United Natural Foods: So läuft es manchmal

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United Natural Foods
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Zur United Natural Foods Aktie

Erst Anlegerliebling, dann fallen gelassen und jetzt wieder zurück? Es wäre gut möglich, dass es bei United Natural Foods genau dazu kommen könnte. Startet gerade die Rallye?

Früher war alles besser

United Natural Foods ist einer der weltweit größten börsennotierten Lebensmittelgroßhändler. Seit der Übernahme im Jahr 2019 gehört auch die Supermarkt-Kette Supervalu zum Unternehmen.

Ein Großteil des Geschäfts von United Natural Foods entfällt auf natürliche Lebensmittel. Das war und ist ein Trendthema.

Darüber hinaus verzeichnete das Unternehmen nach der Finanzkrise enormes Wachstum und wurde dadurch zu einem Anlegerliebling.
Am Hoch lag die P/E bei über 30.

Als die Wachstumsraten nachließen, fiel die Aktie bei Anlegern in Ungnade, obwohl die geschäftliche Entwicklung nicht schlecht war.

Die Übernahme von Supervalu führte dann zu einem weiteren Absturz. Am Ende sank der Kurs von über 80 auf 5 USD.

Ich erzähle Ihnen diese Background-Story, damit Sie die aktuelle Entwicklung einordnen können.
Darüber hinaus ist es ein blendendes Beispiel für die Wankelmütigkeit der Börse. Was heute als heißer Tipp gehandelt wird, kann morgen schon zu einer Depotleiche werden.

Ignoriert man die Geschäftszahlen, wie es viele Anleger tun, sind derartige Katastrophen vorprogrammiert.

Wie geht es jetzt weiter?

Ausführliche Informationen zum Unternehmen und die Gründe, warum ich damals zu einem positiven Fazit gekommen bin, finden Sie hier:
United Natural Foods: Ist das der große Turnaround?

Seitdem hat sich der Kurs verdoppelt. Womöglich könnte das aber erst der Anfang sein.

Durch die Pandemie wurden die zwischenzeitlichen Fortschritte im Unternehmen überlagert. Langsam zeichnet sich allerdings ab, wie profitabel United Natural Foods perspektivisch werden könnte.
Die Integration und Reorganisation von Supervalu scheint endlich Früchte zu tragen.

In den ersten neun Monaten des seit August 2020 laufenden Geschäftsjahres konnte der Umsatz zwar nur um 2% auf 20,2 Mrd. USD gesteigert werden, das Ergebnis kletterte allerdings von -274,6 auf +245,1 Mio. USD.

In Zukunft wird alles besser

Das ist vor allem auf die gesunkene Kostenbasis, sinkende Restrukturierungsaufwendungen sowie die Reduktion von Schulden zurückzuführen.

Die Chancen stehen also recht gut, dass man in Zukunft dauerhaft und nachhaltig profitabel sein wird.  

Der größte Hemmschuh ist, wie in der zuvor verlinkten Analyse, die hohe Verschuldung.
Darüber ist man sich im Unternehmen vollkommen bewusst und glücklicherweise macht man an dieser Front ordentliche Fortschritte.

Seit Ende 2019 konnte man die langfristigen Verpflichtungen von 2,82 auf 2,31 Mrd. USD reduzieren.
United Natural hat also in sieben Quartalen mehr als 500 Mio. USD an Schulden getilgt. Das entspricht fast einem Viertel des Börsenwerts und zeigt, was das Unternehmen real verdient.

Für dieses Jahr stellt man ein Ergebnis von 3,05 – 3,55 USD je Aktie in Aussicht. Aktuell entspräche das im Mittel einer forward P/E von 11,1.

Kann man die Kostenbasis wie geplant senken und die Schulden weitgehend tilgen oder günstiger refinanzieren, könnte das mittelfristig zu einer Verdopplung des Gewinns führen.

Chart vom 10.09.2021 Kurs: 36,63 Kürzel: UNFI - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 10.09.2021 Kurs: 36,63 Kürzel: UNFI – Wochenkerzen

Das Unterstützungsband zwischen 30,00 und 33,50 USD wurde in den letzten Wochen mehrfach verteidigt.
Dieser Bereich ist für antizyklische Anleger entsprechend interessant. Ausgehend von dieser Basis könnte es jetzt zu einer Erholung in Richtung 39,50 USD kommen.

Gelingt ein nachhaltiger Anstieg über 40,00 USD, wird ein prozyklisches Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 42,50 und 49,00 USD ausgelöst.

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United Natural Foods ist einer der weltweit größten börsennotierten Lebensmittelgroßhändler und Distributoren.

Beeindruckend

Kommen wir zunächst zu United Natural Foods selbst. Der Umsatz ist in den zurückliegenden zehn Jahren von 3,37 auf 9,27 Mrd. USD gestiegen. Der Gewinn legte im selben Zeitraum von 1,13 auf 2,56 USD zu.

Das Geschäft ist seiner Natur entsprechend wenig konjunkturanfällig, nicht sehr kapitalintensiv und wurde in der Vergangenheit dementsprechend hoch bewertet. In den letzten beiden Dekaden lag die P/E meist zwischen 20 und 25.

Nach der Finanzkrise ging es mit dem Wert stets bergauf und die Stimmung der Anleger wurde von Tag zu Tag euphorischer. Die Freude war auch nicht unbegründet, denn schließlich legte der Gewinn von 2009 bis 2015 durchschnittlich um satte 14% pro Jahr zu.

Anleger waren bereit, eine immer höhere P/E zu zahlen und am Ende lag der Wert mit mehr als 30 auf ein Rekordniveau.

Es scheint geradezu ein Naturgesetz zu sein, dass die Bewertung unmittelbar vor wirtschaftlichen Problemen auf ein ganz besonders hohes Niveau steigt. Der Kreditzyklus trägt maßgeblich dazu bei.

Im Geschäftsjahr 2016 stotterte der Motor dann plötzlich. Der Gewinn sank zwar nur um 9%, doch der Aktienkurs brach von 80 auf 30 USD ein.

Supervalu

Leider sollte das aber nur der Anfang der Probleme sein, denn 2019 verleibte man sich für 2,9 Mrd. USD die kaum profitable Supermarkt-Kette Supervalu ein.
Dadurch ist der Konzernumsatz von UNFI sprunghaft auf über 25 Mrd. USD gestiegen.

Die Logik hinter der Übernahme kann man durchaus nachvollziehen. Erweiterte Kundenbasis, Möglichkeiten des Cross-Sellings, eine stärkere Position im Einkauf, eine Kombination des Vertriebsnetzes, Zusammenlegung der Verwaltung.

So zumindest die Theorie. Da man an der Börse aber ausreichend leidvolle Erfahrungen mit Übernahmen hat, wurde die Aktie abverkauft. Im Tief verlor United Natural Foods mehr als 90% an Wert.

Derzeit kommt der Konzern auf eine Unternehmensbewertung von 3,5 Mrd. USD. Kaum mehr als der Kaufpreis von Supervalu, dabei war United Natural Foods vor dem Zukauf mit mehr als 4,0 Mrd. USD bewertet.

Es ergibt sich also eine ganz erhebliche Diskrepanz und das hat natürlich seine Gründe.

Die Probleme

Es gibt vor allem drei Faktoren, die Anleger abschrecken.

Ein Großteil des Geschäfts von United Natural Foods entfällt auf natürliche Lebensmittel. Das ist ein Trendthema, was zunächst wie ein Pluspunkt wirkt.

In Wirklichkeit lohnt es sich für größere Supermarkt-Ketten aber zunehmend, Logistik und Einkauf selbst zu übernehmen und nicht durch Anbieter wie UNF durchführen zu lassen.

Das drückt in Summe auf das Geschäft und war wiederum einer der Gründe, warum man Supervalu übernommen hat.
Man wollte sich einerseits von diesem Geschäft unabhängiger machen und die eigene Ware über Supervalu vertreiben.

Der zweite Punkt sind die Schulden von Supervalu, die durch die Übernahme nun in den Büchern von United Natural liegen.
Hier hat man aber bereits Fortschritte erzielt. Der Schuldenstand wurde in den Quartalen seit der Übernahme von 3,05 auf 2,54 Mrd. USD reduziert.

Wie läuft die Integration?

Der dritte und wichtigste Faktor ist die Integration. Wie verläuft sie? Werden die gewünschten Ziele erreicht oder verbrennt man auf dem Weg dort hin Unsummen?

Im ersten Jahr nach der Übernahme musste man einen Verlust von 285 Mio. USD hinnehmen. Das war nicht überraschend, hat die Anleger aber weiter verschreckt.

Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr scheint man aber den Turnaround geschafft zu haben.
Auf einen gigantischen Verlust im ersten Quartal folgte ein kleiner Verlust im zweiten Quartal und der Sprung in die Profitabilität im dritten und vierten Quartal.

Umsatz und Gewinn entwickelten sich im Geschäftsjahr positiv und man konnte mehrere hundert Millionen USD an Schulden tilgen.
Bei einem Börsenwert von 1,04 Mrd. USD ist eine Reduzierung der Nettoschulden von 388 Mio. USD keine Kleinigkeit.

Kann man mittelfristig einen Gewinn in dieser Größenordnung einfahren, ergibt sich erhebliches Kurspotenzial.

Ausblick und aktuelle Lage

Am vorigen Abend wurden die Zahlen zum vierten Quartal vorgelegt.

Der Gewinn lag mit 1,06 je Aktie weit über den Erwartungen von 0,72 USD. Der Umsatz übertraf mit 6,75 Mrd. die Analystenschätzungen von 6,60 Mrd. USD ebenfalls.

Auf Jahressicht hat sich der Gewinn in Q4 verdreifacht, der Umsatz legte auf vergleichbarer Basis um 8,0% zu.

Im neuen Geschäftsjahr erwartet man ein leichtes Umsatzwachstum und einen Gewinnsprung um 21% auf 3,30 USD je Aktie.

Auf dieser Basis kommt United Natural Foods auf eine forward P/E von 5,6. Kann man die Schulden mit dem Tempo der letzten Monate weiter abbauen, dürfte das Vertrauen der Anleger zurückkehren. Dann wäre eine wesentlich höhere Bewertung möglich.
Anleger sollten sich aber auch über die genannten Probleme im Klaren sein.

Chart

Noch ist die Kuh aus Sicht der Bullen nicht vom Eis, es gibt aber mehrere Handlungsansätze.

Für prozyklische Anleger würde sich ein Einstieg im Falle eines Ausbruchs über 20 USD anbieten.
Dann wäre der Abwärtstrend überwunden und der Weg in Richtung 23 USD frei.

Antizyklische Anleger könnten sich nahe 17 und 15 USD auf die Lauer legen.

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Chart vom 29.09.2020 Kurs: 18,52 Kürzel: UNFI - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 29.09.2020 Kurs: 18,52 Kürzel: UNFI – Tageskerzen