Kion Group Aktie Prognose Kion: Lagen wir jahrelang falsch?

News: Aktuelle Analyse der Kion Group Aktie

von |
In diesem Artikel

Kion Group
ISIN: DE000KGX8881
|
Ticker: KGX --- %

---
EUR
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur Kion Group Aktie
Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

An der Börse wird es niemals langweilig. Würde eine Rezession Kion besonders hart treffen? Ist der Abverkauf daher gerechtfertigt?

Es ist vollkommen klar, dass wir mehr als genug Probleme haben und wir haben sie hier bei LYNX auch bereits vor Monaten thematisiert.
Vielleicht erinnern Sie sich noch an all die Artikel in denen Formulierungen wie „dunkle Wolken am Horizont“ vorkamen und das lange bevor der Markt eingeknickt ist.

Was seitdem passiert ist, ist dennoch erstaunlich. Bisher läuft es bei den allermeisten Unternehmen gut, die Quartalszahlen der letzten Monate stimmten eher Hoffnungsvoll.
Die Inflation ist zwar hoch, die Verbraucherstimmung gedämpft, die Zinsen steigen, aber bisher ist die Wirtschaft trotzdem erstaunlich Robust.

Eine massive Rezession haben wir allerdings (noch) nicht. Der Markt hat aber bereits so reagiert, als ob es bereits zu einer Rezession gekommen ist oder mit absoluter Sicherheit kommen wird.

Immerhin hat der S&P500 fast ein Viertel an Wert verloren, der Nasdaq 100 sogar fast ein Drittel.
Statistisch gesehen kommen derartige Abverkäufe im S&P500 nur alle vier Jahre vor, beim Nasdaq sogar noch seltener.

Das sollte man sich immer wieder vergegenwärtigen. Die Wegstrecke, die wir zur Unterseite bereits zurückgelegt haben, ist erheblich.

Wegstrecke

Das gilt umso mehr für Kion. Die Aktie ist von über 100 auf derzeit 41,30 Euro eingebrochen.
Der Kurs befindet sich nahezu wieder am Tief von 2020.

Es fällt mir schwer, die Geschehnisse in Worte zu fassen. Aber wer im März 2020 dabei war, der erinnert sich, welche Panik und Weltuntergangsstimmung damals geherrscht hat.

Wie bringt das mit der aktuellen Situation zusammen. Bisher halten sich die Realwirtschaftlichen Probleme in Grenzen.
Um den Absturz zu rechtfertigen, müsste die Lage wieder so dramatisch werden wie damals.

Damit kann man zwar rechnen, aber wie wahrscheinlich ist das? Manch ein Crashprophet predigt derzeit zwar den Untergang des Abendlandes, aber das tun sie immer.

Selbst, wenn…

Das interessante daran ist aber: Selbst, wenn es zu einem erheblichen wirtschaftlichen Einbruch kommt, er ist bereits eingepreist, zumindest bei Kion.

Das zeigt schon die Tatsache, dass die Aktie nicht viel höher steht als am Tief des 2020-Crashs.
Oder aber auch die Tatsache, dass sich der Kurs jetzt wieder auf dem Niveau von 2015 befindet.

Entweder lag die Börse also über Jahre hinweg mit ihrer Bewertung von Kion falsch, oder sie liegt jetzt falsch.
Und was passiert eigentlich, wenn sich all die Krisenszenarien als falsch herausstellen und alles nur halb so schlimm kommt, wie angenommen?

Schauen Sie mal aus dem Fenster. Wenn Ihnen die Medien nicht eintrichtern würden, wie „schlimm“ die Lage doch sei, wären sie selbst darauf gekommen?

An der Börse werden positive Entwicklungen vollkommen überbewertet, was zu rational nicht mehr erklärbaren Booms führt.
Aber es wird eben auch überdramatisiert.

Schauen Sie mal aus dem Fenster. Weltuntergang sichtbar? Bei mir nicht.

Chart vom 21.06.2022 - Kurs: 41,41 Kürzel: KGX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 21.06.2022 – Kurs: 41,41 Kürzel: KGX – Wochenkerzen

Kion ist an dem zentralen Unterstützungsband des letzten sieben Jahre angekommen. Womöglich wird die Aktie auf diesem Niveau wieder ein tief ausbilden.

Mehr als 12.000 Investoren & Trader folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants.

Ihre Ordergebühren sind zu hoch? Mein Broker ist LYNX.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen

Alle Börsenblick-Artikel

Nachricht schicken an Tobias Krieg
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen der Kion Group Aktie

Irgendwann trifft es alle und derzeit scheint Kion mal wieder an der Reihe zu sein. Der Kurs ist in kürzester Zeit von über 100 auf 60 Euro abgestürzt.

Gabelstapler und andere profane Dinge

In Gesprächen mit Anlegern habe ich immer wieder festgestellt, dass Kion gemeinhin unterschätzt und als Gabelstapler-Hersteller bezeichnet wird. Die Realität sieht aus meiner Sicht anders aus.

Kion ist der weltweit zweitgrößte Anbieter von Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten. Darüber hinaus ist man führend in der Optimierung von Materialflüssen durch Supply-Chain- und Automatisierungslösungen. Stichwort Intralogistik 4.0.

Der Trend in Richtung automatisierter Logistikprozesse ist offensichtlich und dürfte sich auf unabsehbare Zeit fortsetzen.
Für Kion bedeutet das: Rückenwind.

Harte Fakten finde ich besser

Doch genug der schönen Worte, lassen wir die Zahlen sprechen. Am Ende kommt es ohnehin nur darauf an.

Kion ist es gelungen, den Umsatz in den letzten zehn Jahren von 4,73 auf 10,29 Mrd. Euro mehr als zu verdoppeln.
Der Gewinn legte von 2,50 auf 4,33 Euro je Aktie zu. Wobei die beiden Vergleichsjahre beim Gewinn jeweils sehr gut waren.

Seit 2014 zahlt man konstant eine Dividende, hatte sie im Zuge der Corona-Krise aber gekürzt. Zwischenzeitlich hatte man bereits 1,19 Euro je Aktie ausgeschüttet, derzeit sind es 0,41 Euro je Aktie.

Da man 2021 ein Rekordjahr hingelegt hat, dürfte die Ausschüttung aber zeitnah wieder deutlich steigen.
Kion hat das auch dementsprechend kommuniziert, daher wird eine Erhöhung auf 1,45 Euro je Aktie erwartet.

Bergab

Kion ist mal wieder deutlich eingebrochen und das hat allerlei Gründe. Es handelt sich um eine zyklische Branche, Rezessionsängste, Krieg, steigende Materialkosten. All das möchte ich nicht kleinreden, aber am Ende sind das temporäre Probleme.

Und das alles ist auch nicht neu. Jedes Unternehmen sieht sich von Zeit zu Zeit mit Herausforderungen konfrontiert.
Der Markt reagiert in diesen Situationen oft mit Kursausschlägen, als würden diese Probleme ewig anhalten.

Dabei geht es meist nur um ein paar belastete Quartale. Und eigentlich sollte doch jedem bewusst sein, dass der Wert eines Unternehmens davon abhängt, was es in den kommenden x Jahren erwirtschaften wird, nicht in einigen Quartalen.

Bei Kion ist es gar nicht so lange her, dass man zuletzt Probleme hatte. In den Jahren 2018 und 2019 hatte man größere Schwierigkeiten mit Zulieferern.
Die Auftragsbücher waren prall gefüllt, aber es fehlten Teile.

Pain today, gain tomorrow

Obwohl abzusehen war, dass Kion kerngesund und die Nachfrage vorhanden war, stürzte die Aktie von 80 auf 40 Euro ab.

Damals hatte ich mehrfach auf die Situation hingewiesen (Link und Link). Es sind nur noch die einleitenden Worte online. Aber darum geht es auch gar nicht.

Es zeigt, wie erfolgreiches Investieren an der Börse funktioniert und wie hart das sein kann. Wer damals eingestiegen ist, konnte problemlos sein Geld verdoppeln und mehr.
Jedoch nicht von heute auf morgen. Man musste zuerst den Schmerz aushalten, denn über Monate hinweg kam es eben nicht zu nachhaltig steigenden Kursen.
Durch den Corona-Crash ging es zeitweise sogar noch unter das Tief von 2019.

Wer antizyklisch investiert wird eben selten sofort dafür belohnt. Daher ist es für die meisten Anleger auch schwierig das wirklich „durchzuziehen“.

Das erinnert mich an ein Zitat von Charlie Munger: „Almost all good businesses engage in pain today, gain tomorrow activities.“

Für Investoren gilt dasselbe.

Chart vom 29.03.2022 Kurs: 60 Kürzel: KGX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 29.03.2022 Kurs: 60 Kürzel: KGX – Wochenkerzen

Ob wir den Boden schon gesehen haben, ist keine ausgemachte Sache. Vermutlich ist es noch zu früh, um sich in größerem Umfang zu engagieren.

Wer hier aber einen Fuß in die Türe stellt und dann bei sinkenden Kursen langsam weiter aufstockt, dem dürfte ein ähnliches Schicksal blühen, wie den Anlegern von 2019: Pain today, gain tomorrow.

Als Reaktion auf die gestern vorgelegte Bilanz 2021 und den Ausblick auf das laufende Jahr machte die Aktie der KION Group zur Eröffnung einen Riesensatz von fast 13 Prozent. Doch dann setzten Abgaben ein, die das Plus deutlich zusammenstauchten. Was steckt dahinter?

Das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres konnte sich wirklich sehen lassen. Der Spezialist für Gabelstapler, weitere Logistik-Tools und Logistik-Lösungen steigerte seinen Umsatz um 23,4 Prozent, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) legte aufgrund einer gestiegenen Gewinnmarge überproportional um 53,9 Prozent zu. Damit wurde die durchschnittliche Analystenprognose klar überboten, vor allem beim Nettogewinn, der mit 568 Millionen Euro statt der im Schnitt zuvor erwarteten 508 Millionen hereinkam. Die „Corona-Delle“ des Jahres 2020 wurde damit mehr als ausgeglichen. Und, und das ist für die Anleger jetzt wichtiger, es soll weiter vorangehen:

Für 2022 sieht die KION Group eine Ausweitung des Umsatzes in den Bereich 11 bis 12 Milliarden Euro (bisherige Expertenprognose im Schnitt 11,1 Milliarden) und einen Anstieg des EBIT auf 1,01 bis 1,15 Milliarden Euro. Letzteres wäre ein Anstieg zwischen 20 und 35 Prozent. Kein Wunder, dass die Aktie zum Handelsstart einen Satz nach oben machte. Aber warum hielten diese Käufe nicht vor, warum kam es daraufhin zu Abgaben?

Expertenmeinung: Weil der Ausblick jetzt wichtiger ist als das, was 2021 erreicht wurde. Und weil die Investoren in dem derzeit immens unsicheren Umfeld, das aktuell mehr Luft hin zum Negativen hat, zweifeln, ob diese Ziele wirklich erreichbar sind. Immense Lieferausfälle und explodierende Erzeugerpreise treffen jetzt auch noch auf Sanktionen, die auch Unternehmen der Länder ausbremsen, die sie verhängen – mit unabsehbarer Dauer und Reichweite. Verschobene und womöglich stornierte Aufträge, Produktionsverzögerungen, Kostendruck: All das kann diesen 2022er-Ausblick der KION Group leicht zur Makulatur machen.

Ob es so kommt, ist zwar offen, ebenso das Ausmaß, in dem KION betroffen sein könnte. Aber das ist eben der Punkt: Man ist momentan von Unsicherheit umgeben. Und wenn dann eine Aktie derart nach oben springt, die auf kurz- und mittelfristiger Ebene nicht bullisch ist, wundert es nicht, dass einige diese Gelegenheit nutzen, um Positionen abzubauen. Ob sie damit richtig liegen, wird sich zeigen. Aber um das zu erkennen, muss man nicht raten: Das Chartbild der KION-Aktie auf Wochenbasis zeigt klar, um welche Ankerpunkte es jetzt gehen wird.

Sie sehen da, dass die KION Group-Aktie im Wochenverlauf auf dem oberen Rand der Unterstützungszone 61,30/66,64 Euro aufgesetzt hatte. Der Kurssprung zum gestrigen Handelsstart trug sie dann am Tageshoch an die wochenlang verteidigte, dann aber doch gebrochene Supportzone 77,58/81,95 Euro, die jetzt als Widerstand fungiert. In einem Umfeld, in dem die Perspektiven derart offen sind, dass ein Ausbruch nach oben genauso argumentativ unterfüttert werden könnte wie der Bruch der jetzt verteidigten Supportzone, spielt die Charttechnik mangels anderer, verlässlicher Orientierungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle, so dass das Queren der jeweiligen Zone entsprechende Anschlusskäufe bzw., auf der Unterseite, Anschlussverkäufe auslösen dürfte. Ob die von der Realität bestätigt werden, wird sich dann erst weisen müssen … aber wann da neue Fakten kommen, ist eben offen, daher wäre man hier am besten beraten, pragmatisch entlang charttechnischer Signale vorzugehen.

KION Group: Chart vom 03.03.2022, Kurs 73,04 Euro, Kürzel KGX | Online Broker LYNX

Seit Anfang Oktober eine Korrektur beendet wurde, steigt die KION-Aktie wie auf Schienen. So langsam könnte man da über kurzfristige Gewinnmitnahmen nachdenken. Mittelfristig wäre indes durchaus noch Spielraum nach oben.

Es brummt derzeit bei diesem Spezialisten für Lagertechnik, Gabelstapler und andere Aspekte der Lagerhaltung. Und manch einer stellt sich sicher insgeheim die Frage, was da erst vorangehen könnte, wenn die von den meisten Unternehmen weltweit über Jahre wegen des „Just in Time“-Prinzips heruntergefahrene Lagerhaltung eine kleine Renaissance erleben sollte, nach den unschönen Erfahrungen der letzten Monate mit einer weltweit aus der Spur geratenen Logistik. Aber auch ohne eine solche „Renaissance“ kann sich das Wachstum der KION Group sehen lassen.

Ende Oktober präsentierte das Unternehmen für die ersten neun Monate 2021 ein Umsatzwachstum von 25,5 Prozent. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen lag sogar satte 90 Prozent höher als in den ersten drei Quartalen 2020. Und, wichtig: Der Auftragseingang lag mit knapp neun Milliarden Euro nicht nur 34 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, sondern auch gut 19 Prozent über dem Umsatz. Das Auftragsbuch wird somit spürbar dicker, ein starker Umsatz ist auch in den kommenden Quartalen sichergestellt.

Das mündete am 3. November in die Anhebung der mittelfristigen Umsatzprognose. Für 2023 sieht die KION Group jetzt einen Umsatz von über zwölf Milliarden Euro bei einer EBIT-Marge im Bereich zehn bis zwölf Prozent. Die Marge läge damit zwar „nur“ im Bereich dessen, was aktuell erreicht wird (in den ersten neun Monaten lag sie bei etwa 10,9 Prozent). Aber solange die Analysten weiterhin avisieren, dass der Gewinn ordentlich weiter zulegen wird, werden die Käufer hier wohl nicht dauerhaft abspringen. Und diese Erwartung weiter steigender Gewinne ist vorhanden:

Expertenmeinung: Im Schnitt sehen die Analysten für die KION Group in den kommenden zwei Jahren einen Gewinnanstieg um die 20 Prozent pro Jahr. Richtig ist zwar, dass das nur dann realistisch wäre, wenn man die Zukunft mit dem Lineal aus der Gegenwart heraus fortschreiben könnte. Was, wie zuletzt das Jahr 2020 lehrte, öfter mal völlig daneben geht. Aber solange diese Zukunft den Anlegern nicht das Gegenteil beweist, wäre es normal, wenn die Trader diese positive Variante als Leitstrahl beibehalten. Und würde dieser ordentliche Gewinnanstieg über die kommenden zwei Jahre tatsächlich eintreten, wäre die Aktie trotz ihrer Rallye der letzten Wochen noch nicht zu teuer. Dann würde das Kurs/Gewinn-Verhältnis für 2022 bei 20, für 2023 bei 17 liegen – eine für diese Branche angemessene Bewertung.

Allerdings setzt das nicht nur voraus, dass diese Prognose stetig weiter steigender Gewinne eintritt, sondern auch, dass die KION-Aktie nicht allzu viel höher läuft. Denn tut sie das, steigt die Bewertung ja mit – und dann wäre sie eben doch bald überbewertet. Solange der Trend nicht bricht, schert das zwar nur wenige. Aber wenn er es tut, kann sich eine Falltür auftun. Wie geht man damit um?

Angesichts der bislang über sechs Wochen währenden Rallye der Aktie wäre der Gedanke, bei einem Teil einer bestehenden Position mal den Gewinn aufs Konto zu packen, allemal angebracht. Solange die mittelfristige Perspektive des Unternehmens aber positiv gesehen wird, könnte die Aktie nach einer Korrektur durchaus wieder zulegen. Da sollte man, wenn es zu einem Rücksetzer kommt, den Bereich des vorherigen Rekordhochs um 91,80/93,30 Euro im Auge behalten. Würde die KION-Aktie diesen Bereich testen und halten, wäre der Gedanke opportun, auf höherem Niveau verkaufte Aktien zurückzukaufen.

Vorsicht wäre dann angebracht, wenn der Kurs die im Sommer geltende Seitwärtsrange mit Schlusskursen unter 85 Euro durchbrechen und damit dann auch die 200-Tage-Linie mit „abräumen“ sollte … denn das wäre ein Hinweis darauf, dass die rosigen Perspektiven der Bullen einer deutlich weniger bunten Realität gewichen sind.

KION Group-Aktie: Chart vom 16.11.2021, Kurs 103,15 Euro, Kürzel KGX | Online Broker LYNX

Am Morgen notierte die KION-Aktie zeitweise drei Prozent im Plus und stand im Begriff, das bisherige Rekord-Verlaufshoch zu bezwingen. Doch am Ende des Tages blieb ein Minus von 1,6 Prozent. Und das, obwohl KION am Vorabend die Prognosen erhöht hatte. Und jetzt?

Die am Montagabend nach Handelsende gemeldeten, nach oben angepassten Gesamtjahresziele waren beeindruckend. Sie basierten auf der vorläufigen Berechnung des Ergebnisses des ersten Halbjahres: Umsatz +26,5 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020, Auftragseingang +33,7 Prozent. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) lag sagenhafte 125 Prozent über dem der ersten sechs Monate 2020, basierend auf einer markant um gut vier Prozent auf 9,3 Prozent gesteigerten EBIT-Marge.

Daraus leitet der Gabelstapler- und Logistik-Spezialist ein deutlich besseres Gesamtjahr ab. Die Guidance für den Umsatz liegt jetzt bei 9,7 bis 10,3 Milliarden Euro nach zuvor 9,15 bis 9,75 Milliarden. Beim EBIT erwartet die KION Group 810 bis 890 Millionen Euro, die bisherige Prognose lag mit 720 bis 800 Millionen Euro deutlich niedriger. Wie können solche Ergebnisse am Ende des Tages in ein Minus münden? Wo liegt der Haken bei diesen Zahlen?

Expertenmeinung: Es gäbe einen Haken, wenn die Berechnungsbasis, das erste Halbjahr 2020, extrem schwach gewesen wäre. Aber die KION Group wurde von der Corona-Problematik eher moderat getroffen. Mit dieser angehobenen Prognose könnte das Unternehmen den bisherigen Rekordgewinn aus dem Jahr 2019 durchaus übertreffen. Und damit wäre die Aktie in Relation zu früheren Jahren noch nicht zu hoch bewertet. Das Problem dürfte eher in der Charttechnik in Kombination mit den Analysten-Kurszielen gelegen haben.

Sie sehen im Chart, dass die KION-Aktie anders als die heute ebenfalls besprochene Dürr-Aktie, bei der die Prognose-Anhebung eine deutlich positivere Wirkung hatte, noch ein gutes Stück unter einer entscheidenden Charthürde notierte, als diese Nachricht am Montagabend eintraf. Während bei Dürr ein eher kleines Plus reichte, um den Widerstand zu überwinden, musste die KION-Aktie noch über den Eröffnungslevel hinaus, also unmittelbar weiter steigen, um das zu schaffen. Aber noch bevor ein Kurs über dem bisherigen Verlaufshoch von 93,28 Euro erreicht wurde, begannen hier Gewinnmitnahmen. Dadurch blieb das Kaufsignal aus – und die Abgaben gingen weiter. Wohl auch, weil die Aktie dem durchschnittlichen Analysten-Kursziel bei 96,40 Euro schon sehr nahe gekommen war. Aber:

Die Perspektive in Sachen Unternehmensgewinne bleibt trotzdem tadellos, egal, ob die Aktie daraufhin unmittelbar reagieren konnte oder nicht. Die Chance, dass die KION Group-Aktie das bisherige Verlaufshoch angeht und in Richtung der magischen, runden 100 Euro-Marke überwindet, bleibt. Aber erst, wenn diese gestern verweigerte Hürde von 93,28 Euro bezwungen wurde, wird aus einer reinen Möglichkeit etwas, das man mit einem tauglichen Chance/Risiko-Verhältnis umsetzen könnte.

KION Group-Aktie: Chart vom 27.07.2021, Kurs 88,76 Euro, Kürzel KGX | Online Broker LYNX

Gewinn mitnehmen? Eisern dabei bleiben, zukaufen oder gar neu einsteigen? Unter den Analysten ist die Mehrheit bullisch. Aber nicht immer bekommen die Analysten auch Recht. Und gerade am Freitag kamen zwei interessante, neue Kursziele auf den Tisch.

Erst Ende des Monats steht die Bilanz des zweiten Quartals beim Lagertechnik-Spezialisten KION Group an. Die Ergebnisse des ersten Quartals wurden Ende April vorgelegt und lagen durchweg, bei Umsatz, Auftragseingang und Gewinn, klar über den Analystenprognosen. Seither kamen keine nennenswerten, neuen Nachrichten vom Unternehmen, so dass die Analysten der DZ Bank und von Goldman Sachs, die beide am Freitag ihre neuen Kursziele veröffentlichten, denselben Informationsstand hatten. Trotzdem waren ihre Einschätzungen unterschiedlicher, wie sie kaum sein könnten:

Die DZ Bank hob das Kursziel für die KION-Group von 96 auf 114 Euro an und beurteilte die Aktie mit „Kaufen“. Damit lagen sie nahe des oberen Endes der Kurszielspanne aller Experten für diese Aktie von 70 bis 115 Euro. Goldman Sachs hingegen erhöhte das Kursziel von 67 auf 72 Euro, bleibt damit also am unteren Ende der Spanne, und beurteilt die Aktien mit „Verkaufen“. Und beide Statements kamen am selben Tag, das hat den Charme eines rotierenden Wegweisers, zumal der aktuelle Kurs auch noch genau in der Mitte dieser Extreme liegt. Also, was tun?

Expertenmeinung: In solchen Fällen ist das pragmatische Orientieren an der Charttechnik gemeinhin die beste Lösung. Solange der Trend intakt bleibt, kann man am Ball bleiben, wenn man sich konsequent absichert. Dazu wäre die breite Supportzone zwischen 77,50 und 83,50 Euro die sinnvollste Orientierungsbasis. Das würde normale Korrekturen ermöglichen; ginge ein Abstieg der Aktie darüber hinaus, wäre das Bild indes negativ und man selbst zügig ausgestiegen. Und wie sieht es mit Zukäufen oder dem Neueinstieg aus?

Auch da wäre es am sinnvollsten, eine Korrektur abzuwarten. Würde die Aktie die vorgenannte Unterstützungszone ansteuern, verteidigen und nach oben aus ihr herauslaufen, wäre das ein klar bullisches Signal, dann wäre es zu überlegen, hier zu- oder nachzufassen. Dem steilen Aufwärtstrend aber einfach hinterher zu laufen, während die Aktie nahe am vorvergangene Woche bei 93,28 Euro erreichten Verlaufsrekord notiert, wäre gewagt.

KION Group-Aktie: Chart vom 09.07.2021, Kurs 92,26 Euro, Kürzel KGX | Online Broker LYNX

Denn wer besonnen und vorsichtig agiert, sollte bei solchen Diskrepanzen bei der Beurteilung des Kurspotenzials durch Analysten immer die negativere Variante unter die Lupe nehmen, sprich sich fragen, warum Goldman Sachs skeptisch in Sachen weiterer Kursgewinne ist. Und da würde man bei der Bewertung fündig. Denn momentan erwarten die Analysten im Schnitt, dass die KION Group nach dem mageren Jahr 2020 im laufenden Jahr einen Gewinn pro Aktie im Bereich 3,80/3,90 Euro erreicht. Damit würde sie zwar die Gewinne des Jahres 2019 wieder erreichen. Aber der höchste Kurs 2019 inklusive der ersten zwei Monate 2020 (also vor dem Corona-Crash) lag bei 66,64 Euro. Die Aktie ist also jetzt im Vergleich zu früheren Jahren ungewöhnlich teuer bewertet, was voraussetzt, dass auch 2022 ein starkes Jahr mit deutlichem Gewinnanstieg werden muss, um das zu rechtfertigen. Wenn im Kurs eingepreiste Hoffnungen so weit in die Zukunft reichen, ist es immer angebracht, ein wenig vorsichtig zu werden!