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Indexanalyse:
S&P 500: Die Jubel-Rallye blieb aus – ein Warnsignal?

Aktuelle Analyse des S&P 500 Index

Das 96seitige Pamphlet namens Phase I-Deal wurde noch während des gestrigen US-Handels veröffentlicht, so dass die Marktteilnehmer sich einen Überblick verschaffen konnten, was darin wirklich geregelt wurde. Grob gesagt besteht die Vereinbarung aus zwei Teilen. Im ersten geht es um den Umgang miteinander auf Handelsebene. Welche Regeln zu befolgen sind, wurde sehr ausführlich dargelegt, ebenso finden sich Verhaltensregeln im Streitfall. Der zweite Teil betrifft konkrete Volumina, die China 2020 und 2021 in den Bereichen Industrie, Agrar und Services gegenüber dem Importvolumen an US-Gütern des Jahres 2017 mehr einführen wird. Das Ganze bedeutet für die USA durchaus markante Vorteile. Insgesamt soll das chinesische Importvolumen von US-Gütern bis Ende 2021 um 200 Milliarden gegenüber 2017 wachsen.

Wenn man bedenkt, dass China 2017 „nur“ US-Güter im Wert von 130 Milliarden US-Dollar eingeführt hatte, ist das ein Wort. Und da sich die vereinbarten Import-Steigerungen nicht nur auf den Agrarsektor beschränken, würden die von US-Wirtschaftsberater Larry Kudlow in den Raum gestellten zusätzliche 0,5 Prozent im US-Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020, die dadurch erzielt werden sollen, auch Branchen erreichen, die in größerem Umfang börsennotiert sind. Also alles in allem ein Fortschritt für die USA. Wie man das in China sieht, wird man heute Vormittag sehen, wenn die chinesischen Aktienmärkte schließen.

Man darf unterstellen, dass nicht gerade wenige Investoren erwarteten, dass der marktbreite S&P 500 nach der gegen 19 Uhr erfolgten Unterzeichnung des Vertrages Luftsprünge machen würde, denn auf diesen ersten großen Schritt in Richtung größerer Vorteile für US-Firmen im Riesenmarkt China hatte man schließlich lange warten müssen. Zudem war da noch der die Kurse in Aufwärtstrends meist höher ziehende Abrechnungstermin an der Terminbörse, der morgen ansteht. Und der S&P 500, ohnehin auf Rekordjagd, näherte sich der nächsten runden Marke von 3.300 Punkten, die für diese Options-Abrechnung am Freitag wie ein Magnet wirken dürfte. Alles richtig und ja, es hätte auch zu einem solchen Rallyeschub kommen können. Dass es aber auch ganz anders hätte kommen können, wurde offensichtlich von vielen übersehen.

Und gerade, weil das viele wohl nicht auf dem Zettel hatten, blieb nicht nur der Luftsprung aus, sondern die vor der Unterzeichnung erreichten Kursgewinne waren eine halbe Stunde vor dem Handelsende komplett dahin. Nur eine Rallye in den letzten 30 Minuten sorgte dafür, dass dieser Tag nicht zu einer Pleite für die Bullen wurde. Wo lag das Problem?

Das hatte mehrere Gründe. Zum einen hatten zu viele Marktteilnehmer über Monate hinweg auf dieses Ereignis hin vorgekauft. Dem Markt gingen schlicht die Käufer aus. In diese Lücke hätten zwar die großen Adressen von der Terminbörse springen können, um eine Abrechnung der S&P 500 Index-Optionen morgen auf höchstmöglichem Niveau zu erreichen. Aber das tun diese nur, wenn sich solche gezielten Käufe rechnen. Dazu hätten sie sich darauf verlassen müssen, dass andere Akteure auf den von ihnen angeschobenen Zug aufspringen und so das Risiko solcher „Anschub-Käufe“ verringern. Aber das sah man am Terminmarkt eben nicht und ließ es bleiben. Zumindest vorerst, denn man darf vermuten, dass diese das Plus rettende Rallye kurz vor Handelsende sehr wohl ihren Ursprung am Terminmarkt hatte, um zu verhindern, dass den großen Adressen dort die Kurse kurz vor der Abrechnung entgleiten.

Zudem hatte man im Hinterkopf, dass Trump sagte, der Abschluss der Phase II könne sich bis nach der US-Wahl im November hinziehen. Und erst am Dienstag wurde seitens des US-Finanzministers betont, dass dieser Phase I-Deal nicht impliziert, dass die US-Zölle gegen chinesische Importe zurückgenommen würden. Was hieß, dass dieses das Wachstum bremsende Element erhalten bleibt. So gesehen konnte es nicht überraschen, dass es zu „selling on good news“ kam. Aber ist die Hausse damit wirklich gefährdet?

Chart auf Monatsbasis vom 15.01.2020, Kurs 3.289,33 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX Aktienempfehlungen

Richtig ist, dass der S&P 500 auf Tages-, Wochen- und sogar auf Monatsbasis markttechnisch überkauft ist, wie unser ganz langfristiger Chart zeigt, der den Index seit Beginn dieser ungewöhnlich lange währenden Hausse zeigt. Und die Trendlinie, die den S&P 500 seit 2009 begleitet, wartet erst bei 2.380 Punkten. Doch eine überkaufte Situation alleine beendet noch keine Aufwärtstrends, sie erhöht nur das Risiko, dass es dazu kommt. Solange aber genug Marktteilnehmer diesen Aspekt ignorieren, kann die Hausse grundsätzlich weitergehen. Dennoch sollte man jetzt noch vorsichtiger werden. Die runde Marke von 3.300 Punkten hatte der S&P 500 am Mittwoch mit dem neuen Verlaufsrekord von 3.298,66 Punkten fast erreicht. Das mögen viele als Ziel ansehen und über den Ausstieg nachdenken, daher kommt es jetzt zum Schwur:

Sollte das bullische Lager es schaffen, den Index heute oder morgen über 3.300 Punkte zu heben, kann es gelingen, das „selling on good news“ schnell zu beenden, indem andere Akteure, die bislang nur darüber nachgedacht, nicht aber bereits gehandelt haben, dadurch vom Ausstieg abgehalten werden. Kommt es aber schon vor und während des Abrechnungstermins an der Terminbörse zu größeren Abgaben, ist das ein markantes Signal dahingehend, dass etwas anbrennt und dem bullischen Lager die Kontrolle entgleiten könnte. Aus charttechnischer Sicht ist da vor allem der Bereich 3.227/3.259 Punkte wichtig, in dem sich die obere Begrenzung des Juni-Aufwärtstrends, die Oktober-Aufwärtstrendlinie und die 20-Tage-Linie zu einer sukzessiv steigenden Kreuzunterstützung zusammenballen. Fällt diese Zone, wäre der Weg nach unten erst einmal frei. Solange sie indes hält, ist nach oben noch nichts verloren.

Chart auf Tagesbasis vom 15.01.2020, Kurs 3.289,33 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX Aktienempfehlungen

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