Strafzölle: Was passiert, wenn Trump so weiter macht?

Wo könnten die Börsen am Ende dieses Jahres stehen?

Warum reagieren Anleger derart empfindlich auf die sogenannten „Strafzölle“, die US-Präsident Trump gegen Importe verhängt? Wir wollen uns einmal ansehen, welche unmittelbaren Konsequenzen diese Strafzölle haben … und wohin das führen kann. Wir zeigen in diesem Artikel ein „Was-wäre-wenn“-Szenario auf: Was könnte mit Aktien, Anleihen und Gold passieren, wenn es wirklich zu einer Kettenreaktion aus gegenseitigen Zollbarrieren kommen sollte?

Es begann mit Strafzöllen gegen Kühlschränke und Solarpanels aus Asien. Da hatten die Investoren noch mit den Schultern gezuckt. Aber als der US-Präsident Strafzölle gegen ausländische Stahl- und Aluminiumimporte verhängte, sah das schon etwas anders aus. Am Tag nach der Verhängung der Maßnahme (8. März) reagierten die Märkte zwar kaum, weil man im Vorfeld bereits damit gerechnet hatte, dass sich der US-Präsident von diesem Schritt nicht würde abbringen lassen. Aber in der Woche danach rutschten die Märkte ab, weil vielen da bewusst wurde, dass dieser Schritt eine Kettenreaktion auslösen könnte, die die gesamte Weltwirtschaft beinträchtigen würde. Und der folgende Chart zeigt: Als dann auch noch das Paket an Strafzöllen gegen China auf den Weg gebracht wurde (22. März) begann auch die Wall Street heftig zu reagieren. Sie sehen im folgenden Chart, dass der Dow Jones an diesem 22. März sowie am Freitag, den 23. März, kein Halten kannte.

Hat Donald Trump womöglich Recht?

Dass die US-Investoren die im Zuge von Trumps Klage über die „unfaire“ Behandlung der USA im Welthandel avisierten Strafzölle lange als unproblematisch sahen, obwohl man sich der Konsequenz steigender Einfuhrkosten hätte bewusst werden müssen, lag an einem Aspekt, der in Europa medial kaum Beachtung findet:

In der Tat ist es in vielen Bereichen so, dass die USA deutlich weniger Zoll auf Waren beim Import verlangen, als sie bei deren Export in die entsprechenden Länder an Abgaben zahlen müssten. Ein Beispiel wären die Zölle auf Automobile. Für chinesische Kfz-Importe in die USA wird nur etwa ein Zehntel des Zolls fällig, der umgekehrt auf US-Fahrzeuge erhoben wird, die nach China importiert werden. Das als große Ungerechtigkeit zu verkaufen, die belegt, dass die USA sich jahrzehntelang haben ausnutzen lassen, ist nicht schwer. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille.

Das Problem ist nicht nur, dass es auch Beispiele gibt, bei denen die USA im Vorteil sind. Dass die USA die armen Opfer allgemeiner Ungerechtigkeit sind und jetzt erstmals dagegen angehen, glaubt man außerhalb der USA ohnehin nicht … zu oft haben auch frühere Präsidenten Strafzölle verhängt. Man wusste sich schon immer zu wehren, hat dieses Mittel aber aus gutem Grund selten eingesetzt. Denn es hat sich am Ende nie als klug erwiesen!

Es stellt sich vielmehr die Frage, wieso die USA diese hohen Zölle zuließen bzw. warum man nicht längst das Niveau für die Importe in die USA den Zöllen für US-Exporte angeglichen hat?

Weil man in diese großen Wachstumsmärkte in Asien unbedingt hineinwollte. Ein relativ hoher Zoll schien egal zu sein, wenn dafür der Marktzugang gesichert ist. Aber jetzt nehmen die Umsätze ab. China und Indien sind gigantische Märkte, aber sie werden Jahr für Jahr weniger von ausländischen Importen abhängig, drängen im Gegenzug nach Europa und in die USA. Aber da kommt eine Frage auf, die in diesem derzeit aufgeheizten Umfeld eher selten gestellt wird:

Warum nimmt man solche Ungleichgewichte bei den Einfuhrzöllen, die weltweit existieren, nicht zum Anlass, um zu erreichen, dass diese Zölle an den jeweils niedrigeren angeglichen werden? Dazu kann man zwei Dinge vermuten:

  1. Der US-Binnenmarkt hat es nötig. Die US-Stahlindustrie ist marode, deswegen kann sie sich nicht gegen die Importwaren behaupten. Niedrigere Stahlzölle für die USA im Ausland würden nichts bringen, also versucht man die Importe auszusperren.
  2. Hinzu kommt, dass diese höheren Zölle die Staatskasse füllen würden … zumindest könnte man das denken. Und die muss ja gefüllt werden, denn wenn die US-Verschuldung durch die zu Jahresbeginn in Kraft getretene Steuerreform nicht außer Kontrolle geraten und noch Geld für das wichtige Infrastrukturprogramm da sein soll, muss Geld hereinkommen. Und die ersten Monate des neuen Jahres sprang das US-Wachstum keineswegs so an, wie das im Vorfeld propagiert wurde. Aber wir schrieben oben, dass das Mittel der Strafzölle selten eingesetzt wurde. Warum? Wo liegen die Probleme?

Der Bumerang-Effekt von höheren Zöllen

Nehmen wir dazu die höheren Einfuhrzölle auf Stahl als Beispiel – es gilt aber grundsätzlich für egal welche Waren oder Dienstleistungen, auf die die Zölle steigen:

Der ganz unmittelbare Effekt ist, dass die Einfuhren sinken dürften, weil der importierte Stahl dadurch deutlich teurer wird. Die Stahl-Importeure aus Asien, Europa oder Südamerika hätten somit markant fallende Umsätze und Gewinne zu erwarten. Der US-Stahl, vorher teuer, wird so im Vergleich zu den künstlich verteuerten Stahlimporten günstig, man kann da also mit mehr Umsatz und Gewinn rechnen. Aber das ist nur der erste Schritt. Das Ganze hat Folgen, die wie eine Reihe umfallender Dominosteine wirken.

  1. Eine marode Industrie wird so gestützt. Damit ist fraglich, ob man dort mit der politischen Unterstützung im Rücken noch so intensiv rationalisiert und modernisiert, wie es in einem normalen Wettbewerbsumfeld nötig wäre. Gut möglich also, dass die künstlich unterstützten Branchen weiterhin nicht allein lebensfähig bleiben, weil jetzt keine Notwendigkeit für Reformen besteht.
  2. Damit wird der Stahl in den USA allgemein teurer. Ob nun Maschinenbau, Autoindustrie oder Bauindustrie, die US-Unternehmen sehen sich höheren Materialkosten gegenüber. Was die Gewinne der Stahlbranche stützt, drückt also zugleich auf die Gewinne vieler anderer Branchen. Was dazu führen kann, dass dort mehr Arbeitsplätze verloren gehen als beim Stahl gerettet werden.
  3. Andere US-Branchen werden auch dadurch unter Druck gesetzt, dass sich die betroffenen Länder selbstredend wehren. Das heißt, der US-Export wird in vielen Branchen genau die Dämpfer sehen, die die US-Regierung jetzt der ausländischen Stahlbranche verpasst. Auch das drückt auf das Wachstum, bremst die Gewinne der Unternehmen, kann Arbeitsplätze kosten. Und damit nicht genug:
  4. Die USA refinanzieren sich nicht aus sich selbst. Würde das Ausland nicht in rauen Mengen US-Staatsanleihen kaufen, wäre die Nachfrage dramatisch niedriger. Und ausgerechnet Japan, nicht von den Stahl-Strafzöllen ausgenommen, und China, mit dem sich Donald Trump gerade explizit anlegt, sind die größten Inhaber von US-Staatsanleihen außerhalb der USA! Konsequenz: Steigende Renditen am Anleihemarkt, d.h. die Refinanzierungskosten für Unternehmen, Privathaushalte und die US-Regierung werden höher und drücken ggf. sogar dramatisch aufs Wachstum.

Warum tut der US-Präsident das?

Warum aber geht der US-Präsident trotzdem so vor und riskiert damit, das Wachstum der USA erheblich zu gefährden? Er kommt doch aus dem Wirtschaftssektor, sollte also wissen, welche Konsequenzen sein Handeln hat. Das kann drei Gründe haben, die auch alle zugleich zutreffend sein könnten.

  1. Weil er so gegenüber den Wählern Stärke suggerieren kann. Dass es eigentlich Schwäche ist, wenn man vernünftige Verhandlungen scheut und unmittelbar mit Ultimaten und Sanktionen agiert … dass es mangelnde Weitsicht beweist, wenn man die USA damit in die geopolitische Ecke des Aggressors bringt (was die USA zwar anders sehen, nicht aber der Rest der Welt) … wird da eher nicht erkannt. Für diese Klientel ist Donald Trump damit erst recht der richtige Mann am richtigen Ort.
  2. Ein zweiter Aspekt ist die in den USA besonders mächtige Lobby der Wirtschaft. Denen spielt es in die Karten, wenn der US-Präsident „ihre“ Unternehmen so protegiert. Dass die Stahlkonzerne dabei auf Kosten anderer US-Branchen Vorteile erlangen, ist der Stahl-Lobby natürlich herzlich gleichgültig.
  3. Und nicht zuletzt kann diese Vorgehensweise auch das Ziel haben, so nebenbei Allianzen zu schmieden bzw. unerwünschte Schulterschlüsse anderer zu sprengen. Dass Donald Trump jetzt die Strafzölle auf Stahl und Aluminium für bestimmte Länder erst einmal ausgesetzt hat, könnte seiner Sichtweise nach dazu führen, dass diese Länder – z.B. Kanada, Mexiko, Australien oder die EU – ihm wohlgesonnen bleiben und er für diese „Nettigkeit“ ausgesetzter Sanktionen eine gewisse politische Gefolgschaft einfordern könnte, wenn er sich im Gegenzug umso entschlossener mit China und Russland über Kreuz legt. Kurz: Wer zu uns nett ist, behält den Marktzugang, wer nicht spurt, wird ausgesperrt. Ob das, wenn diese Gedanken ebenfalls eine Rolle spielen sollten, wirklich funktioniert, ist indes sehr zu bezweifeln. Auch das könnte ein Schuss sein, der gewaltig nach hinten losgeht!

Was könnte an den Märkten passieren, wenn der Handelskrieg nicht gestoppt wird?

Würden die Zölle weltweit durch vernünftige Verhandlungen gesenkt, würde das der Weltwirtschaft helfen. Steigen sie aber aufgrund dieser aggressiven US-Handelspolitik, belastet das nicht nur das geopolitische Klima an sich. Aber wer verliert in erster Linie?

Die USA. Denn sie isolieren sich mit diesem Vorgehen. Es ist sehr gut möglich, dass dadurch neue Allianzen und Handelspartnerschaften entstehen, um den Druck, der von den USA ausgeht, zu egalisieren. Die USA schotten ihren Markt ab, die Preise dort ziehen an, der Rest der Welt betreibt untereinander freien Handel, der dadurch womöglich noch intensiver und für die Beteiligten profitabler wird, weil man als Gegenmaßnahme durchaus imstande wäre, die USA in vielen Bereichen auszusperren. Denn was man in den USA mehrheitlich nicht wahrhaben will, ist: Der Rest der Welt kann sehr gut ohne den Handel mit den USA leben. Anders herum gilt das aber nicht! Nicht umsonst importieren die USA extrem viel mehr Güter als sie exportieren. Das liegt beileibe nicht nur an einem Ungleichgewicht der Zölle.

Und es könnte dann sehr schnell nicht nur um Whisky und Jeans gehen. Unternehmen wie Apple, General Motors, Johnson & Johnson, Procter & Gamble, Nike, Boeing, Caterpillar, Microsoft und viele, viele mehr könnten schnell in den Fokus der Zölle geraten. Natürlich würde der Welthandel insgesamt leiden. Natürlich würden die Börsen in Asien und Europa erst einmal mit in den Strudel geraten. Aber der nachhaltigste Schaden würde an der Wall Street entstehen. Ein Rückgang der momentan für 2018 realistisch wirkenden Wachstumsrate von 2,5 Prozent im Bruttoinlandsprodukt auf null wäre da schnell passiert.

Bedenkt man, dass z.B. der Dow Jones ohnehin vom Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der tatsächlich erzielten Gewinne (d.h. auf Basis der letzten Daten vom vierten Quartal 2017) bei 24,5 (trotz des Kursrutsches um fast sechs Prozent in der Woche vom 19.3 bis 23.3.) und damit fast 50 Prozent über dem durchschnittlichen Mittel der Jahre 2010 bis 2016 von 16,5 steht, könnte das heißen:

Eine Intensivierung dieses Handelskriegs kann eine Rückführung des Kurs/Gewinn-Verhältnisses auf dieses Normalniveau verursachen. Denn schließlich rechtfertigt man das ungewöhnlich hohe KGV mit den besonders hohen Wachstumsperspektiven – die dann zu Staub zerfallen würden. Und dann stünde der Dow Jones am Jahresende theoretisch nur noch bei 16.000 Punkten!

Nicht weniger drastisch könnten die Konsequenzen am US-Anleihemarkt sein. Denn hier würden gleich zwei Faktoren wirken: Zum einen würde ein spürbarer Rückgang ausländischer Käufer bei US-Staatsanleihen die Renditen nach oben treiben, wie oben bereits beschrieben. Zum anderen würden die steigenden Preise innerhalb der USA als Konsequenz der Abschottung die Notenbank auf den Plan rufen, die die Leitzinsen anheben muss, um den Preisanstieg auszubremsen. Wenn sich diese beiden Einflüsse kumulieren, kann die derzeit noch knapp unter drei Prozent verharrende Rendite für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ohne weiteres in die Region um 4,0 bis 4,5 Prozent nach oben schießen.

Da rapide steigende Anleiherenditen für diejenigen, die diese Anleihen kaufen, erst einmal Kursverluste bedeuten, bis die Renditen ein Hoch erreicht haben und wieder sinken, sind diese hohen Renditen nicht unbedingt ein Argument zum Einstieg. Alternativen wären japanische und europäische Staatsanleihen, die aber weniger Rendite versprechen. Die Chance, dass Gold dadurch ein gewaltiges Comeback erlebt, wäre daher nicht gerade klein. Wohin Gold laufen könnte, ist absolut nicht abzuschätzen. Das kommt darauf an, wie schnell und intensiv sich die Lage zuspitzt. Einen Vorstoß über die derzeitigen Widerstände in Richtung 1.500 US-Dollar wäre da aber durchaus vorstellbar:

Was wäre mit Europa, mit DAX, Euro Stoxx 50 & Co? Anfänglich wäre damit zu rechnen, dass eine fallende Wall Street unsere Indizes mit in die Tiefe reißt. Aber da die weit größeren Nachteile bei den USA liegen und sich durch den Druck der Notwendigkeit schnell neue, womöglich bessere Handelsallianzen bilden können, kann es gut sein, dass dieses im folgenden Chart abgebildete Szenario greift … vorausgesetzt, die EU ist imstande, sich einig und konsequent zu zeigen!

FAZIT

Ob es wirklich so kommt, wie diese Charts es als Vision darstellen, ist völlig offen, denn wenn die Emotionen die Kontrolle über verunsicherte Investoren übernehmen, ist alles möglich. Und natürlich würden solche Szenarien nur greifen, wenn die Lage wirklich eskaliert. Das liegt in den Händen der US-Regierung.

Dass ein Handelskrieg unproblematisch und leicht zu gewinnen ist, wie der US-Präsident behauptet, ist falsch. Dass es bei einem Handelskrieg keine Gewinner geben kann, ist aber auch nur bedingt richtig. Denn meist ist es eben der, der ihn vom Zaun bricht, der am Ende als Verlierer dasteht. Für alle anderen wäre eine solche Entwicklung zwar zunächst ein Problem, dann aber auch eine Chance. Die USA täten daher gut daran, sich genau zu überlegen, ob sie diesen Weg wirklich weitergehen wollen.

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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