NASDAQ 100 aktuell Nasdaq 100: Wäre ich bullisch, würde ich jetzt nervös

News: Aktuelle Analyse des NASDAQ 100 Index

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NASDAQ 100
ISIN: US6311011026
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Zum NASDAQ 100

Das war wohl nichts. Der Nasdaq 100 startete den Freitag mit einem kleinen Aufwärts-Gap, drehte aber schon bald nach Handelsbeginn wieder ab, mäanderte stundenlang um die Nulllinie herum, geriet in der letzten Handelsstunde richtig unter Druck und schloss dadurch im Minus. Was immer mal wieder vorkommt und grundsätzlich kein Beinbruch ist, aber:

Zum einen war am Freitag ein Abrechnungstermin an der Terminbörse für Optionen. Die hierzulande im großen Pool der Derivate zwar keine umwerfend große Rolle spielen, aber das ist in den USA anders. Da sind die Optionen nach wie vor das Derivat Nummer Eins für Anleger. Und die Vorgeschichte hätte erwarten lassen, dass wir am Abrechnungstag weiter steigende Kurse sehen.

Immerhin war es eine Woche zuvor gelungen, die Widerstandslinie um 11.550 Punkte zu überwinden, wodurch die September-Korrektur aus charttechnischer Sicht beendet wurde. Dementsprechend startete der Nasdaq 100 die Woche mit kräftigen Käufen. Und wenn das, ein bullisches Signal, im Vorfeld einer Options-Abrechnung nicht zu weiteren Käufen führt, ist Vorsicht geboten. Zumal zwei weitere Punkte hinzukommen:

Zum einen stagnierten die Käufe nach starkem Wochenstart in Schlagdistanz zum bisherigen, am 2. September bei 12.439 Punkten markierten Rekordhoch, trotzdem hieß es offenbar für viele Trader „Hannemann, geh Du voran“, d.h. man hätte absolut nichts gegen einen Run an und über das bisherige Hoch gehabt, wollte aber selbst nicht mitziehen, sondern nur die eigenen Positionen weiter steigen sehen. Wenn der Anteil solcher „passiven Bullen“ zu hoch wird, wird es problematisch.

Tageschart vom 16.10.2020, Kurs 11.852,17 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Zum anderen sehen wir im Chart auf Tagesbasis, dass der Stochastik-Oszillator als ein Repräsentant der schneller reagierende, kurzfristigen markttechnischen Indikatoren gerade dabei ist, in der überkauften Zone ein Verkaufssignal auszubilden. Für sich genommen ebenfalls nicht unbedingt tragisch, aber ein verhungerter Rallye-Versuch nach einem bullischen Signal, knapp unter dem Rekordhoch und das auch noch um eine Options-Abrechnung herum, die normalerweise eine die Kurse ziehende Wirkung hat, das ist etwas, das manchen Bullen wohl nervös machen würde.

Und dann kommt noch das Chartbild auf Wochenbasis hinzu. Denn diese verhinderte Rekordjagd hat dazu geführt, dass der Nasdaq 100 auf Wochenbasis einen „Shooting Star“ ausgebildet hat. Was nahe an einem Hoch und nach einer mehrwöchigen Aufwärtsbewegung ein Warnsignal ist. Dabei hatten die Bullen zuvor alles richtig gemacht. Denn im Wochenchart sehen Sie, dass die Aufwärtswende nicht, wie das im Tageschart den Anschein hat, im charttechnischen Niemandsland erfolgte. Der Index drehte sauber oberhalb der Begrenzung der riesigen Trompeten-Formation (d.h. ein nach recht offenes Dreieck) wieder nach oben (siehe der schwarze Pfeil). Das war perfekt, aber jetzt beginnt es zu klemmen.

Den aktuellen Kurs und Chart des NASDAQ 100 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Ich bin zwar nicht bärisch für den Nasdaq 100, wie man aus der Überschrift herauslesen könnte, aber skeptisch. Jetzt umso mehr. Dennoch, bärisch würde ich erst Hand in Hand mit entsprechenden charttechnischen Signalen. Ein erstes, negatives Signal wäre gegeben, wenn der Index unter 11.450 Punkten schließt und damit die jetzt als Unterstützung fungierende Linie 11.550 Punkte ebenso wieder unterbieten würde wie die 20-Tage-Linie.

Würde der Nasdaq 100 dann diese neue Handelswoche mit einer roten Kerze beenden, würde es richtig interessant für die Bären. Denn das wäre zum einen die Bestätigung einer negativen Wirkung des jetzt entstandenen „Shooting Star“, zum anderen würde dann zugleich auf Wochenbasis ein bärischer „Evening Star“ entstehen (grüne Kerze, Doji, rote Kerze).

So richtig ungemütlich würde es, wenn der Index unter 9.736 Punkten schließen würde und dadurch die Kreuzunterstützung aus dem alten Rekordhoch vom Februar und der 200-Tage-Linie durchschlagen würde. Aber da sollte man dann eigentlich schon nicht mehr Long sein. Denn vorgelagert wäre die Marke 10.677 Punkte wichtig. Das war das Verlaufstief der September-Korrektur. Fiele das, wäre ein Doppeltopp vollendet, der Index zudem wieder in diese Dreiecks-Formation hinein gerutscht. Man sieht:

Die Bären hätten so einiges, was sie aktiv angehen könnten. Bislang haben sie aber nur Schritt Eins von mehreren geschafft … und das auch eher durch ausbleibende Käufe als durch eigenes Zutun. Vorsicht also bei dem Gedanken, dass diese jetzt entstandenen Warnsignale die Bullen bereits aus dem Feld geschlagen hätten!

Wochenchart vom 16.10.2020, Kurs 11.852,17 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des NASDAQ 100 Index

Am 17. September startete der Nasdaq 100 mit einem Abwärts-Gap. An diesem Montag eröffnete er mit einer großen Kurslücke nach oben. Dadurch standen die dazwischen liegenden sieben Handelstage isoliert im Chart, ein bullischer „Island Reversal“ war entstanden. Das Dumme war nur, dass die Bullen daraus erst einmal nichts machten:

Am Montag kam nach der großen Eröffnungs-Kurslücke nichts nach, am Dienstag trat der Index ebenso auf der Stelle. Doch am Mittwoch war der letzte Handelstag des Quartals. Und wenngleich der technologielastige Index Anfang September eine kräftige Korrektur begonnen hatte, war das jetzt beendete dritte Quartal doch eines mit Kursgewinnen. Als die Mittwochs-Sitzung in der ersten Handelsstunde von kräftigen Käufen dominiert wurde, schien alles klar: Jetzt setzten die Bullen auf der Ziellinie noch einen drauf, die institutionellen Investoren betrieben Window Dressing, kauften gezielt, um ihre Quartals-Performance zu optimieren.

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 30.09.2020, Kurs 11.418,06 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Doch kaum ging die Schlagzeile um, dass die US-Aktien auf Basis starker Konjunkturdaten und der Hoffnung auf eine Einigung des seit zwei Monaten überfälligen, nächsten Konjunkturpakets haussieren, kam es zu Abgabedruck. Gut anderthalb Stunden vor dem Handelsende kam es zu einer ersten Verkaufswelle, der inklusive dem unmittelbar nachbörslichen Handel zwei weitere folgten. Der Nasdaq 100 schloss trotzdem um 0,84 Prozent höher, doch das Tageshoch hatte gut ein Prozent höher gelegen.

Diese Abgaben Richtung Handelsende waren kein Nasdaq-spezifisches Phänomen und betrafen die Breite der Aktien, nicht nur speziell einzelne Titel. Das deutet an, dass große Adressen in die vorherige Rallye hinein breite Verkäufe platzierten. Warum ausgerechnet zum Quartalsultimo? Wäre es speziell um starke Abgaben bei in diesem Quartal besonders schwach gelaufenen Titeln gegangen, hätte man das dem „Window Dressing“ zuordnen können. Denn dabei werden nicht nur starke Aktien bevorzugt gekauft, sondern auch schwache Titel im Depot untergewichtet. Aber bei breiter angelegten Verkäufen kommt eher der Eindruck auf, dass die starken Umsätze und das Kaufinteresse, das speziell zum Ultimo vorlag, genutzt werden sollte, um größere Volumina am Markt unterzubringen, ohne ihn gleich wegbrechen zu lassen.

Es mag sein, dass diese Abgaben nur wenige große Adressen betrafen und die Notwendigkeit und/oder der Wille, Positionen abzubauen, nicht Schule macht. Aber wenn so etwas ausgerechnet am letzten Handelstag eines im Plus endenden Quartals passiert, hat man doch den Eindruck einer gewissen Dringlichkeit. Eine ideale Vorlage ist das, auch, wenn der Nasdaq 100 ein Plus ins Ziel retten konnte, nicht gerade für dieses vierte Quartal, das eine explosive Kombination aus Pandemie und US-Wahl im Gepäck hat.

Auffällig ist, dass der Index dadurch an der oberen Begrenzung des ganz langfristigen, 2009 etablierten Aufwärtstrendkanals abgeprallt ist, wenn man hierzu wie in unserem Monatschart eine logarithmische Skalierung wählt. Und ebenso sticht im Tageschart ins Auge, dass der Nasdaq 100 dadurch genau dort auf Abgabedruck traf, wo schon Mitte September zwei Versuche abgewiesen wurden, den Abwärtsruck von Anfang September zu „reparieren“.

Sollte es gelingen, diesen bei 11.566 Punkten verlaufenden Widerstand zu überwinden, hätten die Bullen gute Chancen, dass es tatsächlich erneut Richtung des bisherigen Rekordhochs vom 2. September bei 12.439 Punkten geht. Denn jetzt ist diese Hürde noch einmal deutlich wichtiger geworden.

Aber wenn der Index weiter nachgeben und mit Schlusskursen um 11.170 Punkte oder tiefer dieses „Island Reversal“ egalisieren sollte, würde ein „zweites Bein“ der Korrektur wahrscheinlich, das dann leicht zu einem Test des „Prä-Corona“-Rekordhochs bei 9.736 Punkten bzw. der knapp darunter, bei 9.626 Punkten, verlaufenden 200-Tage-Linie führen könnte. Das wird ein kniffliger Start in ein mit zahlreichen Unwägbarkeiten ausstaffiertes Quartal!

Nasdaq 100: Monats-Chart vom 30.09.2020, Kurs 11.418,06 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Über Wochen und Monate konnte keine Nachricht so schlecht sein, dass sie den Nasdaq 100 mit seinen Technologie-Giganten wie Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet oder Tesla davon abgehalten hätte, wie auf Schienen zu steigen. Anfang September lautete die Bilanz: 42 Prozent über dem letzten Kurs des Jahres 2019, 27 Prozent über dem alten Rekordhoch vom Februar. Den meisten Akteuren war zwar klar, dass die Schwergewichte des Index von der Bewertung her überzogen hatten und zugleich zu einem wachsenden Risiko wurden, weil ihre Gewichtung im Index mit jedem Prozent, das sie weiter zulegten, stieg. Aber man kaufte trotzdem weiter, im Vertrauen darauf, dass das Momentum der Hausse die Kurse noch höher tragen würde und wenn nicht, dass man ja jederzeit verkaufen könne. Diese Phase scheint jetzt vorbei zu sein.

Seit der abrupten Wende Ende März gab es nur wenige und allesamt kurze Rücksetzer. Jedes kleine Minus im Index wurde als Einstiegschance gesehen. Jetzt sind seit dem „Hanging Man“ am 2. September, der das Rekordhoch markierte und zugleich das Mittelstück einer „Evening Star“-Formation wurde, bereits zwei Wochen vergangen, ohne dass der alte Schwung zurückgekehrt wäre. Im Gegenteil stellt man beim Nasdaq 100 selbst ebenso wie bei seinen Aktien-Schwergewichten fest, dass es in Gegenbewegungen nach oben immer wieder zu erneuten Abgaben kommt … wenn man mal Tesla ausnimmt, bei der die Trader immer noch glauben, dass die Schwerkraft oder jedwede klassische Bewertungsansätze für diese Aktie nicht gälte. Statt in Rücksetzer zu kaufen, verkaufen viele jetzt in Gegenbewegungen. Ein Indiz dafür, dass sich der Wind gedreht hat. Noch haben die Bären aber nicht gewonnen, denn:

Expertenmeinung: Es ist zwar kein gutes Omen, dass die gestrige US-Notenbankentscheidung nebst der darauffolgenden Pressekonferenz nicht wie so oft eine Rallye auslöste. Vor allem, weil morgen der „dreifache Hexensabbat“ an der Terminbörse ansteht, die Abrechnung der Optionen und Futures mit September-Laufzeit. Die Kombination von Notenbanksitzung und großer Terminbörsen-Abrechnung hat meist einen kurstreibenden Effekt, erst recht innerhalb von Aufwärtstrends. Dass der Nasdaq 100 stattdessen deutlich im Minus schloss, basierte dabei nicht auf irgendwelchen schockierend negativen Statements der US-Notenbank, dort wurde kommuniziert, was man von der „Fed“ erwarten durfte, nicht mehr und nicht weniger. Es wirkt, als hätten die Bullen ihre Courage verloren. Aber …

… um diese Schwäche der Bullen in eine größere Korrektur zu verwandeln, die den Nasdaq 100 beispielsweise an seine bei aktuell knapp 9.500 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie führten könnte, müssten die „Shorties“, die Bären, ihrerseits Courage zeigen und versuchen, mit gezielten Attacken denjenigen Unterstützungsbereich zu durchbrechen, der fallen muss, um den Weg aus charttechnischer Sicht nach unten frei zu bekommen. Dass der Index an der April-Aufwärtstrendlinie klebt, sich nicht von ihr nach oben lösen kann, ist zwar für die Bären positiv. Aber erst, wenn die Zone 10.900/11.000 Punkte, die sich seit Juni von beiden Seiten als potenzielle Wendemarke bewährt hat, mit Schlusskursen unter 10.800 Punkten so fällt, dass man ihren Bruch als signifikant bezeichnen könnte, wäre die Wende „durch“. Möglich ist das, aber bevor das nicht wirklich gelungen ist, sollte man mit Short-Trades vorsichtig bleiben. Bullen, die mit dem Rücken zur Wand kämpfen, sind nicht zu unterschätzen!

Nasdaq 100: Chart vom 16.09.2020, Kurs 11.247,59 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Wir hatten den Nasdaq 100 zwar gerade erst am vergangenen Mittwochmorgen auf dem Schirm. Aber in den darauffolgenden drei Tagen hat sich immens viel getan. Will man es kurz machen, könnte man sagen: Erst alle rein, dann alle raus und am Freitagabend dann wieder alle rein. Doch was kommt jetzt? Heute zwar erst einmal gar nichts, weil die US-Börsen wegen des Labor Day geschlossen bleiben. Aber dann? Wird die Rettungsrallye, denn nichts anderes war das, was wir da am Freitagabend erlebt hatten, Anschlusskäufe sehen? Oder kommt umgehend die nächste Verkaufswelle, die dann womöglich sogar noch heftiger ausfällt?

Die Handelsspanne des Nasdaq 100 betrug n den letzten drei Handelstagen zehn Prozent. Das ist ein Wort. Und technische Analysten kommen nicht umhin, sich dieses Chartbild einzurahmen, denn das lief ab, als würde die Candlestick-Analyse in Kombination mit der klassischen Charttechnik den Kursen die Hand führen. Was zweifellos auch der Fall war. Aber das könnte sich ändern. Der Reihe nach. Zunächst einmal der altbekannte, langfristige Monats-Chart auf logarithmischer Basis. Sie sehen, dass der Nasdaq 100 die obere Begrenzung des 2009 etablierten Aufwärtstrendkanals per Ende August minimal überboten hatte. Diesen Ausbruch auszubauen, waren die Bullen zum Start in den September angetreten. Doch dann ging etwas schief.

Nasdaq 100: Monats-Chart vom 04.09.2020, Kurs 11.622,13 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Der Chart auf Tagesbasis zeigt für den Mittwoch einen „hanging man“. Eine Formation, die bullisch wirkt, es aber nach der Candlestick-Lehre nicht ist. Denn ein Doji, d.h. eine Kerze, die keinen Kerzenkörper hat, weil der Eröffnungs- und der Schlusskurs nahezu auf demselben Niveau liegen, versehen mit einem solchen langen unteren Docht und das auch noch auf Rekordniveau nach einer langen Rallye, das zeigt: die Bullen werden nervös. Zeitweise kräftige Abgaben wurden zum Handelsende wieder aufgeholt, um ja keine Schwäche aufkommen zu lassen, die andere Akteure zum Verkauf bewegen könnten. Gerade dann, wenn die Bullen ahnen, dass Gewinnmitnahmen auf zu wenige Käufer treffen könnten, versuchen sie, ein Minus mit aller Macht zu verhindern. Die daraus ablesbare Nervosität ist ein Warnsignal, dieser Doji wird daher nicht umsonst „hanging man“ genannt: Wer da dann noch einsteigt, kann sich auch gleich aufhängen, sagt man. Aber:

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 04.09.2020, Kurs 11.622,13 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Sicher war es in keiner Weise, dass dies das Ende der Fahnenstange sein würde, denn seit sich im April der im Chart auf Tagesbasis eingezeichnete Aufwärtstrendkanal gebildet hatte, hatten die Bullen zwei „evening stars“, ein „bearish engulfing pattern“, einen „bearish harami“ und einen „hanging man“ einfach weggekauft. Doch diesmal ging es schief, was wohl die Quittung der Aktiensplits bei Apple und Tesla war. Beide Aktien waren schon immens gestiegen, bevor diese Splits vor gut einem Monat avisiert wurden. Danach, bis zu den Splits, schossen beide Aktien förmlich höher … und am Tag danach auch noch. Aber dann begannen diese beiden Titel zu „flimmern“, wurden immens volatil, rutschten am Tag 2 nach dem Split, am Mittwoch, erstmals ab. Der Nasdaq 100 selbst wurde zum Handelsende des Mittwochs zwar, wie der „hanging man“ zeigt, wieder nach oben gezogen. Aber da war bereits ein Riss in der Zuversicht der Bullen entstanden.

Am Folgetag traf es Apple, Tesla und mit ihnen all die Hightech-Publikumslieblinge, die in den Wochen zuvor gefühlt täglich gestiegen waren. Jeder wollte sofort den Gewinn sichern … und kaum jemand kaufen. Am Donnerstag gab es keine Gegenwehr … und am Freitag setzte sich der Ausverkauf zunächst fort, auch dadurch bedingt, dass die Arbeitsmarktdaten für den August mehr Schatten als Licht bargen. Aber dann, gut eine Stunde nach einem erneut extrem schwachen Handelsstart, drehten die Kurse plötzlich. Zufall? Ganz und gar nicht, wie der Tageschart zeigt. Das bullische Lager setzte ein, was es hatte, um eine entscheidende Unterstützung zu verteidigen: Die untere Begrenzung des April-Aufwärtstrendkanals.

Mit beeindruckendem Erfolg: Der Nasdaq 100 schloss, vom Tagestief aus gerechnet, 4,27 Prozent über dem Tief, hielt die April-Aufwärtstrendlinie und schaffte es sogar, knapp über der 20-Tage-Linie zu schließen. Gefahr gebannt? Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage. Dieser blinde Optimismus, der die vergangenen Wochen beherrschte, ist trotzdem massiv angeschlagen. Außer völlig unerfahrenen Akteuren dürfte allen klar sein, dass man da bloß eine Defensiv-Aktion erlebt hat. Eine erfolgreiche zwar, aber die Bullen mussten eben trotzdem das erste Mal seit Wochen verteidigen … und das gegen einen Gegner aus den eigenen Reihen. Denn das sah nicht aus wie eine gezielte Bären-Attacke. Das waren Gewinnmitnahmen, ausgelöst von bullischen Akteuren, die langsam nervös wurden und das Geld vom Tisch nehmen wollten, intensiviert durch eine Kaskade von Stop Loss-Verkaufsorders. Es ist völlig offen, ob diese gelungene Verteidigung genügt, um auch die Offensive wiederzubeleben. Der Nasdaq 100 müsste sich in dieser neuen Woche souverän über der am Freitag knapp doch noch gehaltenen 20-Tage-Linie etablieren. Gelingt das nicht, wäre ein erneuter Test der April-Aufwärtstrendlinie um 11.150 Punkte zu erwarten. Und fällt die im zweiten Anlauf, wäre zumindest ganz kurzfristig nach unten nichts unmöglich.

Der alte Spruch „nach rauf kommt runter“ scheint für die Nasdaq derzeit nicht zu gelten. Obwohl die Rezession bislang nur „gefühlt“ überwunden ist und das auch nur für diejenigen, die noch Arbeit haben, nicht selbständig sind und nicht willens oder bereit, sich einmal auf der Straße umzusehen: Der Nasdaq 100 steigt nicht, er haussiert. Er hat in der bisherigen Jahresbilanz bereits etwa 40 Prozent zugelegt. Und es sind erst zwei Drittel des Jahres vorüber. Dieser fast permanente Anstieg, diese immensen Kursgewinne, ja, das erinnert schon an die Endphase der Dot.Com-Hausse damals, 1999/2000. Und wie die endete, wissen wir ja. Sollte man da nicht vielleicht langsam mal auf Verdacht Short gehen, weil so etwas ja nicht ewig gutgehen kann?

Der Gedanke drängt sich ja schon auf, vor allem, weil sich die US-Wirtschaft damals, vor gut 20 Jahren, in einem Wachstumsumfeld befand, während heute völlig offen ist, ob gelingt, was die Bullen unterstellen, nämlich eine vollständige Rückkehr zum vorherigen Wachstumslevel plus X. Doch es gibt einen Unterschied, der wesentlich ist.

Vor 20 Jahren jagten euphorisierte Zocker einem Phantom hinterher. Man kaufte alles, was irgendwie nach Biotechnologie oder Internet aussah, ohne genau hinzusehen, weil doch sowieso alles stieg. Und ohne zu verstehen, dass im Zuge des Entstehens neuer, großer Technologien am Ende nur die stärksten Unternehmen prosperieren und die Masse untergehen wird. Das in Kombination mit schlicht aberwitzigen Bewertungen (die man umgehend für obsolet erklärte und die den Zockern dann umso schwerer auf die Füße fielen) musste schiefgehen und ging schief. Wo soll da der Unterschied sein – haben wir diese verrückt hohen Bewertungen denn jetzt nicht auch?

Ja, aber nur bei relativ wenigen Aktien, den Zugpferden dieser Hausse. Apple hat derzeit auf Basis der gemeldeten Gewinne der letzten vier Quartale ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) um 40, doppelt so hoch wie in den Jahren zuvor. Tesla … nun ja, das reale, nicht auf irgendwelchen Prognosen, sondern auf den gemeldeten Gewinnen basierende KGV liegt gerade bei 1.200. Das KGV von Adobe liegt aktuell bei 70, in den Jahren zuvor war 50 die Regel. Amazons KGV liegt gerade um 135, Ende 2019 war es bei 80. Angenommen, es käme anders, als es die Bullen erwarten und es wird nichts mit dem gewaltigen Anstieg der Unternehmensgewinne dieser Highflyer … angenommen, diese Aktien würden dann auf den vorherigen KGV-Level zurückkommen, sie müssten dazu massiv fallen. Und das würde den Nasdaq 100 mit in die Tiefe reißen, da sie durch ihren Kursanstieg im Index immens schwer gewichtet sind. Alles also nur noch eine Frage des Zeitpunkts? Vorsicht!

Wochenchart vom 01.09.2020, Kurs 12.292,86 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Davon mal abgesehen, dass überzeugte Bullen allemal imstande wären, enttäuschte Hoffnungen einfach auf der Zeitachse nach hinten zu schieben, weiter zu hoffen und weiter zu kaufen, ist es gerade diese Fokussierung auf wenige „Super-Aktien“, die das Abwärtspotenzial begrenzen könnte. Nicht muss, aber könnte. Und zwar dann, wenn genug Akteure zwar diese Kursraketen über Bord werfen, nicht aber das Handtuch.

Andere Aktien, die im Fall einer starken Erholung der US-Wirtschaft ebenso gute Perspektiven haben, aber durch die momentane Konzentration auf sehr wenige Aktien zuletzt kaum Aufmerksamkeit erhalten haben, könnten den Staffelstab übernehmen. Das heißt, es wäre möglich, dass die große Zahl an bislang in der Relation zu Aktien wie Tesla, Apple oder Amazon zurück gebliebenen Aktien das Kapital aufnimmt und der Nasdaq 100 dadurch weit weniger zurückfällt als man es ansonsten erwarten könnte. Kommt es so?

Das hängt davon ab, ob und wie sehr die Wachstumserwartungen der Bullen enttäuscht werden und ob man sich dazu entscheidet, das Geld in der Nasdaq zu belassen, statt in defensivere Titel zu switchen bzw. das freiwerdende Kapital in andere Asset-Klassen zu packen oder zu parken. So etwas ist nie vorhersehbar. Wichtig wäre nur, sich darüber im Klaren zu sein, dass diese kaum wegzudiskutierende Übertreibungsphase nicht zwingend eine grandiose Short-Chance bieten muss, so dass man da vorsichtig zu Werke gehen sollte … und einem solchen Ende der Rallye besser auch nicht vorgreift. Sie sehen es ja in den Charts:

Tageschart vom 01.09.2020, Kurs 12.292,86 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Derzeit sind die Bullen noch zu allem fähig. Überkaufte markttechnische Indikatoren, der Sprung über die obere Begrenzung des April-Aufwärtstrendkanals, noch scheint hier nichts unmöglich zu sein. Ein taugliches Chance/Risiko-Verhältnis hätte man auf der Short-Seite derzeit erst, wenn der Nasdaq 100 mit Schlusskursen unter 11.000 Punkten die April-Aufwärtstrendlinie bricht UND es sich abzeichnet, dass die bisherigen Mauerblümchen des Index den Staffelstab der Gipfelstürmer nicht übernehmen.

Da kann man schon neidisch werden: Während in Europa die durchaus berechtigten Zweifel am „best case“-Szenario einer rasanten Rückkehr zu alter wirtschaftlicher Stärke die Aktienindizes seit Monaten in einer Seitwärtsspanne gefangen halten, scheint man in den USA vor allem an der Nasdaq keinerlei Sorgen zu kennen. Gestern kam das US-Verbrauchervertrauen für den August nicht nur deutlich unter dem Vormonatsniveau und klar unterhalb der Analystenschätzungen auf den Tisch. Es landete sogar auf einem Jahrestief, unterbot die gedrückten Levels vom April und Mai. Das unterstreicht, dass da etwas ganz und gar nicht im Sinne der Optimisten läuft. Und was macht der Nasdaq 100? Er holte kurzzeitige, anfängliche Verluste umgehend auf und beendete den Dienstag mit einem neuen Schlussrekord. 

Nasdaq 100: Tages-Chart vom 25.08.2020, Kurs 11.721,80 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Darf man das so interpretieren, dass die US-Investoren Warnsignale der Konjunkturdaten entweder nicht sehen oder einfach ignorieren? Manche sicher. Alle ganz sicher nicht. Denn wenn man momentan vom Nasdaq 100 spricht, spricht man nicht vom gesamten US-Aktienmarkt. Der Nasdaq 100 hat die anderen wichtigen Indizes meilenweit unter sich gelassen. Und was den Nasdaq 100 selbst angeht, sind es auch beileibe nicht all 100 in ihm gelisteten Aktien, die wie Raketen laufen. Es sind im Gegenteil eher wenige. Diejenigen Aktien, die von den Anlegern heiß geliebt werden, eben weil sie so gut laufen. Was dazu führt, dass ihre Marktkapitalisierung immer weiter steigt, sie dadurch ein immer höheres Gewicht im Nasdaq 100-Index erlangen und damit langsam der Nasdaq 100 „sind“. Und zugleich sind es Aktien, die nicht nur heiß geliebt werden, sondern die eben wegen dieser Fokussierung zu vieler Akteure auf zu wenige Aktien auch heiß gelaufen sind.

Sieben Aktien, sechs Unternehmen, da Alphabet (Google) mit der A- und der C-Aktie im Index vertreten ist, machen glatte 50 Prozent der Gewichtung des Index aus. Apple, Amazon, Microsoft, Facebook, die beiden „Alphabets“ und mittlerweile Tesla, das sind die Top 7 des Index, sie bestimmen entscheidend den Trend. Was die anderen 93 Aktien des Index tun, ist weit weniger relevant für den Trend des Index. Alle diese Aktien sind seit Jahren Publikumslieblinge. Und je schwieriger die Gesamtsituation ist, desto eher verlegen sich vor allem weniger versierte Marktteilnehmer auf „Bekanntes“. Umso lieber, weil viele dieser Lieblingsaktien gerade eine gewaltige Hausse zeigen. Diese Super-Rallyes sind einer sinnvollen Bewertung, von einem Krisen-Abschlag ganz zu schweigen, dadurch längst davongelaufen. Und es ist höchst dünnes Eis, als Argument zum Kauf herzunehmen, was man selbst ausgelöst hat: das Momentum.

Nur die „Alphabets“ hinken der wilden Rekordjagd hinterher. Microsoft und Facebook laufen ebenso stark wie der Index selbst. Aber Apple und Amazon haben bereits ca. 67 bzw. 75 Prozent seit Jahresanfang zugelegt. Und bei Teslas knapp 370 Prozent Kursgewinn seit Anfang Januar staunt der Fachmann … nur der Laie wunderst sich scheinbar nicht einmal und kauft weiter. Zugleich wackeln die Argumente für diese Rallyes. Denn man sieht vor allem die besonders stark gelaufenen Apple, Amazon und Tesla als Profiteure der Krise an. Wenn man aber zugleich bereits das Ende der Rezession einpreist, wie geht es da zusammen, dass man ausgerechnet diese Aktien immer weiter einsammelt? Das Argument, dass wer in der Krise stark war, dies im Wachstum erst recht sein wird, klingt gut. Aber weder das noch das Ende der Krise ist ja bislang belegbar.

Eine Hausse auf fünf (wenn man die nicht so gut laufenden „Alphabets“ abzieht) rotglühenden Beinen, so ließe sich das beschreiben. Eine Hausse, die sich vom US-Gesamtmarkt und der fundamentalen Lage abgekoppelt hat, und vor allem von ihrem Momentum lebt. Sollte man sich da gelassen zurücklehnen und neue Rekordhochs im Nasdaq 100 schon einmal als beschlossene Sache sehen?

Besser nicht. Denn je geringer die Marktbreite ist, je weiter nur wenige Schwergewichte sich von der Realität abkoppeln, desto fragiler wird, was im Chart auf Tagesbasis bombenstabil wirkt. Richtig ist, dass der doppelte Leitstrahl dieser Rallye in Form der April-Aufwärtstrendlinie (10.920 Punkte) und der 20-Tage-Linie (11.190 Punkte) bislang jeden Rücksetzer souverän aufgefangen hat. Aber bei weitem nicht alle Akteure laufen starkem Momentum blind hinterher. Die anderen Marktteilnehmer sind derzeit zwar nicht sichtbar, weil sie weder aussteigen noch Short gehen, solange der Schwung so groß ist … warum sollten sie auch. Aber sie könnten jederzeit aktiv werden, ohne Vorankündigung.

Und wenn Sie sich den ganz langfristigen Chart auf Monatsbasis in logarithmischer Skalierung ansehen, den ich bereits bei der letzten Analyse des Nasdaq 100 gezeigt hatte, sehen Sie: Jetzt ist der Index an die obere Begrenzung dieses über elf Jahre währenden Trendkanals angestoßen. Das dürfte den meisten großen Adressen nicht verborgen bleiben, daher ist es gut möglich, dass der scheinbar endlose Spielraum des Nasdaq 100 nach oben kleiner ist, als dies die Bullen hoffen. Einen Stoppkurs Long unterhalb dieses doppelten Leitstrahls bei 10.920/11.190 Zählern zu platzieren, wäre in diesem Umfeld sicherlich kein Fehler.

Nasdaq 100: Monats-Chart vom 25.08.2020, Kurs 11.721,80 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX