Der Ausbruch aus einer monatelangen Handelsspanne endete Anfang Juni als Bullenfalle. Jetzt droht die Hensoldt-Aktie sogar, aus dieser Handelsspanne, in die der Kurs zurückgekehrt war, nach unten herauszurutschen. Was könnte hinter diesem Abgabedruck stecken?
Welches konkrete Motiv hinter Käufen oder Verkäufen steht, ist nie sicher zu ermitteln. Zum einen, weil selten alle, die an einem Tag kaufen oder verkaufen, ein und dieselbe Motivation dafür haben. Zweitens, weil an den Trades kein Zettel mit Begründung hängt. Man weiß also nie, ob da vornehmlich externe Einflüsse, fundamentale Erwägungen oder rein charttechnische Motive dominieren. Und auch nicht … welche auch immer die unberechenbaren, wankelmütigen Emotionen mit im Spiel sind … ob es nicht morgen ganz anders aussehen könnte. Das gilt auch in Bezug auf diesen Abstieg der Hensoldt-Aktie, die am Donnerstag so tief notierte wie zuletzt im Mai des Vorjahres.
Die möglichen Gründe für den Kursabstieg einer Aktie abzuklopfen, für die man am Markt im letzten Herbst in der Spitze noch 117,70 Euro bezahlt hatte, ist aber dennoch sinnvoll, um sich einigermaßen ein Bild davon zu machen, ob hier womöglich nach der Bullenfalle zu Monatsbeginn eine Bärenfalle folgt, weil man es gerade mit den Verkäufen übertreibt … oder ob da noch einiges an Abgabedruck in der Pipeline sein könnte. Zunächst einmal ist eines auffällig:
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Expertenmeinung: Dieser Druck erfasste gestern nicht Hensoldt alleine, sondern den gesamten Verteidigungssektor am deutschen Aktienmarkt. Rheinmetall, TKMS und RENK wurden ebenfalls verkauft. Und das beschränkte sich auch nicht auf deutsche Titel, auch andere europäische Defence-Aktien wie Thales oder BAE Systems gaben nach. Wobei man sich dann umgehend wundern müsste: TKMS auch? Wieso das denn?
TKMS hatte doch gerade erst eine Erweiterung des Auftrags zum Bau von Kampfschiffen für die Bundesmarine bekommen und war deshalb am Mittwoch ordentlich gestiegen … und jetzt rutscht der Kurs schon wieder ab? Dass das so ist, könnte ein Indiz dafür sein, was da gerade passiert. Es wäre denkbar, dass wir hier unter anderem Verkäufe von Fonds und ETFs sehen, die den Verteidigungssektor abbilden, über die Aktionen einzelner Anleger hinaus.
Und dass das in zeitlich engem Zusammenhang mit dieser Geschichte um das Aussetzen des Bauauftrags für die F126-Fregatte und die Neuausrichtung der Priorität in Richtung von TKMS gebauten MEKO-Schiffen steht, deutet an, dass diese Nachricht die Anleger mit der Nase auf einen Aspekt gestoßen hat, der vor allem in der Anfangsphase des „Rüstungs-Hypes“ komplett ignoriert wurde:
Die Stärkung der europäischen Verteidigung ist ein langer und schwieriger Vorgang, bei dem immer wieder Rädchen neu eingebaut, justiert oder entfernt werden. Man denke auch an das Begraben des deutsch-französischen Kampfflugzeug-Projekts. Wer am Ende seitens der Rüstungsunternehmen massiv bei Umsatz und Gewinn zulegt, wer dann nachhaltig „oben“ bleibt und wer nicht und wie lange es dauert, bis all diese möglichen Aufträge Geld bringen, weiß niemand. Und diese Unsicherheit gilt auch für Hensoldt.
Richtig ist zwar, dass Hensoldt für das erste Quartal deutliches Wachstum auswies und die Relation von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill-Ratio) bei 3,0 lag, das ist stark. Aber das Nadelöhr, durch das diese Unternehmen müssen, ist die Umsetzung: Man kann die Produktionskapazität nicht einfach von jetzt auf gleich beliebig ausweiten. Es geht hier um Projekte, die sich über Jahre hinziehen. Was bedeutet, dass der Umsatz nicht so schnell zulegen wird wie der Auftragseingang. Und diese aktuellen Berichte um den Kurswechsel bei der Bundesmarine erinnern daran, dass auch nicht jeder Auftrag so laufen muss, wie man das eingangs erhofft.
Das könnte Anleger dazu gebracht haben, hier ebenso wie in Bezug auf den gesamten Sektor erst einmal einen Schritt zurückzutreten. Was indes grundsätzlich nur gut so ist, denn je weniger Risiko in einem Trend eingepreist ist, desto solider wird er. Dass man jetzt bei dieser Aktie und dem Defence-Bereich an sich vorsichtiger wird, ist daher grundsätzlich gut für alle, die hier mögliche Einstiegschancen gesucht und im Zuge der vogelwilden Hausse des Vorjahres nicht gefunden haben, aber:
Jetzt sehen wir hier erst einmal Druck – und in ein fallendes Messer zu greifen, würde sich hier ebenso wenig anbieten wie sonst auch. Man könnte zwar nicht zu Unrecht behaupten, dass ein signifikanter Ausbruch der Hensoldt-Aktie aus der jetzt im Feuer stehenden und gestern zum Handelsende bereits marginal unterbotenen Handelsspanne 64,80 zu 66,20 Euro schon in Richtung einer Übertreibung nach unten gehen würde. Aber wenn man sich ansieht, wie problemlos die Trader den Bogen zuvor nach oben überspannen konnten, ist das alleine noch kein Einstiegsargument.

Auf diesem Kurslevel ist die zuvor überbewertete Hensoldt-Aktie zwar grundsätzlich interessant. Aber bevor man da keine Signale im Chartbild zu sehen bekommt, die über ein reines Halten von Unterstützungen hinausgehen, sprich bevor das Chartbild nicht wieder bullisch ist, sollte man sie erst einmal auf der Watchlist lassen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.06.2026 um 21:39 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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