Die besten Schweizer Aktien 2018

Der Schweizer Aktienmarkt und wie Sie von dessen Entwicklung 2018 profitieren können

Obwohl die Schweiz für viele europäische Investoren eigentlich „um die Ecke“ liegt, denken eher wenige daran, dort auch in Aktien zu investieren. Die Schweiz taucht selten in der medialen Berichterstattung der Märkte auf, da dominiert die Wall Street mit ihren großen Namen. Außerdem wirkt es ja irgendwie, als bliebe man in der Schweiz auch in Bezug auf die Börse lieber unter sich. Was man oft als Begründung hört, warum Anleger der Schweiz als Investment-Ziel fernbleiben, sind folgende Argumente:

  • Die Schweiz ja nicht in der EU oder gar in der Eurozone, wer weiß, was da für Regeln gelten.
  • Da die Schweiz nicht in der Eurozone ist, gibt es ein Währungsrisiko.
  • Der Schweizer Aktienmarkt läuft nicht gut, der SMI hinkt dem DAX meilenweit hinterher.

Das Problem mit diesen Argumenten ist: Sie entsprechen nicht der Realität! Wir zeigen Ihnen im Folgenden, dass der Börsenplatz Schweiz ganz im Gegenteil ein außerordentlich interessantes Ziel für Ihr Kapital ist.

Vier Charts, die den Börsenplatz Schweiz in einem anderen Licht zeigen

Die Schweiz hat weitaus mehr zu bieten als Berge, Banken, Uhren und Käse. Nicht umsonst rangiert das kleine Land in der Liste der Länder mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf Platz zwei hinter Luxemburg. Die Lebenshaltungskosten dort sind hoch, keine Frage. Aber das ist, wenn Sie in Schweizer Aktien investieren, nicht Ihr Problem. Und weshalb sich das lohnen kann, zeigen wir Ihnen in den folgenden vier Charts.

Stabiles Wachstum

Derzeit liegt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Schweiz (es liegen aktuell nur Daten bis zum ersten Quartal 2018 vor, das BIP des zweiten Quartals wird erst Anfang September veröffentlicht) zwar nur leicht über dem der Eurozone. Aber dieser Chart seit Ende 1999 zeigt, dass das Wachstum der Schweiz sich deutlich weniger volatil gestaltet und im langfristigen Durchschnitt doch relativ deutlich über dem der Eurozone liegt.

Währungsrisiko Schweizer Franken? Im Gegenteil!

Dass Währungen zueinander schwanken, ist klar. Dass man dann auch mal Verlust machen könnte, wenn man in ausländische Aktien investiert, weil die dortige Währung zur eigenen fällt, ist ein Aspekt, den man immer im Hinterkopf haben muss. Aber ausgerechnet der Schweizer Franken ist wirklich keine Währung, bei der man damit rechnen müsste, dass sie zum Euro auf einmal dramatisch abwertet. Natürlich gibt es auch in der Relation Schweizer Franken zum Euro immer mal wieder kräftige Impulse. Aber dieser folgende Chart, der abbildet, wie viel Euro man für einen Schweizer Franken bezahlen muss, zeigt:

Der Trend weist seit über 30 Jahren nach oben. Der Franken bewegt sich zum Euro in einem Aufwärtstrend, so dass man langfristig zu den Kursgewinnen am Aktienmarkt auch noch Gewinne über den steigenden Wert der Frankens verbuchen konnte. Und derzeit gibt es keine tauglichen Argumente dafür, dass sich dieser Aufwärtstrend des Frankens grundsätzlich umkehren würde.

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Klarer Vorteil in der Dividendenrendite

Neben dem Aktienkurs und der Tendenz der Währung zum Euro ist für einen Investor natürlich auch die Dividendenrendite ein wichtiger Aspekt. Im Durchschnitt liegt die Dividendenrendite der 30 Aktien des Dow Jones derzeit gerade einmal bei 1,9 Prozent. Das ist spürbar weniger als am deutschen Aktienmarkt, bei dem der Dividenden-Schnitt aktuell bei 3,3 Prozent liegt. Das in Verbindung mit dem kräftig schwankenden Euro/US-Dollar-Kurs ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor, wenn man als deutscher Anleger in US-Aktien investiert. Und was hat die Schweiz zu bieten? Sehen Sie selbst:

Mit knapp 3,6 Prozent liegt die durchschnittliche Dividendenrendite in der Schweiz noch einmal spürbar über der des deutschen Aktienmarkts. Da kommt dann immer wieder der Einwand, dass das wenig hilft, wenn der Schweizer Aktienmarkt so müde daherkommt. Aber das Argument des kraftlosen SMI-Index ist falsch, wie wir gleich feststellen werden:

Der Schweizer Aktienmarkt hat sich tadellos entwickelt

Der Swiss Market Index, kurz SMI, ist der für den Börsenplatz Schweiz entscheidende Index, denn die in ihm gelisteten 20 Aktien repräsentieren 90 Prozent der Marktkapitalisierung der in der Schweiz börsennotierten Unternehmen. Andere Aktien sind also im Vergleich echte „Small Caps“ und daher für ausländische Investoren aufgrund der naturgemäß geringeren Liquidität nicht ideal. Aktien, die im SMI notiert sind, müssen äußerst strenge Kriterien erfüllen, was die Berichtspflichten angeht. Da gibt es keinen Grund zur Sorge. Dass die Schweiz nicht in der EU ist, spielt dabei überhaupt keine Rolle.

Wir werden uns im Folgenden die in diesem Index notierten 20 Aktien genauer ansehen, zunächst aber zum SMI selbst. Das Argument, der Index laufe nicht recht, der DAX sei da weitaus dynamischer, ist schlichtweg falsch. Warum? Weil all diejenigen, die dieses Argument ins Feld führen, Äpfel mit Birnen vergleichen. Denn der DAX, den wir aus den Medien kennen, ist ein sogenannter Performanceindex, der SMI jedoch ein Kursindex. Der Unterschied? Immens, denn:

Bei einem Performanceindex werden die Dividenden mit eingerechnet, zählen also zur Performance hinzu. Das macht über die Jahre hinweg einen großen Unterschied gegenüber einem sogenannten Kursindex, der ausschließlich die Kursveränderungen der im Index enthaltenen Aktien misst. Und da der SMI ein Kursindex ist, ist der Vergleich mit der üblichen Darstellung des DAX als Performanceindex falsch.

Vergleicht man den SMI mit dem DAX Kursindex, der Darstellungsform des DAX, die ebenfalls nur die Kursveränderungen der Aktien misst, ergibt sich, wie der folgende Chart ab dem Jahr 2000 zeigt, ein ganz anderes Bild. Da schlägt der SMI den DAX. Nicht gewaltig, aber doch spürbar. Und bedenken Sie: In der Schweiz ist die durchschnittliche Dividende, die es noch „obendrauf“ gibt, auch noch höher als am deutschen Aktienmarkt.

Interview mit Börsenstratege Ulrich W. Hanke 

Welche Schweizer Aktien zu empfehlen sind und was grundsätzlich zu beachten ist, erfahren Sie in diesem Interview.

Die aktuell zehn besten Schweizer Aktien

Aber was wäre als Investment am Schweizer Aktienmarkt interessant, welches sind die besten Aktien? Die drei mit Abstand größten, am schwersten gewichteten Aktien sind Nestlé, Roche und Novartis. Sie machen zusammen über 50 Prozent in der Gewichtung des SMI aus. Und der wiederum bildet, wie eingangs erwähnt, 90 Prozent der Marktkapitalisierung aller Schweizer Aktien ab. Aber die größten Aktien müssen nicht die besten sein. Daher haben wir für Sie ein Ranking der aus unserer Sicht derzeit interessantesten zehn Aktien erstellt, und zwar nach folgenden Kriterien:

Wir haben die mittelfristige Performance der 20 Aktien des SMI über ein Jahr ebenso verglichen wie die langfristige Performance über fünf Jahre. Die zehn im Schnitt dieser beiden Kriterien besten SMI-Aktien wurden ausgewählt, um sich den drei weiteren Kriterien zu stellen:

Aktuelle Dividendenrendite (je höher, desto besser), aktuelles Gewinnwachstum auf Basis der durchschnittlichen Analystenprognose für 2018 (je höher, desto besser) und die Bewertung über das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des Kurses vom 17.08.2018 und der Gewinnprognose für 2018 (je niedriger, desto besser). Die jeweils beste Aktie einer Kategorie erhielt zehn Punkte, die schwächste einen Punkt. Der Saldo entscheidet über die Reihenfolge dieser zehn besten der zwanzig Aktien des Swiss Market Index SMI.

Sie sehen: In unseren Top Ten sind große Unternehmen wie Roche, Crédit Suisse oder die UBS gar nicht dabei. Was nicht heißt, dass es sich da um „schlechte“ Aktien handeln würde. Aber im Saldo unserer fünf Kriterien finden sich derzeit eben genau diese zehn Aktien aus dem SMI-Index. Lohnt sich da derzeit der Einstieg?

Lohnt sich aktuell der Einstieg in Schweizer Aktien?

Sehen wir uns dazu zunächst den SMI-Index an, danach werfen wir einen Blick auf die drei aus unserer Sicht aktuell spannendsten Aktien unseres Rankings.

Der SMI zeigt in diesem langfristigen Chart auf Wochenbasis ein äußerst bemerkenswertes Bild. Im Bereich 9.500/9.550 Punkte findet sich ein Widerstand, der dem Index seit 2007 und damit seit über einem Jahrzehnt (!) einen Deckel aufsetzt. Anfang 2018 gab es einen Versuch, diesen Deckel zu sprengen, aber der SMI wurde erneut nach unten abgewiesen. Doch diesmal nicht allzu weit. Aktuell bewegt sich der Schweizer Leitindex erneut auf diese Widerstandszone zu. Und diese nach oben zu durchbrechen, wäre jetzt durchaus denkbar, denn:

Ob es die Sorgen vor den Konsequenzen eines Handelskriegs sind, die geopolitischen Spannungen oder die problematische Entwicklung der türkischen Wirtschaft und ihre möglichen Auswirkungen auf die EU: Die Schweiz ist von all dem, wenn, dann eher in zweiter Linie betroffen. Die Chance, dass mehr und mehr Investoren den Schweizer Aktienmarkt als „Reduit“, als Fluchtpunkt sehen, ist damit gegeben – und damit auch die Chance, dass dem SMI der Sprung über diese Super-Hürde bei 9.500/9.550 Punkten gelingt.

Die drei spannendsten Schweizer Aktien im Detail

Lonza-Group

Die Lonza-Group (ISIN: CH0013841017 – Symbol: LONN – Währung: CHF) ist in Bezug auf die Performance der vergangenen Jahre der Star des SMI-Index. Die Aktie hat Anfang April einen erneuten, immensen Aufwärtsschub vollzogen. Das Momentum ist hoch, derzeit ist der Kurs aber an der oberen Begrenzung eines Aufwärtstrendkanals angekommen. Da würde es sich anbieten, eine Korrektur abzuwarten, wenn man über den Einstieg nachdenkt.

Zurich Insurance Group

Für die Zurich Insurance Group (ISIN: CH0011075394 – Symbol: ZURN – Währung: CHF) erwarten die Analysten im Schnitt ein Gewinnwachstum zwischen 22 und 25 Prozent in 2018, zugleich winkt eine Dividendenrendite von über sechs Prozent. Auch das Kurs/Gewinn-Verhältnis ist nicht allzu hoch, allerdings muss man da zwischen Industrieunternehmen und Finanztiteln differenzieren. Letztere haben gemeinhin niedrigere Bewertungen, so gesehen ist die Aktie derzeit nicht zwingend „billig“. Aktuell tut sich der Kurs schwer, wirkt, als könnte sich hier kurzfristig ein Topp ausbilden. Auch hier wäre es daher, Stand Mitte August 2018, zu überlegen, eine Korrektur abzuwarten.

Nestlé

Nestlé (ISIN: CH0038863350 – Symbol: NESN – Währung: CHF) ist mit Blick auf die Marktkapitalisierung die mit Abstand „gewichtigste“ Aktie der Schweiz. Die Chartkonstellation ist derzeit hochinteressant: Nach einem starken Abwärtsimpuls im ersten Quartal hat Nestlé ein perfektes Doppeltief ausgebildet und damit die Wende nach oben vollzogen. Das rechnerische Kursziel der Formation läge indes mit 83 Schweizer Franken schon recht nahe. Ein Rücksetzer an die Nackenlinie des Doppeltiefs um 78 Schweizer Franken wäre, wenn die Aktie daraufhin wieder anzieht, aus charttechnischer Sicht eine interessante Möglichkeit, sich den Einstieg mit einem dann eng platzierbaren Stoppkurs knapp unter 78 Franken zu überlegen.

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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