Erst Panik, dann Euphorie, dann wieder Panik. Die Börse läuft in Zyklen, und wer das versteht, könnte daraus einen Vorteil ziehen. Fair Isaac ist ein Beispiel dafür und gleichzeitig ein Unternehmen, bei dem sich genauer hinzuschauen lohnen könnte.
Das Rückgrat der US-Kreditwirtschaft
Fair Isaac ist faktisch das Rückgrat der amerikanischen Kreditwirtschaft. Nahezu jede Kreditentscheidung in den USA basiert auf einem FICO Score. Das Unternehmen vergibt selbst keine Kredite und trägt auch kein Ausfallrisiko – es liefert lediglich den Algorithmus, der die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers in eine einzige Zahl übersetzt.
Diese Zahl, der sogenannte FICO Score, ist der Standard für das gesamte US-Kreditvergabesystem. Fair Isaac hat im Kreditscoring-Bereich einen Marktanteil von 90 % (Supermoney – FICO’s Monopoly Cracks).
Die eigentlichen Rohdaten wie Zahlungshistorie, Schuldenstand und Kontoeröffnungen liegen bei den drei großen Auskunfteien Experian, Equifax und TransUnion. Diese Auskunfteien nutzen den FICO-Algorithmus, um daraus Scores zu berechnen, und verkaufen das Ergebnis an Banken und andere Kreditgeber. Fair Isaac kassiert für jede Abfrage eine Lizenzgebühr – es spielt keine Rolle, ob am Ende auch wirklich ein Kredit vergeben wird.
Fair Isaac ist an jedem Kreditgeschäft beteiligt, ohne selbst Risiken einzugehen. Egal welche Bank den Kredit vergibt, egal ob er zurückgezahlt wird, egal welche Auskunftei sich am Ende durchsetzt – die Lizenzgebühr fließt.
Dementsprechend ist der Kapitalbedarf minimal und die Margen sind außergewöhnlich hoch. Zuletzt lag die operative Marge knapp unter 50 %.
Preiserhöhungen ohne Widerstand
Für die Kunden, meist Banken, sind die Kosten pro Abfrage im Verhältnis zum gesamten Kreditvergabeprozess vernachlässigbar. Und weil der Aufwand eines Anbieterwechsels diesen Betrag bei weitem übersteigt, denkt niemand ernsthaft über Alternativen nach. Das schafft Spielraum für Preiserhöhungen, den Fair Isaac in den vergangenen Jahren konsequent genutzt hat.
Teilweise wurden die Preise verdoppelt, beispielsweise bei Scorings für Hypotheken.
Hinzu kommt, dass das Scoring-Geschäft strukturell inflationsgeschützt ist. Steigen die Preise in der Volkswirtschaft, wächst das Kreditvolumen und mit ihm die Zahl der Abfragen. Fair Isaac profitiert auf beiden Ebenen.
Die zweite Säule des Unternehmens ist das Softwaregeschäft. Hier verkauft Fair Isaac Plattformlösungen für Betrugserkennung, Kreditvergabeprozesse, Kundenmanagement und regulatorische Compliance. Banken nutzen diese Systeme, um schneller und präziser zu entscheiden.
Skaleneffekte schlagen durch
All das schlägt sich in entsprechenden Zahlen nieder. In den letzten fünf Jahren konnte der Umsatz von 1,32 auf 1,99 Mrd. USD erheblich gesteigert werden.
Gleichzeitig hat sich die Profitabilität verbessert und die Zahl der Aktien wurde von 29 auf 24 Millionen Stück erheblich reduziert.
Im Gegenzug hat sich das Ergebnis von 13,07 auf 29,88 USD je Aktie mehr als verdoppelt.
Zeitweise hat das zu einem regelrechten Hype um die Aktie geführt. Am Hoch lag die blended P/E knapp unter 100.
Durch den Kurssturz der letzten Monate und dadurch, dass der Gewinn gleichzeitig stark gestiegen ist, ist die P/E auf etwa 27 gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit 2021.
Der eine oder andere langjährige Leser wird sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich die Aktie damals bei etwa 400 USD empfohlen hatte. Interessanterweise waren die Argumente der Bären damals dieselben wie heute:
Das System von FICO sei veraltet, zu teuer, ungerecht und würde zukünftig von KI zerstört.
Sollten die Bären wieder falsch liegen, ist die Aktie vermutlich unterbewertet. Die bisherige geschäftliche Entwicklung ist jedenfalls beeindruckend. Eine Disruption ist nicht erkennbar.
Ausblick und Bewertung
Der Gewinn lag im letzten Quartal mit 7,33 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 6,95 USD. Mit einem Umsatz von 512 Mio. USD wurden die Analystenschätzungen von 498 Mio. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 16 % und einem Gewinnsprung von 27 %.
Das Wachstum wurde vor allem durch das Scoring-Segment getragen. Gleichzeitig sind die Kosten kaum gestiegen, was zu einem überproportionalen Gewinnsprung geführt hat.
Die Zahl der Aktien ist auf Jahressicht von 24,83 auf 23,96 Millionen Stück gesunken.
Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr (6/2026) wurde bestätigt. Fair Isaac stellt nach wie vor einen Umsatz von 2,35 Mrd. USD und einen Gewinnsprung von 29,88 auf 38,17 USD je Aktie in Aussicht.
Fair Isaac kommt demnach auf eine forward P/E von 26,3. Sollte der Gewinn im nächsten Geschäftsjahr, das bereits im Juli beginnt, wie erwartet auf 52 USD je Aktie steigen, würde die P/E dadurch auf unter 20 sinken.
Im langjährigen Durchschnitt lag die P/E bei 40 und am absoluten Tief des letzten Jahrzehnts bei 22.
Am 28. April wird Fair Issac die Zahlen zum zweiten Quartal vorlegen.

Derzeit läuft ein Bodenbildungsversuch. Gelingt anschließend ein Anstieg über 1.110 USD, könnte das eine Erholung in Richtung 1.190 oder 1.300 USD ermöglichen. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal.
Fällt die Aktie hingegen per Wochenschluss unter 916 USD, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.
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