Das Chartbild des Online-Gebrauchtwagenhändlers AUTO1 Group kommt derzeit deutlich bullisch daher. Das 2025er-Hoch ist bereits in Schlagdistanz und könnte zeitnah überboten werden. Aber sollte man die teure Bewertung deswegen einfach ignorieren?

So sollte ein bullischer Chart aussehen: Im November kam es zu einer scharfen Korrektur, in deren Verlauf auch die 200-Tage-Linie gebrochen wurde. Doch knapp darunter wartete ein „Sprungtuch“ auf die Bullen: Die Ende 2024 etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie. Gut zwei Wochen lang rang der Kurs mit dieser Linie, dann konnte er sich nach oben lösen. Die Verteidigung dieser wichtigen Linie brachte die Käufer zurück – und zum Ende der Vorwoche wurde die AUTO1-Aktie mit +6,21 Prozent zum Tagessieger im MDAX. Nachdem der Kurs unmittelbar davor präzise an der 20-Tage-Linie nach oben gedreht hatte, ist das ein mögliches Zeichen dafür, dass die Bullen wieder im Geschäft sind.
Jetzt läge das 2025er Jahresverlaufshoch bei 31,50 Euro in unmittelbarer Reichweite. Und da die Aktie sich in einer Zone bewegt, die zuletzt 2021 im Zuge des drastischen Abstiegs nach dem Börsengang (Anfang 2021) gehandelt wurde und damals keine nennenswerten Wendemarken entstanden, die jetzt noch als charttechnische Hürden dienen müssten, wäre der Weg nach oben, auch über 31,50 Euro, grundsätzlich frei. Zumindest aus charttechnischer Sicht.
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Expertenmeinung: Denn wenn man sich die Bewertung der Aktie ansieht, sollte man zumindest zweimal überlegen, ob man im Fall eines trendbestätigenden Ausbruchs wirklich ein mittelfristiges Investment ins Auge fassen will oder besser wegbleiben bzw. sich lieber auf die kurzfristige Trading-Ebene beschränken möchte.
Sollte die durchschnittliche Gewinnschätzung der Analysten für das Jahr 2026 zutreffend sein, würde der Online-Gebrauchtwagenhändler in diesem Jahr einen Gewinn pro Aktie von 0,65 Euro erreichen. Das entspräche einem Gewinnanstieg von 60 Prozent zum bislang ja auch noch geschätzten 2025er-Gewinn. Zwar ist der Gebrauchtwagenmarkt derzeit stark und AUTO1 hat dort eine solide Position mit zügig wachsendem Marktanteil, so gesehen wäre diese Schätzung nicht unrealistisch, aber:
Würde es so kommen, würde die Aktie am Ende des Jahres ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 45 ausweisen. Allerdings nur, wenn der Kurs auf dem aktuellen Level bliebe. Würde er beispielsweise auf das Startlevel des ersten Handelstages 2021 von 55 Euro steigen, läge dieses KGV bereits bei 85. Und klar dürfte sein: Der Gebrauchtwagenmarkt wird eher nicht auf viele Jahre hinaus noch weiter stark wachsen und zugleich immer höhere Gewinnmargen ermöglichen. Wo da ein Peak erreicht sein könnte, ist zwar nicht vorhersehbar. Aber weitere zwei, drei Jahre mit sehr starkem Wachstum, die es bräuchte, um diese hohe Bewertung zu rechtfertigen, sind zumindest fraglich.
Einige Analysten glauben zwar daran … so dürfte die Anhebung des Kursziels von 37 auf 39 Euro durch Goldman Sachs am Freitag ihr Scherflein zum starken Kursanstieg zum Wochenschluss beigetragen haben. Aber nicht alle sind so optimistisch, der Kursziel-Schnitt liegt mit derzeit 33 Euro nicht mehr allzu weit über dem aktuellen Kurs. Fazit:
Charttechnisch sieht die Aktie momentan hervorragend aus, aber hier wird sehr viel Wachstum vorweggenommen, das in diesem nicht wirklich vorhersagbaren Markt keineswegs so grandios ausfallen muss, wie manche es aktuell unterstellen. Wer von dieser Wachstumsstory überzeugt ist, mag das hohe KGV ignorieren, aber wer dahingehend eine Augenbraue hochzieht, sollte die Aktie aktuell besser im Bereich des spekulativen Tradings verorten.
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