Die Handelskrieg-Chronik – Auswirkungen der Strafzölle

Die ersten Auswirkungen sind bereits sichtbar

Seit dem 22. Juni hält Europa dagegen: Es gelten Strafzölle auf Produkte, die aus den USA eingeführt werden, wie Bourbon-Whisky, Levi’s-Jeans, Erdnussbutter und Harley Davidson-Motorräder. Aber nicht nur zwischen den USA und Europa kocht der Handelsstreit immer höher. China steht derzeit besonders im Blickfeld des US-Präsidenten, aber auch Kanada und Mexiko, Russland und Indien sind betroffen und wehren sich. Die ersten Auswirkungen dieser Entwicklung sind jetzt deutlich sichtbar. Wir führen unsere Chronik dieses Handelskrieges heute mit dem zweiten Teil fort (Den ersten Teil unserer Chronik finden Sie hier: Die Handelskrieg-Chronik – Was will Donald Trump erreichen?) und zeigen Ihnen, wo es an den Märkten bereits jetzt zu brennen beginnt.

Trump & Co. haben die Konsequenzen offenbar völlig unterschätzt

Wie zu erwarten war, entwickelt sich dieser von den USA losgetretene Konflikt zu einem dynamischen Prozess. Was impliziert, dass er leicht aus dem Ruder laufen kann, was die Folgen für die Weltwirtschaft angeht.

Es wird immer deutlicher, dass die US-Regierung den Versuch, die bislang nur schwach bis gar nicht wirkenden Maßnahmen zur Förderung des Wachstums (wie die Steuerreform und der gezielte Druck auf den US-Dollar zur Stützung des Exports) durch eine aggressive Handelspolitik zu erweitern, nicht ausreichend durchdacht hat. Und das in dreierlei Hinsicht:

  1. Man war offenbar relativ sicher, zumindest anfänglich die geforderten Zugeständnisse der Gegner auch zu erhalten. Forderungen, die, wenn erfüllt, Strafzölle abwenden würden. Dazu gehörte vor allem die freiwillige Öffnung der Märkte für US-Produkte durch das Stornieren eigener Einfuhrzölle. Jetzt muss man feststellen, dass diese Taktik der Einschüchterung fehlschlägt.
  2. Man muss unterstellen, dass die US-Regierung im Vorfeld nicht erkannt hat, wie immens der „Bumerang-Effekt“ sein würde. Schon jetzt tauchen erste Folgen auf, so z.B. steigende Stahlpreise durch ein nachlassendes Angebot oder die Warnung des größten US-Containerhafens in L.A., der mit einem deutlichen Rückgang der Auslastung rechnet. Dass Aussperren chinesischer Waren wird diese Folgen noch immens intensivieren und schnell bis zu den Verbrauchern tragen.
  3. Trump dürfte vermutet haben, dass die eigene Wirtschaft begeistert applaudieren würde. Doch im Gegenteil sind die meisten, vor allem die großen, US-Unternehmen entsetzt und klar gegen diesen Konflikt, weil sie sehr wohl erkennen, dass ein solcher Handelsstreit weitaus mehr Schaden als Nutzen bringt. Und was die Investoren, auch die in den USA, davon halten (nämlich ganz und gar nichts), sehen Sie gleich in den unten folgenden Charts.

Das Tagebuch des Handelskriegs

Was hat sich seit unserem ersten Teil, den wir am 5. Juni veröffentlicht hatten, in Bezug auf den Konflikt getan?

Am 15. Juni präsentierte Donald Trump eine Liste von chinesischen Importwaren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar, die er mit höheren Zollen belegen werde. Grund sei, dass China den seiner Ansicht nach berechtigten Forderungen der USA nicht in akzeptabler Weise nachkomme. China präsentierte noch am selben Tag eine Liste mit potenziellen Strafzöllen auf US-Waren in gleicher Höhe.

Bereits am Dienstag, den 19. Juni legte Trump nach, nachdem China das Vorgehen der USA als Erpressung bezeichnet hatte. Er präsentierte eine weitere Liste mit Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar, die mit einem Strafzoll belegt würden, sollte China nicht nachgeben. Termin für das Inkrafttreten ist derzeit der 6. Juli.

Ebenfalls am 19. Juni erklärte Russland, dass man plane, Strafzölle gegen US-Importe zu verhängen, um den Schaden zu kompensieren, der durch die Strafzölle auf Stahl und Aluminium entstehe, welche die USA gegen die meisten Importländer verhängt hat.

Am 21. Juni folgten die Türkei und Indien. In beiden Fällen sollen höhere Zölle auf importierte US-Waren die Schäden ausgleichen, die durch die bisherigen höheren Zölle der USA verursacht werden.

Am 22. Juni traten die Gegenzölle der Europäer in Kraft. Am selben Tag erneuerte Donald Trump seine Drohung, europäische Autos mit hohen Strafzöllen zu belegen, sollte Europa nicht bald seine Barrieren gegen die USA abbauen. Zwar las man in seiner Twitter-Nachricht nur von 20 Prozent Strafzoll und nicht von den befürchteten 25 Prozent, den Markt beruhigte das aber nicht.

Am 26. Juni reagierte der US-Präsident wütend auf den Versuch des US-Motorradbauers Harley-Davidson, einen Teil der Produktion ins Ausland zu verlagern, um die Folgen der Gegenreaktionen auf die US-Handelspolitik abzumildern. Er drohte dem Unternehmen, sollte es diese Pläne umsetzen, würde es besteuert wie noch niemals zuvor.

Am 27. Juni kam es kurzzeitig zu einer Rallye an den Aktienmärkten, weil eine Meldung falsch interpretiert wurde. Der Eindruck, Donald Trump würde gegenüber China einen sanfteren Kurs einschlagen, war indes falsch. Zum einen ging es dabei um ausländische Investitionen in den USA und nicht um den Handelskonflikt, zum anderen war die Entscheidung, der bisher zuständigen US-Behörde (CFIUS) weiterhin die Zuständigkeit zu belassen, ihr aber mehr rechtliche Möglichkeiten zu geben, durchaus kein „Einknicken“, was umgehend danach seitens Trumps Wirtschaftsberater Kudlow betont wurde. Dass die Rallye, die Reaktion auf die Hoffnung, der Handelskrieg würde vielleicht doch nicht eskalieren, daraufhin abverkauft wurde und die US-Börsen im Minus schlossen, unterstreicht, wie negativ auch die US-Anleger diesen Konflikt sehen.

Dazu einige Charts, die zeigen, dass die ersten Auswirkungen bereits deutlich sichtbar sind:

Die Auswirkungen am Aktienmarkt: Noch sind sie einigermaßen moderat … noch!

Erstmal seit zwei Jahren fiel das US-Index-Flaggschiff Dow Jones am Mittwoch, den 27. Juni nennenswert unter seine 200-Tage-Linie, nachdem die Hoffnung, der Handelskonflikt könnte sich beruhigen, platzte.

Die Kurse der drei großen deutschen Automobilhersteller zeigen ein zunehmendes Abwärts-Momentum. Das Problem der Anleger ist, dass die Folgen dieses Konflikts nicht absehbar sind. Dass es zu den angedrohten Strafzöllen kommen wird, ist für die Investoren mehrheitlich sicher, denn weiterhin kommt es nicht zu Gesprächen, um die Situation rechtzeitig zu entschärfen.

Auch die Aktien der deutschen Stahlkocher thyssenkrupp und Salzgitter haben seit Jahresanfang erheblich an Boden verloren, die Folgen der Strafzölle werden bereits komplett in die Kurse eingepreist, wie es scheint. Denkbar, dass man da bereits überzieht, aber bevor sich bei diesen Aktien kein Boden bildet, wäre ein Einstieg hier extrem risikobehaftet.

Die Aktie von Harley-Davidson wankt unter Trumps Drohungen. Das US-Traditionsunternehmen hatte ohnehin schon keine leichte Zeit, weil die Gewinnmargen deutlich unter Druck geraten waren. Mit Trumps Drohgebärden, sich gefälligst nicht gegen die selbst ja nicht verschuldeten, erneuten Probleme zu wehren, geriet die Aktie zuletzt erneut kräftig unter Druck.

Wird der Charakter des Präsidenten zum Grabstein der US-Wirtschaft?

Donald Trump hat, im krassen Gegensatz zu seiner Behauptung, schon nach einer Minute zu wissen, ob er seinem Gegenüber trauen kann, offenbar kein gutes Gespür für die Menschen. Deren Reaktionen dürften ihn oft überraschen und/oder enttäuschen. Aber er ist andererseits niemand, den das dazu bringen würde, sein Vorgehen zu überdenken. Vielmehr drückt er seine Überzeugungen mit der Brechstange durch, erklärt lieber andere zu Narren, als sich selbst zu hinterfragen. Die Reaktion auf Harley-Davidsons Versuche, die Folgen seines Handelns für das eigene Unternehmen abzumildern, spricht Bände.

Dieser eingeschlagene Weg dürfte also durchgezogen werden, ein Einknicken kommt für einen Mann wie Trump nicht infrage. Dementsprechend dürfen wir damit rechnen, dass neben den Beschränkungen in Bezug auf ausländische Investitionen in den USA ab dem 6. Juli, dem angekündigten Stichtag, die Strafzölle gegen zahllose chinesische Importe in Kraft treten, denn die Wahrscheinlichkeit, dass China über die bereits gemachten Zugeständnisse noch viel mehr preisgibt, ist gering. Alleine der Stil, mit dem Trump vorgeht, bringt China in Rage.

Aber das hätte für Trump immense Konsequenzen. Denn ohne die billigeren chinesischen Waren, die dann entweder gar nicht erst importiert werden oder teurer werden, müssen gerade die Geringverdiener in den USA tiefer in die Tasche greifen. Und auch die Gegenzölle treffen die einfachen Arbeiter als erste, denn wenn diese den Export von US-Produkten drücken, werden sie es sein, die als erste von den US-Unternehmen entlassen werden.

Aber dort sitzt der Kern seiner Wähler. Die, die er die „Vergessenen“ nannte, um die er sich besonders kümmern wollte, trifft es dann am härtesten. Und deren Stimmen braucht er, wenn er Anfang November – und die Zeit wird knapp bis dahin – sicherstellen will, dass die republikanischen Mehrheiten in Repräsentantenhaus und Senat erhalten bleiben, wenn die Midterm-Elections, die Zwischenwahlen, anstehen. Kommt es soweit, dass sie sich wegen Trumps Starrsinn von ihm betrogen fühlen, ist Trumps Regierung erledigt.

Sollte ihm das heute noch nicht bewusst sein, so dürfte das spätestens, sobald wir den dritten Teil dieser Chronik schreiben, der Fall sein, wenn die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft und den US-Aktienmarkt noch deutlicher sichtbar sein werden. Aber da Donald Trump niemand ist, der einen Schritt zurück machen kann, dürfte das nur in noch wütendere und dann auch noch problematischere Maßnahmen münden, um seinen Wählern die angeblich so wichtige „Stärke“ zu demonstrieren. Die Konsequenz kann natürlich sein, dass am Ende auch seine Wähler erkennen, dass er seinem Land einen großen und völlig unnötigen Schaden zugefügt hat. Aber was dann?

Dann würde die Zwischenwahl verloren gehen, Trump mangels Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus in seinen Möglichkeiten extrem eingeschränkt und die USA ein wirtschaftlicher Scherbenhaufen, den zu reparieren die Politik aufgrund des Patt, das in diesem Fall zwischen demokratischer Mehrheit im Kongress und dem republikanischen Präsidenten herrschen würde, außerstande wäre.

Ein Blick auf die Kontrahenten Europa und China

Aber nicht nur die US-Wirtschaft stünde so schnell mit anderthalb Beinen in der Rezession. Natürlich trifft diese Entwicklung auch Europa und China. Gegenseitige Handelsbarrieren erhöhen die Kosten und drücken den Umsatz. Dass die Unternehmen da mit Entlassungen reagieren, weil die Kapazitäten nicht mehr ausgelastet werden und das wiederum das Wachstum ins Negative verkehrt, ist zumindest wahrscheinlich.

 

Aber während man in Europa noch relativ solide aufgestellt ist, ist China deutlich angreifbarer. Dort ist die Verschuldung bei den Unternehmen extrem hoch. Und ebenso wie im Rest der Welt führen die Regierungen diesen Konflikt, ausbaden müssen ihn aber die Unternehmen und Verbraucher. Chinesische Unternehmen können da schnell in extreme finanzielle Probleme rutschen, was zu einer ganzen Lawine platzender Kredite und einem Chaos in der chinesischen Wirtschaft führen kann. Diese Lawine wäre kaum in den Griff zu bekommen, weil die Regulierungen der Behörden die Wirtschaft in ein riskant starres Korsett zwängt. Kein Wunder also, dass man am chinesischen Aktienmarkt immer nervöser wird, je näher dieser 6. Juli, und somit das Inkrafttreten der US-Strafzölle, rückt (Chart Shanghai Composite-Index seit 1.1.2018).

Dass die Gegenreaktion, das „Wegsperren“ bestimmter US-Importe in Europa, in China, Kanada, Mexiko, Indien oder Russland, die dortigen, heimischen Unternehmen stützt, kann teilweise sein. Aber es sind eben nicht dieselben Branchen, die es wechselseitig trifft. In einer betroffenen Branche werden Menschen entlassen, die aber nicht einfach die nötigen, höheren Kapazitäten in anderen Branchen bedienen können. Was käme, wäre ein weltweites wirtschaftliches Chaos, das noch Raum für zahlreiche weitere Teile für unsere Handelskrieg-Chronik bieten würde.

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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