Donald Trump und der Aktienmarkt: Eine explosive Kombination

Es dürfte nie zuvor einen US-Präsidenten gegeben haben, der sich derart regelmäßig auf den US-Aktienmarkt beruft, wenn es darum geht, einen Beleg für seine Erfolge anzuführen, wie Donald Trump. Und ja, es steht außer Frage, dass Präsident Trump sich mit der Börse auskennt: Er weiß ganz genau, wie die Börse tickt. Und wie die Anleger ticken. Regelmäßig ist der Aktienmarkt ein Thema in seinen zahllosen Twitter-Nachrichten, beispielsweise seine Aussage zu den US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag, den 3. November. Da schrieb er übersetzt:

„Die Arbeitslosenrate ist auf 4,1 Prozent gefallen, auf den niedrigsten Stand seit 17 Jahren. 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, seit ich das Amt übernommen habe. Höchster Aktienmarkt aller Zeiten, über 5,4 Billionen US-Dollar Gewinn.“

Ja, Donald Trump weiß genau, was er da schreibt. Aber zu wessen Vorteil sind solche Aussagen wirklich? Zum Vorteil der Investoren … oder zu seinem?

Statements zwischen Schein und Sein

Ein US-Präsident, der seinen Erfolg am Aktienmarkt misst, das ist Sprengstoff. Davon abgesehen, dass es bislang nicht üblich war, dass ein Präsident sich zu derlei Dingen äußert, suggeriert er zwei miteinander verbundene „Wahrheiten“: Der Aktienmarkt steigt seinetwegen und er steigt, weil die Gesamtsituation hervorragend ist. Eine sehr gefährliche Aussage.

Zum einen sollte er genau wissen, dass die Aktienmärkte sich nach eigenen „Wahrheiten“ bewegen. Dort existiert nur zu oft mehr Schein als Sein, weil die meisten Investoren mehr von Emotionen als von Objektivität geleitet werden. Und je länger ein Trend vorhält, desto mehr Anleger glauben, dass es ewig so weitergeht. Trump muss alleine aus Erfahrung wissen, dass so etwas trügerisch ist. Aber er „verkauft“ es anders, nämlich, als wäre der Aktienmarkt sicher, weil er den Weg der USA nach vorne 1:1 abbildet.

Trump nutzt den Aktienmarkt zur Bestätigung seiner Erfolge

Dabei agiert er mit seinen Twitter-Nachrichten geschickt so, dass man den Eindruck gewinnt, Trump habe Dinge erreicht, die nie ein Präsident vor ihm geschafft habe. Nehmen wir dazu nur diese obenstehende Aussage via Twitter. Es ist schon richtig, dass die offizielle Arbeitslosenrate den tiefsten Stand seit 17 Jahren ausweist. Aber diese Zahl sagt wenig aus. Was er sehr wohl weiß.

Im Wahlkampf, als es darum ging, die Leistungen Obamas kleinzureden, verwies er noch auf die vom US-Arbeitsministerium ebenfalls veröffentlichte, sogenannte „U6-Rate“, die diejenigen arbeitslosen Bürger wieder hineinrechnet, die man zur Aufhübschung der Statistik in den letzten Jahren aus der Berechnung warf. Die liegt bei 7,9 Prozent. Und auch diese Zahl besagt nicht, dass die als in Lohn und Brot gerechneten Menschen von ihren Jobs auch leben könnten. Heute spricht er nicht mehr darüber. Und:

1,5 Millionen neue Arbeitsplätze in den letzten zehn Monaten entspricht angesichts des Bevölkerungswachstums nur der Größenordnung, die die USA brauchen, um die reale Arbeitslosenrate nicht wieder ansteigen zu lassen. Aber: Es klingt eben gut. Die große Gefahr dabei ist folgende:

Was passiert, wenn der Aktienmarkt kippen sollte, weil er eben doch keine Einbahnstraße ist? Immerhin darf man, wenn man besonnen nachdenkt, durchaus unterstellen, dass nach „rauf“ auch mal wieder „runter“ kommt. Wann, das ist nie vorhersehbar. Aber es gibt zahlreiche Warnsignale. Und die finden sich nicht zuletzt in der Person, die die Aktienmarkt-Hausse mit sich selbst untrennbar verknüpft: im US-Präsidenten.

Donald Trump auf privater Rekordjagd?

Könnte es sein, dass Donald Trump begierig darauf ist, sich die Trophäe zu holen, das beste Börsenjahr, gerechnet ab dem Wahltermin, seit 1932 zu erreichen? Seine Tochter Ivanka hatte vor einigen Wochen extra einen Artikel der New York Post in Trumps Twitter-Account gepostet, der daran erinnerte, dass Trump auf dem Weg ist, diesen Rekord zu erreichen. Der zwar falsch recherchiert war, aber Fakt ist:

Seit der Wahl Franklin Delano Roosevelts 1932 zum US-Präsidenten, liegt die Rekordlatte der besten 12-Monats-Performance, gerechnet ab dem Wahltag, bei 26,5 Prozent, erreicht durch Bill Clinton 1996/1997. Der Chart zeigt:

Es sind nur noch wenige Tage, bis sich die Wahl des 8. November 2016 jährt – und Trump ist auf dem Weg, diese Performance zu überbieten und damit die stärkste Zwölf-Monats-Performance nach einer Wahl seit 85 Jahren zu erreichen!

Für einen Rekord in Bezug auf ein Nachwahl-Kalenderjahr fehlt indes noch einiges, wie die nachstehende Tabelle der Nachwahljahr-Performances seit 1957 zeigt. Bedingt durch den immensen Aufwärtsimpuls, den der Dow Jones als „Benchmark-Index“ solcher Messungen unmittelbar nach Trumps Wahlsieg vollzog, liegt die Performance des Kalenderjahres 2017 noch deutlich hinter denen von Reagans zweiter Amtszeit, von Bush Senior und Obamas zweiter Amtszeit zurück. Aber noch bleiben ihm dazu ja auch noch fast zwei Monate Zeit:

Eine Hausse aus Hoffnungen und Emotionen: Das ist pures Dynamit!

Die große Gefahr, die diese Entwicklung birgt, ist, dass der Aktienmarkt und die Perspektiven des US-Wachstums viel enger miteinander verknüpft sind als z.B. in Europa. Der Grund: In den USA sind Aktien viel mehr ein Investment für Jedermann als in Europa. Und je länger eine Hausse andauert – und diese existiert ja nicht erst seit der letzten Wahl, sondern seit März 2009! – desto mehr Investoren bemühen sich nicht, die Faktenlage genauer zu prüfen, sondern sehen im Aktienmarkt den Beleg dafür, dass alles in bester Ordnung ist und, weil die Börse ja angeblich die Zukunft handelt, alles noch viel besser wird.

Doch wenn da Vorschusslorbeeren verteilt werden, dann MUSS die Faktenlage dieses Vorpreschen der Aktienmärkte mit tatsächlichen Erfolgen unterfüttern. Und genau das ist auch ein knappes Jahr nach Donald Trumps Wahlsieg eben nicht der Fall! Sehen wir uns dazu zwei Charts an:

Vorstehend sehen wir die Zustimmungsquote der US-Bürger in Bezug auf die Frage, ob der amtierende Präsident einen guten Job macht (täglich durch Umfragen vom renommierten Gallup-Institut ermittelt) und die Entwicklung des Dow Jones. Trumps Zustimmungsrate war von Anfang an niedrig und erreichte Ende Oktober mit nur noch 33 Prozent ein neues Tief. Der Dow Jones aber läuft genau in die entgegengesetzte Richtung. Je weniger US-Bürger von Trump überzeugt sind, desto höher läuft der Aktienmarkt! Damit nicht genug, die Liste der populärsten Wahlversprechen, die er bislang hat umsetzen können, ist ernüchternd, betrachten Sie dazu die folgende Übersicht:

Trump ist zwar Rekordhalter in Anordnungen diversester Natur, in denen er dieses und jenes überprüfen lässt oder einzelne Gesetze durch Verordnungen ergänzt oder einschränkt. Aber die „Big Figures“ bleiben offen. Aber genau darauf, auf die Einlösung dieser Versprechen, setzen diejenigen, die derzeit immer weiter kaufen. Das erkennen wir, wenn wir uns ansehen, welche drei Dow Jones-Aktien seit Trumps Wahlsieg am stärksten gestiegen sind:

Boeing: Profiteur der „America First“-Politik und dem schwachen US-Dollar (der eigentlich ein negatives Signal wäre, aber US-Firmen einen Vorteil gegenüber europäischen Konkurrenten – wie in diesem Fall Airbus – bringt). Caterpillar: Profiteur des Infrastrukturprogramms, das es weiterhin noch nicht gibt und das der US-Haushalt vorerst auch nicht ermöglichen würde. Apple: ebenfalls Profiteur eines schwachen US-Dollars, zudem setzt man darauf, dass Apple Vorteile aus der Unternehmenssteuerreform ziehen würde.

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Selbst ohne den „Trump-Faktor“ ein heißer Ritt

Baut man hier auf Sand? Wenn man sich ansieht, wie wenig hier vorangeht und dass die Kurse immer höher steigen, je öfter ein Programm erneut angekündigt wird, kommt man um die Antwort „Ja“ nicht herum. Wenn der Dow Jones einen Aufwärtsschub nach dem anderen auf Basis der noch nicht einmal existierenden Steuerreform vollzieht, obgleich nicht einmal klar ist, wie stark wer davon profitiert und ob die Reform wirklich so wie avisiert von Repräsentantenhaus und Senat abgesegnet wird, müsste man konstatieren: Die Wirkung von etwas, das nicht einmal Realität werden muss, ist bereits in die Kurse eingepreist worden. Das ist starker Tobak.

Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, den man mit großer Vorsicht genießen muss:

Da die Zahl überzeugender Quartalsbilanzen für das dritte Quartal nicht so hoch war, wie der stete Anstieg der Aktienindizes in den USA suggeriert, werden immer weniger Aktien wirklich stark gekauft. Die vorstehende Grafik zeigt, dass per 3. November 2017 nur 61 Prozent der an der New York Stock Exchange gehandelten Aktien über ihrer 200-Tage-Linie notierten. Ein für Index-Rekordhochs extrem schwacher Wert der zeigt, dass dieser Hausse die Marktbreite fehlt.

Was, wenn die Trump-Hausse kippt?

Man stellt sich unwillkürlich die Frage, ob es nicht vor allem die Trump-Anhänger sind, die immer mehr ihres Ersparten in diese von ihrem Präsidenten als Beweis seiner Effektivität missbrauchte Hausse stecken. Wie würden die reagieren, wenn der US-Aktienmarkt in eine Trendwende einmündet, ein kräftiger Kursrutsch diese „Blase“ platzen ließe?

Donald Trump spielt durch seine Taktik, die Hausse der US-Aktien mit sich selbst zu verbinden, momentan einen einfachen, für weniger genau hinsehende Menschen logisch wirkenden Trumpf aus. Aber das wird für ihn zum Bumerang, wenn diese Hausse, die so extrem auf Hoffnungen aufbaut, kippt – denn dann kippt auch sein Standing bei seinen Anhängern.

Dann dürften die Zustimmungsrate noch tiefer fallen … und dann kann es sehr gut sein, dass diejenigen Politiker, die ihm momentan aus reinem Opportunismus mit Blick auf ihr eigenes fortkommen noch die Stange halten, blitzschnell von der Fahne gehen, die USA in ein noch größeres politisches Chaos abdriften und das den Aktienmärkten erst recht schadet. Aus einer Spirale nach oben kann sehr leicht eine Spirale nach unten werden. Noch ist die Hausse intakt. Aber wer die diesem Anstieg inne wohnenden besonderen Risiken nicht im Hinterkopf behält, kann immensen Schiffbruch erleiden!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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