Gewinnoptimierungs-Strategie Pyramidisieren

So optimieren erfahrene, disziplinierte Trader ihre Gewinne

Gewinne in prozentual drei- oder sogar vierstelliger Höhe zu erzielen klingt nach Stammtischlegenden oder dem gezielten Wecken von Begehrlichkeiten wenig erfahrener Anleger durch Abzocker. Aber es gibt Trader, die solche Erfolge tatsächlich erreichen. Und das nicht nur zufällig, weil sie bei einer gewaltigen Kursbewegung zufällig auf der richtigen Seite investiert waren. Sie erreichen diese Gewinne gezielt. Aber es sind nicht viele, denen das gelingt.

Nicht, weil es der großen Mehrheit der Trader am nötigen Glück fehlen würde. Im Gegenteil, Glück spielt dabei gar keine Rolle, wir wissen ja ohnehin: Das Börsenglück ist wankelmütig, zieht schnell weiter. Nein, dass es sich hier um einen handverlesenen Kreis von Tradern handelt, liegt daran, dass, wer solche Gewinne erzielen will, absolut besonnen und emotionslos agieren muss, egal, wie wild die Kurse um einen herum toben und zu unbedachten Entscheidungen verführen. Diese besonderen Trader verstehen sich auf die Kunst des Pyramidisierens.

Eine Technik, die eiserne Disziplin erfordert und eine Gelassenheit, die man nur durch Erfahrung und den nötigen inneren Abstand zum Geschehen erlangt. Dass diese Eigenschaften erlernbar sind, ist unstrittig. Aber dass das nicht gerade einfach ist, würde ein Anleger, der bereits einige Jahre Erfahrung hat, ebenso wenig anzweifeln. Aber eben darauf kommt es an: Disziplin. Denn die Technik an sich ist, wie wir Ihnen in diesem Artikel aufzeigen möchten, gar nicht so schwierig:

Pyramidisieren ist kein Hexenwerk

Der  Begriff „Pyramidisieren“ wurde wahrscheinlich von der US-Börsenlegende Jesse Livermore (1877 – 1940) geprägt, der diese Technik in seinem berühmten Buch „Reminiscences of a Stock Operator“ erklärte, das 1923 erschien. Es geht darum, in „funktionierende“ Trades hinein sukzessiv mehr zu investieren, die Position also immer weiter auszubauen. Ein Beispiel:

Man startet einen Long-Trade mit einem Kapitaleinsatz von 1.000 Euro. Entwickelt er sich in die erwartete Richtung, kauft man hinzu, erhöht z.B. den Kapitaleinsatz um weitere 500 Euro. Wächst der Gewinn noch weiter an, wird wieder um 500 Euro zugekauft. Der Effekt:

Hätte man bei einem Kursanstieg um 20 Prozent nur einmalig 1.000 Euro investiert, hätte man dann einen Gewinn von 200 Euro erzielt.

Wer indes bei +5 und bei +10 Prozent erneut jeweils 500 Euro investiert hätte, hätte die 200 Euro des Basisinvestments sowie einmal 75 und einmal 50 Euro zusätzlich verdient, insgesamt also 325 Euro.

Das klingt vom Prinzip her simpel und ist es auch. Was die Sache zu einer Strategie der Könner macht, ist die disziplinierte Umsetzung. Wir sehen uns das mal an einer Beispiel-Aktie an: Amazon.

Wie man die Strategie des Pyramidisierens praktisch umsetzt: Der Einstieg

Hinweis: Diese Strategie lässt sich Long ebenso wie Short und in allen Märkten einsetzen, überall dort, wo man einen dynamischen Trend vorfindet. Sie kann ebenfalls für alle Zeitraster angewendet werden. Wer in kürzeren Zeitrastern als der Tagesbasis, z.B. auf 15-Minuten- oder Stundenbasis agieren und dabei pyramidisieren möchte, kann dadurch noch deutlich höhere Gewinne erreichen … sollte aber ein ganz außerordentlich erfahrener Trader sein. Man sollte die Kunst des Pyramidisierens zunächst einmal auf der Tagesbasis üben!

Wir sehen im folgenden Chart den Kursverlauf der amazon.com Aktie über ein Jahr auf Tagesbasis. Der übergeordnete Trend weist nach oben, damit ist schon mal klar: Wenn, agieren wir hier auf der Long-Seite. Und wie geht es los?

Was wir vorab brauchen, ist ein Plan. Das muss so laufen wie bei einer Koch- oder Heimwerkersendung: Alles, was der Trader an Entscheidungen zu fällen hat, muss vorab, bevor auch nur eine einzige Amazon-Aktie, ein Amazon Long-Zertifikat, ein CFD, Optionsschein oder eine Call-Option ins Depot wandert, glasklar geklärt sein. Als da wäre:

  1. Was muss geschehen, damit ich die Position pyramidisiere, sprich aufstocke?
  2. Woran orientierte ich meine Absicherung, sprich den Stoppkurs oder den Stop Loss?

Unterstellen wir, es wäre Januar 2018. Wir sehen uns die Situation an und stellen fest: Die Amazon-Aktie hat Ende Oktober 2017 einen kräftigen Satz nach oben gemacht, diesen Anstieg danach konsolidiert und gerade ein neues Hoch markiert. Am 5. Januar schloss die Aktie bei 1.229 US-Dollar: Wir steigen mit zehn Aktien ein.

Spätestens jetzt muss der „Fahrplan“ stehen. Wobei das Pyramidisieren zwei Wege kennt:

  1. Das Aufstocken einer Position mit jedem neuen Hoch respektive des Überwindens eines vorherigen Zwischenhochs (New High-Strategie) oder
  2. Der Ausbau der Position nach erfolgreichem Test desjenigen Orientierungspunkts, an den man seinen Stoppkurs gebunden hat (Setback-Strategie).

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Die New High-Strategie

Wenn man die Strategie des Zukaufs nach dem Erreichen eines neuen Hochs wählt, muss man fast zwangsläufig die Stoppkurs-Strategie so wählen, dass man den Stopp unter das letzte, gerade überwundene Hoch nachzieht. Ansonsten liefe man Gefahr, dass eine schnell steigende Aktie zu weit vom Stopp entfernt liegt. Was dann selbstredend immer für die gesamte Position gilt, nicht nur für den Teil, den man gerade zugekauft hat.

Wichtig dabei ist: Tendenziell wählt man seine Stopps bei einer Strategie auf Tages- oder Wochenbasis auf Schlusskursbasis. Und man zieht die Stopps nicht zwischenzeitig nach. Erst, wenn ein erneuter Zukauf erfolgt ist, wandert der Stopp knapp unter das letzte Hoch,  nie vorher!

Wir vergrößern jetzt unser Chartbild der Aktie, um die damalige Entwicklung besser sehen zu können und sehen uns einmal an, wie das gelaufen wäre. Wie vorab erwähnt: Wir starten am 5. Januar zum Handelsende mit zehn Aktien zu 1.229 US-Dollar als Basisposition, Stoppkurs jeweils auf Schlusskursbasis knapp unter dem letzten Hoch.

Wir sehen hier, dass man, hätte man nach Ausbildung eines Zwischenhochs immer bei dessen Überwinden zugekauft, folgende Zukauflevels gehabt hätte:

Einstieg am 5.1.         10 Stück         1.229 USD     Stopp 1.200 USD

Zukauf 1 am 23.1.      5 Stück           1.362 USD     Stopp 1.305 USD

Zukauf 2 am 23.2.      5 Stück           1.500 USD     Stopp 1.470 USD

Zukauf 3 am 6.3.        5 Stück           1.537 USD     Stopp 1.510 USD

Am 23.3. schloss die Amazon-Aktie mit 1.495 US-Dollar unter dem auf zuletzt 1.510 US-Dollar angehobenen Stoppkurs – wir verkaufen die 25 Aktien zum Schlusskurs.

Ziehen wir Bilanz, was das Pyramidisieren mit der New High-Strategie gebracht hat:

Hätten wir einfach nur zehn Aktien gekauft und am 23.3. verkauft, hätten wir einen Gewinn von 10x 1.495 – 1.229 USD gemacht = 2.660 US-Dollar.

Durch das Pyramidisieren rechnet sich der Gewinn wie folgt:

Käufe von 10x 1.229 (12.290 USD), 5x 1.362 (6.810 USD), 5x 1.500 (7.500 USD) und 5x 1.537 USD (7.685 USD) macht in der Summe 25 Aktien zu einem Gesamtpreis von 34.285 USD.

Der Verkauf der 25 Aktien zu 1.495 US-Dollar ergibt einen Erlös von 37.375 US-Dollar und damit einen Gewinn von 3.090 US-Dollar. Sie sehen:

Die New-High-Strategie hat einen Vorteil gegenüber einem einzigen Kauf gebracht. Sehen wir uns dieselbe Aktie mit der anderen Strategie, der Setback-Strategie, an:

Die Setback-Strategie

Diese Strategie erlaubt den Zukauf dann, wenn der Kurs den Level getestet und verteidigt hat, an den man seinen Stoppkurs gebunden hatte. Das erfordert, sich vorab zu überlegen, welche Basis man für den Stoppkurs wählt.

In unserem Fall der Amazon-Aktie würde sich die im Chart dick hervorgehobene 50-Tage-Linie anbieten. Sie ist hier in Europa ein weniger wichtiger gleitender Durchschnitt, wird in den USA aber äußerst stark beachtet. Die im Chart eingezeichnete Aufwärtstrendlinie käme hingegen nicht infrage … denn am 5. Januar, als wir den ersten Kauf vorgenommen haben, gab es die ja noch gar nicht. Also, sehen wir uns das mit der Setback-Strategie mal an:

Einstieg am 5.1.         10 Stück         1.229 USD

Zukauf am 9.2.           5 Stück           1.340 USD

Der Stoppkurs ist die 50 Tage-Linie und damit immer mit dem Trend in Bewegung – das ist ein Vorteil gegenüber der New High-Strategie.

Das Pyramidisieren der Position erfolgte, nachdem die Basis des Stoppkurses, die 50-Tage-Linie, am 9.2. erfolgreich getestet wurde. Das hätte man, wäre es dann nicht zum Ausstieg gekommen, immer wieder erneut durchgeführt.

In unserem Fall wurde am 28.3. zu 1.431 US-Dollar verkauft, an diesem Tag wurde diese 50-Tage-Linie auf Schlusskursbasis gebrochen. Die Bilanz:

Mit einem einmaligen Kauf von zehn Aktien hätte man (10x 1.431 – 1.229 USD) 2.020 US-Dollar Gewinn erzielt.

Mit der Setback-Strategie wurden für 15 Aktien 18.990 US-Dollar aufgewendet (10x 1.229 = 12.290 USD und 5x 1.340 USD = 6.700 USD) und durch den Verkauf bei 1.431 US-Dollar 21.465 US-Dollar erlöst, das macht einen Gewinn von 2.475 US-Dollar.

Hier hätte sich die Strategie also ebenso ausgezahlt. Der Vorteil der Setback-Strategie: Bei dieser Vorgehensweise kauft man klar unterhalb des letzten Hochs, nahe am Stoppkurs, der darüber hinaus, ob man dazu nun eine Trendlinie wählt oder einen gleitenden Durchschnitt, immer mit dem Kurs mitläuft, sich also automatisch selbst nachzieht.

Höhere Chancen … aber auch ein höheres Risiko?

Gerade im Futures- oder CFD-Handel ist das Pyramidisieren eine Option für erfahrene Akteure, denn dort werden Gewinne laufender Positionen ja gutgeschrieben, so dass Sie diese Gewinne auch einsetzen können, um weitere Positionen zu kaufen. Sie brauchen also, solange diese Strategie weiter in den Gewinn läuft, kein neues Kapital dafür aufzuwenden. Gerade dort ist der Reiz, so vorzugehen, also hoch. Aber:

Damit steigt auch das Risiko. Entweder dadurch, dass immer mehr Kapital im Spiel ist und somit auch die Summe, die bis zum Erreichen des Stoppkurses verloren ginge, größer wird. Oder aber man läuft eher Gefahr, in volatilen Märkten unglücklich ausgestoppt zu werden, weil man den Stoppkurs immer enger ziehen muss, um die insgesamt als maximaler Verlust vorab festgelegte Summe nicht zu erhöhen.

Wer also mit den „Gutschriften“ beim Derivate-Trading pyramidisiert, muss sich ganz genau überlegen, wie er da vorgeht und ggf. die Zukäufe auch dann einstellen, wenn der Trend und die Strategie diese noch erlauben würden, falls man dadurch gezwungen würde, einen zu engen Stoppkurs zu wählen. Als Trading-Toll und nicht als Strategie für Investments ist das Pyramidisieren also nur etwas für alte Hasen mit Nerven wie Stahlseile.

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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