Technische Analyse – Trendwende- und Konsolidierungsformationen

Lassen Sie Charts für sich arbeiten! – Teil 2: Die wichtigsten Chartmuster in Trends

Nachdem wir uns im ersten Teil unserer Artikelserie zur Technischen Analyse mit der Grundausstattung beschäftigt hatten, gehen wir im zweiten Teil einen Schritt ins Detail. Sie kennen bereits Trends und ihre Bedeutung und kennen sich mit Widerständen und Unterstützungen aus. Damit kommt man schon ganz weit. Aber es gibt Situationen, in denen sich ein Kurs sehr weit von seiner Trendlinie entfernt hat und/oder wichtige Widerstände und Unterstützungen nicht in der Nähe liegen, z.B. im Zuge einer extrem starken Auf- oder Abwärtsbewegung, die sich auf Rekordhochs oder Rekordtiefs abspielt. Dann ist es hilfreich, weitere „Tools“ zur Hand zu haben, mit denen sich erkennen ließe, ob ein Trend Bestand hat oder ob sich womöglich eine Wende vollzieht und die kommenden Gewinne damit auf der Gegenseite warten. Welche Tools sind nützlich?

Die sogenannten Chartformationen. Die Technische Analyse unterscheidet dabei zwei große Gruppen, die der Konsolidierungsformationen und der Trendwendeformationen. Hinzu kommt noch eine Art Grauzone mit Dreiecken und Keilen, diese Formationen gehören aber nicht zwingend zu einer der beiden Gruppen. Aber auch die sehen wir uns im Folgenden an.

Wichtig ist zu erkennen, dass diese Formationen nicht einfach zufällig entstehen. Sie haben einen nachvollziehbaren Hintergrund, erzählen sozusagen eine „Story“ dessen, was die Marktteilnehmer tun und denken. Diese Hintergründe liefern wir Ihnen natürlich ebenfalls. Fangen wir mit den Konsolidierungsformationen an:

Konsolidierungsformationen: Flaggen, Wimpel und Rechtecke

Konsolidierungsformationen sind sogenannte „Pausen“ innerhalb eines Trends. Wie alle Formationen, die wir Ihnen heute vorstellen, können sie in Auf- oder Abwärtstrends gleichermaßen auftauchen. In Abwärtstrends ist dann nur alles auf den Kopf gestellt, so würde die als erstes im Chart abgebildete Flagge nicht nach unten weisen, sondern in einem Abwärtstrend nach oben.

Flagge

Eine Flagge ist eine Art „Miniatur-Abwärtstrendkanal“ nach einem Aufwärtsimpuls. Basis dessen: Die Anleger nehmen Gewinne mit. Dass die Hochs dabei täglich ein bisschen niedriger liegen und die Tiefs per Saldo ebenso tiefer, deutet an, dass die Akteure nicht recht sicher sind, ob da nach oben noch allzu viel drin ist. Aber wenn das Grundargument, weshalb die Anleger bei dem entsprechenden Wert (hier die Relation Euro/US-Dollar) einsteigen, weiter passt, wird eine solche Flagge vom Kurs dann doch nach oben verlassen. Damit wird der vorbestehende Trend bestätigt – und die, die vorher Gewinne mitgenommen haben, steigen meist umgehend wieder ein, was den Kursanstieg wieder belebt. Je nachdem, ob die Basis der Flagge ein kurzfristiger, mittelfristiger oder langfristiger Trend ist, können diese Flaggen eine zeitliche Ausdehnung zwischen zwei Wochen und, wie im Beispielfall, bis zu zwei Monaten haben.

Im folgenden Chart sehen wir einen sogenannten Wimpel bei der Evotec-Aktie. Auch hier wird ein Trend kurzzeitig durch Gewinnmitnahmen unterbrochen, wobei zwar die Tiefs niedriger liegen, die Hochs aber innerhalb des Wimpels höher. Da ist also grundsätzlich ein wenig mehr Zuversicht dabei. Auch Wimpel werden in der Mehrzahl der Fälle in Richtung des vorher bestehenden Trends verlassen. Dauer: eine bis vier Wochen. Aber Vorsicht:

Wimpel

Das eben erwähnte „in der Mehrzahl der Fälle“ sollte klarmachen: Das ist nicht immer so. Deshalb kann man solche Konsolidierungsformationen zwar als Basis verwenden, um in Trendrichtung bestehende Positionen aufzustocken, aber erst, wenn diese Formationen auch wirklich in Trendrichtung verlassen wurden! Fangen Sie nicht an zu früh zu spekulieren.

Rechteck

Der dritte im Bunde ist das Rechteck. Ein Mini-Seitwärtstrend nach einem Trendimpuls. Hintergrund: Der Kurs ist zwar gestiegen (oder im Zuge eines Abwärtstrends gefallen), aber dann wissen die Marktteilnehmer nicht so recht, ob sie weiter einsteigen sollen. Der Kurs (hier die Allianz-Aktie) beginnt seitwärts zu laufen, einige verkaufen, andere steigen etwas tiefer ein, aber nichts geht wirklich voran. Man wartet auf neue Impulse. Wenn die dann kommen und ein solches Rechteck nach oben verlassen wird (im Abwärtstrend vice versa also nach unten), wird der vorherige Trendimpuls dadurch bestätigt, der Kurs kann seine vorherige Richtung also fortsetzen.

Dreiecks-Formationen und Keile

Hier begeben wir uns jetzt in die „Grauzone“, bevor wir uns die echten Trendwendeformationen ansehen. Dreiecke und Keile tauchen in jeder möglichen Ausprägung auf: Gleichschenklige Dreiecke, auf- oder absteigende Dreiecke, nach rechts statt nach links offene Dreiecke und Keilformationen von flach bis spitz. Bis auf das nach rechts offene Dreieck, das wir gleich gesondert betrachten, haben alle eine Aussage:

Es spitzt sich etwas zu – im wahrsten Sinne des Wortes, d.h. man kann daran erkennen, dass sich eine Trendentscheidung anbahnt. Das kann die Bestätigung des vorbestehenden Trends sein, aber es kann auch zu einer Trendwende kommen. Bei diesen Formationen ist das offener als bei konsolidierungs- oder Trendwendeformationen, deswegen sitzen sie auch zwischen den Stühlen der beiden Gruppen. Als erstes sehen wir hier ein Dreieck, und zwar ein absteigendes bei Gold:

Dreieck

Dreiecke sind zwar in ihrer Ausbruchsrichtung offen, aber allen ist gemein, dass die Handelsspanne, die zwischen der oberen und unteren Begrenzung liegt, sich sukzessive verkleinert, so dass eine Trendentscheidung fallen muss – spätestens, wenn sich diese beiden Linien berühren. Wenn eine der Linien so wie in diesem Beispiel einen stärkeren Neigungswinkel aufweist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Richtung dieser Linie sich am Ende als zukünftige Trendrichtung durchsetzt, größer. Denn wir sehen dadurch, dass die Akteure bei jedem Zwischenhoch immer ein wenig früher verkaufen und/oder Short gehen, was einen unterschwellig dominierenden Pessimismus erkennen lässt. Bei einem ansteigenden Dreieck hätte die untere Linie den stärkeren Neigungswinkel, hier kaufen die Akteure also immer ein wenig früher wieder, die Ausbruchsrichtung hat dann eine höhere Chance, nach oben zu weisen.

Der nächste Chart zeigt eine Keilformation. Hier dominiert eine Richtung, in diesem Fall die nach oben, weil beide Seiten des Dreiecks nach oben weisen. Das muss keineswegs zwingend einen Ausbruch nach oben nach sich ziehen, daher muss man auch hier abwarten, bis der Keil wirklich verlassen wurde, bevor man bei einem aufsteigenden Keil über den Einstieg oder den Zukauf entscheidet – aber die besseren Chancen hat die Ausbruchsrichtung, in die der Keil weist.

Keil

Zuletzt haben wir hier ein nach rechts offenes Dreieck, eine sogenannte Trompeten-„ oder „Megaphon“-Formation. Diese Formation tritt nicht allzu oft auf – aber gerade haben wir so etwas beim im Chart dargestellten DAX erlebt. Hier gibt es keine favorisierte Ausbruchsrichtung, was sich aus der Entstehung der „Trompete“ schon ergibt. Denn hier liegen die Hochs jeweils immer höher, die Tiefs immer tiefer als die vorherigen. Was bedeutet: Die Volatilität nimmt immer mehr zu. Das lässt auf einen immensen Trendimpuls schließen, wenn die „Trompete“ verlassen wird.

Trompeten- oder Megaphon-Formation

Die Trailing Stop-Order: Gewinne sichern, Verluste begrenzen.

Die Trailing-Stop Verkaufsorder ist eine abgewandelte Stop-Order. Hierbei wird der Stop-Preis in einem festgelegten Folgeabstand (Trailing-Wert) an den Kurs gekoppelt. Wenn dieser Wert steigt und somit der Abstand größer als der Trailing-Wert ist, wird der Stop-Preis nach oben angepasst.

Trendwendeformationen: Doppeltopp, SKS-Formation, V-Formation, Rounding Bottom

Jetzt kommen wir zu den vier Typen von Formationen, mit denen sich eine Trendwende recht frühzeitig und zugleich auch recht zuverlässig identifizieren lässt. Werden diese Formationen vollendet, ist es daher angeraten, Positionen, die man noch in die „falsche“ Richtung hält, zu schließen und im Anschluss in Ausbruchsrichtung zu investieren. Fangen wir mit dem Klassiker“ an, dem Doppeltief bzw. dem Doppeltopp.

Wir sehen hier als Beispiel einen ganz besonderen Fall. Denn mit diesem Doppeltief wurde beim Nasdaq 100-Index Anfang 2009 die Baisse 2008/2009 beendet:

Doppeltief

Die „Story“ dahinter ist logisch – und gerade deswegen sind Doppeltiefs als Basis einer Trendwende nach oben so zuverlässig (und Doppeltopps, also auf den Kopf gestellte Doppeltiefs, als Basis einer Trendwende nach unten). Eine längere Abwärtsbewegung mündet in eine Gegenbewegung – das erste Tief ist entstanden. Das heißt noch gar nichts, dieses Tief könnte im Zuge der nächsten Verkaufswelle unterboten werden. Und nachdem die Gegenbewegung (die in diesem Fall, wenn man genau hinsieht, in sich wiederum ein Doppeltopp war, was eigentlich nichts Gutes verhieß) endete, ging es in der Tat schnell wieder an das vorherige Tief. Aber da setzten plötzlich Käufe ein. Es wurde effektiv verhindert, dass der Index diese Linie durchbricht. Das ließ die Zuversicht zurückkehren, weitere Akteure begannen zu kaufen … und als erst einmal das Zwischenhoch überwunden war, das zwischen den beiden Tiefs lag, die sogenannte „Nackenlinie“, war die Formation damit vollendet und löste weitere Käufe aus.

Die nächste Formation hat eine ähnliche Story, ist etwas komplexer, dafür aber gemeinhin noch zuverlässiger: Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation, kurz SKS-Formation:

Schulter-Kopf-Schulter Formation / SKS-Formation

Diese Formation gibt es auch als Trendwendeformation nach oben, dann auf den Kopf gestellt und folgerichtig als „umgekehrte SKS-Formation“ bezeichnet. Hier, bei der Tesla-Aktie, sehen wir aber die abwärts gerichtete Variante.

Einem ersten Zwischenhoch folgt ein höheres Zwischenhoch, noch ist da alles hinsichtlich des Aufwärtstrends in Ordnung. Aber die Korrektur nach diesem höheren Hoch führt nicht zu einem höheren Zwischentief als zwischen den beiden Hochs, das ist ein Warnsignal. Trotzdem rappeln sich die Käufer noch einmal auf, der Kurs steigt wieder. Aber er kommt nicht mehr an das vorherige Hoch heran, oft gelingt es nicht einmal, so wie hier auch, das Niveau des ersten Hochs zu erreichen. So entsteht dieses Bild, das aussieht wie in Kopf mit zwei Schultern. Die Dominanz ist den Bullen aus der Hand geglitten … und wenn die Linie, die die beiden Tiefs zwischen den drei Hochs verbindet, gebrochen wird – die Nackenlinie – ist die Formation vollendet.

Kurzer Einschub: Wir sehen beim Kursbild von Tesla, dass der Kurs nach dem Bruch der Nackenlinie noch einmal an diese heranlief, dann aber erst recht fiel. Das ist der vergebliche Versuch, die befürchteten Verkäufe noch zu verhindern, indem man die Nackenlinie zurückerobert. Misslingt das, fällt die Aktie von dort erneut, dies nennt sich „Pullback“ – und bestätigt eine solche Formation, was auch für das vorgenannte Doppeltief/Doppeltopp gilt.

V-Formation

Weiter geht es mit der V-Formation, hier wieder der Chart der Tesla-Aktie. Sie ist schwieriger zu traden, denn hier haben wir nichts anderes als einen dynamischen Abwärtsimpuls, der schlagartig in einen ebenso dynamischen Aufwärtsimpuls übergeht. Das sieht dann im Chart wie ein „V“ aus. Hier kann man am besten reagieren, wenn man eine den Abwärtsimpuls begleitende Abwärtstrendlinie hat. Wird diese überwunden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man es mit einer V-Formation zu tun hat. Besser wäre noch, zusätzlich markttechnische Indikatoren und gleitende Durchschnitte als zusätzliche Bestätigung abzufordern, das sind Tools, mit denen wir uns in den kommenden Teilen der Serie befassen werden.

Wir schließen den zweiten Teil unserer Artikelserie zur Technischen Analyse mit der „gemütlichsten“ Trendwendeformation, der Untertasse (oder im Fall einer Wende nach unten einem „Topfdeckel“), oft auch mit der englischen Bezeichnung „Rounding Bottom“ bzw. „Rounding Top“ geführt:

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Rounding Bottom (Untertasse)

Sie sehen hier, dass die Verkäufe der Ströer-Aktie, um die es sich bei diesem Chart handelt, aus einer Abwärtsbewegung heraus immer mehr an Dynamik verlieren. Die Verkäufer schlafen förmlich ein, ohne dass sich im Gegenzug ein Aufwärtstrend etablieren könnte. Im vorliegenden Fall sehen wir das sogar in zwei Größenordnungen, haben also eine Untertasse auf mittelfristiger und auf langfristiger Ebene. Die Zwischenhochs dieser langsamen, gemächlichen Bodenbildung stellen die Nackenlinie der Formation dar, deren Überwinden vollendet die Untertasse und bildet in den meisten Fällen eine solide Basis einer Trendwende nach oben. Nur, wenn diese Nackenlinie danach nennenswert unterboten würde, würde sich die Untertasse als Fehlsignal entpuppen.

In unserem nächsten Artikel unserer Artikelserie zur Technischen Analyse geht es mit den wichtigsten markttechnischen Indikatoren weiter.

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Artikelserie: Die Technische Analyse – Lassen Sie Charts für sich arbeiten!

  1. Trends, Widerstände und Unterstützungen: Das Fundament jeder Analyse
  2. Trendwende- und Konsolidierungsformationen: Die wichtigsten Chartmuster in Trends
  3. Markttechnik: Mit diesen Indikatoren sind Sie komplett ausgerüstet
  4. Absicherung: Stoppkurse richtig setzen
  5. Candlestick-Charts: Was diese Charts alles können
Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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