Börsenblick

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Analyse:
US-Dollar/Chinesischer Yuan: Ist das wirklich schon ausgestanden?

Als Donald Trump am vergangenen Donnerstag ankündigte, am Freitag eine Pressekonferenz zum Thema China abzuhalten, hielten die Investoren weltweit den Atem an. Nachdem die USA zunächst immer schärfere Töne in Bezug auf die „Schuldfrage“ bezüglich der Virus-Pandemie angeschlagen und darüber hinaus auch noch scharfe Reaktionen hinsichtlich Chinas Umgang mit Hongkong avisiert hatten, ahnten manche Böses. Denn jedem war klar: Würde man in Washington weitere Strafzölle verhängen, würde China dagegenhalten. Und eine neue Eiszeit auf politischer ebenso wie auf wirtschaftlicher Ebene zwischen den beiden größten Wirtschaftsregionen wäre für die Chance, sich aus der Rezession zu befreien, fatal.

Aber das war natürlich auch den USA klar. Dementsprechend kündigte Mr. Trump der WHO die Zusammenarbeit auf, stellte Hongkongs Sonderstatus infrage, will in den USA börsennotierte chinesische Unternehmen genau unter die Lupe nehmen und bestimmten chinesischen Funktionären ggf. die Einreise verweigern, mehr kam an Maßnahmen aber nicht. Dass der US-Präsident den Phase I-Deal nicht zur Disposition stellte, wurde mit Erleichterung aufgenommen, die US-Aktienmärkte legten wieder zu. Doch wenn man sich ansieht, wie relativ moderat der US-Dollar zum chinesischen Yuan nachgab, ist man gewarnt: Vom Tisch ist eine Eskalation noch nicht, ansonsten hätte der Kurs US-Dollar/Yuan mehr nachgeben müssen.

Expertenmeinung: Die Rede Trumps an sich war äußerst scharf und dürfte für eine Wiederannäherung zwischen Peking und Washington zu einem Hindernis werden. Und es stellt sich die Frage, ob es nicht vor allem die Reaktion aus Peking ist, vor der man sich fürchten müsste. Denn dieser Phase I-Deal, dessen Umsetzung in dem derzeit so rezessiven Umfeld ohnehin fraglich ist, bietet nicht China, sondern den USA erhebliche Vorteile. Wenn da jemand die Reißleine ziehen könnte, dann eher China. Zumal man sich jetzt in einer wirtschaftlich besseren Stellung weiß als zu Jahresbeginn, weil die dortige Wirtschaft deutlich früher reaktiviert wurde als in den USA. Und China scheint Trumps Anschuldigungen in der Tat nicht einfach hinnehmen zu wollen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass man in Peking den Import von US-Agrarprodukten kurzzeitig unterbrochen habe.

Die Akteure am Devisenmarkt haben die Situation wie so oft nüchterner eingeordnet, als das am US-Aktienmarkt der Fall war. Man ist sich unter den Devisentradern völlig darüber im Klaren, dass Donald Trump auf einem sehr schmalen Grat wandert. Denn seine auch auf den Wahlkampf ausgerichteten Worte und Taten würden im Fall nennenswerter Gegenreaktionen aus Peking dazu führen, dass er entweder klein beigeben muss und damit an Ansehen bei seinen Wählern verliert … oder dass er eine Eskalation auslöst, die z.B. durch weitere Strafzölle für die US-Wirtschaft zum Bumerang wird. Auch, weil China dann mit einer markanten Abwertung des Yuan reagieren dürfte, um dadurch den Export chinesischer Waren in die USA rentabler zu machen und den US-Firmen die Exporte nach China zu erschweren.

Daher bleibt der Kurs des Yuan zum US-Dollar vorerst schwach und sprungbereit, noch deutlich schwächer zu werden. Der Greenback hat als Reaktion auf Trumps verhaltene Maßnahmen eher wenig zurückgesetzt und gab zum Wochenstart nicht weiter nach. Die entscheidende Widerstandszone, die Hochs des Jahres 2019 bei 7,1685 und 7,1974 Yuan pro US-Dollar, wurden im Vorfeld der Trump-Rede vom Freitag getestet. Der Kurs drehte dort zwar zunächst ab, verharrt aber in unmittelbarer Reichweite dieser wichtigen Hürde. Sollte es zu weiteren Maßnahmen kommen, egal, von welcher Seite die ausgehen, kann es jederzeit zu einem Ausbruch nach oben kommen, der dann aus charttechnischer ebenso wie aus politischer Sicht leicht sehr deutlich ausfallen kann.

US-Dollar/Chinesischer Yuan Chart vom 01.06.2020, Kurs 7,1260 Yuan, Kürzel USD.CNH | Online Broker LYNX

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