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An der Börse kommt es regelmäßig zu Kursbewegungen, die im Nachhinein völlig absurd wirken. Wird Shift4 auch so ein Fall?
Man traut seinen Augen kaum
An der Börse geschehen regelmäßig die verrücktesten Dinge. Rückblickend sind manche Kursverläufe geradezu unglaublich. Wenn man es nicht mit seinen eigenen Augen sehen könnte, dass das wirklich geschehen ist, würde man es nicht glauben.
Beispiele dafür gibt es wie Sand am Meer. Netflix wurde vor einigen Jahren (2022) von etwa 70 auf 17 USD abverkauft, weil die Konkurrenz im Streaminggeschäft durch Hulu und Disney+ zugenommen hatte und das Wachstum der Nutzerzahlen zeitweise zum Erliegen kam.
Das Potenzial des Unternehmens wurde kurzzeitig ignoriert. Darauf folgte eine Kursrallye von 17 auf 134 USD, ein Anstieg um fast 700 %.
Jüngere Beispiele findet man im Chip-Sektor. KI ist seit Ende 2022, als ChatGPT veröffentlicht wurde, in aller Munde.
Dadurch wurde in kürzester Zeit eine Investitionswelle angestoßen, die seitdem immer größer und größer geworden ist. In diesem Jahr werden Unternehmen wie Amazon, Google und Microsoft jeweils mehr als 100 Milliarden Dollar in das Thema investieren.
Der Markt liegt manchmal meilenweit daneben
All das war längst bekannt und dennoch wurde Micron Technology im letzten Jahr von 157 auf 61 USD abverkauft. Rückblickend ist der Kurssturz kaum erklärbar. Heute liegt der Kurs bei 766 USD, also mehr als 1.000% höher.
Ob die Sache ebenfalls in einer kometenhaften Rallye münden wird, wird die Zukunft zeigen. Der Absturz von Shift4 Payments ist für mich persönlich aber ebenfalls unerklärlich.
Das Unternehmen steckt nicht in Problemen, wächst und dürfte in diesem Jahr wieder ein Rekordergebnis einfahren, obwohl Integrationskosten und höhere Schulden kurzfristig die Profitabilität belasten.
Das Erstaunlichste daran ist aber, dass das Unternehmen wohl fast zum dreifachen des aktuellen Preises übernommen worden wäre. Gerüchten zufolge waren unter anderem Fiserv, Global Payments, Amadeus IT und mehrere Private-Equity-Investoren interessiert.
Laut Medienberichten wurde im Jahr 2023 über einen Kaufpreis von 80 bis 100 USD verhandelt. Ende 2024 ist ein Verkauf für 120 USD je Aktie wohl nur knapp gescheitert – jedoch nicht, weil die Käufer abgesprungen wären. Der Gründer, größte Anteilseigner und damalige CEO Isaacman empfand den Kaufpreis als zu niedrig.
Wie passt das zusammen?
Man kann vortrefflich darüber streiten, ob 120 USD ein guter Preis gewesen wäre. Die Realität ist aber, dass scheinbar gleich zwei Käufer bereits gewesen wären, diesen Preis zu bezahlen.
Und heute liegt der Kurs bei etwa 40 USD, obwohl Shift4 den Umsatz und Gewinn seitdem massiv gesteigert hat.
Im Geschäftsjahr 2024, als es scheinbar ein Angebot von 120 USD gab, lag der Konzernumsatz bei 1,35 Mrd. USD (gross revenue less network fees) und das Ergebnis bei 3,89 USD je Aktie.
In diesem Jahr dürfte der Umsatz 2,55 Mrd. USD erreichen und das Ergebnis auf 5,60 USD je Aktie steigen.
Man kann mit Fug und Recht von einer erheblichen Diskrepanz zwischen Kursgeschehen und den Geschäftszahlen sprechen.
Daher ist es folgerichtig, dass der Vorstand umfassende Aktienrückkäufe mit einem Volumen von 1 Mrd. USD beschlossen hat.
Derzeit würde das ausreichen, um mehr als Viertel aller ausstehenden Aktien einzuziehen.
Insider-Käufe und Übernahmefantasie
Im ersten Quartal hat man auf die Ankündigungen handfeste Taten folgen lassen. In nur drei Monaten wurden für 295 Mio. USD eigene Aktien eingezogen. Dadurch wurde die Zahl der ausstehenden Aktien von 88,5 auf 84,6 Millionen Stück reduziert.
Abgesehen von Shift4 selbst gibt es noch einen weiteren Käufer, der im großen Stil Aktien des Unternehmens einsammelt: Jared Isaacman.
Der Gründer und größte Anteilseigner hat im August bei einem Kurs von 81,90 USD begonnen Aktien zu erwerben und seitdem mehrere Transaktionen mit einem Gesamtwert von etwa 34 Millionen Dollar durchgeführt.
Zuletzt hat er im Februar und März bei Kursen zwischen 43,83 und 48,38 USD zugeschlagen.
Nahezu das gesamte Vermögen von Isaacman hängt an Shift4 Payments. Wer in dieser Situation weiterhin beherzt zukauft, muss absolut überzeugt sein.
Sollte es plötzlich zu einem feindlichen Übernahmeversuch kommen, wäre das wohl kaum eine Überraschung. Es ist eher erstaunlich, dass das nicht längst geschehen ist.

Durchbricht die Aktie jetzt die Unterstützungszone bei 40 – 42 USD, müsste mit weiteren Kursverlusten in Richtung 35 USD oder möglicherweise sogar 30 USD gerechnet werden.
Gelingt hingegen ein Anstieg über 42 USD, könnte das eine Erholung in Richtung 50 USD einleiten. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit Kurszielen bei 58 und 62 USD.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 13.05.2026 um 14:52 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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