Die besten China Aktien 2018

Drei Aktien aus dem Reich der Mitte mit Top-Perspektiven

In chinesische Aktien investieren? Da zuckt manch einer immer noch zusammen, denn China ist vielen Investoren irgendwie nicht recht geheuer. Ein gigantisches Land, eine riesige Volkswirtschaft, die trotz ihrer teilweisen Öffnung in Richtung der freien Marktwirtschaft immer noch unübersichtlich, intransparent und vor allem gesteuert wirkt. Ein Investment in chinesische Aktien wirkt daher wie ein Wagnis, weil es scheint, als könnte man Chancen und Risiken einfach nicht einschätzen. Ist das wahr?

Durchaus nicht. Und gerade die drei Aktien, die wir Ihnen hier vorstellen, sind alles andere als intransparent, schwer zu handeln oder „exotisch“. Sie haben genau das, was ein Investor sehen möchte: immenses Potenzial. Aber werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf China an sich.

China – alles nur Fassade? Nein!

Es mag schon richtig sein, dass die chinesischen Behörden einen größeren Einfluss auf die Unternehmen haben als das seitens der staatlichen Instanzen in Europa, Japan oder den USA der Fall wäre. Und die weit verbreitete Meinung, dass die immer so genau im Plan liegenden Konjunkturdaten nicht der Realität entsprechen, weil es unmöglich scheint, dass eine derartig gewaltige Volkswirtschaft auf die Zehntelstelle nach dem Komma genau so wächst, wie es die Regierung im Vorfeld avisiert hat, hat sicher ihre Berechtigung. Aber ist das ein Grund, China als Investmentziel einfach auszuklammern? Sicher nicht.

Dort finden sich immens spannende Unternehmen, in die zu investieren sich alleine deswegen lohnt, weil dieses Land immer noch ein faszinierendes Wachstumspotenzial hat. Selbst wenn das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Wahrheit niedriger liegen sollte als offiziell angegeben, die folgende Grafik zeigt eines ganz klar:

Die Wachstumsraten würden selbst dann höher liegen als in den etablierten Wirtschaftsräumen, wenn sie ganze zwei Prozent niedriger wären als angegeben – und derart deutlich überzieht man auch dort nicht. Die Dimension des Bruttoinlandsprodukt-Wachstums nimmt zwar ab. Aber das bedeutet ja nicht, dass die Wirtschaft schrumpft, sie wächst nur langsamer. Und das ist nach so vielen Jahren starken Wachstums auch gar nicht anders möglich.

Besonders wichtig ist für einen Investor der Aspekt, dass China längst nicht mehr die „Filiale“ europäischer und US-amerikanischer Unternehmen ist, abhängig von deren Maschinen und Knowhow. Mittlerweile ist es so weit, dass viele Innovationen aus China kommen und, das ist noch bedeutsamer, die chinesische Wirtschaft ist weniger abhängig von den USA, Europa und Japan, als es diese drei Wirtschaftsräume untereinander sind. Der folgende Chart zeigt, dass der US-Dollar auch zur chinesischen Währung, dem Yuan, deutlich schwächer wurde. Während Europa gegen diesen ihre Exporte ausbremsenden Abstieg des Dollars machtlos scheint, könnte China dagegenhalten, seine eigene Währung steuern. Aber man lässt es zu. Das erschwert den Export chinesischer Waren in die USA, erleichtert den Verkauf von US-Gütern in China, weil diese dadurch billiger werden. Aber hat es das Wachstum Chinas nennenswert gebremst?

Das hat es nicht. Und das zeigt, wie dynamisch und in sich stark die chinesische Wirtschaft bereits geworden ist. Was sich auch in dem wieder sehr soliden Anstieg des chinesischen Aktienmarkts manifestiert. Im Frühjahr 2015 kam es zu einer markanten Baisse, die bis Anfang 2016 reichte. Die basierte auf der Sorge, dass China bei weitem weniger wachsen könnte als gedacht und dadurch als entscheidender Wachstumsmotor für die USA und Europa wegfallen würde. Doch nachdem sich gezeigt hat, dass das mitnichten der Fall war, zogen die chinesischen Aktienmärkte wieder an.

Der nachfolgend abgebildete, den Gesamtmarkt gut repräsentierende CSI 300-Index in Shanghai zeigt seit zwei Jahren eine solide Aufwärtsbewegung, die ohne die erratischen Schwankungen früherer Jahre auskommt.

Risikobereiche meiden

Aber natürlich sollte man Investments in China trotzdem besonnen angehen. Denn ein Risikofaktor existiert, den man am besten umgehen sollte: die rapide steigende Verschuldung der Unternehmen und der Privathaushalte. Man wächst immens auf Pump und begeht so einen Fehler, der auch in den USA alle paar Jahre wieder für heftige Turbulenzen in der Wirtschaft sorgt. So gigantisch viele chinesische Banken auch geworden sind, da sollte man Vorsicht walten lassen, zumal da der regulierende Arm der Regierung sehr weit reicht. Auch Immobilien-Aktien sind da derzeit riskanter als anderswo.

Die besten China Aktien

Besser ist es, sich Aktien von Unternehmen anzuschauen, die vom in die Breite gehenden Fortschritt beim Einkommen der Chinesen profitieren, aber auch eine internationale Ausrichtung haben. Und um Ein- und Ausstieg in die Aktien zu erleichtern, sollten sie in jedem Fall entweder in den USA oder in Europa handelbar sein. Dabei muss man sich wirklich nicht auf Alibaba und Baidu beschränken, die mittlerweile fast allen Anlegern bekannt sind. Unsere drei Kandidaten sind ebenfalls in den USA und Deutschland handelbar, wobei wir für die nachfolgenden Charts die Dollar-Notierungen gewählt haben, weil in den USA die Umsätze höher sind.

Tencent: Der Allrounder

Außerhalb Chinas operiert Tencent (ISIN: US88032Q1094 – Symbol: TCEHY – Währung: USD) kaum, daher ist das Unternehmen in Europa weniger bekannt. Aber in China selbst kennt Tencent wohl so ziemlich jeder, denn es handelt sich hier um einen Internet-Allrounder der besonderen Art. Basis ist zwar die Instant-Message-Plattform QQ, aber letzten Endes betreibt Tencent ein Online-Portal, das zugleich Shopping, Online-Payment und vieles mehr bietet. Aber das ist nicht alles:

Tencent hält eine dreistellige Zahl wichtiger Patente und betätigt sich als Investor in Technologieunternehmen weltweit, unter anderem ist der Konzern Anteilseigner von Activision Blizzard, Spotify und Tesla. So breit gestreut wie die eigene Angebotspalette investiert Tencent auch sein Kapital und wirkt dadurch wie ein Internetunternehmen, das sich in eigener Rechnung zugleich als cleverer Investmentfonds betätigt. Und das rechnet sich – die Bilanzdaten von Tencent sind eine beeindruckende Erfolgsgeschichte:

Umsatz und Gewinn steigen seit Jahren sehr kontinuierlich, wobei es 2017 einen überdurchschnittlichen Anstieg der Ergebnisse gab. Mit umgerechnet ca. 36 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2017 gehört Tencent zu den größeren Playern im Bereich des Internet-Geschäfts, ohne dabei allzu teuer bewertet zu sein. Derzeit ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf Basis der 2017er-Gewinne zwar mit knapp über 50 etwas hoch. Aber in Rücksetzer hinein wäre diese Aktie immer interessant, vor allem, falls die Aktie dabei einen erfolgreichen Test der aktuell bei knapp 45 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie absolvieren sollte.

China Southern Airlines: Der Gigant

Der Name führt ein wenig in die Irre, denn es klingt ein wenig nach einer eher regionalen Airline. Dem ist aber nicht so. China Southern Airlines (ISIN: US1694091091 – Symbol: ZNH – Währung: USD) hat die China Northern Airlines und China Xinjiang Airlines 2003 geschluckt und eigentlich ist der Zusatz „Southern“ damit überflüssig. Des Weiteren ist China Southern Airlines auch über China hinaus ein Riese. Denn in Bezug auf die Passagierzahlen ist China Southern Airlines die weltweit viertgrößte Airline und die größte außerhalb der USA.

Das Unternehmen fliegt Ziele weltweit an und hat eine Flugzeugflotte von 540 Maschinen, die im Schnitt weniger als sieben Jahre alt sind. Angesichts des immensen Wachstums im Flugverkehr laufen zugleich über 100 Bestellungen, wobei China Southern vor allem bewährte Modelle der großen Hersteller Airbus und Boeing im Dienst hat. Da ist viel Potenzial – aber dieser Chart auf Wochenbasis über vier Jahre zeigt:

Ein Schnäppchen dürfte die Aktie im Moment nicht sein, zumal die Ergebnisse für 2017 noch ausstehen. Sollte die Aktie am 2015er-Hoch abprallen (was sich derzeit zumindest andeutet), könnte hier ein kräftiger Rücksetzer anstehen, der einen deutlich günstigeren Einstieg in diese Aktie mit ihrer mittel- und langfristig immens spannenden Perspektive ermöglichen würde.

JD.com: Der Super-Shop

Weitgehend nimmt man hierzulande an, dass die Online-Handelsplattform Alibaba in China vergleichbar dominant sei wie amazon.com im Rest der Welt. Aber das ist ein Irrtum. JD.com (ISIN: US47215P1066 – Symbol: JD – Währung: USD) ist im höheren Preissegment des Onlinehandels, z.B. bei Elektrogeräten und Luxusartikeln, in China führend und ist daher, rein vom Umsatzvolumen her betrachtet, doppelt so groß wie Alibaba. Zwischen den beiden Unternehmen herrscht ein harter Konkurrenzkampf, wobei JD.com kürzlich begonnen hat, mit Tencent und Wal-Mart in einigen Bereichen zu kooperieren, um Alibaba auf Distanz zu halten. Was auch gelingen könnte.

Dass die Aktie von JD.com derzeit nur ein Viertel von dem kostet, mit dem eine Alibaba-Aktie gehandelt wird, liegt daran, dass JD.com gerade erst 2017 wieder in die Gewinnzone vorgedrungen ist. Da ist sie ein wenig mit amazon.com zu vergleichen, denn auch JD.com geht ungewöhnliche Wege, experimentiert mit selbstfahrenden Fahrzeugen und Drohnen – und all das kostet Geld. Alibaba hingegen agiert solide in der Gewinnzone, dort ist man konsequenter auf regelmäßige schwarze Zahlen fokussiert. Was indes JD.com spannender macht, denn hier kann sich, wenn man Alibaba auf Abstand halten kann und die eigenen Projekte einschlagen, eine höhere Dynamik entwickeln.

Aber auch hier sollte man sich der Charttechnik bedienen, um gute Einstiegspunkte abzupassen, sollte in Rücksetzer hinein agieren, wenn sich abzeichnet, dass wichtige Unterstützungen halten. Und natürlich sollte man daran denken: Ein Investment in chinesische Aktien ist trotz des Wachstums dieses Marktes und der beeindruckenden Chancen eine spekulative Angelegenheit, die man mit der angemessenen Vorsicht und moderatem Kapitaleinsatz angehen sollte.

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Hinweis: Charts mit MarketMaker pp4 und mit Trader Workstation erstellt

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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