Die Handelskrieg-Chronik – Was will Donald Trump erreichen?

Diese Wochen stellen Weichen – was will Donald Trump wirklich?

Am 1. Juni ist es also tatsächlich passiert: Strafzölle, bislang nur angedroht, treten in Kraft. Damit wird aus der Diskussion bzw. dem Streit um niedrigere Einfuhrzölle speziell für US-Produkte ein Handelskrieg. Gegenmaßnahmen sind bereits angekündigt. Kanada, Mexiko und die EU wollen dagegenhalten. China knickt ein – oder doch nicht? Und an den Börsen geht es hektisch zu. Die einen glauben, dass am Ende aus diesem Streit etwas Gutes erwächst. Die anderen fürchten, dass dieser Konflikt massiv eskalieren und die Weltwirtschaft in die Rezession stürzen wird. Wer wird Recht behalten?

Was passiert wirklich, was wird nur angedroht oder gar bloß angedeutet? Wie reagieren die Börsen in den einzelnen Bereichen … Aktienmarkt, Devisenmarkt, Rohstoffe, Anleihen? Und was wollen die einzelnen Parteien, allen voran der US-Präsident, wirklich, was steckt hinter alldem? Wir werden das Geschehen in Form einer Handelskrieg-Chronik begleiten, ein, um es dramatischer auszudrücken „Kriegstagebuch“ führen, das Sie in regelmäßigen Abständen mit Informationen versorgt und zudem die Möglichkeit bietet, in einigen Wochen immer wieder nachzuschlagen, was wann passiert war.

Das Tagebuch des Handelskriegs

Eigentlich war das Thema der aus Sicht der US-Regierung unfairen Einfuhrzölle von US-Produkten immer mal wieder aufgetaucht, wenn der US-Präsident etwas brauchte, mit dem er den Wirtschaftspartnern drohen konnte. Aber wirklich aktiviert wurde diese Thematik Anfang März 2018. Da gewann man den Eindruck, Donald Trump könnte wirklich ernst machen. Auslöser dieser Sorgen war der Rücktritt seines Wirtschaftsberaters Gary Cohn, einer der wenigen Führungsleute der US-Regierung, der in beiden politischen Lagern der USA ebenso Respekt und Ansehen genoss wie im Ausland. Cohn war ein entschiedener Gegner der „Strafzoll-Keule“, hielt das für den eindeutig falschen und womöglich fatalen Weg.

Bald darauf wurden die Drohungen konkreter. Der Termin des 1. Mai hing als Starttermin für Strafzölle auf den zuvor als ersten Bereich konkretisierten Sektor Stahl und Aluminium in der Luft, wobei die USA in Bezug auf China noch weitaus weiter gingen. Insbesondere für den angeblichen Diebstahl geistigen Eigentums der US-Bürger und -Unternehmen durch das „Abgucken“ von Produktideen und Know How sollte China als „Buße“ die Einfuhrzölle senken.

Es begannen Verhandlungen, wobei deren Ablauf und Struktur je nach „Gegner“ unterschiedlich waren:

Mit Europa in Form der EU führte man nur sporadisch Gespräche, die US-Regierung versuchte, z.B. mit Frankreich und Deutschland Einzelvereinbarungen zu erreichen. Da die EU-Länder selbstverständlich nur geschlossen reagieren können und wollen, scheiterten diese Versuche schnell. Danach wirkten die USA zugeknöpft und wenig verhandlungsbereit. Es wirkte, als würde man in Bezug auf die EU bewusst eine Eskalation anstreben. Zwar wurde der Beginn der Strafzölle vom 1. Mai auf den 1. Juni verschoben, dieser zeitliche Aufschub wurde aber nicht genutzt, um sich wieder näher zu kommen, im Gegenteil:

Ende Mai ordnete Donald Trump an, das Handelsministerium solle prüfen, ob europäische Automobilimporte die nationale Sicherheit der USA gefährden. Damit wurde klar, dass die schon zu Jahresbeginn am Rande in den Raum gestellte Drohung, die Strafzölle auch auf Fahrzeugimporte auszuweiten, nicht nur konkret werden kann, sondern Trump diese Maßnahme definitiv will. Die nicht offiziell bestätigte Forderung der USA, man könne wieder ins Gespräch kommen, wenn Europa das Projekt Nord Stream 2, die Ausweitung der Gaslieferung von Russland nach Europa, fallenlässt, wirkte wie eine inakzeptable Einmischung in die inneren Angelegenheiten der EU und machte sehr deutlich: Der Präsident bzw. die US-Regierung wollen die Konfrontation mit der EU.

In Bezug auf Kanada und Mexiko verknüpften die USA die Strafzolldrohungen mit den NAFTA-Verhandlungen. Die USA wollen eine massive Neuordnung dieser Nordamerikanischen Freihandelszone zu ihren Gunsten. Kanada und Mexiko knicken bislang aber nicht ein, obwohl klar war: Wenn die beiden Länder sich nicht beugen, werden die Strafzölle, auch hier zunächst auf Stahl und Aluminium, aktiviert.

Was China angeht, laufen hier seit Monaten regelmäßige Verhandlungen. In manchen Medien wird es so dargestellt, als würde China einknicken. Aber ganz so ist es nicht. China hat zwar die Senkung von Einfuhrzöllen auf viele Produkte avisiert. So am 22. Mai auf Fahrzeuge, am 1. Juni auf eine ganze Vielzahl von Konsumgütern. Aber China senkt diese Einfuhrzölle nicht explizit für US-Waren, sondern für alle Importeure. Das ist ein immenser Unterschied. Und einer, der zwar absolut fair ist, den USA aber definitiv nicht in den Kram passen wird, denn das Ziel ist und bleibt: America first. Das wird so nicht erreicht, so dass man auch, wenn die Strafzölle, die man gegen China angedroht hat, momentan noch ausgesetzt sind, nicht damit rechnen sollte, dass das Thema China und die Konsequenzen, die sich aus einer Welle gegenseitiger Strafzölle ergeben würden, bereits erledigt wären.

Erst am 31. Mai, nur Stunden vor dem Ablauf der Frist, verkündete US-Handelsminister Ross, dass die Strafzölle auf Stahl und Aluminium tatsächlich ab dem 1. Juni 2018 in Kraft treten. Das und die avisierten Gegenmaßnahmen der EU, Kanadas und Mexikos, sind der Stand per 3. Juni. Eine Frage, die man sich als Investor stellen muss, ist:

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Warum das Ganze? Was will der US-Präsident wirklich?

Donald Trump will angeblich nur Gerechtigkeit, eine faire Behandlung der US-Unternehmen im Ausland. Dazu führt er z.B. an, dass US-Importeure für Fahrzeugimporte nach China 25 Prozent Einfuhrzoll zu zahlen haben, während chinesische Autos nur mit drei Prozent besteuert werden, wenn sie in die USA importiert werden. Da klingt es nachvollziehbar, dass das geändert werden müsste. Aber das ist eine sehr einseitige Darstellung, die in keiner Weise „fair“ ist. Und das angebliche Streben nach Fairness entpuppt sich schon in dem Moment als Farce, in dem diejenigen, die fair behandelt werden wollen, dies durch Drohungen und Erpressungen erreichen wollen.

Diese Beispiele „unfairer“ Zölle sind deswegen einseitig, weil es andererseits sehr wohl zahlreiche Waren gibt, bei denen die USA weit höhere Zölle verlangen als die Gegenseite bei der Einfuhr dieser Waren aus den USA. Die Zölle sind deswegen nie gleich, weil jedes Land bestimmte Branchen und Industrien als besonders schützenswert erachtet. Diese Differenzen sind zudem nicht nur normal und seit ewigen Zeiten so, sondern auch gebilligt: Die Welthandelsorganisation WTO hat dagegen nie interveniert. Das ist in keiner Weise etwas, was den Welthandel behindern würde – oder je ernsthaft behindert hätte.

Nun wettert Trump bereits seit dem Wahlkampf gegen das dramatische Handelsbilanzdefizit der USA. Der folgende Chart zeigt, dass die Handelsbilanz bis 1997 nur leicht negativ war. Aber seither wird sie immer größer, d.h. die Differenz zwischen den Waren, die die USA exportieren und denen, die importiert werden, wächst immer dramatischer in Richtung der Importe in die USA. Das soll anders werden, denn Trump argumentiert, dass es „unfair“ ist, wenn andere Länder mehr Waren in den USA verkaufen, die man doch auch von US-Unternehmen kaufen könnte.

Sicher, würden die USA mehr exportieren und im Inland mehr eigene Waren verkaufen, die USA würden ein immens höheres Wachstum aufweisen. Das Ganze ist aber eine Milchmädchenrechnung, wenn man alleine mit solchen Zahlen herum jongliert, denn vergessen wird dabei, dass die US-Konsumenten diese aus dem Ausland importierten Waren ja haben wollen, sonst würde der Import nicht so hoch sein. Und die Menschen in anderen Ländern wollen eben nicht mehr US-Waren, sonst würden davon auch mehr verkauft. Trump macht es sich einfach uns schiebt das auf die angeblich unfairen Zölle die, wenn man es insgesamt betrachtet, aber keineswegs unfair sind, wie oben bereits erwähnt.

Mit einer durch höhere Zölle erzwungenen Preissteigerung ausländischer Waren und zugleich mit dem Druck auf andere Länder, durch die Senkung der Einfuhrzölle die US-Waren billiger und damit attraktiver zu machen, will er diese Schieflage verändern. Aber worum geht es ihm wirklich?

Es geht ihm um Wachstum. Er will „America first“, er will, dass die USA stärker sind als alle anderen Nationen und damit auch das höchste Wachstum zu verzeichnen haben. Natürlich auf Kosten des Wachstums im Rest der Welt, das spielt für ihn keine Rolle. Für ihn bedeutet „fair“, was für die USA von Vorteil ist. Das ist den andern Wirtschaftsmächten klar. Und deswegen können und werden sie nicht so einfach klein beigeben.

Warum Trump nicht mehr zurück kann

Zumal die anderen Wirtschaftsmächte wissen: Dieser Handelskrieg würde zwar auch Scharten ins eigene Wachstum schlagen. Aber auch und gerade die USA würden dadurch immense Probleme genau da bekommen, wo Donald Trump dringend Erfolge braucht: Beim eigenen Wachstum. Warum das so ist, dazu mehr im zweiten Teil der Chronik, dort werden wir genauer hinsehen, welche volkswirtschaftlichen Folgen es hat, wenn jetzt Stahl und Aluminium aus großen Zuliefer-Ländern auf einmal teurer werden. Denn dass das die US-Stahlindustrie stützt, ist zwar richtig. Aber es schadet dafür anderen Branchen … und sollte Trump die Strafzölle auf europäische Fahrzeuge umsetzen, würde das noch weitaus dramatischer. Mehr dazu, wie gesagt, im zweiten Teil – zurück zum Thema Wachstum:

Der US-Präsident hat immer wieder betont, dass sein Programm dazu führen werde, dass das Wachstum der USA immens ansteigen werde, über drei, tendenziell in Richtung vier Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Aber nach fast anderthalb Jahren im Amt ist das US-Wachstum mit zuletzt 2,2 Prozent in der annualisierten Jahresrate für das erste Quartal 2018 unter dem langjährigen Durchschnitt von etwa 2,6 Prozent. Nimmt man die Messgröße des Wachstums zum Vorjahresquartal, wie es in allen anderen Ländern üblich und im folgenden Chart abgebildet ist, der das US-Bruttoinlandsprodukt der letzten 30 Jahre zeigt, liegt das Wachstum zwar immerhin bei 2,8 Prozent. Aber auch das liegt unter dem, was Trump versprochen hatte.

Das große Problem für die US-Regierung ist, dass das Wachstum trotz des massiv gedrückten US-Dollars ebenso wenig steigt wie das Handelsbilanzdefizit abnimmt. Der schwache Dollar hätte die US-Exporteure immens begünstigen müssen, immerhin wurden US-Waren so im Euroraum, in Japan, in China und nahezu allen anderen Wirtschaftsräumen grundsätzlich billiger. Aber der Absatz stieg nur mäßig, die Dollar-Schwäche verfehlte ihr Ziel. Und auch die US-Steuerreform zeigte, nachdem sie per 1.1.2018 in Kraft trat, zumindest im ersten Quartal 2018 keinerlei Effekt.

Trump steht damit mit dem Rücken zur Wand. Die Strafzölle sind seine letzte Karte, die er ausspielen kann, abgesehen von dem großen Infrastrukturprogramm, das aber weiterhin in der Schublade liegt. Mit diesem Protektionismus will er das Handelsbilanzdefizit massiv reduzieren, die ausländischen Importeure aussperren und damit das Wachstum doch noch ankurbeln. Dass das auch eine dieser Milchmädchenrechnungen ist, werden wir ihnen in der nächsten Folge darlegen, wenn wir auf das volkswirtschaftliche Für und Wider solcher Maßnahmen eingehen.

Die Auswirkungen des Handelskonflikts sind bereits sichtbar

Wie reagieren die Börsen? Einige ausgewählte Charts

Wenn man sich ansehen will, wie die Investoren auf diese Entwicklung reagieren, darf man sich nicht alleine die Kurse seit der faktischen Verhängung der Strafzölle am 31. Mai ansehen, denn dieses Thema ist ja spätestens seit Anfang März., als Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn den Hut nahm, ein Dauerbrenner.

Vergleichen wir die Entwicklung des DAX in Relation zum Dow Jones seit 1.1.2018, fällt auf: Ein großer Unterschied in der Entwicklung existiert nicht. Und obwohl sich ankündigte, dass die USA ihre Drohungen jetzt im Juni wahrmachen werden, bewegen sich beide Indizes seit Ende März sukzessive wieder nach oben. Warum?

Zum einen natürlich, weil das Thema dieses Handelskrieges nur eines von mehreren ist, die die Anleger bewegen. Iran, Nordkorea, die Zinsentwicklung, die Bewegungen am Devisenmarkt, die Unternehmensgewinne, all das spielt hier ebenso mit hinein. Aber es ist auch ein Quäntchen Hoffnung mit im Spiel, dass alles am Ende nicht so heiß gegessen wird, wie es bislang gekocht wurde. Das allerdings kann eine trügerische Hoffnung sein … die kommenden Wochen werden es weisen.

Weniger zuversichtlich ist man bei den Aktien der bislang als erste direkt betroffenen Branche. Hier im Chart sehen wir den Kursverlauf von thyssenkrupp und Salzgitter als typische „Stahlkocher“. Interessant ist, dass beide Aktien am 1. Juni wieder anzogen. Da ging man offenbar davon aus, dass die Auswirkungen der Strafzölle bereits im Vorfeld voll in die Kurse eingepreist wurden. Wir werden in den kommenden Wochen sehen, ob dieser Optimismus berechtigt war.

Unser letzter Chart in diesem ersten Teil der Handelskrieg-Chronik zeigt den Sektor-DAX für die Automobilbranche. Als Donald Trump am 22. Mai abends mitteilte, dass er die Prüfung veranlasst habe, ob europäische Automobilimporte die nationale Sicherheit der USA gefährden, erkannten die Marktteilnehmer: Er macht tatsächlich auch in diesem Bereich Ernst. Hier, bei den Autobauern, ist man derzeit keineswegs guter Dinge und noch nicht bereit, die möglichen Konsequenzen solcher Strafzölle als in den Kursen enthalten anzusehen. Was in der Tat auch nicht der Fall wäre, käme es zum Äußersten, denn die Konsequenzen wären erheblich. Mehr dazu werden Sie in den kommenden Teilen der Chronik erfahren.

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