Die besten FinTech-Aktien 2019

FinTech (Financial Technology) ist ein Bereich, der seit einigen Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt. In diesem Artikel finden sich hochinteressante Unternehmen, deren Aktien großes Potenzial aufweisen. Aber immer da, wo große Chancen warten, sind auch Risiken mit von der Partie. Daher sollte man sich mit dieser Thematik genauer befassen, bevor man einen Teil seines Kapitals in diese neue Wachstumsbranche investiert. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen einige derzeit interessante Aktien aus der FinTech-Branche vor.

Was ist „FinTech“? Eine Definition

Bankaktien gehören zu den ältesten an der Börse notierten Branchen. Und sie wirken für viele entsprechend angestaubt. Außerdem steht die Bankenbranche in Europa seit Jahren durch die „margenfressende“ Niedrigzinspolitik der EZB unter Druck. Nicht gerade ein Bereich, um den sich die Investoren reißen. Aber ganz anders sieht es im Bereich der Unternehmen aus, die genau die Technologie entwickeln und bereitstellen, die das Bankwesen schneller, innovativer, schlicht moderner machen.

Der Begriff Financial Technology oder „FinTech“ umfasst alle Innovationen in den verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie mittels neuer Technologien. Das heißt, dass sich FinTech keineswegs auf neue Wege des bargeldlosen Bezahlens beschränkt, was einem hier wohl als erstes in den Sinn kommt. FinTech-Lösungen finden sich ebenso im Bereich des Investments, der Beratung, im Kreditwesen oder im Themenbereich der Verwaltung, Speicherung und des Transfers von Daten.

FinTech wird zu Recht als eine „disruptive“ Technologie bzw. Entwicklung angesehen, denn die hier entstehenden, neuen Technologien verdrängen das klassische Bankgeschäft im Eilzugtempo. Was dazu führt, dass Banken und Versicherungen sich ebenfalls solcher neuen Technologien bedienen müssen, um nicht von FinTech-Dienstleistern ins Abseits gedrängt zu werden.

Ein Wachstumsmarkt: „FinTech“ überrennt die Finanzbranche

In den Achtzigerjahren waren Bankautomaten eine Revolution. Erstmals war es möglich, außerhalb der Öffnungszeiten der Banken problemlos an Bargeld zu gelangen oder Kontoauszüge ausdrucken zu lassen. Das war bequem und sparte Zeit. Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends kam dann das Onlinebanking hinzu. Überweisungen vom Computer aus zu tätigen, Börsentransaktionen schnell und bequem von zu Hause aus abzuwickeln, das hätte man sich nur wenige Jahre zuvor nicht träumen lassen. Die Konsequenz:

Bei den klassischen Banken schlossen immer mehr kleinere Filialen, Stellen wurden abgebaut, weil immer mehr vorher von Menschen umgesetzte Dienstleistungen dort, aber auch bei Versicherungen, von neuen Technologien abgelöst wurden. Diese Entwicklung setzt sich fort. Das unmittelbare, bargeldlose Bezahlen, das mit PayPal und Apple Pay hoffähig und für jeden zugänglich wurde, ist da nur ein Aspekt.

Von Computern, sogenannten „Robo Advisors“ durchgeführte Beratungen zu Versicherungen und Finanzanlagen, noch schnellerer, weltweiter Handel an den Börsen, die Krypto-Währungen, all das stellt für die klassischen, auch heute noch personalintensiven Banken eine Herausforderung dar, der sie sich stellen müssen. Gerade in Europa, wo die Profitabilität der Geldhäuser seit Jahren massiv unter Druck steht.

FinTech ist also für die klassische Finanzindustrie ein Thema, dem man sich zwingend annehmen muss. Aber nicht alle Unternehmen, die dem Bereich FinTech zuzurechnen sind, werden sich durchsetzen.

FinTech Chancen und Risiken: Nicht alle können sich durchsetzen

Man darf diese Welle der technologischen Revolutionen im Finanzsektor mit dem Internetboom um die Jahrtausendwende vergleichen. Viele neue Techniken entstehen, vieles gerät in Bewegung, viele kluge Köpfe in zahlreichen Unternehmen suchen nach Tools, die die potenziellen Kunden der Finanzindustrie voranbringen. Den stärksten und innovativsten Unternehmen wird ein schneller und letztlich auch stetiger Aufstieg gelingen, aber einige werden auch auf der Strecke bleiben.

Der Umstand, dass eine ganze Reihe solcher Firmen aus dem Bereich FinTech börsennotiert sind und andere nicht (oder noch nicht), ist kein Gütesiegel in Sachen nachhaltigen Erfolges. Wenn beispielsweise mehrere Unternehmen im Bereich des Robo Advising oder des elektronischen Zahlungsverkehrs konkurrieren, kann eine Börsennotierung zwar für die Kapitalbeschaffung hilfreich sein, aber da ist man letztlich auch vom Börsenkurs und der Beurteilung der Chancen durch die Aktionäre abhängig. Kurz: Nicht alle werden sich durchsetzen, auch börsennotierte Unternehmen im FinTech-Sektor könnten scheitern, wie es damals im Zuge des Internetbooms auch der Fall war.

Worauf Sie bei einem Investment in FinTech achten sollten

Daher ist ein besonnenes Vorgehen unbedingt ratsam. Natürlich kommt bei neuen Technologien und Wachstumsmärkten „Goldgräberstimmung“ auf. Man sieht rasant steigende Aktien, man liest über gewaltige Zuwachsraten bei den Umsätzen in dieser Branche. Das ist verlockend, aber solche Verlockungen verleiten eben auch gerne dazu, die Sache zu „mutig“ bzw. unvorsichtig anzugehen.

Wie immer, wenn es um Investments in neue, schnell wachsende Branchen geht, sollte man genau abwägen, wo und wie man investiert. Es gälte, ein solches Investment hinreichend breit zu streuen, statt alles auf ein Pferd zu setzen. Und man sollte nur einen überschaubaren Teil des Kapitals dafür einsetzen. Wobei es zu überlegen wäre, den Schwerpunkt grundsätzlich auf Unternehmen zu legen, die schon länger in der Branche sowie an der Börse etabliert sind und nur einen kleineren Teil in spannende, aber eben auch riskantere Newcomer zu investieren.

Die besten FinTech-Aktien 2019

Wir stellen Ihnen hier einige FinTech-Aktien vor, die per Dezember 2019 interessant erscheinen. Diese Unternehmen sind aber nur eine Auswahl, d.h. sie decken nicht die gesamte Palette ab und stellen nur Beispiele für Aktien der Branche dar, keine Kaufempfehlungen. Auch sollten Sie die Reihenfolge, in der wir diese Aktien hier vorlegen, nicht als Rangliste oder Wertung betrachten. Unsere Charts zeigen die Aktien jeweils auf Wochenbasis über eine Zeitspanne von zwei Jahren in der Währung der Heimatbörse.

PayPal: Das Urgestein

Die besten FinTech-Aktien: Entwicklung PayPal Aktie von Dezember 2018 bis Dezember 2019 | Online Broker LYNX

Wenn man bei einer noch so jungen Branche überhaupt von einem Urgestein sprechen kann, dann wäre das wohl der US-Zahlungsdienstleister PayPal (ISIN: US70450Y1038 – SYMBOL: PYPL – Währung: USD). Das bereits 1998 gegründete Unternehmen wird 2019 über 20 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielen und schreibt seit Jahren sukzessiv wachsende Gewinne. Eine offene Frage ist, ob diese Entwicklung durch andere Dienstleister wie z.B. Apple Pay in den kommenden Jahren gebremst oder sogar umgekehrt werden könnte. Ein Selbstläufer ist daher auch ein „Blue Chip“ wie PayPal nicht, auch, wenn das Unternehmen definitiv zu den im Markt etablierten Unternehmen gerechnet werden darf.

Hypoport: Die Finanz-Plattform

Die besten FinTech-Aktien: Entwicklung Hypoport Aktie von Dezember 2018 bis Dezember 2019 | Online Broker LYNX

Die Berliner Hypoport AG (ISIN: DE0005493365 – SYMBOL: HYQ – Währung: EUR) betreibt rein internetbasierte Finanzplattformen (vor allem die Plattform EUROPACE) auf Basis innovativer FinTech-Tools, auf denen Finanzdienstleister und Privatkunden miteinander vernetzt interagieren. Wie bei PayPal sehen wir hier ein bei Umsatz und Gewinn solide wachsendes Unternehmen, das über Jahre hinweg sehr konstant steigern konnte. Ein Aspekt, den man aktuell im Hinterkopf haben sollte, ist ein recht hohes Kurs/Gewinn-Verhältnis von über 70 auf Basis der aktuell im Schnitt von den Analysten für 2019 geschätzten Gewinne. Basis dieser hohen Bewertung ist der immense Kursanstieg, den die Hypoport-Aktie im Verlauf des Jahres 2019 gezeigt hat. Hier wäre zu erwägen, Korrekturen zum Einstieg abzuwarten.

Fidelity National Information Services: Der Allrounder

Die besten FinTech-Aktien: Entwicklung Fidelity National Information Services Aktie von Dezember 2018 bis Dezember 2019 | Online Broker LYNX

Fidelity National Information Services (ISIN: US31620M1062 – SYMBOL: FIS – Währung: USD) könnte man als Technik-Supermarkt für Finanzdienstleister ansehen. Das Unternehmen liefert innovative technologische Lösungen und Support für die Banken- und Versicherungsbranche.

SimCorp: Der Spezialsoftware-Anbieter

Die besten FinTech-Aktien: Entwicklung SimCorp Aktie von Dezember 2018 bis Dezember 2019 | Online Broker LYNX

Die dänische SimCorp (ISIN: DK0060495240 – SYMBOL: SIM – Währung: DKK) mit Hauptsitz in Kopenhagen ist ein mit ca. 1.500 Mitarbeitern eher kleines Unternehmen, dessen Hauptprodukt die Investment Management-Software SimCorp Dimension ist. Mit einem Schwerpunkt-Produkt ist ein Unternehmen zwar anfälliger für konkurrierende Produkte, aber denkt man an die früheren Jahre von SAP, kann so etwas durchaus gut funktionieren. Die SimCorp konnte in den vergangenen Jahren durch stetig steigende Umsätze und Gewinne beeindrucken. Es handelt sich aber um eine eher marktenge Aktie, der Chart (in Dänischen Kronen) zeigt, dass das eine kräftige Volatilität nach sich zieht. Hier sollte man beim Ein- und Ausstieg also behutsam vorgehen.

Ingenico: Die französische Variante von Wirecard

Die besten FinTech-Aktien: Entwicklung Ingenico Aktie von Dezember 2018 bis Dezember 2019 | Online Broker LYNX

Ingenico (ISIN: FR0000125346 – SYMBOL: ING1 – Währung: EUR) ist ein französisches Unternehmen, das mit den Marken Ingenico Smart Terminals, Ingenico Payment Services und Ingenico ePayments alle Formen der Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs anbietet, wodurch das Unternehmen zwar auch, aber keineswegs nur die Finanzbranche anspricht. Eine interessante Aktie, die von der Grundaufstellung her an die deutsche Wirecard erinnert, die wir aufgrund deren nachrichtenbedingt hohen Volatilität diesmal nicht mit in unserer Liste aufführen. Ingenicos Gewinnentwicklung der letzten Jahre war schwankend, die Umsätze konnten aber konstant gesteigert werden.

Beste FinTech Aktien Fazit: Eine spannende Branche mit großen Perspektiven

Die Finanzbranche muss mit der technologischen Entwicklung Schritt halten, wobei das letztlich für alle Branchen gilt. FinTech, Financial Technology, ist ein „Muss“ … und je größer der Druck insbesondere auf die europäische Finanzindustrie wird, desto dringlicher wird der Ruf nach neuen, innovativen Lösungen. FinTech-Unternehmen haben daher große Perspektiven, aber es gilt, wie immer an der Börse: Streuen Sie die Investments und agieren Sie mit Bedacht, denn auch Aktien in Wachstumsbranchen sind keine Einbahnstraße.

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.
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