlen – was ist da los? Man könnte argumentieren, dass die Zahlen bereits bekannt waren, aber dadurch wird das Minus erst recht zu einem kritischen Signal.

In den ersten sechs Monaten des am 30.9. endenden Geschäftsjahres 2020/2021 steigerte das Medizintechnik-Unternehmen seinen Umsatz um 7,3 Prozent, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) kletterte wegen der ausnehmend stark von 14,3 auf 21,2 Prozent gestiegenen Gewinnmarge weit überproportional um 58,7 Prozent. Das war ein überzeugendes Ergebnis.

Und für das Gesamtjahr 2020/2021 rechnet Carl Zeiss Meditec mit einem Umsatzplus von knapp 20 Prozent sowie mit einer Gewinnmarge um die 20 Prozent. Damit steuert das Unternehmen auf einen Rekordgewinn zu. Und wenn die durchschnittliche Analystenprognose eines Gewinns pro Aktie um die 2,33 Euro zutrifft, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf dem derzeitigen Kursniveau der Aktie mit 60 durchaus auf einem diesem Wachstum angemessenen Level. Das ist eigentlich kein Zahlenwerk, bei dem man vermuten würde, dass die Aktie darauf mit einem Minus von 3,55 Prozent reagiert. Wo also ist der Haken?

Expertenmeinung: Der Haken liegt nicht in den Ergebnissen selbst, sondern darin, dass zu viele im Vorfeld mit solchen starken Zahlen gerechnet hatten. Der Verdacht kam bereits am 19. April auf: Da hatte Carl Zeiss Meditec die Ergebnisse inklusive der Gesamtjahresprognose vorab veröffentlicht. An diesem Tag markierte die Aktie zwar mit 152,50 Euro einen neuen Verlaufsrekord, konnte das Plus aber nicht halten und gab den gesamten Tagesgewinn wieder ab. Ein vergangene Woche unternommener Versuch, dieses Hoch erneut anzugehen, misslang. Und dass viele Akteure gestern als Reaktion auf diese bestätigten, guten Ergebnisse erneut verkauften, macht deutlich:

Den Bullen geht die Puste bzw. die Motivation aus. Denn so gut dieses Ergebnis auch ist, mit diesem Gesamtjahresausblick sind vorerst die entscheidenden Nachrichten auf dem Tisch. Es mag sein, dass Carl Zeiss Meditec seine Prognose im günstigen Fall noch einmal anhebt. Aber wenn, wird das eben nicht in den nächsten Wochen passieren, eher in Richtung Ende des laufenden oder Anfang des nächsten Quartals. Damit würde es also kurzfristig an Argumenten für weitere Käufe fehlen. Und nachdem die Akteure am 19. April gesehen hatten, dass man bereits dort, als diese Zahlen noch „neu“ waren, keinen neuen Schwung in den Kurs zu bringen vermochte, waren diese Gewinnmitnahmen durchaus nachvollziehbar.

Die Aktie ist zwar aus charttechnischer Sicht bis hinunter auf 105 Euro gut unterstützt. Aber sollte die nächstgelegene, gestern knapp unterbotene Supportlinie bei 140,50 Euro deutlicher unterboten werden, müsste man einkalkulieren, dass die darunter wartenden, potenziellen Auffanglinien Stück für Stück „abgearbeitet“ werden. Sollte es gelingen, das gestrige Tageshoch bei 146 Euro und damit dann auch die 20-Tage-Linie zurück zu erobern, wäre die Kuh erst einmal vom Eis. Wenn das aber in den kommenden zwei, drei Handelstagen nicht gelingt, dürfte hier in der Tat erst einmal die Luft raus sein.

Carl Zeiss Meditec-Aktie: Chart vom 10.05.2021, Kurs 139,90 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX

Als Reaktion auf die am Morgen vorgelegte Bilanz des ersten Halbjahres 2020/2021 stieg die Carl Zeiss Meditec-Aktie gestern um bis zu 3,1 Prozent auf neue Verlaufshochs. Am Abend aber blieb nichts von diesem Gewinn übrig. Das muss man sich genauer ansehen.

Eines kann man festhalten: Die Zahlen, die das Medizintechnik-Unternehmen nach den ersten zwei Quartalen des am 1. Oktober begonnenen Geschäftsjahres 2020/2021 vorlegte, waren überzeugend. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) weit überproportional um satte 58,7. Das lag an der deutlich von 14,3 auf 21,2 Prozent gestiegenen Marge. Dadurch gelang ein Gewinn pro Aktie von 1,12 Euro nach 0,71 Euro im Vorjahreszeitraum.

Hinsichtlich des Gesamt-Geschäftsjahres rechnet Carl Zeiss damit, dass der Umsatz um 1,6 Milliarden Euro liegen dürfte. Das wäre Rekord, läge deutlich über dem bisherigen Rekordjahr 2018/2019, als 1,46 Milliarden Euro erreicht wurden. Die EBIT-Marge soll etwa bei 20 Prozent liegen, weit über dem Geschäftsjahr 2019/2020 mit 13,3 Prozent und höher als die 18 Prozent, die Carl Zeiss Meditec im Vorfeld der Corona-Krise als Ziel angepeilt hatte. Das klingt positiv, warum nahmen einige den Anstieg auf ein neues Hoch zum Anlass Gewinne mitzunehmen?

Expertenmeinung: Das dürfte zwei Gründe haben. Zum einen teilte Carl Zeiss auch mit, dass man mittelfristig mit einer EBIT-Marge von 18 Prozent rechne, das heißt, mit dem ursprünglichen Ziel aus den Vorjahren. Denn, so das Unternehmen, die Marge seit aktuell wegen der derzeit niedrigen Vertriebs- und Marketingkosten so hoch. Das lässt sich auf Dauer also nicht halten. Und kalkuliert man dann mit einem erneuten Umsatzanstieg um die zehn Prozent in 2021/2022 bei einer zugleich zwei Punkte niedrigeren EBIT-Marge, käme eine Stagnation des Gewinns heraus, ggf. sogar ein leichter Rückgang gegenüber den 320 Millionen Euro, die sich für das EBIT im laufenden Jahr 2020/2021 errechnen würden.

Und daraus ergibt sich das zweite Problem, denn nimmt man einen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr von ca. 2,25 Euro pro Aktie an, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf Höhe des gestern erreichten Verlaufshochs von 151,05 Euro bei satten 67. Das wäre für ein ab dem kommenden Jahr erst einmal stagnierenden und dann wohl eher langsam steigenden Gewinn untypisch teuer. Bis 2017 lag das Kurs/Gewinn-Verhältnis hier immer um die 30, 2018 dann am Jahresende bei 51, 2019 bei 58. Nur Ende 2020 lag es höher, aber das lag daran, dass die Akteure bereits wussten, dass die Gewinn-Delle des Jahres 2019/2020 im neuen Geschäftsjahr bereinigt würde. Fazit: Carl Zeiss Meditec jongliert vom Kursniveau her im Bereich der Bewertungs-Schmerzgrenze. Sollte man also besser aussteigen?

Wie immer sollte man das in einer optimistischen Phase des Gesamtmarkts nicht tun, bevor das Chartbild indiziert, dass man mit der Erkenntnis, dass ein Verkauf zu überlegen wäre, nicht allein ist. Was hier dann zu vermuten wäre, wenn die Aktie das alte, im Februar ausgebildete Rekordhoch bei 140,50 Euro signifikant und auf Schlusskursbasis unterbietet. Solange diese nächstgelegene Unterstützung hält, könnte man mit einem Stoppkurs unterhalb dieser Marke durchaus an Bord bleiben.

Chart vom 19.04.2021, Kurs 146,55 Euro, Kürzel AFX | Online Broker LYNX