selling on good news – was steckt dahinter?

Viele Anleger kennen dieses Szenario: Man hatte richtig gelegen, die erhofften guten Nachrichten wurden Realität. Doch statt einer Kursrallye sieht man sich auf einmal rapide fallenden Kursen gegenüber. Und das bei positiven Nachrichten. Sind denn auf einmal alle verrückt geworden? Verstehen die anderen Akteure nicht, dass da gerade perfekt bullische Impulse geliefert wurden? Durchaus nicht, auch, wenn es so scheint.

Dem Phänomen, dass Kurse fallen, obwohl sie auf den ersten Blick eigentlich steigen müssten, begegnen wir oft. Man nennt das „selling on good news“. Wir erklären Ihnen in diesem Beitrag, was dahinter steckt. Dahinter ebenso wie hinter dem Spiegelbild dieses Phänomens, dem „buying on bad news“.

Entscheidende Basis für „selling on good news“: die allgemeine Erwartungshaltung

Das Bemerkenswerte an beiden Phänomenen ist, dass sie nur auf den ersten Blick absurd wirken. Wenn man sich genauer anschaut, wie so etwas zustande kommt, ist es nämlich logisch. Denn eines fällt auf, wenn es dazu kommt, dass Kurse auf gute Nachrichten hin ins Trudeln geraten:

„Selling on good news“ tritt nur auf, wenn die Mehrheit der Marktteilnehmer diese guten Nachrichten erwartet hat.

Und je intensiver die Erwartungshaltung im Vorfeld ausgeprägt war, desto größer ist das Risiko, dass die Kurse fallen statt zu steigen, wenn diese „good news“ dann auf dem Tisch liegen. Aber wie geht das vor sich, wo genau liegt das Problem? Dazu muss man sich nur daran erinnern, dass womöglich viele genau so denken wie man selbst. Denn gerade das übersehen viele Marktteilnehmer nämlich oft.

Gerade dann, wenn viele denken, sie wären clever, indem sie im Vorfeld eines positiven Ereignisses „billig“ einkaufen, bevor die anderen einsteigen, sehen sie sich auf einmal genau dann fallenden Kursen gegenüber, wenn sie eigentlich in eine Rallye hinein phantastische Gewinne einstreichen wollten. Sehen wir uns dieses Phänomen an zwei Beispielen an. Dabei zeigt das erste das „selling on good news“ mit einer ganz unmittelbaren Wirkung, das zweite zeigt eine verzögerte Reaktion dieser Art, die dann aber meist umso heftiger ausfällt.

Ein typischer Tummelplatz für „selling on good news“: Quartalsbilanzen

Oft treten diese völlig unerwarteten Verkäufe nach der Veröffentlichung von Quartalsbilanzen auf. Ein schönes Beispiel hierfür ist die Aktie des US-Online-Reisebüros Expedia. Sehen Sie sich den Chart an:

Expedia meldete am Abend des 7. Februar 2019 nach US-Börsenschluss seine Quartalsbilanz. Und die war sehr gut ausgefallen. Der Umsatz lag leicht, der Gewinn deutlich über der durchschnittlichen Schätzung der Analysten. Dementsprechend startete die Aktie den darauffolgenden Handelstag durch, legte ein Aufwärts-Gap (Kurslücke) von über fünf Prozent hin. Aber dann ging die Sache schief: Sofort nach diesem Start im Plus setzten Verkäufe ein. Und am Ende des ersten Tages war die Hälfte der schönen, anfänglichen Gewinne dahin. Am Folgetag schloss die Aktie sogar bereits tiefer als unmittelbar vor der starken Quartalsbilanz. Aber wieso?

Die Ursache findet sich in der Phase vor der Veröffentlichung der Zahlen. Sie sehen, dass Expedia im Vorfeld der Bilanzzahlen mehrere Wochen lang gestiegen war. Das lässt vermuten, dass viele Anleger die Aktie im Vorfeld der Bilanzdaten gekauft hatten, weil sie darauf setzten, dass diese Ergebnisse sehr gut ausfallen. Und natürlich hofften sie auch, dass auf die guten Zahlen hin viele andere Akteure auf den Zug aufspringen und die Aktie damit höher treiben. Das klingt clever, ist es aber dann nicht, wenn zu viele auf genau diese Idee kommen. Denn:

Wenn zu viele im Vorfeld eines Ereignisses darauf setzen, dass dieses Ereignis positiv ausfällt, stehen denen, die im Fall des Eintretens dieser Hoffnung auf steigende Kurse warten, um Gewinne mitzunehmen, zu wenige gegenüber, die noch einsteigen wollen. Einfach, weil viel zu viele schon vorher gekauft haben!

Also warteten diejenigen, die dachten, sie wären besonders clever, indem sie bereits vorher einsteigen, vergebens auf Käufer. Was passierte? Man wurde unruhig. Wieso kauft da keiner, dachten sich viele. Und stiegen aus, weil sie ja, wenn sie zeitig vorher eingestiegen sind, immer noch einen Gewinn mitnehmen konnten. Und fangen die ersten an, ziehen andere mit – und schon sehen wir „selling on good news“. Das heißt:

Die Verkäufe treten nicht auf, weil die Nachrichten nicht gut genug sind. Sie treten auf, weil dem Markt die Käufer ausgegangen sind, weil zu viele bereits vorher gekauft haben!

Wenn große Ereignisse zu lange angekündigt werden, wird es brandgefährlich!

Besonders intensiv ist das Phänomen des „selling on good news“ dann, wenn es sich nicht um Daten zu Einzelaktien handelt, sondern ein gesamter Markt betroffen ist. Da kann es um Rohstoffe oder Währungen gehen … oder um den Aktienmarkt insgesamt. So, wie vor einigen Jahren beim DAX. Der folgende Chart des DAX erzählt die Story eines besonders extremen Falls von „selling on good news“.

Dafür blicken wir zurück in das Jahr 2014. Es war für den DAX bis zum Herbst kein gutes Jahr gewesen. Das Wachstum kam nach der Eurokrise einfach nicht in Schwung. Und es schien, dass die Stützungskäufe der Europäischen Zentralbank am Anleihemarkt nicht allzu viel Effekt zeitigen. Doch dann avisierte die EZB im Oktober 2014, dass man erwägen würde, diese Anleihekäufe auch auf Staatsanleihen auszuweiten. Das zündete ein wahres Feuerwerk an Käufen. Die Anleger hofften, ja waren sich sicher, dass diese Maßnahme die Wachstumsprobleme lösen würde.

Der DAX schoss umgehend höher. Alle wollten bereits „unten“ gekauft haben, wenn die EZB ihre Ankündigung umsetzen und das neu belebte Wachstum daraufhin den Aktienmarkt zur Kursrakete machen würde. Doch die EZB ließ sich Zeit. Die Maßnahme wurde zunächst noch einmal avisiert, dann erst faktisch beschlossen, terminiert und startete erst ein halbes Jahr später im März 2015. Und das führte zu einer fatalen Entwicklung, zu „selling on good news“ im immens großen Stil.

Denn dieses permanente Avisieren des Ereignisses führte dazu, dass im Vorfeld wirklich nahezu jeder, der auf den Effekt dieser Ausweitung der Anleihekäufe auf Eurozone-Staatsanleihen setzen wollte, bereits eingestiegen war. Als es dann im März soweit war, folgte noch ein kleiner, letzter Aufwärtsschub, der aber im Vergleich zum Anstieg im Vorfeld klein ausfiel. Da erkannten die Akteure, dass zu viele im Vorfeld ins Boot eingestiegen waren und sahen zu, aus dem Kahn herauszukommen, bevor er sinken würde. Und genau das löste letztlich aus, dass er wirklich sank. Anfang 2016 war der DAX fast wieder an dem Punkt angekommen, an dem diese „EZB-Rallye“ im Herbst 2014 begonnen hatte. Und genau dieses Beispiel gehört zu denen, die einige Investoren in diesem Frühjahr 2019 nervös machen, denn:

Wird der China-Deal zum Bumerang?

Seit sich Donald Trump und Xin Jinping Anfang Dezember beim G20-Gipfel in Argentinien trafen, wetten vor allem die US-Anleger auf einen immensen Aufwärtsimpuls, der dann eintreten soll, wenn dieser Handelskonflikt beendet ist. Aber der Chart zeigt:

Die Kurse der US-Indizes, hier der marktbreite Standard & Poor’s 500-Index, steigen immer weiter und weiter. Und der „Deal“ lässt, Stand Anfang Mai 2019, immer noch auf sich warten. Eigentlich gab es einen Termin zum 1. März. Der wurde dann gestrichen, aber es bleibt dabei, dass die US-Regierung alle paar Tage mitteilt, dass die Gespräche gut verlaufen und ein „Deal“ ganz nahe sei.

Immer wieder steigen die Anleger daraufhin aufs Neue ein. Werden noch genug Marktteilnehmer da sein, um die Kurse höher zu tragen, wenn der Deal wirklich kommt? Dieser Zeitpunkt wird zu einer immens spannenden Situation, zu der man Long-Trades sorgsam abgesichert haben sollte.

Und was ist mit dem Gegenteil des „selling on good news“, dem „buying on bad news“?

„Buying on bad news“: Wenn zu viele mit dem Schlimmsten rechnen

Hier sind es nicht die Bullen, sondern die Bären, die eine böse Überraschung erleben. Wenn viele davon ausgehen, dass ein negatives Ereignis eintritt und deshalb im Vorfeld durch Leerverkäufe darauf wetten, dass der Kurs einbrechen wird, wenn diese „bad news“ auf dem Tisch liegen, kann dieser Schuss gewaltig nach hinten losgehen, wenn zu viele so handeln. Das passiert, wenn z.B. eine Quartalsbilanz nur „schlecht wie erwartet“ ausfällt und nicht noch so viel schwächer ist als im Vorfeld vermutet, dass tatsächlich neuer Verkaufsdruck aufkommt. Ein typisches Beispiel dafür ist die Zalando-Aktie:

Da kam es Ende Februar zu einem gewaltigen Kurssprung, obwohl die da vorgelegte Bilanz des vierten Quartals 2018 nur „im Rahmen der Erwartungen“ ausfiel. Und ja, die waren schlecht gewesen. Aber zu viele hatten im Vorfeld darauf gesetzt, dass Zalando selbst diese gesenkten Erwartungen nicht würde erfüllen können. Was daran erkennbar ist, dass die Aktie seit Anfang Januar nicht vom Fleck kam, während der Aktienmarkt insgesamt seit der Jahreswende stetig und kräftig zulegte.

Die Bären wurden auf dem falschen Fuß erwischt: Angesichts dieser nur „nicht schlimmer als avisiert“ ausgefallenen Quartalsbilanz blieben weitere Abgaben und Leerverkäufe aus. Diejenigen, die Zalando in den Tagen und Wochen zuvor leer verkauft hatten, sahen sich einer in die falsche Richtung sausenden Aktie gegenüber und mussten ihre Leerverkaufspositionen eindecken, sprich die Aktie kaufen, um sich neutral zu stellen. Sie sehen:

Achten Sie auf die Vorzeichen

Ob „selling on good news“ oder „buying on bad news“, diese Phänomene treten immer dann auf, wenn zu viele Marktteilnehmer im Vorfeld eines Ereignisses darauf wetten, dass die Kurse auf etwas reagieren, das man aber allgemein bereits erwartet, sprich auf gute Nachrichten oder, bei „buying on bad news“, auf schlechte Nachrichten. Dann gehen dem Markt leicht die Käufer bzw. bei den „bad news“ die Verkäufer aus. Die Erwartung erfüllt sich nicht, sondern wird zum Bumerang.

Es lohnt sich daher, darauf zu achten, ob sich eine solche Entwicklung abzeichnet, so, wie es derzeit an der Wall Street mit Blick auf den „Deal“ mit China der Fall ist. Wenn ein ums andere Mal im Vorfeld eines Ereignisses gekauft wird, ist immer das Risiko von „selling on good news“ im Busch. Es muss in diesem Fall nicht zwingend dazu kommen. Aber die Möglichkeit ist groß genug, um da besonders vorsichtig zu sein!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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