Börsenblick

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Aktuelle Analyse:
Euro Stoxx: In Europa sind die Investoren klüger

Dass US-Präsident Trump gestern Abend in seiner Pressekonferenz eine Niederlage zum Sieg erklärte, den Sieg einzelner Kandidaten seiner Partei alleine auf seine Unterstützung zurückführte und öffentlich schmähte, wer ihn nicht um Hilfe bat und dann den Sieg nicht errang – all das war Grund genug, für die kommenden zwei Jahre nervös zu werden.

Aber dass Trump sofort, nachdem die Wähler bis zum Ende seiner Amtszeit zum letzten Mal hätten eingreifen können, den Machiavelli mimte, dürfte Besorgnis bei vielen Investoren in Entsetzen verwandelt haben. Trump entließ, kurz nachdem er auf entsprechende Fragen in der Pressekonferenz ausgewichen war, seinen Justizminister Session und ersetzte ihn interimsweise gegen einen, der ihm näher steht.

Ziel: Sonderermittler Mueller und dessen Untersuchungen zur Russlandaffäre das Wasser abzugraben und/oder herauszubekommen, was Muller herausgefunden hat, bevor der das öffentlich machen kann. Besonders gerissen: Wenn er das jetzt schafft, können ihm die Demokraten nur wenig Widerstand entgegenbringen, denn die neue Zusammensetzung des US-Repräsentantenhauses gilt erst ab Januar.

Dass jemand, der so agiert, nicht nur Grund hat, diese Ermittlungen zu beenden, sondern auch sonst keinerlei Hemmungen haben dürfte, wurde den US-Anlegern wohl eher nicht klar, obwohl US-Sender wie CNN oder CNBC kein Blatt vor den Mund nahmen. Aber hier in Europa erkannte man sehr wohl, dass Trump jetzt, nach der Zwischenwahl, endgültig die Maske abnimmt. Und das kann für die europäische Wirtschaft nicht gut sein.

Denn entgegen der Behauptungen von Trumps Adlaten, dass die Verhandlungen mit Europa sehr gut liefen, erklärte EU-Handelskommissarin Malmström ja unlängst, dass es bislang überhaupt keine offiziellen Verhandlungen gebe. Das alleine ist vielsagend. Und jetzt, da er sich nicht mehr um diese lästigen Wähler kümmern muss, hätte Mr. Trump die Muße, sich wieder intensiv mit seiner Variante des fairen Welthandels zu befassen. Was hieße: Erst wird China in die Knie gezwungen, dann Europa. Der Rest ist ja bereits umgekippt, womöglich könnte noch Japan Widerstand leisten.

Dass der Kurs US-Dollar/Yuan wieder an dem mehrjährigen Hoch um sieben Yuan pro US-Dollar angekommen ist, zeigt zwar, dass momentan nur noch die US-Anleger an den Bluff glauben, den Trump letzten Freitag von sich gab, um vor der Wahl noch ein wenig den Gewinner zu mimen. Aber auch wenn das deutlich macht, dass sich die US-Regierung an China die Zähne ausbeißen könnte:

Europa ist kein vergleichbar starker Gegner, weil man hier nicht mit einer Stimme spricht, sondern mit vielen. Hierzulande agieren die Investoren klüger, besonnener als in den USA. Dementsprechend erkennt man hier, dass Ungemach naht … und so fiel der Euro Stoxx am Donnerstag wieder zurück. Und der Blick auf die Charts auf Wochen- und Tagesbasis macht deutlich: Es würde nicht viel fehlen um die Chance für das Bären-Lager zu erhöhen, vor dem Jahresultimo noch neue Tiefs auszuloten.

Chart auf Wochenbasis vom 08.11.2018, Kurs 3.237,60 Punkte, Kürzel ESTX50

Wir sehen im Tageschart, dass der Euro Stoxx durch das gestrige Minus genau an der Widerstandszone aus den Zwischentiefs vom März und September bei 3.262/3.274 Punkten gestoppt wurde. Noch läge er nahe genug, um diese Hürde schnell zu nehmen. Aber da die Gegenreaktion seit Ende Oktober dazu geführt hat, dass die zuvor klar überverkauften markttechnischen Indikatoren wieder reichlich Luft nach unten aufweisen würden und das bisherige Verlaufstief von 3.091 Zählern keineswegs außer Reichweite ist, könnte schon ein heute erneut schwächerer Tag ausreichen, um die Bären wieder aus der Deckung zu holen.

Und sollte der Euro Stoxx dieses bisherige Tief auch auf Wochenschlusskursbasis unterbieten, wäre damit die zuletzt noch verteidigte, mittelfristig wichtige Auffangzone 3.102/3.156 Punkte gefallen, der Weg nach unten aus charttechnischer Sicht frei. Nur, wenn der europäische Leitindex schnell mit Schlusskursen über 3.280 Zählern über diese Widerstandszone hinauskommt, an der er gestern erst einmal gestoppt wurde, würde sich die Chance einer Jahresendrallye wieder erhöhen. Aber man muss argwöhnen, dass der US-Präsident schon noch genug aus dem Hut zaubern dürfte, um das ungute Gefühl der europäischen Investoren zu zementieren.

Chart auf Tagesbasis vom 08.11.2018, Kurs 3.237,60 Punkte, Kürzel ESTX50

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