Cryptowährungen sind mit Vorsicht zu genießen

Bei dem folgenden Artikel handelt es sich um einen Gastkommentar von Bahram Assadollahzadeh, dem Gründer und Geschäftsführer der Richtwert Capital Vermögensverwaltung.

 

Vor kurzem fragte mich ein Kunde und Anleger nach meiner Meinung zu einer Investition in Cryptowährungen. Die Frage überraschte mich, denn normalerweise denkt man bei Investitionen an Vermögenswerte und nicht an Währungen. Nichts desto trotz oder vielleicht gerade deswegen ging ich der Frage nach und kam zu folgenden Erkenntnissen.

Cryptowährungen als Investition?

Kurz gesagt: Ich halte die aktuelle Entwicklung von Cryptowährungen für eine große Spekulationsblase mit reichlich Betrugspotenzial. Wie bei jeder Spekulation kann man Glück haben und viel gewinnen, aber in der Regel verlieren die meisten. Das Ganze hat mit Investition nichts zu tun und ich halte mich davon fern.

Meine Gründe

Im Gegensatz zu Immobilien und Unternehmen, sind Währungen („Crypto“ hin oder her) keine produktiven Vermögenswerte. Ihr Wert hängt wesentlich stärker von Angebot und Nachfrage ab, da sie entweder kein Einkommen generieren oder Ihr Einkommen (in Form von Zinsen) mittelfristig kaum berechenbar ist.

Wenn so viel von Nachfrage und Angebot abhängt, stellen sich folgende Fragen:

1. Was treibt die Nachfrage?

Inflationssorgen:

  • Es wird behauptet, dass das Angebot von Bitcoins begrenzt sein wird. Doch erstens gilt dies nicht für alle Cryptowährungen und zweitens muss sich dies bei Bitcoins langfristig noch bewahrheiten.
  • Die Inflationsrate bei Konsumgütern war seit der Finanzkrise sehr tief. Die Zentralbanken waren und sind sehr bemüht, diese auf 2% pro Jahr anzuheben und zu halten.
  • Vermögenswerte wie Immobilien und Unternehmen und deren Aktien hatten einen stärkeren Wertanstieg.
    • In den beliebtesten Städten der Welt stiegen Immobilienpreise inkl. Mieteinnahmen seit 2009 oft um ca. 50% bis 100%.
    • Der S&P 500 Total Return Aktienindex hat sich seit dem Tiefpunkt der Finanzkrise im März 2009 vervierfacht¹.
  • Cryptowährungen bewegten sich jedoch in einer anderen Sphäre. Als ich meinem Kunden Ende August 2017 antwortete, galt folgendes²:
    • Bitcoins hatten sich seit Mitte 2010 mehr als ver-70000-facht.
    • Allein in den letzten 12 Monaten hat sich Bitcoin mehr als versiebenfacht, Litecoin hat sich verdreizehnfacht und man halte sich fest, Ethereum hat sich fast verdreißigfacht.
    • Die Entwicklung bei Cryptowährungen lässt sich somit nicht durch Inflationssorgen erklären.

Illegale und dubiose Geschäfte aufgrund von potenzieller Anonymität:

  • Wohl kaum eine verlässliche Investitionsgrundlage für die Meisten

Hoffnung, dass die heutigen Cryptowährungen existierende Währungen ersetzen:

  • Ich gehe fest davon aus, dass Regierungen eine solche Entwicklung unterbinden werden, sofern sie das Angebot der jeweiligen Cryptowährung nicht kontrollieren können.

Spekulation:

  • Ebenfalls keine solide Investitionsbasis

2. Was treibt das Angebot?

Ein System bzw. ein Algorithmus:

  • Wer kontrolliert das System oder den Algorithmus?
  • Kann das System gehackt/manipuliert werden?
  • Ist der Algorithmus und dessen Anwendung transparent und vertrauenswürdig?

Menschen:

  • Wer sind diese Menschen?
  • Wer hat bzw. wie wurden sie ausgewählt?
  • Sind sie vertrauenswürdig?

In den letzten Jahren hat die Nachfrage nach Cryptowährungen das Angebot deutlich übertrumpft. Ich führe das auf Spekulation zurück. D.h. man kauft und hofft, dass jemand sie später für mehr abkauft ohne zu wissen, was die Währung Wert ist.

Doch was passiert, wenn

  • Regierungen eingreifen?
    • Interessanterweise, beschloss die chinesische Regierung am 04.09.2017, jegliche Finanzierungen mittels Cryptowährungen (I.C.O. – Initial Coin Offering) per Ende September 2017 zu untersagen.
    • Bitcoin-Preise, die Anfang September ein Allzeithoch von ca. $4950 erlebten sanken innerhalb von 2 Wochen auf ca. $3100.
    • Initial Coin Offerings sind vielleicht die letzte Übertreibung, die die Cryptowährungsblase zum Platzen bringt. Es gibt nun nämlich zahlreiche Startups, die sich mittels eigens kreierten Cryptowährungen finanziert haben. Der Artikel von Kevin Roose „Is There a Cryptocurrency Bubble? Just Ask Doge.“, New York Times, 15.09.2017 beschreibt I.C.O.s sehr zutreffend und mit viel Humor.
  • andere Währungen in Mode kommen (z.B. Litecoin, Ethereum)?
    • Können alle steigen?
    • Wie lange?
    • Wie hoch?
  • das Angebot doch ausgeweitet wird?
  • das Spekulationsfieber nachlässt?

Es ist nicht meine Absicht, die Entwicklung von Cryptowährungen vorherzusagen. Ihre Preise können noch exorbitant steigen und auch ebenso stark sinken. Auch möchte ich keineswegs das Potenzial der Technologie auf der Cryptowährungen beruhen, kleinreden. Ich möchte nur auf die potenziellen Risiken hinweisen, die bestehen, wenn man Spekulation und Investition miteinander verwechselt und hohe Preise für etwas zahlt, dessen Wert man nicht wissen kann.

Die Parallelen zur Internet-Blase sind unverkennbar. Damals, wie heute, galt zurecht, dass eine neue Technologie die Welt verändern wird. Die allermeisten Internetfirmen hingegen verursachten außerordentliche Verluste für ihre Anleger.

Die Entwicklung bei Cryptowährungen bringt eine Anekdote³ in Erinnerung:

Es gibt eine alte Geschichte über die Marktverrücktheit im Sardinenhandel, als die Sardinen von ihren Gewässern in Kalifornien verschwanden. Die Händler überboten sich gegenseitig und der Preis einer Dose Sardinen stieg enorm. Eines Tages beschloss ein Händler, sich mit einem teuren Essen zu verwöhnen, bestellte eine Dose und begann zu essen. Er wurde sofort krank und sagte dem Verkäufer die Sardinen seien schlecht. Darauf antwortete der Verkäufer: „Das verstehen Sie nicht mein Herr. Das sind keine Ess-Sardinen, das sind Handels-Sardinen.“

 

Quellenangaben:

¹ S&P Dow Jones Indices, http://us.spindices.com/indices/equity/sp-500, Ende August 2017
² Coinbase, https://www.coinbase.com/charts?locale=en, Ende August 2017
³ “Margin of Safety: Risk-Averse Value Investing Strategies for the Thoughtful Investor”, Seth Klarman, 1991

Bahram Assadollahzadeh, CFA

Bahram Assadollahzadeh, CFA

Bahram Assadollahzadeh, CFA studierte Wirtschaftsingenieurwesen und Marketing in Deutschland und den USA und verfügt über mehr als 20 Jahre an Erfahrung als Unternehmensberater und Investor auf internationaler Ebene.

2015 gründete er Richtwert Capital, um Anlegern eine faire und intelligente Alternative zur herkömmlichen Praxis in der Vermögensverwaltung zu bieten.

Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Männedorf in der Nähe von Zürich.

Die Vermögensverwaltung Richtwert unterscheidet sich von anderen Investmentgesellschaften:

Keine Interessenskonflikte:
Das gesamtes Kapital des Investment Managers ist genauso angelegt wie das der Kunden

Keine Gebühren:
Ausschliesslich Erfolgsbeteiligung nur nach Erreichen einer jährlichen Mindestrendite

Investment Manager investiert ausschliesslich wie ein Unternehmer:
Rational, wert-orientiert, risikoavers, langfristig, unabhängig, fokussiert

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