Dieser Beitrag erläutert die Funktionsweise des Short Calls. Wenn Sie Short Calls handeln wollen und einen geeigneten Broker suchen, finden hier weitere Informationen: Optionen-Broker.
Inhalt
Was ist ein Short Call?
Der Begriff „Short“, der für einen „Verkauf“ oder „Leerverkauf“ steht, wird häufig kritisch gesehen. In manchen Fällen ist diese kritische Sicht nachvollziehbar: Unsachgemäß eingesetzt können leerverkaufte Optionen zu hohen Verlusten führen. Zudem ist es für viele Anleger zunächst ungewohnt, etwas zu verkaufen (eine Aktie oder eine Option), das man nicht besitzt, um es später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen. Diese strategische Herangehensweise ist weniger intuitiv, als Aktien oder Optionen einfach zu kaufen und auf steigende Kurse zu setzen.
Bei Leerverkäufen ändert sich allerdings einfach nur die typische Reihenfolge Ihrer Handelsvorgänge. Anstatt eine Option zuerst zu kaufen, um sie später teurer wieder zu verkaufen, beginnen Sie mit dem Verkauf, und schließen Ihren Trade mit dem Rückkauf der Option, hoffentlich zu einem niedrigeren Kurs als beim Einstieg.
Bei Leerverkäufen ändert sich vor allem die Reihenfolge der Handelsvorgänge. Anstatt eine Option zuerst zu kaufen, um sie später teurer wieder zu verkaufen, beginnen Sie mit dem Verkauf und schließen Ihren Trade mit dem Rückkauf der Option – idealerweise zu einem niedrigeren Kurs als beim Einstieg.
Gezielt angewandt können „Short Calls“, also leerverkaufte Call-Optionen, zur Umsetzung unterschiedlicher Handelsansätze eingesetzt werden.
Aufbau eines Short Calls
Die Strategie des Short Calls besteht im Kern aus dem Leerverkauf einer Call-Option, die in der Regel aus dem Geld ist (deren Basispreis über dem aktuellen Kurs des zugrundeliegenden Basiswertes liegt). Der Unterschied zur Strategie der Covered Calls, die wir in unserem Artikel „Mit der Covered Call Strategie Kursverluste abfedern und zusätzliche Einnahmen generieren“ erläutern, liegt darin, dass der einfache Short Call nicht durch eine Aktienposition gedeckt ist.
Performanceprofil eines Short Calls mit Basispreis (Strike) A

Prinzip des Short Calls
Wenn Sie einen Short Call eröffnen, gehen Sie die Verpflichtung ein, den zugrundeliegenden Basiswert (z. B. eine Aktie oder einen Index) gegebenenfalls zu verkaufen, falls die Option ausgeübt wird. Je gehandeltem Kontrakt werden im Falle einer Ausübung in der Regel 100 Aktien in Ihrem Depot leerverkauft (Sie halten dann rechnerisch –100 Aktien in Ihrem Depot).
Der Leerverkauf erfolgt dabei zu einem Kurs, der dem Basispreis A des Calls entspricht. Der Nachteil dieser Verpflichtung ist, dass Sie z. B. eine Aktie zu einem niedrigeren Kurs leerverkaufen müssten, als der aktuelle Kurs der Aktie ist. Kaufen Sie die Aktie in diesem Fall nicht sofort zurück, sondern halten den negativen Bestand in Ihrem Depot, besteht ein erhebliches Verlustrisiko, das bei stark steigenden Kursen des Basiswertes theoretisch unbegrenzt sein kann. Je stärker die Aktie steigt, desto größer fällt der mögliche Verlust aus.
Ein Short Call basiert typischerweise auf der Annahme, dass der Kurs des Basiswertes unter dem Basispreis des Calls bleibt und dass die Call-Option am Ende der Laufzeit wertlos verfällt. In diesem Fall muss die Position nicht zwingend aktiv geschlossen werden, da die Option bei Wertlosigkeit automatisch verfällt. Der mögliche Ertrag entspricht dann der Prämie, die Sie bei der Eröffnung der Position – also beim Verkauf der Call-Option – vereinnahmt haben (abzüglich ggf. anfallender Kosten und Gebühren).
Hier stechen die Vorteile dieser Strategie heraus: Der zugrundeliegende Basiswert darf fallen, sich seitwärts bewegen oder bis zum Basispreis A steigen. Sie kassieren in allen drei Szenarien den maximalen Gewinn.
Der Short Call kann in unterschiedlichen Marktszenarien Erträge ermöglichen: Der zugrundeliegende Basiswert darf fallen, sich seitwärts bewegen oder bis zum Basispreises A steigen. In diesen Fällen erzielen Sie den maximalen Ertrag, der auf die vereinnahmte Optionsprämie begrenzt ist.
In der Umsetzung ist ein Short Call grundsätzlich unkompliziert: Sie können beispielsweise den passenden Call im „OptionTrader“ der Handelsplattform Trader Workstation (im Bereich „Optionsketten“) auswählen und verkaufen.
Hinweise für den Handel von Short Calls
- Bei der Auswahl des Basispreises A wird bei Short Calls häufig darauf geachtet, dass der Strike in ausreichendem Abstand zum aktuellen Kurs des Basiswerts liegt – beispielsweise in der Größenordnung einer Standardabweichung oder mehr. Ein größerer Abstand kann das Risiko reduzieren, dass die Option ins Geld läuft. Gleichzeitig gilt: Je weiter der Basispreis vom aktuellen Kurs entfernt ist, desto niedriger fällt in der Regel auch die vereinnahmte Optionsprämie aus. Als grobe Orientierung wird in der Praxis häufig ein Delta von etwa 16 herangezogen (einsehbar in der Optionskette, z. B. im „OptionTrader“ der Handelsplattform), da Optionen mit einem Delta von 16 einer Standardabweichung entsprechen. Und idealerweise befindet sich der Basispreis der Option charttechnisch in der Nähe eines soliden Widerstands.
- Bei der Laufzeit setzen viele Optionshändler bei Short Calls eher auf kürzere Restlaufzeiten, da der Zeitwertverlust („Theta“) bei Optionen in der Regel in den letzten 90 Tagen vor dem Verfall stärker ausfällt. Dieser Effekt kann sich grundsätzlich zugunsten des Optionsverkäufers auswirken, ist jedoch stets im Zusammenhang mit dem Gesamtrisiko (z. B. Kursbewegungen und Volatilität) zu beurteilen. Siehe dazu auch unseren Artikel zum Thema Zeitwertverfall.
Für wen ist der Short Call geeignet?
Diese Strategie ist aufgrund ihres hohen Verlustrisikos nicht für alle Anleger geeignet und richtet sich typischerweise an Trader, die bereits über umfangreiche Erfahrung im Optionshandel verfügen. Ein Short Call kann technisch zwar relativ unkompliziert eröffnet werden, setzt jedoch fundierte Kenntnisse voraus, insbesondere in den folgenden Bereichen:
- Einschätzung des Aufwärtspotenzials des zugrundeliegenden Basiswertes, um einen geeigneten Basispreis zu wählen
- Auswahl eines geeigneten Einstiegszeitpunkts
- Umfassendes Risiko-Management sowie gute Kenntnisse im „Rollen“ von Optionen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel „Das Rollen von Optionen – Optionen-Trades aktiv managen“.
Wann kann ein Short Call eingesetzt werden?
Ein Short Call wird typischerweise eingesetzt, wenn davon ausgegangen wird, dass die Aktie (oder ein anderer Basiswert) fallen, sich seitwärts bewegen oder nur leicht steigen wird. Der zugrundeliegende Basiswert kann dabei bis zum Basispreis A steigen, ohne dass der maximale Ertrag – die vereinnahmte Optionsprämie – reduziert wird.
Häufig wird ein Short Call in Marktphasen umgesetzt, in denen die implizite Volatilität relativ hoch ist. In solchen Situationen sind Optionsprämien in der Regel höher, wodurch beim Verkauf der Option eine entsprechend höhere Prämie vereinnahmt werden kann. Sinkt die implizite Volatilität nach Eröffnung der Position, kann sich dies positiv auf den Optionspreis auswirken, da der Call tendenziell an Wert verliert. Dies kann das Schließen der Position zu einem günstigeren Preis erleichtern – abhängig vom weiteren Kursverlauf des Basiswertes.
Wo liegt Ihre Gewinnschwelle („Breakeven“) bei einem Short Call?
Diese Strategie macht sich bezahlt, wenn der Kurs des Basiswertes beim Verfall unter dem Basispreis A der leerverkauften Call Option zuzüglich der vereinnahmten Prämie, dividiert durch 100, liegt. In diesem Fall würde der innere Wert des Short Calls der Prämie entsprechen:
Gewinnschwelle = Basispreis des leerverkauften Calls + vereinnahmte Prämie / 100
Beispiel: Eine Aktie notiert bei 95 USD. Sie verkaufen einen Call mit einem Basispreis bei 100 USD und einem Kurs der Option bei 2 USD. Mit einem Kontrakt würden Sie dadurch 200 USD an Prämie vereinnahmen. Ihre Gewinnschwelle liegt demnach bei 100 + 200/100 = 102 USD. Notiert die Aktie zum Verfallsdatum des Calls darunter, kann der Call mit Gewinn zurückgekauft werden.
Was ist Ihr maximaler potenzieller Gewinn bei einem Short Call?
Ihr potenzieller Gewinn ist auf die vereinnahmte Prämie begrenzt. Er wird erzielt, wenn der Aktienkurs zum Verfallsdatum der Option unter dem Basispreis A notiert. In diesem Fall verfällt die Option wertlos, und Sie kassieren die bereits vereinnahmte Prämie zu 100% als Gewinn ab.
Die Art und Weise, wie Sie den Basispreis auswählen, bestimmt das maximale Ertragspotenzial. Durch die Wahl eines niedrigeren Basispreises können Sie die anfängliche Prämieneinnahme erhöhen.
Ein Teilgewinn wird erzielt, wenn der Aktienkurs zwischen dem Basispreis A und der Gewinnschwelle bleibt. Ein Short Call muss nicht bis zum Ende der Laufzeit der Option gehalten werden. Sie können die Position vorzeitig glattstellen und die Gewinne (oder die Verluste) mitnehmen.
Was ist Ihr maximaler potenzieller Verlust bei einem Short Call?
Der potenzielle Verlust ist theoretisch unbegrenzt. Der Verlust wächst, je höher die Aktie über den Basispreis steigt. Um je 1$, um den die Aktie über den Basispreis steigt, verteuert sich der Call um 100$. Sobald dieser Betrag die vereinnahmte Prämie übersteigt, ist die Gewinnschwelle überschritten und der Trade bewegt sich in die Verlustzone. Dass eine Aktie oder ein Index nicht ins unendliche steigen wird, dürfte jedoch klar sein, so dass in der Praxis das maximale Verlustrisiko doch begrenzt bleiben wird. Aber denken Sie z.B. an eine Aktie wie Tesla, die sich seit Anfang 2020 zeitweise verneunfacht hat. Short Calls auf solch eine Aktie können ein Konto ausradieren! Deswegen ist ein Stop-Loss, vor allem bei Basiswerten, die in einem hohen Kurssegment notieren, bei Short Calls ratsam.
Was ist die Margin-Anforderung bei einem Short Call?
Die Margin-Anforderung für einen Short Call wird Ihnen in der Vorschau der Trade-Platzierung oder vor der Übermittlung des Trades angezeigt. Beachten Sie unbedingt, dass das maximale Verlustrisiko des Trades diese Margin-Anforderung deutlich übersteigen kann.
Wie wirkt sich die Zeit auf die Position bei einem Short Call aus?
Für diese Strategie ist der Effekt des Zeitwertverfalls der Option positiv. Der Zeitwert der Call Option, die Sie leerverkauft haben, wird unter gleichbleibender Volatilität Tag für Tag abnehmen, was gut für Ihre Position ist.
Was ist der Einfluss der impliziten Volatilität bei einem Short Call?
Nachdem die Strategie umgesetzt wurde, wünschen Sie sich in der Regel, dass die implizite Volatilität abnimmt. Dadurch sinkt der Zeitwert der Option weiterhin und dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Option wertlos verfallen wird (was Ihr Ziel ist).
Ein Anstieg der impliziten Volatilität würde aber auch sehr wahrscheinlich bedeuten, dass der zugrundeliegende Basiswert stark am Fallen ist, was ebenfalls zu Ihrem strategischen Ansatz passen würde.
Risiko der Ausübung der Option bei einem Short Call
Eine vorzeitige Ausübung ist zwar bei den meisten Aktienoptionen jederzeit möglich, erfolgt jedoch in der Regel nur, wenn die leerverkaufte Call Option tief ins Geld rutscht oder wenn eine Dividendenausschüttung der Aktie bevorsteht.
Wenn am Verfallsdatum die Aktie knapp unterhalb oder knapp oberhalb des Basispreises des leerverkauften Calls notiert, können Sie nicht sicher sein, ob zum Verfall der Option eine Ausübung geschehen wird oder nicht.
Mein persönlicher Rat an Sie: Schließen Sie den Short Call oder rollen sie ihn vorzeitig, um der Eventualität der Ausübung aus dem Weg zu gehen. Achten Sie vor allem auf den Ex-Tag der Dividendenausschüttung. Notiert kurz davor die Aktie nah am Basispreis des Calls oder weit darüber und die Restlaufzeit ist gering, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Call Option ausgeübt wird.
Mehr zum Thema vorzeitige Ausübung von Optionen können Sie in unserem Artikel Vorzeitige Ausübung von Optionen – So reagieren Sie richtig und bleiben entspannt nachlesen.
Vor- und Nachteile des Short Calls
Vorteile:
- Der Short Call erzielt den maximalen Gewinn bei 3 möglichen Szenarien: Eine Seitwärtsbewegung, eine Abwärtsbewegung und eine leichte Aufwärtsbewegung des zugrundeliegenden Basiswertes.
- Der Short Call profitiert vom Rückgang der impliziten Volatilität.
- Der Short Call profitiert vom Zeitwertverfall.
Nachteile:
- Der maximale Gewinn ist auf die Prämie begrenzt und die Position profitiert entsprechend nicht von einem fortlaufenden Fall des Basiswertes.
- Je nach Wahl des Basispreises ist nur eine kleine Aufwärtsbewegung des Aktienkurses erlaubt, um in der Gewinnzone zu bleiben.
- Das Verlustrisiko ist theoretisch unbegrenzt.
- Das Ausübungsrisiko am Dividenden-Ex-Tag kann hoch sein.
Beispiel eines Short Calls
In unserer Rubrik „Optionen in der Praxis“ stellen wir gelegentlich Tradeideen mit Short Calls vor, u.a. im Rahmen des Handels von Quartalsergebnissen. Zu den Tradeideen gelangen Sie hier: Optionen in der Praxis
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Fazit: Mit einem Short Call aus schwächelnden Aktien und Indizes Profit schlagen
Wenn Sie der Meinung sind, den Märkten würde „die Puste“ ausgehen, gibt es trotzdem für Sie Möglichkeiten, mit Optionen Gewinne zu generieren. Mit einem Short Call profitieren Sie auch von müden Aktien, deren Aufwärtspotenzial nach Ihrer Einschätzung begrenzt ist. Steigt der Basiswert nur moderat, können Sie trotzdem einen Gewinntrade erzielen. Liegen Sie mit Ihrer Einschätzung allerdings komplett falsch und die Aktie steigt über einen bestimmten Kurs, müssen Sie über einen Ausstiegsplan verfügen: Entweder Sie kaufen den laufenden Call zur endgültigen Schließung zurück und realisieren die Verluste oder Sie halten den Trade am Laufen, indem Sie den Call „rollen“.
