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Tesla: Unglaubliches Potenzial oder Geldvernichtungsmaschine?

Die 2003 von Ingenieuren aus dem amerikanischen Silicon Valley gegründete Tesla Motors Inc. ist auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Elektro-Automobilen spezialisiert. Mit dem Einstieg von Risikokapitalgebern 2004 wurde Elon Musk Aufsichtsratsvorsitzender und bald die prägende Figur des Unternehmens.

Durch die Übernahme von Solarcity umfasst das Portfolio aber auch die komplette Produktpalette solarbasierter Energiegewinnung, Speicherung und Netzdiensten. Durch die Gigafactory ist das Unternehmen darüber hinaus zu einem der weltweit führenden Hersteller von Akkus geworden.

Von den Befürwortern heißt es Tesla wird die Welt verändern, die Gegner verweisen auf die hohe Bewertung und fortlaufende Cashvernichtung. Vielleicht haben beide Seiten recht, aber es ist eben nur die halbe Wahrheit.

Tesla ist hoch bewertet, hat Schulden und verbrennt Cash

Es ist richtig, der Unternehmenswert von Tesla inklusive Schulden liegt bei knapp 70 Mrd. USD. Für einen Autobauer mit diesen Zahlen ist das schlichtweg nicht zu rechtfertigen.

Tesla macht nur einen Bruchteil des Umsatzes von Konkurrenten mit einer ähnlichen Bewertung und vor allem keinen Gewinn.
Ganz im Gegenteil, Tesla verbrennt mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit Cash und benötigt daher ständig Fremdkapital.
Das Unternehmen wäre fast in die Insolvenz geschliddert, als sich die Kapitalmärkte das letzte Mal verweigerten.

Als wäre das nicht alles schon problematisch genug, steigt man mit einigen der größten und mächtigsten Firmen der Welt in den Ring.

Was spricht dann aber für Tesla?

Das Unternehmen hat eine erstaunliche Entwicklung vollzogen und seine Fähigkeit zur Innovation und Veränderung bewiesen. Mehr als einmal wurden Ziele erreicht, die zuvor als unmöglich abgetan wurden.
Bisher hat das noch keine Unternehmensgewinne gebracht, doch der ständige Fortschritt hält die Aktionäre bei der Stange und beflügelt die Fantasie von Fans und Kunden gleichermaßen.

Daher scheint Kapital auch kein Problem mehr darzustellen. Die Jünger von Elon Musk, die an seine Vision glauben, haben eine Kapitalerhöhung nach der anderen geschluckt. Der Kurs kam dadurch kaum unter Druck. Eine Insolvenz scheint daher auf absehbare Zeit unwahrscheinlich, auch wenn man weiter Geld verbrennt.

Lifestyleprodukt

Einen anderen Punkt sollte man ebenfalls nicht unterschätzen. Wie das iPhone ist auch ein Tesla zu einem Lifestyleprodukt geworden. Der hohe Preis schreckt die Kunden nicht, sie wollen ein Model S und keinen BMW i3 wie sie eben auch ein iPhone möchten.
Mit dem Model 3 betritt Tesla jetzt den Massenmarkt und man darf gespannt sein.
Es sprechen aber auch ökonomische Gründe für Elektroautos, ihr Betrieb ist schlichtweg günstiger. Weniger Wartung, geringere Betriebskosten und der Preis pro gefahrenem Kilometer ist niedrig, vor allem wenn man den Strom selbst produziert.

Kann sich Tesla durchsetzen?

Mit der Gigafactory hat sich Tesla einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil geschaffen. Ausschließlich die Herstellungskosten von Batterien machen Elektroautos heute noch teurer als Verbrennungsmotoren, doch der Preis fällt stetig und macht E attraktiver.

Am Ende könnte Tesla aber auch einen bedeutenden oder sogar den Großteil des Gewinns mit Batterien erwirtschaften. Hier sind all die Konkurrenten von Toyota bis Volkswagen technologisch und vor allem in den Produktionskosten unterlegen. Ob und wann man diese Lücke schließen kann, ist fraglich. Wahrscheinlich werden zumindest einige Automobilkonzerne die Akkus einfach bei Tesla kaufen. Der Bau der neuen Gigafactory in China zementiert die Marktführerschaft in diesem Segment weiter.

Technologieführerschaft

Auch im Bereich selbstfahrender Autos könnte sich Tesla durchsetzen. Vielleicht wird am Ende nur ein System überleben, das mit den meisten Straßendaten. Vielleicht ist diese Technologie wieder ein Beispiel für „the winner takes it all“. Bisher liegt Tesla wohl vorne und kann man den Vorsprung halten, wäre diese Technologieführerschaft äußerst wertvoll.

Wie hoch die Technologie bewertet wird, zeigt die Übernahme von Mobileye durch Intel. Der Kaufpreis lag bei 15,3 Mrd. USD. Die Sparte von Tesla dürfte allein wohl noch deutlich mehr Wert sein und plötzlich schmilzt die Überbewertung des Unternehmens dahin.

Großoffensive

Betrachtet man die Märkte, die von Tesla angegriffen werden, wird klar, dass auch eine Position in der dritten Reihe dieser Branchen erhebliches Potenzial bieten würde. Das Unternehmen zielt gleichzeitig auf einige der größten Märkte überhaupt, Autos, die gesamte Energie-Wertschöpfungskette von Öl- und Gasproduzenten bis zu den Versorgern.

Im zurückliegenden Jahr hat Tesla einen Umsatz von 12 Mrd. USD erwirtschaftet.

Die 20 größten Autobauer erwirtschaften gemeinsam einen Umsatz von 1.880 Mrd. USD und haben einen Marktwert in ähnlicher Größenordnung.
Die 20 größten Öl- und Gasunternehmen sind gemeinsam für einen Umsatz von über 2.000 Mrd. USD verantwortlich und haben einen Börsenwert von knapp 2.700 Mrd. USD.
Die 20 größten US-Versorger kommen auf einen Umsatz von 255 Mrd. USD und eine Bewertung von 940 Mrd. USD.

Während der Angriff im Autosektor offensichtlich ist, wäre eine Abkehr vom Verbrennungsmotor ein ebenso radikaler Schlag für die Rohölkonzerne. Gleiches gilt für die Versorger, die durch Solardächer und dezentrale Stromspeicher unter Druck gesetzt werden.

Sollte sich Tesla nur in einem der drei Felder eine starke Stellung erkämpfen können oder als Sieger bei autonomen Autos hervorgehen, ist die Bewertung gerechtfertigt.

Im Reich der Visionen

Daher sollte man Tesla auch als Übernahmeziel nicht ausschließen. Vielleicht möchte Apple seine Palette an Lifestyleprodukten ja erweitern, immerhin sitzt man auf über 200 Mrd. USD Cash und weiß nicht so recht, was man damit anfangen soll. Doch auch Microsoft, Google, Cisco, Facebook oder Oracle könnten den Kauf locker stemmen.

An dieser Stelle sollte eigentlich das Fazit stehen, dass es sich dennoch um eine Hochrisikowette handelt. Nach eingehender Betrachtung erscheint das Risiko jedoch weitaus geringer als man den ersten Blick erahnt.

Brandgefährlich

Es gibt noch einen weiteren gewichtigen Punkt, der gegen nachhaltig fallende Kurse spricht. Der Short Float ist mit 29,4% geradezu erschreckend hoch. Es sind also fast ein Drittel aller ausstehenden Aktien Short positioniert.
Die Leerverkäufer stützen ungewollt den Kurs. Gibt Tesla deutlich nach, treten die Bären als Käufer auf, um ihre Positionen zu schließen. Darüber hinaus läuft die Leihe nicht ewig, es müssen also ständig Leerverkäufer ihre Positionen glattstellen und Aktien kaufen.

Der hohe Short Float ist eine echte Gefahr und man kann nur jedem Anleger davon abraten, hier ebenfalls einen Leerverkauf zu tätigen. Denn kommen unverhofft gute Nachrichten und der Kurs springt an, könnte es zu einem Short-Squeeze kommen.

Charttechnischer Ausblick

Die Aktie bewegt sich übergeordnet in einem stabilen mehrjährigen Aufwärtstrend.
In den zurückliegenden Monaten ist Tesla allerdings in einer Seitwärtsphase, die den Wert wieder vom oberen zum unteren Ende des Aufwärtstrendkanals geführt hat.
Aus charttechnischer Sicht ist der Bereich zwischen 260 und 300 USD eine Kaufzone. Ausgehend von dieser Basis sind weitere Angriffe auf den Widerstand bei 360 USD wahrscheinlich. Darüber wäre Platz bis 370 und 390 USD.

20180711-tesla-die-beste-aktie-der-welt-oder-eine-geldvernichtungsmaschine-kurzfristig
20180711-tesla-die-beste-aktie-der-welt-oder-eine-geldvernichtungsmaschine-langfristig

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