Software AG: Übler Kursrutsch kurz vor den Quartalszahlen

von |
In diesem Artikel

Software AG
ISIN: DE000A2GS401
|
Ticker: SOW --- %

---
EUR
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur Software AG Aktie

Eigentlich war diese gestrige Meldung, kurz vor der morgen anstehenden Quartalsbilanz, nur eine Präzisierung der Lageentwicklung und keine Umsatz- oder Gewinnwarnung. Die immens negative Reaktion könnte ein „Ausrutscher“ sein … aber ob man sich darauf verlassen kann?

Die Software AG, ein IT-Dienstleister vor allem für den Unternehmensbereich, korrigierte am Dienstagmorgen die Jahresziele 2021 der Bookings (in Rechnung gestellte Beträge) für die beiden Hauptbereiche Adabas & Nature sowie Digital Business. Adabas & Nature läuft besser als bislang erwartet, hier sieht man nach einer ursprünglichen Prognose eines Bookings-Rückgangs von 20 bis 30 Prozent nur noch ein Minus zwischen 8 und 12 Prozent. Dafür wurde die Bookings-Prognose des Bereichs Digital Business von +15 bis +25 auf jetzt +13 bis +17 Prozent nach unten genommen.

Unter dem Strich werde das aber nichts am Gesamtumsatz ändern, den sieht die Software AG weiterhin im Bereich von 0 bis 5 Prozent zum Vorjahr wachsen. Die EBITDA-Gewinnmarge (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) sieht man jetzt sogar ein wenig höher, zwischen 17 und 19 nach zuvor 16 bis 18 Prozent. Warum also dieser scharfe Abverkauf der Aktie?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Software AG Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass zu viele Marktteilnehmer sicher waren, dass die Software AG die Wachstumsprognose insgesamt eher anheben würde. Denn eigentlich ist weniger der Abverkauf gestern als die kräftige Aufwärtsbewegung zwischen Mai und August das, was man hinterfragen müsste. Denn diese Rallye führte die Software AG-Aktie bis auf 44 Euro nach oben, nahe an das Vorjahreshoch von 44,50 Euro. Was dann nachvollziehbar gewesen wäre, wenn das Jahr 2020 ein Gewinnwachstum gezeigt hätte, man also eine intakte Wachstumsstory vorfinden würde. Aber das ist nicht der Fall, denn:  

2018 und 2019 waren starke Jahre, 2020 aber nicht. 2020 fiel der Umsatz zum Vorjahr zwar nur um gut sechs Prozent, der Gewinn pro Aktie aber ging um ein Drittel zurück. Da die EBITDA-Marge 2020 bei etwa 20 Prozent lag, würde sich mit dem nur kleinen, avisierten Umsatzwachstum und der knapp niedriger liegenden Marge nur in etwa ein Gewinn auf dem Niveau des Jahres 2020 einstellen. Und damit wäre die Aktie eher teuer bewertet, denn Anfang 2018, als man noch mit deutlich mehr Wachstum rechnete und der Unternehmensgewinn klar höher lag, hatte die Aktie auch nur knapp 50 Euro erreicht.

Daher kann es durchaus sein, dass hier geplatzte Hoffnungen den Kurs drückten … und sollte die morgen anstehende Bilanz da keinen wirklich soliden Silberstreif liefern, sollte man sich besser nicht darauf verlassen, dass die Software AG-Aktie sich umgehend wieder erholt und die jetzt zum Widerstand gewordene Chartzone 38,44/38,84 Euro zurückerobert.

Dies und die Rückeroberung der bei 40 Euro verlaufenden 20-Tage-Linie wären in jedem Fall nötig, um hier an einen Long-Trade zu denken. Oder aber der Kurs testet die breite Aufwärtstrend-Zone zwischen 34,40 und 35,20 Euro erfolgreich, indem die Aktie von dort aus dynamisch wieder anzieht … aber dazu müsste diese Zone eben erst einmal erreicht werden. Direkt einzusteigen und damit darauf zu wetten, dass die eigentliche Bilanz morgen schon die richtigen Worte finden wird, wäre in dieser Situation ein brenzliges Unterfangen.

Software AG-Aktie: Chart vom 19.10.2021, Kurs 36,80 Euro, Kürzel SOW | Online Broker LYNX
Sie möchten an der Börse handeln?

Nutzen Sie für Ihre Börsengeschäfte ein Depot über den Online-Broker LYNX. Alles aus einer Hand: Aktien kaufen, Optionen handeln, Futures traden oder in ETFs investieren.

Informieren Sie sich hier über den Online-Broker LYNX.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen


Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Die Software AG legte am Mittwochmorgen das Ergebnis des vierten Quartals vor und lieferte zugleich einen Ausblick auf das Jahr 2021 mit. Als Reaktion auf diese Zahlen schoss der Kurs zeitweise über 16 Prozent nach oben. Waren die Ergebnisse nebst Ausblick so grandios? Eigentlich nicht.

Der im vierten Quartal erzielte Umsatz lag mit 237,8 Millionen Euro unter dem des Vorjahresquartals (255 Millionen). Auch der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) kam mit 62,5 Millionen Euro deutlich unter dem des vierten Quartals 2019 herein (84,2 Millionen). Die bereinigte Vorsteuer-Gewinnmarge fiel spürbar von 33 Prozent im Vorjahresquartal auf 26,3 Prozent zurück. Was man als Argument für Käufe ins Feld führen konnte, war: Alle drei Messgrößer lagen über den durchschnittlichen Analystenprognosen. Aber waren sie deswegen so gut, dass man scheinbar unlimitiert in die Aktie hätte einsteigen müssen?

Expertenmeinung: Eher nicht, zumal ein „besser als erwartet“ von einem verlockenden Ausblick ergänzt werden müsste, um zu überzeugen. Und da sieht das Unternehmen für 2021 nichts, das einen Anleger elektrisieren könnte: Der Umsatz soll währungsbereinigt zwischen null und fünf Prozent zulegen, die EBITDA-Marge sieht die Software AG für 2021 in einer Range zwischen 16 und 18 Prozent. Im Gesamtjahr 2020 hatte die bei 21,2 Prozent und damit deutlich höher gelegen. Kombiniert man diese beiden Messgrößen, kommt dabei kein steigender Gewinn heraus. Warum also dieser so ungewöhnlich große Kurssprung … und wieso fiel der Kurs dann zum Handelsende deutlich unter das Tageshoch zurück?

Der Verdacht kommt auf, dass dieser Kursanstieg vor allem dadurch entstand, dass hier ein „Short Squeeze“ auftrat. Das heißt, dass Marktteilnehmer, die hier Aktien leer verkauft hatten, sprich Short gegangen waren, durch die erste Reaktion auf die Bilanz überrumpelt wurden und daher schnell versuchten, die leer verkauften Aktien zurückzukaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. Wenn das bei einer Aktie passiert, die keine allzu hohen Umsätze zeigt und das Volumen der Aktien, die zurückgekauft werden sollen, weit höher ist als das Angebot, kann das extreme Kurssprünge nach oben auslösen, d.h. die Bären werden ausgequetscht wie Zitronen.

Dass ein Short Squeeze bei diesem Kurssprung eine wichtige Rolle gespielt hat, deutet das Chartbild an. Sie sehen, dass die Aktie zuvor seitwärts aus ihrem mittelfristigen Abwärtstrend hinausgelaufen war. Das wäre noch kein Grund gewesen, Leerverkäufe einzudecken, denn es kam ja keine Aufwärtsdynamik auf. Aber so etwas reicht, um die Bären in „Hab Acht“-Position zu bringen. Dementsprechend wäre es gut möglich, dass erste Käufe als Reaktion auf das Zahlenwerk sofort dazu führten, dass zu viele Leerverkäufer auf einmal versuchten, ihre Positionen zu schließen, indem sie die leer verkauften Aktien sofort zurückkaufen wollten und der Kurs dadurch senkrecht nach oben katapultiert wurde. Wer das erkannte, hätte dann indes die Gelegenheit genutzt, um die Aktie auf Höhe des Widerstands in Form des November-Hochs bei 38,44 Euro (angesichts der eher verhaltenen Unternehmensperspektive für 2021 zu lukrativen Kursen) zu verkaufen. Dass die Software AG daraufhin an die 200-Tage-Linie zurückfiel und dort zum Handelsende verharrte, zeigt, dass jetzt das Ringen darum entbrannt ist, ob die Aktie wirklich eine Aufwärtswende etablieren kann oder nicht. Gelingt es, die Zone um diese aktuell um 36,35 Euro verlaufende Linie einige Tage zu verteidigen, wäre das Tor für eine Aufwärtswende weiterhin offen. Aber erst, wenn die gestern gerissene Hürde in Form des November-Hochs bei 38,44 Euro auf Schlusskursbasis genommen würde, wäre diese Wende mehr als ein kurzlebiger „Short Squeeze“.

Software AG: Chart vom 27.01.2021, Kurs 36,08 Euro, Kürzel SOW | Online Broker LYNX

Die Software AG unterstützt die digitale Transformation von Unternehmen.

Mit der Digital Business Platform können Unternehmen besser mit Kunden interagieren, ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln und neue Marktpotenziale erschließen.

Pluspunkte

Die Software AG ist zwar ein langfristiger Underperformer. In den letzten Jahren läuft das Geschäft allerdings wieder besser, man hat einen Wandel vollzogen.

Inzwischen punktet man mit einem starken Cashflow, einem gut planbaren Geschäft und einem hohen Anteil wiederkehrender Einnahmen – mehr als 80% des Umsatzes.

Zahlen kommen gut an

Die vor wenigen Stunden veröffentlichen Zahlen kommen jedenfalls gut an. Derzeit notiert die Aktie über 7% im Plus.

Das erscheint plausibel, schließlich hat der Konzern die Prognose angehoben. Demnach kommt man beim Umbau des Unternehmens gut voran und der Aufwärtstrend im Digitalgeschäft setze sich fort.
Der Auftragseingang hat sich gut entwickelt und ist in einigen Segmenten deutlich gestiegen.

So die Worte des Unternehmens. Man kann es allerdings auch anders darstellen und ausdrücken.

Die Kehrseite

Es ist zwar richtig, dass der Auftragseingang im Segment Cloud & IoT massiv gestiegen ist. Der Bereich macht allerdings nur einen kleinen Teil des Geschäfts aus.

Unter dem Strich ist der Auftragseingang auf Konzernebene nur um 5% gestiegen.

Der Umsatz ist in den ersten neun Monaten des Jahres allerdings um 5% gesunken. Im dritten Quartal lag das Minus bei 14%.
Von dynamischer Erholung kann also keine Rede sein, ganz im Gegenteil.

Beim Gewinn sieht es nicht besser aus. Das Ergebnis ist im Jahresverlauf um 41% gesunken, im dritten Quartal lag das Minus bei 63%.

Und die bisherige Stärke des Konzerns, der freie Cashflow, beginnt ebenfalls zu bröckeln. In den ersten neun Monaten lag das Minus bei 27%, im dritten Quartal bei -84%.

Das Geschäft läuft also alles andere als blendend und der Umbau belastet das Ergebnis noch weiter.

Perspektive

Doch zurück zur Prognose. Die scheint bei den Anlegern schließlich gut anzukommen. Ein steigender Auftragseingang hört sich natürlich gut an.
Das bringt aber relativ wenig, wenn der Auftragseingang nach wie vor unter dem Umsatz liegt.

Hohes Wachstum oder sprudelnde Gewinne darf man ohnehin nicht erwarten.
Die Software Ag geht bis 2023 von einem Anstieg des Umsatzes auf 1,0 Mrd. Euro aus.
Das entspricht einem Umsatzwachstum von weniger als 4%.

Das Gesamtbild ist also bestenfalls gemischt, große Begeisterung löst es jedenfalls nicht aus.

Was für die Software AG spricht, sind vor allem die hohen Barmittel von über 500 Mio. Euro, was ungefähr einem Fünftel des Börsenwerts entspricht.
Kann man zeitnah wieder einen ordentlichen FCF erwirtschaften und kauft endlich beherzt eigene Aktien zurück, hätte der Kurs trotz all der angesprochenen Probleme echtes Potenzial.

Die Frage ist nur, ob man von diesem Instrument auch ausreichend Gebrauch machen wird. Bisher ist das nicht der Fall.

Chart

Die Aktie ist übergeordnet eher bärisch und bewegt sich in einem langfristigen Abwärtstrend.

Durch den Ausbruch über 34 Euro wurde jedoch ein Kaufsignal ausgelöst, der Kursgewinne in Richtung 38-39 Euro ermöglichen könnte.
Ab diesem Punkte wird es für die Bullen aber zunehmend schwieriger. Zwischen 39 und 43 Euro reihen sich die Widerstände geradezu auf und die Abwärtstrendline kommt ins Spiel.

Das beste Chance-Risiko-Verhältnis für einen Longtrade würde ein Rücksetzer auf 34 Euro bieten.
Tiefer sollte es aus Sicht der Bullen allerdings nicht gehen.

Chart vom 18.11.2020 Kurs: 35,30 Kürzel: SOW - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 18.11.2020 Kurs: 35,30 Kürzel: SOW – Tageskerzen

Die Software AG unterstützt die digitale Transformation von Unternehmen. Mit der Digital Business Platform können Unternehmen besser mit Kunden interagieren, ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln und neue Marktpotenziale erschließen.

Das große Bild

Die Aktie ist ein langfristiger Underperformer und notiert heute auf dem Niveau von 2000 oder auch 2010. Das ist natürlich kein gutes Zeichen und hat fundamentale Gründe. Der Umsatz ist seit Jahren rückläufig und der Gewinn stagniert weitgehend. Derartige Aktien müssen spottbillig sein, sonst lohnt sich ein Investment nicht. Oder aber das Geschäft hat sich gewandelt und entwickelt sich nachhaltig besser. Wir werden prüfen, ob das der Fall ist.

Zahlen lösen Kursfeuerwerk aus

Wie bereits in der letzten Analyse muss ich vorab die Investor-Relations-Arbeit der Software AG kritisieren. In jedem Quartal präsentiert man auf der IR Startseite plakativ gute Einzelkennzahlen. Im letzten Quartal war es beispielsweise die gute Entwicklung im Cloud-Segment. Auf Konzernebene ist der Bereich aber winzig und daher ist es für Anleger sicherlich nicht die wichtigste Information. In diesem Quartal war der Umsatz im Cloud-Segment rückläufig, also prangt einen eben eine andere Zahl an. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnte der Umsatz um 6% auf 635,6 Mio. Euro gesteigert werden. Das Ergebnis kletterte aber lediglich um 3% auf 1,71 Euro je Aktie. Der Ausblick wurde bestätigt. Begeisterung lösen die Zahlen bei mir nicht aus, im Vergleich zu den Vorjahren läuft das Geschäft aktuell aber relativ gut. Die größten Pluspunkte sammelt das Unternehmen in Sachen Planbarkeit und Cashflow. Zuletzt lag der Anteil der wiederkehrenden Umsätze bei 82%. Der freie Cashflow war in den ersten drei Quartalen zwar rückläufig, mit 102,9 Mio. Euro aber dennoch erheblich. Software AG kommt derzeit auf ein KGV von 13,3 und ein KGVe von 12,7. In den letzten fünf Jahren lag der Wert durchschnittlich bei 18,7. Da es aktuell relativ gut läuft, wäre also durchaus Luft vorhanden. Spottbillig ist die Aktie allerdings nicht.

Das würde wirklich helfen

Den größten Mehrwert für Anleger würden wohl Aktienrückkäufe schaffen. Auf dieses Instrument hat das Unternehmen bereits in der Vergangenheit zurückgegriffen und sollte es auch jetzt tun. Bei 518,9 Mio. Euro an Barmitteln und einer Netto-Cash-Position von 178,4 Mio. Euro hätte man nun wahrlich das nötige Kleingeld. Darüber hinaus lag der freie Cashflow zuletzt bei 185 Mio. Euro. Der Börsenwert liegt derzeit bei 2,2 Mrd. Euro und dementsprechend könnte man zeitnah 10% oder mehr der eigenen Aktien zurückkaufen. Das würde das EPS natürlich deutlich verbessern. Gerade bei Unternehmen mit wiederkehrenden Einnahmen, einem planbaren Cashflow und geringem Kapitalbedarf, sind Buybacks besonders aussichtsreich.

Chart

Software AG hat den Abwärtstrend überwunden, einen Boden ausgebildet und ein Kaufsignal generiert. Solange sich die Aktie über 29 Euro halten kann, ist eine direkte Fortsetzung der Aufwärtsbewegung denkbar. Mögliche Kursziele liegen bei 30 sowie 32 und 34 – 35 Euro. Unter 29 Euro muss ein Rücksetzer in Richtung in den Bereich 26,50 – 27,50 Euro eingeplant werden. Dort bieten sich antizyklische Käufe an. Dort wäre das CRV für einen Trade sehr attraktiv. Mehr als 6.200 Trader & Investoren folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants. Auf der Suche nach dem optimalen Broker? Ich empfehle LYNX. Chart vom 22.10.2019 Kurs: 29,33 Kürzel: SOW - Tageskerzen | LYNX Online Broker