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Fair Isaac Aktie Prognose Fair Isaac: Zwischen Hype, Absturz und 90 % Marktanteil

News: Aktuelle Analyse der Fair Isaac Aktie

In diesem Artikel
Fair Isaac
ISIN: US3032501047
|
Ticker: FICO --- %

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Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral
Zur Fair Isaac Aktie

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

Erst Panik, dann Euphorie, dann wieder Panik. Die Börse läuft in Zyklen, und wer das versteht, könnte daraus einen Vorteil ziehen. Fair Isaac ist ein Beispiel dafür und gleichzeitig ein Unternehmen, bei dem sich genauer hinzuschauen lohnen könnte.

Das Rückgrat der US-Kreditwirtschaft

Fair Isaac ist faktisch das Rückgrat der amerikanischen Kreditwirtschaft. Nahezu jede Kreditentscheidung in den USA basiert auf einem FICO Score. Das Unternehmen vergibt selbst keine Kredite und trägt auch kein Ausfallrisiko – es liefert lediglich den Algorithmus, der die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers in eine einzige Zahl übersetzt.

Diese Zahl, der sogenannte FICO Score, ist der Standard für das gesamte US-Kreditvergabesystem. Fair Isaac hat im Kreditscoring-Bereich einen Marktanteil von 90 % (Supermoney – FICO’s Monopoly Cracks).

Die eigentlichen Rohdaten wie Zahlungshistorie, Schuldenstand und Kontoeröffnungen liegen bei den drei großen Auskunfteien Experian, Equifax und TransUnion. Diese Auskunfteien nutzen den FICO-Algorithmus, um daraus Scores zu berechnen, und verkaufen das Ergebnis an Banken und andere Kreditgeber. Fair Isaac kassiert für jede Abfrage eine Lizenzgebühr – es spielt keine Rolle, ob am Ende auch wirklich ein Kredit vergeben wird.

Fair Isaac ist an jedem Kreditgeschäft beteiligt, ohne selbst Risiken einzugehen. Egal welche Bank den Kredit vergibt, egal ob er zurückgezahlt wird, egal welche Auskunftei sich am Ende durchsetzt – die Lizenzgebühr fließt.

Dementsprechend ist der Kapitalbedarf minimal und die Margen sind außergewöhnlich hoch. Zuletzt lag die operative Marge knapp unter 50 %.

Preiserhöhungen ohne Widerstand

Für die Kunden, meist Banken, sind die Kosten pro Abfrage im Verhältnis zum gesamten Kreditvergabeprozess vernachlässigbar. Und weil der Aufwand eines Anbieterwechsels diesen Betrag bei weitem übersteigt, denkt niemand ernsthaft über Alternativen nach. Das schafft Spielraum für Preiserhöhungen, den Fair Isaac in den vergangenen Jahren konsequent genutzt hat.
Teilweise wurden die Preise verdoppelt, beispielsweise bei Scorings für Hypotheken.

Hinzu kommt, dass das Scoring-Geschäft strukturell inflationsgeschützt ist. Steigen die Preise in der Volkswirtschaft, wächst das Kreditvolumen und mit ihm die Zahl der Abfragen. Fair Isaac profitiert auf beiden Ebenen.

Die zweite Säule des Unternehmens ist das Softwaregeschäft. Hier verkauft Fair Isaac Plattformlösungen für Betrugserkennung, Kreditvergabeprozesse, Kundenmanagement und regulatorische Compliance. Banken nutzen diese Systeme, um schneller und präziser zu entscheiden.

Skaleneffekte schlagen durch

All das schlägt sich in entsprechenden Zahlen nieder. In den letzten fünf Jahren konnte der Umsatz von 1,32 auf 1,99 Mrd. USD erheblich gesteigert werden.
Gleichzeitig hat sich die Profitabilität verbessert und die Zahl der Aktien wurde von 29 auf 24 Millionen Stück erheblich reduziert.

Im Gegenzug hat sich das Ergebnis von 13,07 auf 29,88 USD je Aktie mehr als verdoppelt.

Zeitweise hat das zu einem regelrechten Hype um die Aktie geführt. Am Hoch lag die blended P/E knapp unter 100.
Durch den Kurssturz der letzten Monate und dadurch, dass der Gewinn gleichzeitig stark gestiegen ist, ist die P/E auf etwa 27 gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit 2021.

Der eine oder andere langjährige Leser wird sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich die Aktie damals bei etwa 400 USD empfohlen hatte. Interessanterweise waren die Argumente der Bären damals dieselben wie heute:
Das System von FICO sei veraltet, zu teuer, ungerecht und würde zukünftig von KI zerstört.

Sollten die Bären wieder falsch liegen, ist die Aktie vermutlich unterbewertet. Die bisherige geschäftliche Entwicklung ist jedenfalls beeindruckend. Eine Disruption ist nicht erkennbar.

Ausblick und Bewertung

Der Gewinn lag im letzten Quartal mit 7,33 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 6,95 USD. Mit einem Umsatz von 512 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 498 Mio. USD ebenfalls übertroffen.

Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 16 % und einem Gewinnsprung von 27 %.
Das Wachstum wurde vor allem durch das Scoring-Segment getragen. Gleichzeitig sind die Kosten kaum gestiegen, was zu einem überproportionalen Gewinnsprung geführt hat.
Die Zahl der Aktien ist auf Jahressicht von 24,83 auf 23,96 Millionen Stück gesunken.

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr (6/2026) wurde bestätigt. Fair Isaac stellt nach wie vor einen Umsatz von 2,35 Mrd. USD und einen Gewinnsprung von 29,88 auf 38,17 USD je Aktie in Aussicht.

Fair Isaac kommt demnach auf eine forward P/E von 26,3. Sollte der Gewinn im nächsten Geschäftsjahr, das bereits im Juli beginnt, wie erwartet auf 52 USD je Aktie steigen, würde die P/E dadurch auf unter 20 sinken.

Im langjährigen Durchschnitt lag die P/E bei 40 und am absoluten Tief des letzten Jahrzehnts bei 22.

Am 28. April wird Fair Issac die Zahlen zum zweiten Quartal vorlegen.

Fair Isaac Aktie: Chart vom 27.04.2026, Kurs: 1.004 USD – Kürzel: FICO | Online Broker LYNX
Fair Isaac Aktie: Chart vom 27.04.2026, Kurs: 1.004 USD – Kürzel: FICO | Quelle: TWS

Derzeit läuft ein Bodenbildungsversuch. Gelingt anschließend ein Anstieg über 1.110 USD, könnte das eine Erholung in Richtung 1.190 oder 1.300 USD ermöglichen. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal.

Fällt die Aktie hingegen per Wochenschluss unter 916 USD, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.04.2026 um 11:17 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Mehr als 13.000 Investoren & Trader folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants.

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Vorherige Analysen der Fair Isaac Aktie

25.02.2026

Fair Isaac: Es ist immer dasselbe — Tobias Krieg

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.02.2026 um 13:02 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Erst Panik, dann Euphorie, dann wieder Panik. Und mittendrin ein Unternehmen, das scheinbar unbeeindruckt weiterliefert.

Das ist heute wichtiger denn je

Rückblickend ist es immer wieder erschreckend, wie schnell die Zeit verfliegt und erstaunlich, was zwischenzeitlich an der Börse geschehen ist.
Als ich Ende 2021 zwei Analysen zu Fair Isaac geschrieben habe, konnte keiner ahnen, was danach passieren würde.

Der Kurs legte innerhalb weniger Jahre von etwa 400 auf 2.400 USD zu. Was mich aber eigentlich auf den Plan gerufen hat, war ein Kursalarm bei knapp über 1.200 USD, denn inzwischen hat sich der Kurs wieder halbiert.

Fair Isaac Aktie: Chart vom 25.02.2026, Kurs: 1.228 USD – Kürzel: FICO | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Fair Isaac Aktie: Chart vom 25.02.2026, Kurs: 1.228 USD – Kürzel: FICO | Quelle: TWS

Besonders interessant finde ich jedoch, dass das Feedback und das allgemeine Sentiment bezüglich Fair Isaac damals sehr negativ war. Daraus lässt sich sehr viel lernen.

Tatsächlich ist die damalige Situation für die heutige Zeit höchst relevant. Einer der damaligen Kommentare unter meiner (positiven) Analyse zu Fair Isaac lautete wie folgt:
„Disruption. Unternehmen wie Upstart könnten das Geschäftsmodell von Fair Isaac überflüssig machen. Das gesamte System, auf dem die Kreditentscheidungen von Fair Isaac beruhen, ist völlig veraltet. Moderne KI basierte Kreditentscheidungen sind die Zukunft.“

Vielleicht lassen sich daraus Rückschlüsse auf die aktuelle Lage ziehen. Vielleicht, aber nur vielleicht, ist die Panik im Software-Sektor übertrieben. Und vielleicht wird sich am Ende herausstellen, dass die Disruption ausbleibt.

Warum es ganz anders gekommen ist

Der Kurs von Fair Isaac ist seit der damaligen Analyse um 300 % gestiegen und Upstart um etwa 90 % gefallen.
Wichtiger als die Kursentwicklung ist jedoch die geschäftliche Entwicklung.

Fair Isaac (FICO) wurde nicht disruptiert. Der Umsatz konnte seit 2021 von 1,30 auf 1,99 Mrd. USD gesteigert werden.
Gleichzeitig hat sich die Profitabilität drastisch verbessert. Die operative Marge kletterte von etwa 26 auf 47 %. Gleichzeitig wurde die Zahl der ausstehenden Aktien von 29 auf 24 Millionen Stück reduziert.

In Summe führte das zu einer regelrechten Explosion des Ergebnisses, von 13,07 auf 29,88 USD je Aktie.
Fico konnte den Gewinn in jedem einzelnen Geschäftsjahr im zweistelligen Prozentbereich steigern. Das dürfte auch in diesem Geschäftsjahr wieder der Fall sein, auch wenn die Kursentwicklung eine ganz andere Lage suggeriert.

Das Rückgrat der US-Kreditwirtschaft

Bevor wir uns jedoch der aktuellen Lage widmen, müssen wir zuerst verstehen, wie Fair Isaac überhaupt Geld verdient.

Das Unternehmen ist faktisch das Rückgrat der amerikanischen Kreditwirtschaft. Nahezu alle Kreditentscheidungen in den USA basieren auf den Scores von Fair Isaac.
Das Unternehmen entscheidet nicht selbst über Kredite, liefert aber die sogenannten FICO Scores.

Das Geschäftsmodell ist ebenso simpel wie stark. FICO besitzt den Algorithmus hinter dem Score, aber nicht die zugrunde liegenden Daten. Die Daten liegen bei Auskunfteien wie Experian, Equifax und TransUnion.
Sie nutzen den FICO-Algorithmus, um mit ihren Daten FICO Scores zu erstellen und verkaufen sie dann an Kreditgeber, also meistens Banken. Fair Isaac selbst kassiert Lizenzgebühren für jede Nutzung des Algorithmus.

Dieses Modell hat eine ganze Reihe entscheidender Vorteile. Der Kapitalbedarf von Fair Isaac ist minimal, schließlich stellt das Unternehmen nur ein mathematisches Modell zur Verfügung.
Den Großteil der Arbeit übernehmen die Auskunfteien und das Risiko tragen die Kreditgeber.

Das geniale Lizenzmodell

Fair Isaac verdient hingegen überall mit. Egal welche Bank einen Kredit vergibt und unabhängig davon, ob er auch zurückbezahlt wird. Es spielt auch keine Rolle, welche der drei Auskunfteien sich durchsetzt.

Gleichzeitig sind die Kosten pro Anfrage bei Fair Isaac im Verhältnis zum gesamten Kreditvergabeprozess verschwindend gering. Die großen Auskunfteien dürften pro Anfrage nur wenige Cent zahlen – der genaue Betrag ist Geschäftsgeheimnis.

Für Banken ist der Score essenziell, vor allem, um einen standardisierten Kreditprüfungsprozess zu ermöglichen.

Das bedeutet, dass es auch für niemanden einen Grund gibt, sich nach Alternativen umzuschauen und irgendetwas zu ändern. Es lohnt sich schlichtweg nicht. Gleichzeitig schafft das Spielraum für Preiserhöhungen durch Fair Isaac.

Wer etwas darüber nachdenkt, wird auch feststellen, dass das Scoring-Geschäft weitgehend inflationsgeschützt ist. Steigen die Preise, steigt auch das Kreditvolumen.

Mehr als nur Scoring

Doch FICO ist mehr als nur ein Score-Anbieter. Die zweite große Säule ist das Softwaregeschäft. Hier verkauft Fair Isaac Lösungen für Betrugserkennung, Kreditvergabeprozesse, Kundenmanagement und regulatorische Compliance. Banken nutzen diese Plattformen, um Entscheidungen schneller und präziser zu treffen.
Der rote Faden bleibt derselbe: bessere Entscheidungen durch Daten und Analytik. Dieses Geschäft ist inzwischen weitgehend als wiederkehrendes Cloud-Abomodell organisiert.
Im letzten Quartal hat Fair Isaac im Scoring-Segment einen Umsatz von 304,5 Mio. USD erzielt. In den Bereichen Software und Professional Services lag der Umsatz bei 188,2 Mio. USD.

Vielleicht kommt ihnen das bekannt vor

In Summe lag der Umsatz bei 512,0 Mio. USD. Die Gewinnspannen sind hoch, das operative Ergebnis lag bei 234,0 Mio. USD und der Konzerngewinn bei 158,4 Mio. USD.

Der Gewinn lag in Q1 mit 7,33 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 6,95 USD. Mit einem Umsatz von 512 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 498 Mio. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 16 % und einem Gewinnsprung um 27 % (non-GAAP).

Fico stellt für das laufende Geschäftsjahr einen Anstieg der Umsätze von 1,99 auf 2,35 Mrd. USD und einen Gewinnsprung von 29,88 auf 38,17 USD je Aktie in Aussicht.

Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis sogar um 39 % auf 41,50 USD je Aktie steigen. Fair Isaac kommt demnach auf eine forward P/E von 29,6. Langjährig pendelt die P/E um einen Wert von 40.

Vielleicht fragen Sie sich, warum der Kurs in Anbetracht dieser Nachrichtenlage abgestürzt ist. Aber wenn Sie ehrlich sind, kennen Sie die Antwort bereits:
„Disruption. Unternehmen wie Upstart könnten das Geschäftsmodell von Fair Isaac überflüssig machen. Das gesamte System, auf dem die Kreditentscheidungen von Fair Isaac beruhen, ist völlig veraltet. Moderne KI basierte Kreditentscheidungen sind die Zukunft.“

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.