Natural Gas (Erdgas): Blase geplatzt … ist „Normalniveau“ erreicht?

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Henry Hub Natural Gas
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Ein im Frühjahr begonnener Aufwärtstrend wurde im Frühherbst zum Hausse-Exzess. Doch die damaligen Rekordpreise sind jetzt Geschichte, die Spekulationsblase bei Natural Gas ist geplatzt. Die Frage ist: Wird der Gaspreis jetzt langweilig … oder geht da noch was?

Wer sich mit der Börse kaum oder gar nicht auskennt, geht davon aus, dass die Preise von Rohstoffen durch die Verschiebung der Angebots/Nachfrage-Situation entstehen. D.h. Anbieter und Kunden machen die Preise unter sich aus. Doch tatsächlich mischen hier immens viele mit, die einen Rohstoff wie Erdgas weder anzubieten haben noch ihn benötigen würden. Spekulanten spielen bei der Preisbildung eine große und nicht selten entscheidende Rolle, machen oft den Großteil der Umsätze aus. Auch bei Natural Gas.

Und da diese Trader normalerweise auf rein chart- und markttechnischer Ebene agieren, sich selten oder gar nicht um die tatsächliche Angebots/Nachfrage-Situation scheren, kann es bei Rohstoffen immer mal wieder zu extremen Über- oder Untertreibungen kommen. So geschehen zwischen Ende August und Anfang Oktober, als die Trader den Erdgaspreis binnen weniger Wochen um knapp 50 Prozent höher trieben. Doch das ließ sich nicht durchhalten:

Natural Gas bildete ein Topp aus, durchbrach dessen Nackenlinie um 4,80 US-Dollar, die mittelfristige Aufwärtstrendlinie und Anfang Dezember sogar die 200-Tage-Linie, bezogen auf den Natural Gas-Future mit Liefertermin Januar, der derzeit als „Frontmonat“ dient. Seither läuft der Kurs in einer engen Spanne seitwärts. Ist die Spannung jetzt dahin und der Preis auf einem einigermaßen akzeptablen Niveau stabil?

Expertenmeinung: Es ist zu bezweifeln. Alleine das Hin und Her um die Gaspipeline NordStream2 wird den Markt weiter beschäftigen. Und in einem spekulativ aufgeheizten Umfeld wäre es mitten in einer Phase, in der der Gasbedarf besonders hoch ist, eher überraschend, wenn die Spekulanten sich ausgerechnet jetzt neue Ziele suchen würden. Ich denke, den Erdgaspreis sollte man im Auge behalten.

Spannend würde es umgehend dann wieder, wenn der Kurs die derzeitige, im Verhältnis zu den Kursbewegungen der Vormonate schmale Seitwärts-Spanne zwischen 3,63 und 4,07 US-Dollar verlassen würde. Eine Spanne, die, wie Sie im Chart sehen können, nicht im charttechnisch luftleeren Raum entstand, sondern auf der Unterseite mit dem markanten Zwischenhoch vom Februar dieses Jahres korrespondiert, auf der Oberseite das Schließen des Gaps vom 6. Dezember bedeutete.

Ein Ausbruch aus dieser Range nach unten würde den Weg in Richtung 2,50/2,75 US-Dollar freigeben. Auf der Oberseite wäre dann wieder Luft nach oben vorhanden, wenn Natural Gas nicht nur die Seitwärts-Range verlassen, sondern auch über den Kreuzwiderstand aus 20-Tage- und 200-Tage-Linie laufen würde, der den Weg nach oben im Bereich 4,14/4,17 US-Dollar erschwert. Damit wäre ein Ausbruch nach oben etwas schwieriger zu schaffen, dürfte die Spekulanten momentan in einem Umfeld hochvolatiler Rohstoffe aber wohl mehr reizen.

Chart vom 21.12.2021, Kurs 3,85 US-Dollar, Kürzel NG | Online Broker LYNX

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Seit dem Frühjahr stieg der Gaspreis sukzessiv an, Ende August schoss er förmlich in die Höhe und lag Anfang Oktober knapp 140 Prozent über dem Kurs zu Jahresbeginn. Doch jetzt scheint sich eine Abwärtstrendwende zu etablieren. Kann man diesem Braten trauen?

Seit Monaten sind die Energiepreise außer Rand und Band. Das beschränkt sich nicht auf den Erdgaspreis, auch bei Kohle und Rohöl kommt es zu immens starken Schwankungen. Dabei ist es keineswegs alleine die unmittelbare Situation von Angebot und Nachfrage, welche die Kurse lenkt. Die Spekulation am Futures-Markt ist in Phasen hoher Volatilität oft der dominante Faktor. Daher stellt vor allem die Frage: Was treibt die kurzfristigen Trader an? Hätten die Argumente, um auf die bärische Seite zu wechseln?

Das hätten sie, falls sich die Corona-Situation jetzt noch verschärfen sollte. Ein Argument für die vorherige, wilde Hausse-Spekulation war die Kombination aus einer überlasteten Logistik und einer auf Volllast arbeitenden Industrie. Der Energiebedarf stieg, aber es gelang bisweilen nicht, so viel Energie „just in time“ dorthin zu liefern, wo man sie gebraucht hätte. Aber angenommen, es käme in den kommenden Monaten zu erneuten, weitreichenden Lockdowns … würde das die Nachfrage nicht so reduzieren, dass man imstande wäre, die überforderte Logistik wieder in die Spur zu bringen, so dass der Gaspreis auf mittelfristig normale Levels von drei US-Dollar zurückkommen müsste?

Expertenmeinung: Möglich wäre das. Aber wie sich die „Corona-Lage“ entwickeln wird, ist momentan kaum vorhersehbar. Es wäre daher keineswegs ausgeschlossen, dass diese auffällige Toppbildung, die wir im Erdgas-Chart sehen und die mit den heftigen Abschlägen des Montags kurz vor der Vollendung stünde, gesprengt wird, der Natural-Gas-Kurs also unverhofft nach oben ausbricht. Doch eines sollte man im Hinterkopf haben:

Die Trader, die hier aggressiv, kurzfristig und mit hohen Umsätzen agieren, wissen das ebenso wenig. Also wird kurzfristig das Chartbild für die Entscheidung, hier Long oder Short zu gehen, die wichtigere Rolle spielen. Natürlich würden überraschende Nachrichten, gerade in Bezug auf die noch völlig offene Rolle, die die Omikron-Variante für die Corona-Lage spielen wird, jedes ansonsten klare Chartbild auf den Kopf stellen können. Aber der Spruch „Unverhofft kommt oft“ begleitet einen Anleger ja ohnehin überall und jederzeit. Daher ließe es sich derzeit nur disponieren, indem man Ankerpunkte identifiziert, die entscheidend sind, solange nicht irgendeine Meldung zum unverhofften „Game Changer“ wird.

In dieser Hinsicht ist der Gaspreis an einem charttechnischen Ankerpunkt angekommen, und zwar am Hoch vom August 2020 bei 4,82 US-Dollar (bezogen auf den Kurs des hier abgebildeten Futures mit Liefertermin Januar 2022, der derzeit den „Frontmonat“ darstellt. Diese Linie wurde in den vergangenen drei Wochen bereits zweimal getestet und verteidigt, jetzt ist der Kurs erneut dort gelandet. Fiele diese Marke, wären die nächsten Unterstützungen bei 4,43 (April-Aufwärtstrendlinie) und 4,12 US-Dollar (200-Tage-Linie) zu finden. Auch dort könnten sich die Bullen wieder sammeln, aber unter 4,82 US-Dollar wäre die Toppbildung erst einmal vollendet, so dass zu vermuten wäre, dass viele dann auf die bärische Seite wechseln würden. Aber wie gesagt: In volatilen Phasen wie diesen gilt immer: Überraschungen inklusive!

Chart vom 29.11.2021, Kurs 4,87 US-Dollar, Kürzel NG | Online Broker LYNX