Wie werden Kursziele festgelegt?

Sie werden es als Anleger immer wieder erleben: Die Nachricht, dass ein Bankanalyst das Kursziel dieser oder jener Aktie, bisweilen eines ganzen Index, angehoben oder gesenkt hat, sorgt dafür, dass sich die Notierungen meist umgehend in die neue Richtung bewegen. Kursziele und die, die sie setzen, können den Markt also deutlich beeinflussen. Aber was sind Kursziele eigentlich? Wagen wir einmal eine Definition:

Was sind Kursziele: eine Definition

Kursziele sind nichts anderes als Prognosen, wohin sich ein Kurs entwickeln sollte, sofern die der Kurszielberechnung zugrundeliegenden Faktoren und Einflüsse konstant bleiben. Sie sollen der eigenen Orientierung dienen, sofern man diese selbst ermittelt oder der Orientierung der Kunden, sofern Analysten diese Kursziele festlegen.

Je nach Gemengelage und der Beurteilung desjenigen, der das Ziel berechnet, können Kursziele also ebenso oberhalb wie unterhalb des aktuellen Kurses liegen.

Kursziele an sich unterscheiden sich einerseits in ihrer zugrundeliegenden Basis, andererseits in der Zeitebene. Es ist wichtig, das jeweils im Hinterkopf zu behalten, wenn es darum geht, von anderen ausgegebene Kursziele als Basis eigenen Handelns zu nutzen. Konkret:

  • Kursziele können auf Basis der Analyse der Fundamentaldaten oder auf Basis einer charttechnischen Analyse entstehen. Und:
  • Kursziele können auf einen kurz-, mittel- oder langfristigen Zeithorizont ausgerichtet sein.

Wie werden Kursziele festgelegt?

Kursziele werden, wie in der Definition erwähnt, grundsätzlich auf Basis von entweder der fundamentalen Analyse oder der Charttechnik ermittelt. Dass beide Disziplinen bei der Kursziel-Ermittlung zugleich eingesetzt werden, ist unüblich.

Die fundamentale Kursziel-Ermittlung

Auf fundamentaler Basis betrachtet man sich in Bezug auf Aktien das betriebswirtschaftliche Gesamtbild, so z.B. die Entwicklung von Umsatz und Gewinn, die Entwicklung des Vermögens bzw. der Verschuldung, die Produktpalette, die Qualität des Managements etc., also alle Fakten, derer man habhaft werden kann. Hinzu kommt die Beurteilung des volkswirtschaftlichen Umfelds. Hier fließen Zinsumfeld, Weltwirtschaftswachstum, politische Einflüsse etc. mit ein.

Bei einer grundsätzlich positiven Einstufung und einer aus dieser Analyse erwachsenden Erwartung einer weiterhin positiven Entwicklung versucht der Analyst, eine Prognose zu erstellen, wo die Aktie, vorausgesetzt, die relevanten Rahmenbedingungen bleiben erhalten, in einem halben Jahr, in einem Jahr oder in zwei Jahren ihren fairen Wert haben würde. Daraus erstellt er eine Zielvorgabe, sprich gibt das Kursziel der Aktie aus.

Kommt er zu dem Schluss, dass die aktuelle Lage und/oder die Perspektiven eines Unternehmens problematisch werden könnten bzw. bereits negativ sind, wird er aber auch ein Kursziel ausgeben, das unter dem aktuellen Kurs liegt.

Da die Zukunft bekanntlich ungewiss und damit nicht sicher vorhersagbar ist, kommen verschiedene Analysten auch zu verschiedenen Schlussfolgerungen. Besonders extrem ist dies bei Unternehmen, die noch in der Verlustzone operieren. So liegt die Spanne der Kursziele z.B. bei Tesla zwischen 180 und 530 US-Dollar, da einige Analysten der Ansicht sind, dass Tesla recht bald tief in die Gewinnzone laufen wird, andere hingegen genau das vehement anzweifeln. Sie sehen hier, wo sich das per August 2018 höchste und niedrigste Kursziel der Tesla-Aktie in Relation zu dem tatsächlichen Verlauf des Aktienkurses derzeit befinden:

Grundsätzlich einfacher hat es ein Analyst, wenn es um etablierte, starke Unternehmen geht, die einen festen Stand im Markt haben. So ist z.B. das Kursziel der Apple-Aktie eher einzugrenzen als das von Tesla. Hier sehen wir, dass die Spanne der Kursziele weitaus schmaler ist, sie bewegt sich zwischen 170 und 275 US-Dollar. Damit sind diese Kursziele auch verlässlicher, weil sie auf mehr Erfahrungswerten und zahllosen Daten basieren und weitaus weniger auf Annahmen und Projektionen, wie das bei Unternehmen wie Tesla der Fall ist, die irgendwann sehr profitabel werden könnten, aber nicht müssen.

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Die charttechnische Kursziel-Ermittlung

Die Ermittlung von Kurszielen auf charttechnischer Basis unterscheidet sich komplett von derjenigen auf fundamentaler Basis. Während bei ersterer die Charts keine Rolle spielen, sind es hier Umsatz, Gewinn etc., die aus der Kalkulation eines Kursziels völlig herausgenommen werden. In der Regel geht es bei der technischen Kurszielermittlung zudem um ein kurzfristigeres Zeitraster, denn ob es nun um Trendkanäle oder Kursformationen geht, aus denen sich Kursziele ableiten lassen, deren Reichweite ist beschränkt und geht normalerweise über die mittelfristige Ebene nicht hinaus. Sehen wir uns als Beispiel für ein mittelfristiges Kursziel den DAX an:

Wir sehen den DAX hier als Wochenchart abgebildet. Seit Anfang 2016 hat sich hier ein Aufwärtstrendkanal gebildet. Dessen obere Begrenzung, im August 2018 bei 14.500 Punkten, wäre ein „natürliches Kursziel“ für den Index. Zusätzlich sehen wir, dass die untere Begrenzung des Trendkanals zusammen mit einer vom Januar 2018 ausgehenden Abwärtstrendlinie eine Dreiecksformation gebildet hat.

Würde der DAX aus dieser Formation nach oben ausbrechen, wäre das rechnerische Kursziel die Distanz zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt der Formation, an den Ausbruchspunkt nach oben angetragen (die blauen Linien). Dieses Kursziel würde den DAX bis 14.900 Zähler tragen können. Diese Zone aus beiden Berechnungen, also der Bereich 14.500 bis 14.900 Punkte, wäre im Fall eines Ausbruchs aus dem Dreieck das aktuelle charttechnische Kursziel des DAX.

Auch Trendwendeformationen bieten eine sehr gute Basis zur Berechnung von Kurszielen. Bedienen wir uns dazu wieder unseres DAX, betrachten aber ein anderes „was wäre, wenn“: Einen Ausbruch des Index nach unten.

Dieser Chart nimmt die vorherigen Linien heraus und zeigt, dass der Index im Fall eines Abwärtsimpulses, der ihn auf signifikant neue Jahrestiefs führen würde, eine Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation vollenden würde. Wo läge das Kursziel, wenn es im Fall von Kursen unter 11.600 Punkten tatsächlich dazu kommen würde?

Hierzu berechnet der Charttechniker die höchste Distanz innerhalb der Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation, vom höchsten Punkt des Kopfs bis zum tiefsten Zwischentief an der Nackenlinie, und trägt diese Distanz nach unten dort ab, wo der DAX die Nackenlinie durchbricht. Würde der DAX umgehend unter diese Nackenlinie fallen, würde sich daraus ein rechnerisches Kursziel um 9.840 Punkte errechnen.

Dass solche Kursziele durchaus beachtet und bisweilen genau getroffen werden, sehen wir, wenn wir uns unser Musterbeispiel DAX noch einmal ansehen, diesmal aber in einem kurzfristigeren Zeitraster auf Tagesbasis.

Die Bracket-Order: Intelligent Aktienposition absichern

Die Bracket-Order verbindet auf intelligente Art und Weise eine Limit-Order mit einer Stop-Order. Sie können Gewinnziel sowie maximalen Verlust festlegen – und wenn der Aktienpreis eine der festgelegten Schwellen erreicht, wird die entsprechende Order ausgeführt, während die andere automatisch gelöscht wird.

Hier sehen wir, dass der DAX ab Oktober 2017 ein Doppeltopp ausgebildet und Anfang Februar vollendet hatte. Die Formation war wegen des etwas höher liegenden zweiten Hochs und der „hängenden“ Nackenlinie zwar keine Formation, die man im Lehrbuch als Musterbeispiel zeigen würde, aber sie war als Doppeltopp „gültig“ – und damit auch das daraus entstehende rechnerische Kursziel. Auch bei einem Doppeltopp errechnet sich das Kursziel aus dem höchsten Punkt der Formation hinunter zum tiefsten Punkt, der in diesem Fall der Ausbruchslevel war. Diese Distanz trägt man an den Ausbruchspunkt nach unten ab – und Sie sehen es: Dieses Kursziel wurde im März präzise erreicht, nur intraday für wenige Punkte unterboten – und danach drehte der Index wieder aufwärts!

Übrigens: Grundsätzlich lassen sich Kursziele auf Basis der Fundamentaldaten oder der Charttechnik übrigens für jedes Asset berechnen: Für Aktien, Indizes, Währungspaare, Rohstoffe, Zinsen und Anleihen.

Welche Faktoren können Kursziele beeinflussen?

Kursziele dienen der Orientierung, sind aber natürlich nicht in Stein gemeißelt, vor allem, wenn es um Kursziele geht, die auf fundamentaler Basis ermittelt wurden, wie das bei den meisten Kurszielen von Bankanalysten der Fall ist. Denn all die Faktoren, auf deren Basis diese Ziele ermittelt wurden, können sich natürlich verändern. Beispiele:

  • Ein Großauftrag führt dazu, dass die Umsatz- und Gewinnprognose deutlich nach oben korrigiert wird. Das würde auch das Kursziel beeinflussen, ggf. würde man es nach oben nehmen.
  • Das Unternehmen übernimmt ein anderes. Je nach Preis und der Frage, ob diese Übernahme sinnvoll erscheint, urteilt der Analyst darüber, ob er sein bisheriges Kursziel daraufhin korrigiert.
  • Ein neues Produkt wird vorgestellt. Mittelfristig entsteht daraus ein weit höheres Gewinnpotenzial als das, wovon man vorher ausgehen konnte. Der Analyst wird das Kursziel nach oben nehmen.

Kursziele sind also flexibel. Selbst bei charttechnisch ermittelten Kurszielen können Korrekturen erfolgen. Sehen wir uns das an einem erneuten Beispiel an:

Wir sehen hier eine Toppbildung beim Goldpreis, deren Spanne nach unten abgetragen ein Kursziel auf der Unterseite von 1.260 US-Dollar ergeben hatte. Aber dieses Ziel wurde nicht nur zügig erreicht, sondern auch unterboten. Also galt es, ein neues Kursziel zu finden. Da orientiert man sich dann gerne an markanten Wendepunkten, bei denen man vermuten darf, dass die bullische Seite versuchen wird, diese Unterstützungen zu verteidigen. Das erste daraufhin erweiterte Kursziel bei 1.240 US-Dollar wurde ebenso schnell gebrochen, also sucht man nach dem nächsten markanten Wendepunkt und findet diesen bei 1.211 US-Dollar. Auch da ist Gold Mitte August bereits angekommen. Würde diese Linie klar unterboten, wird das Kursziel erneut nach unten erweitert. Was natürlich die Frage aufwirft:

Wie aussagekräftig sind Kursziele wirklich?

Sind Kursziele für den Anleger wirklich eine sinnvolle Orientierung? Wenn Kursziele übertroffen werden, werden sie oft einfach korrigiert. Also könnte man den Eindruck bekommen, es handele sich bei Kurszielen um sehr vage Vorgaben, die immer dann, wenn sie überboten oder gar nicht erst erreicht werden, korrigiert werden, so dass es am Ende doch der Kurs und nicht die für das Kursziel vorgenommene Analyse ist, der bestimmt, wohin es geht. Und ja:

Das ist völlig richtig. Entscheidend ist, Kursziele richtig einzuordnen. Kursziele gelten so lange, bis sich etwas ereignet, das bei der Berechnung des Kursziels noch nicht bekannt war und imstande ist, die Einschätzung zu verändern – egal, ob es sich da um fundamentale oder um charttechnische Ereignisse handelt. Das bedeutet: Kursziele sind beweglich. Was bedeutet das für Sie als Anleger? Sollte man kursziele daraufhin doch besser einfach ignorieren?

Nein. Man muss sie nur richtig einordnen und entsprechend nutzen. Dabei sollten Sie drei Dinge beachten:

  1. Prüfen Sie, wie alt das Kursziel ist. Analysten können ihre Kursziele nicht tagtäglich überarbeiten. Gerade bei fundamentalen Analysen finden sich Kursziele, die bereits mehrere Monate alt sind. Sie geben die aktuelle Gemengelage daher oft nicht wieder. Orientieren Sie sich an den aktuellsten Einschätzungen. Und:
  2. Sehen Sie sich nicht nur einfach das Kursziel an. Prüfen sie die gesamte Analyse, sehen Sie sich an, warum der Analyst dieses Kursziel ausgegeben hat und hinterfragen Sie, ob Sie mit dessen Ansichten übereinstimmen.
  3. Werten Sie Kursziele als „beweglich“. Was konkret auch bedeutet, dass es nicht unbedingt sinnvoll ist, ein solches Ziel stur als Ankerpunkt für den Verkauf einer Position zu werten. Ein Kursziel kann überboten werden, es kann aber genauso auch nicht erreicht werden. Dann an der Position festzuhalten, weil man darauf wartet, dass das Kursziel erreicht wird hieße, Kursziele zu überfordern.

Fazit über Kursziele

Kursziele sind keine fixen Vorgaben, sondern Orientierungen, Wegweiser. Sie geben Ihnen als Anleger grundsätzliche Tendenzen vor und zeigen Möglichkeiten auf. Aber da die Einflüsse auf die Kurse vielfältig sind und vieles nicht vorhersehbar ist, muss man ein Kursziel als einen „flexiblen Wegweiser“ sehen und nicht als in Stein gemeißelt, dann leistet es Ihnen gute Dienste.

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