Anleihen Vergleich: Die besten Anleihen und Anleihen ETFs 2019

Anleihen: Sichere Anlageform zur Depot-Optimierung

Börsenaltmeister André Kostolany formulierte einst: „Wer gut essen will, kauft Aktien; wer gut schlafen will, kauft Anleihen.“ Denn Anleihen gelten allgemein als relativ sichere Kapitalanlage und werden häufig empfohlen, um das Risiko eines Anlageportfolios zu verringern. Kursschwankungen fallen in der Regel erheblich moderater aus als bei Aktien. Deshalb werden Anleihen, insbesondere Staatsanleihen oft auch als „sicherer Hafen“ (Englisch: „save haven“) bezeichnet. In den letzten Jahren ist an den Kapitalmärkten jedoch einiges anders als üblich: Viele Anleihen sind fast im selben Tempo gestiegen wie die Aktien großer Konzerne. Daher kann man durchaus von einem „Anleihen-Hype“ sprechen. Wir durchleuchten für Sie den Anleihen-Handel für Privatanleger und untersuchen, was es dabei zu beachten gilt.

„Staatsanleihen-Boom“: 100jährige Österreich-Anleihe mit Kursverdopplung

Den „Vogel abgeschossen“ hat eine von Österreich im Jahr 2017 emittierte 100jährige Anleihe mit Kupon von 2,15%. Die Anleihe im Volumen von 6 Mrd. Euro verdoppelte sich bis Mitte 2019 im Kurs und notierte in der Spitze bei 210% des Nominalwerts. Aktuell notiert das Methusalem-Papier bei knapp 190% mit einer Rendite von 0,62% p.a..

Egal von welcher Seite man es betrachtet, „langweilige Anleihen“ waren zuletzt tatsächlich eine sehr lohnenswerte Anlagealternative oder -ergänzung. Deshalb möchten wir Ihnen heute einen Einblick in den Anleihen-Handel geben und der Frage nachgehen, ob Sie mit Anleihen weiterhin Rendite erzielen können und wie Sie Ihr Depot gegebenenfalls mit festverzinslichen Wertpapieren ausbalancieren können. Doch schauen wir uns zunächst an was eine Anleihe ist, wie Sie funktioniert und welche Anleihearten es gibt.

Was ist eine Anleihe?

Als Anleihen (auch: Obligation, Bond, Renten, Schuldverschreibung) werden verzinsliche Schuldverschreibungen mit einer bestimmten Laufzeit bezeichnet. Sie dienen Unternehmen, Organisationen und staatlichen Institutionen (den Emittenten oder Anleihe-Schuldnern) zur Finanzierung von Investitionen, Projekten oder zur Mittelbeschaffung bei sonstigem Geldbedarf. Der Gesamtbetrag einer Schuldverschreibung ist dabei in Einzelanteile von mindestens 100 Euro gestückelt, die den am Ende der Laufzeit zur Tilgung fälligen Nominal- oder Nennwert darstellen.

Was ist der Unterschied zwischen Aktien und Anleihen?

Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Mit dem Erwerb wird ein Anleger zum Aktionär und ist als Mitinhaber am Eigenkapital des Unternehmens beteiligt. Eine Anleihe hingegen repräsentiert Fremdkapital. Ähnlich wie bei einem Bankkredit leihen Anleger (Anleihe-Gläubiger) einem Unternehmen dabei bis zum vereinbarten Tilgungstermin Geld gegen Zinszahlungen. Die Zinsen werden in der Regel während der Laufzeit regelmäßig (meist jährlich) vom Schuldner an den Gläubiger bezahlt.

Das Kurs- bzw. Gewinnpotenzial von festverzinslichen Anleihen ist gegenüber Aktien erheblich beschränkt, aber ein Anleihen-Eigner kann dafür in der Regel mit festen Zinseinnahmen kalkulieren. Ein weiterer Vorteil gegenüber Aktien: Im Falle einer Insolvenz werden zunächst alle Fremdkapitalschulden wie Anleihen bedient, bevor ein möglicher Rest auf die Eigenkapital-Anteile (Aktien) aufgeteilt wird. Erfahrungsgemäß gehen die Aktionäre im Falle einer Pleite meist leer aus, während Anleihe-Gläubiger oft zumindest mit einer teilweisen Rückzahlung rechnen können. Im Gegensatz zu Aktien, die in der jeweiligen Währung z.B. EUR oder USD notieren, werden die meisten Anleihen in Prozent des jeweiligen Nominalwerts dargestellt. Ein Kurs von 101,70 bedeutet also, dass die Anleihe einen Kurswert von 101,70% des Nominalwerts aufweist.

Verzinsung von Anleihen: Kupon, Rendite und Stückzinsen

Was ist der Kupon einer Anleihe?

Abgesehen von Ausnahmen wie Nullkuponanleihen (siehe Arten von Anleihen) werden Anleihen in der Regel einmal jährlich verzinst. Früher trugen Anleihen dazu in Papierform auf einem Bogen sogenannte Kupons (auch „Zinsscheine“ oder „Zinskupons“), die den Zinsanspruch des Wertpapierinhabers begründeten. Abgetrennt berechtigten die Kupons jährlich zur Einlösung des Zinses. Die Bezeichnung Kupon hat sich bis heute gehalten, obwohl die Abwicklung heute rein elektronisch erfolgt. In den meisten Fällen ist der Kupon ein fixer Zinssatz auf den Nominalwert einer Anleihe. Der Kupon wird vom Emittenten so gewählt, dass er in Relation zum Marktzins, der Laufzeit und der Bonität des Anleiheschuldners attraktiv genug ist, um die Anleihe platzieren zu können. Neben festverzinslichen Anleihen gibt es daneben auch Anleihen mit variablem Kupon (siehe Arten von Anleihen).

Vereinfachtes Beispiel einer Anleihe:

Laufzeit: 3 Jahre; Kupon: 2%; Investition: 1.000 EUR; Summe aller Auszahlungen (Erträge) 1.060 EUR;

JahrVorgangBetragSaldo
0Kauf Anleihe-1000 EUR- 1.000 EUR
1Zinszahlung+20 EUR-980 EUR
2Zinszahlung+20 EUR-960 EUR
3Zinszahlung+20 EUR-940 EUR
3Tilgung+1000 EUR+60 EUR

Was bestimmt den Kurs und die Rendite einer Anleihe?

Der Kupon ist in seiner Höhe an den Nominalwert der Anleihe gebunden und steht bei festverzinslichen Anleihen somit von vornherein fest. Der Kupon ist daher nicht zu verwechseln mit der sich verändernden Rendite der Anleihe, die sich aus dem Verhältnis des fixen Kupons zum aktuellen Kurswert der Anleihe errechnet. Verschlechtert sich die Bonität des Schuldners oder steigt das allgemeine Zinsniveau (der Marktzins) deutlich an, so verlieren Anleihen in der Regel deutlich an Wert, so dass der Kurswert dann oft unterhalb des Nominalwerts notiert. Im umgekehrten Fall, bei einer Verbesserung der Bonität oder bei einem fallenden Zinsniveau steigt der Kurswert einer Anleihe und kann dann auch über dem Nennwert notieren. Kursveränderungen bewirken, dass sich die Anleihen-Rendite aufgrund der festgelegten Kuponhöhe entsprechend verändert. Fällt die Anleihe im Kurs, so steigt die Rendite und umgekehrt.

Was versteht man unter Stückzinsen?

War ein Anleger während des gesamten Zinszeitraums Inhaber einer Anleihe, so stehen ihm die Zinsen vollständig zu. Hat er die Anleihe jedoch erst während des Zinszeitraums erworben, so sind die Zinsen zeitanteilig zwischen Verkäufer und Käufer aufzuteilen. Da aber nur der Inhaber der Anleihe am Zinstermin den Zins für den gesamten Zeitraum erhält, muss er dem Verkäufer dessen Zinsanteile vom Beginn des Zinstermins bis zum Erwerbszeitpunkt zuzüglich zum Kurswert der Anleihe gleich mitbezahlen. Diese anteiligen Zinsen, die bei jeder Anleihen-Transaktion automatisch mit abgerechnet werden, nennt man Stückzinsen.

Geschichte der Anleihen

Als Vorläufer der heutigen Staatsanleihen gelten mittelalterliche Kriegsanleihen (italienisch: „Prestiti“) die erstmals in Venedig und Florenz dokumentiert wurden. In Venedig nahm beispielsweise der Doge Vitale Michiel II. im Jahre 1156 einen Kredit von seinen venezianischen Bürgern zu 4% auf – die erste Frühform der Staatsanleihe. Im späten 12. Jahrhundert gab es dann bereits Inhaber-Schuldscheine im englischen Binnenhandel, die als Vorläufer der modernen Schuldverschreibungen galten. Sogenannte „Rentenbriefe“ (Französisch: brevets de rente) dienten vielen Städten und Herrschaftsgebieten des Mittelalters zur Finanzierung ihrer Schulden.

Obligationen und Schuldverschreibungen setzten sich im Verlauf des Mittelalters aber auch immer mehr zur (Vor)Finanzierung von Handelsgeschäften (z.B. Seehandel) oder Kriegen durch. Für militärische Zwecke wurden den Bürgern sogar „Zwangsanleihen“ aufgebürdet, die in der Regel jedoch nicht zurückgezahlt wurden und damit eher einer Zusatzsteuer glichen. Doch auch sonst gab es viele Zahlungsausfälle bei den Frühformen der Anleihen, nicht nur bei Kriegsniederlagen. Besonders schlecht war die Zahlungsmoral dann, wenn dem Schuldner z.B. aufgrund einer starken Machtposition gegenüber dem Gläubiger keine ernsten Konsequenzen drohten.

Anleihen-Handel an der Frankfurter Börse seit dem Jahr 1830

Bereits ab Anfang des 17. Jahrhunderts wurde an der Börse in Antwerpen Anleihen-Handel betrieben. Die Einführung in Deutschland erfolgte jedoch erst zwei Jahrhunderte später, als im Jahr 1830 auf dem Frankfurter Börsenparkett erstmals Anleihen gehandelt wurden. Im Jahr 1854 notierten an der Frankfurter Börse dann unter anderem bereits 81 Eisenbahnobligationen und 30 US-Bundes- bzw. -Staatenanleihen. Vor allem in den Gründerjahren ab 1860 wurden Unternehmensanleihen ein immer beliebteres Finanzierungsinstrument, das vornehmlich über die Börse platziert wurde. Die nach dem zweiten Weltkrieg immer stärker steigenden Staatsverschuldungen führten mehr und mehr zu einer Dominanz der Staatsanleihen am Rentenmarkt.

Anleihen Vergleich: Arten von Anleihen

Anleihen können beispielsweise nach Emittenten, Laufzeit, Risikoklasse, Verzinsung oder besonderen Rechten unterschieden werden. Als Emittenten kommt beispielsweise der Staat (Staatsanleihen oder Government Bonds), eine Kommune (Kommunalanleihen), ein Unternehmen (Unternehmensanleihen), eine Bank (Bankanleihen) oder auch ein Profi-Fußballverein in Frage. Bei der Laufzeit unterteilen sich Anleihen in kurzfristige mit einer Laufzeit von bis zu 4 Jahren, mittelfristige mit bis zu 8 Jahren Laufzeit und in Schuldverschreibungen mit längeren Laufzeiten unterschieden.

Klassifizierung nach der Bonität von Anleihen

Auch das Ausfallrisiko, dass sich nach der Bonität des Emittenten richtet ist ein Unterscheidungskriterium für Anleihearten. Ratingagenturen wie Standard & Poor’s, Moody`s oder Fitch bewerten die Qualität von Anleihen, um den Käufern eine Klassifizierung des Risikos zu ermöglichen. Dabei reicht das Spektrum von erstklassigen „Investment Grade“ Papieren mit sehr geringer Ausfallwahrscheinlichkeit bis zu Schrott-Anleihen (Junk Bonds) mit extrem hohem Verlustrisiko, dem „Speculative Grade“. Diese werden von mit einer Bewertung unterhalb des sog. Investment-Grades (niedriger als „BBB“ bzw. „Baa3“) bewertet. Bei sehr spekulativen notleidenden Anleihen konkursgefährdeter Emittenten kann es zu Komplett- oder Teilausfällen kommen. Letztere werden bei Zustimmung der Anleihegläubiger „Haircuts“ genannt, alternativ oder zusätzlich werden oft auch Laufzeitverlängerungen und/oder niedrigere Zinsen vereinbart.

Die nachfolgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die Symbole der Ratingagenturen Standard & Poor’s, Fitch und Moody’s:

Standard & Poor`s / FitchMoody`sErläuterungEinteilung
AAAAaahöchste Qualität, nahezu kein bzw. minimales AusfallrisikoInvestment Grade = Anlagewürdig
AA+Aa1hohe Qualität; geringes Ausfallrisiko
AAAa2
AA-Aa3
A+A1mittlere bis hohe Qualität; sichere Anlage sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder Branche beeinträchtigen
AA2
A-A3
BBB+Baa1durchschnittliche Qualität und moderates Kreditausfallrisiko, vor allem bei einer Eintrübung der wirtschaftlichen Aussichten ist aber mit Problemem zu rechnen
BBBBaa2
BBB-Baa3
BB+Ba1spekulative Anlage mit erheblichem Kreditausfallrisiko, geringe Deckung von Zins und Tilgung Speculative Grade = Hochriskant
BBBa2
BB-Ba3
B+B1
BB2Hochspekulative Anlage, bei Verschlechterung der Lage sind Ausfälle wahrscheinlich
B-B3
CCC+Caa1Extrem spekulative Anlage, nur bei günstiger Entwicklung sind keine Ausfälle zu erwarten
CCC+Caa2
CCC-Caa3
CCCaMoody`s: Zahlungsstörungen liegen vor S&P /Fitch: Hohe Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls aber noch nicht in Zahlungsverzug
C
SD / RDCMoody`s: In Zahlungsverzug
DS&P /Fitch: Teilweiser, Begrenzter oder vollständiger Zahlungsausfall (Default)

Besicherte Anleihen: Asset Backed Securities und Pfandbriefe

Werden für Anleihen Sicherheiten in Form von Vermögenswerten (meist Forderungen) hinterlegt, so spricht man von Asset Backed Securities (ABS). Pfandbriefe hingegen sind Anleihen die mit Grundstücken oder grundstücksgleichen Rechten (Hypothekenpfandbriefe) besichert sind.

Verzinsung von Anleihen: Festverzinsliche Anleihen, Floating Rate Notes und Zerobonds

Betrachtet man zur Einteilung von Anleihen deren Verzinsung, so wird unterschieden zwischen der mit Abstand häufigsten Form der festverzinslichen Anleihen und variabel verzinslichen Papieren. Bei diesen sogenannten Floating Rate Notes (FRNs oder „Floater“) richtet sich die Verzinsung nach einem aktuellen Marktzins wie z.B. dem Euribor. In der Regel wird darauf noch ein festgelegter Aufschlag bezahlt, der sich nach der Bonität des Emittenten und der Laufzeit richtet.

Daneben gibt es noch nicht verzinsliche Nullkuponanleihen oder Zerobonds. Bei Zerobonds erwerben die Käufer die Anleihe vom Emittenten in der Regel deutlich unter dem Nominalwert (Disagio). Zum Laufzeitende wird die unverzinsliche Anleihe dann zum Nominalwert getilgt, so dass der Gläubiger auf diesem Wege eine Rendite erzielt, ohne dass der Emittent während der Laufzeit Zinszahlungen aufwenden muss.

Ein neues Phänomen: Negativ verzinste Anleihen

Ein relativ neues Phänomen, das als Spätfolge der Finanzkrise 2008/09 aktuell hauptsächlich Staatsanleihen von europäischen Industrienationen und Japan betrifft ist eine negative Verzinsung. Im Herbst 2019 weist ein Volumen von 14 Billionen USD oder annähernd ein Drittel aller ausstehenden Staatschulden Minuszinsen auf. Die betreffenden Staaten, darunter auch Deutschland, nehmen auf diese Weise für neue Schulden sogar Geld ein anstatt wie üblich Zinsen zu bezahlen.

Eine zehnjährige Bundesanleihe weist aktuell eine Rendite von -0,57% p.a. auf, für fünfjährige Anleihen sind pro Jahr satte -0,77% Wertverlust einzukalkulieren. Den Bundesfinanzminister Olaf Scholz dürfte es also freuen seit einigen Jahren Anleihen mit negativer Verzinsung emittieren zu können. Im August 2019 emittierte der Bund sogar erstmals eine dreißigjährige Bundesanleihe mit einer Negativrendite von -0,11%. Damit sind sämtliche Laufzeiten der vom Deutschen Staat ausgegebenen Anleihen mittlerweile negativ verzinst.

Gründe für die Negativzinsen sind Niedrigzinspolitik, Anleihen-Käufe und Strafzinsens auf Einlagen seitens der Europäischen Zentralbank (EZB), Rezessionsangst und geringe Inflationsraten. Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, warum negativ verzinste Anleihen überhaupt Käufer finden, denn als Barmittel gehalten würde selbstverständlich kein Kapitalverlust anfallen.

Anleger nehmen Kapitalverlust bewusst in Kauf

Die Käufer von negativ verzinsten Anleihen nehmen pro Jahr einen überschaubaren Kapitalverlust in Kauf, um ihr Geld in „sicheren“ Staatsanleihen investieren zu dürfen. Ist beispielsweise vom Gesetzgeber wie z.B. für Pensionskassen und Versicherungen eine bestimmte Quote an Staatsanleihen bestimmter Bonität vorgeschrieben, so sind institutionelle Anleger gezwungen in solche Anleihen zu investieren. Auch Banken haben für überschüssige Liquidität oft nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera: Statt noch höhere Strafzinsen auf einem EZB-Einlagenkonto zu bezahlen kann das Geld genauso gut auch in etwas moderater negativ verzinsten Staatsanleihen geparkt werden. Daneben gibt es spekulative Anleger, die darauf setzen, dass die negativ verzinsten Anleihen noch weiter im Kurs steigen und so die negative Verzinsung wettmachen.

Auch etliche Unternehmen bezahlen keine Anleihen-Zinsen mehr

Selbst dem kriselnden Automobilzulieferer Continental war es zuletzt gelungen, Anleihen mit einem Zinskupon von null Prozent zu platzieren. Eine im September 2023 fällig werdende Anleihe des DAX-Konzerns im Volumen von mehr als 500 Mio. Euro wurde „zum Nulltarif“ an Anleger platziert. Zahlreiche Anleihen anderer DAX-Unternehmen mit überschaubarer Restlaufzeit notieren ähnlich wie Staatsanleihen im negativ verzinsten Bereich. So hat eine Daimler-Anleihe im Volumen von 750 Mio. Euro mit Tilgungstermin in 2,3 Jahren derzeit eine negative Rendite von -0,03%. Eine 2 Mrd. Euro Anleihe der Allianz mit vergleichbarer Restlaufzeit bringt bzw. kostet sogar -0,17% Rendite.

Sonderformen: Wandelanleihen, Aktienanleihen, Umtauschanleihen und Hybridanleihen

Wandelanleihen

Einige Anleihen sind mit besonderen Rechten ausgestattet. Wandelanleihen (Englisch: Convertible Bonds) beispielswiese sind Anleihen, die es dem Inhaber ermöglichen, die Anleihe während eines bestimmten Zeitraumes in einem bestimmten Verhältnis in Aktien des Emittenten zu tauschen. Der Anleger kann damit in relativ sichere, aber meist sehr niedrig verzinste Anleihen investieren und gleichzeitig von steigenden Aktienkursen profitieren. Steigt der Kurs der betreffenden Aktie über den Wandlungspreis, so kann der Anleger von seinem Wandlungsrecht Gebrauch machen und erhält Aktien für seine Anleihen. Wer das Umtauschrecht nicht nutzt, der erhält weiterhin Kuponzahlungen und bekommt am Laufzeitende den Nominalbetrag zurück.

Umtauschanleihen

Ähnlich funktionieren Umtauschanleihen. Darunter versteht man Anleihen, die dem Anleger das Recht einräumen, die Anleihe in Aktien eines anderen Unternehmens umzutauschen. Im Gegensatz zur Wandelanleihe ist der Emittent der Umtauschanleihe jedoch nicht das Unternehmen, dessen Aktien geliefert werden, sondern typischerweise ein (Groß-)Aktionär. Umtausch- und Wandelanleihe haben für Anleger einen gewissen Kapitalschutz.

Aktienanleihen

Beim strukturierten Produkt einer Aktienanleihe hingegen hat der Emittent (meist eine Bank) am Ende der Laufzeit das Recht, entweder den Nominalbetrag zu 100% zurückzuzahlen oder eine festgelegte Anzahl bestimmter Aktien zu liefern. Der Emittent wird dann Aktien liefern, wenn deren Kurswert geringer ist, als der Tilgungsbetrag der Anleihe. Zum Ausgleich für diesen Nachteil ist der Kupon in der Regel deutlich höher als bei einer normalen Anleihe.

Hybridanleihen

Hybridanleihen sind nach internationalem Standard eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. In den meisten Fällen weisen Hybridanleihen sehr lange Laufzeiten auf, meist laufen sie sogar unendlich (Perpetual Bonds). Der Emittent der zunächst meist festverzinslichen Hybridanleihe darf diese frühestens nach zehn Jahren zum Nennwert tilgen. Andernfalls läuft die Hybridanleihe weiter und die Verzinsung erfolgt nun gemäß dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens variabel mit zusätzlichem Renditeaufschlag. Hybridanleihen werden oft von Banken ausgegeben.

Nachrangige Anleihen

Die nachrangige Anleihe ist, wie der Name schon sagt, den erstrangigen Anleihen nachgeordnet. Die Nachrangigkeit kommt vor allem dann zum Tragen, wenn der Emittent zahlungsunfähig wird. Im Falle einer Insolvenz bekommen die Inhaber einer nachrangigen Anleihe erst dann Zahlungen, wenn alle anderen Verbindlichkeiten, darunter die erstrangigen Anleihen aus der Insolvenzmasse des Emittenten bedient worden sind. Um das höhere Risiko zu rechtfertigen, liegt die Verzinsung von nachrangigen Anleihen deutlich über der von erstrangigen Schuldverschreibungen.

Inflationsgesicherte Anleihen

Um sich gegen eine steigende Inflation abzusichern werden inflationsgeschützte Anleihen (Inflation Linked Notes) aufgelegt. Deren Rendite ist an einen Inflationsindex gekoppelt: Steigt die Inflation, so erhöht sich die ansonsten sehr geringe Rendite dieser Anleihen. Der Anleger profitiert vor allem dann, wenn die Inflation tatsächlich spürbar anzieht.

Weitere exotische Anleihen-Varianten

Neben den vorgestellten gängigen Anleihen-Arten gibt es noch eine Vielzahl weiterer Formen, da die Spielräume zur Ausgestaltung für die Emittenten sehr groß sind. Bei sehr seltenen oder unüblichen Merkmalen in den Anleihen-Bedingungen spricht man von exotischen Anleihen-Varianten. Diese haben oft sehr spezifische Risiken, wie z.B. verschiedene Formen von Kündigungsrechten für den Emittenten.

Wo werden Anleihen gehandelt und wie können Sie Anleihen kaufen?

Auch wenn die meisten Anleihen- und Staatsanleihen-Emissionen Institutionellen Anlegern vorbehalten sind: Sie als Privatanleger können die meisten Anleihen ganz normal über das Depot bei Ihrem Onlinebroker kaufen. Wie Aktien werden auch Anleihen an der Börse bzw. dem sogenannten Anleihemarkt oder Rentenmarkt in unterschiedlich großen Mindeststückelungen (z.B. 100 Euro, 1.000 Euro oder 100.000 Euro) gehandelt. Ebenfalls wie bei Aktien gibt es für Anleihen jeweils eine Wertpapierkennnummer und eine ISIN. Auch den bisherigen Kursverlauf können Sie sich anhand eines Charts betrachten. Die An- und Verkaufskurse für Rentenpapiere richten sich – wie sollte es auch anders sein – nach Angebot und Nachfrage. Bei einigen Anleihen wird der Kurs allerdings z.B. nur einmal am Tag durch einen Market Maker ermittelt und abgerechnet. Schauen Sie sich also die Liquidität einer Anleihe genau an, bevor Sie investieren. Wie bei Aktien gibt es auch bei Anleihen Papiere, die aufgrund eines geringen Volumens kaum gehandelt werden und bei denen Geld- und Briefkurse teilweise enorm weit auseinander liegen.

Wie bei Aktien gibt es in Deutschland auch für Anleihen einen regulierten und einen freien Markt. Der Großteil des Handels wird jedoch direkt zwischen den Banken über börsenunabhängige Handelsplattformen abgewickelt. Sehr liquide Anleihen werden beispielsweise an den elektronischen Handelsplattformen Eurex Bonds oder Iboxx gehandelt. Wie Sie Staatsanleihen kaufen können, erfahren Sie in unserem Artikel: Staatsanleihen kaufen – Aber wie?

Vorteile und Chancen von Anleihen

Sicherer Hafen im Krisenfall

Anleihen stellen vor allem in wirtschaftlichen Krisenzeiten oder als Absicherung gegen Rezessionsgefahren eine sinnvolle Alternative zu Aktien dar. Oftmals findet bei Einbrüchen am Aktienmarkt eine regelrechte Flucht in den „sicheren Hafen“ Staatsanleihen statt. Dies hat sich beispielsweise während der Finanzkrise im Jahr 2008/09 gezeigt, als viele Aktien in den Keller fielen und die Anleihen-Kurse gleichzeitig durch die Decke gingen.

Kurschancen bei negativem Zinstrend

Vor allem dann, wenn die Marktzinsen ausgehend von einem relativ hohen Niveau zu fallen beginnen und in einen Abwärtstrend übergehen, gewinnen Anleihen als Anlageklasse zunehmend an Attraktivität. In den Jahren nach der Finanzkrise 2008/09 setzte ein solcher Zins-Abwärtstrend ein und beförderte den Anleihenmarkt innerhalb von zehn Jahren in ganz neue Sphären mit teilweise negativ verzinsten Papieren. Bis sich dieses Potenzial erschöpft hat und eine Zinswende einsetzt, dürfen sich Anleger über Kursgewinne freuen.

Kalkulierbare Renditen und Zahlungsströme

Die vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens unabhängigen kalkulierbaren Renditen und Zahlungsströme sind für viele Anleger ein weiteres wichtiges Argument, dass für die Anlageklasse spricht. Institutionelle Anleger wissen bereits zum Einstiegszeitpunkt, wann sie in den kommenden Jahren mit Zins- und Tilgungszahlungen in welcher Höhe rechnen können. Bei Aktien hingegen gibt es zwar Dividendenzahlungen, die sich jedoch im Verlauf der Jahre je nach Geschäftslage stark ändern können. Erhebliche Kursschwankungen machen eine vergleichbare Planbarkeit bei Aktien unmöglich.

Der Fremdkapital-Charakter von Anleihen im Insolvenzfall

Auch die Bevorzugung von Fremdkapital im Insolvenzfall ist ein weiteres Argument, das für die Anlageklasse Anleihen spricht. Während die Aktionäre als Eigentümer bei einem Konkurs in der Regel leer ausgehen, bekommen Anleihen-Inhaber zusammen mit anderen betroffenen Gläubigern die verbliebenen Vermögenswerte aufgeteilt. So bedeutet eine Insolvenz für Anleihen-Gläubiger in vielen Fällen kein Totalverlust, sondern einen (natürlich ebenfalls schmerzlichen) Teilverlust. So haben beispielsweise die Gläubiger des „Traumschiffs“ MS Deutschland bereits 15% des Nennwerts aus der Insolvenzmasse zurückerhalten, weitere Zahlungen wurden offenbar in Aussicht gestellt.

Nachteile und Risiken von Anleihen: Wie sicher ist eine Anleihe?

Zahlungs- und Bonitätsrisiken am Beispiel der Euro-Krise

Das primäre Risiko besteht bei einer Anleihe immer darin, dass sich die Bonität des Anleihen-Schuldners verschlechtert und dieser in Folge in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Das bedeutet, dass der Emittent die Zins- und Tilgungszahlungen nicht mehr pünktlich, nur noch teilweise oder gar nicht mehr leisten kann. Dies war beispielsweise der Fall, als in der Euro-Krise Staaten wie Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien aufgrund ausufernder Staatsschulden ab dem Jahr 2010 Probleme bei der Schulden-Refinanzierung bekamen. Dies äußerte sich zunächst darin, dass die Renditen der betreffenden Länder regelrecht in die Höhe schnellten und die Anleihen-Kurse in den Keller fielen. Neue Anleihen zur Bedienung von Alt- und Neuschulden konnten nicht mehr begeben werden.

Schuldenschnitt und Rettungsschirm retten Griechenland

Im Fall von Griechenland wurde deshalb ein harter Schuldenschnitt durchgeführt, das heißt Anleihen-Gläubiger mussten einen großen Teil der zukünftigen Tilgung abschreiben und große Verluste verbuchen. Außerdem wurden die Laufzeiten verlängert und die Zinsen angepasst. Auch etliche Banken aus den Krisenländern gerieten in Schieflage und konnten ihre Schulden nicht mehr oder nur noch zum Teil bedienen. Ein großangelegter und entsprechend umstrittener Rettungsschirm beruhigte schließlich den Markt und sorgte für eine Stabilisierung.

Air Berlin und Thomas Cook: Geringe Auszahlungsquote aus der Insolvenzmasse zu erwarten

Unternehmensanleihen sind noch häufiger von Zahlungsschwierigkeiten betroffen. Der Absturz und die Pleite des früheren SDAX-Werts Air Berlin kostete nicht nur die Aktionäre den kompletten Einsatz, auch den Anleihen-Gläubigern droht annähernd ein Totalverlust. Die ausstehenden Anleihen, die noch wenige Wochen vor der Pleite im Sommer 2017 über 100% notierten, schwanken mittlerweile zwischen 0,4% und 5% des Nominalwerts. Zuletzt meldete der britische Reisekonzern Thomas Cook Insolvenz an. Eine mit 6,25% Kupon ausgestattete, im Jahr 2022 fällige Unternehmensanleihe fiel seit Ende 2018 von einem Kursniveau von über 100% bis September 2019 auf ein aktuelles Kursniveau von nur noch 6,3%. Die Anleger rechnen also bei beiden Unternehmen der Reisebranche mit einer sehr geringen Auszahlungsquote aus der Insolvenzmasse.

Reihenweise Pleiten bei Mittelstandsanleihen

Auch zahlreiche sogenannte Mittelstandsanleihen waren in den vergangenen Jahren von Zahlungsausfällen betroffen. In erster Linie, weil keine Anschlussfinanzierungen durchgeführt werden konnten, aber in einigen Fällen auch durch betrügerische Absichten. Unter den Pleitefirmen waren Firmen wie der Windkraftanlagen-Hersteller Windreich, das Kreuzfahrtschiff MS Deutschland (bekannt als „das Traumschiff“) oder der Modekonzern Steilmann. In allen Fällen gab es hohe Verluste für die Anleger, die meist nur einen geringen Teil ihres ursprünglichen Einsatzes wieder herausbekamen. Aufgrund der zahlreichen Pleiten gelingen heute kaum noch Platzierungen von Mittelstandsanleihen. Ein Positiv Beispiel ist beispielsweise eine Ende 2018 emittierte, mit 6,5% Kupon ausgestattete Anleihe des Bundesligavereins Hertha BSC Berlin, die aktuell bei 107% notiert und so derzeit 4,75% Rendite abwirft.

Vorsicht bei hohen Renditen: Teil- oder Totalverlust droht

Für Sie ist wichtig zu wissen: Weist eine Anleihe eine im Vergleich zu anderen Unternehmen eine sehr hohe, möglicherweise sogar zweistellige Rendite auf, so wird in der Regel die Rückzahlungsfähigkeit des Emittenten angezweifelt. Sie sollten dann vorsichtig sein und am besten die Finger von der Anleihe lassen, denn im schlimmsten Fall droht Ihnen sonst ein Teil- oder Totalverlust.

Kursrisiken durch Zinsänderungen: Kurzfristanleger aufgepasst

Ein sekundäres Risiko für Anleihen-Anleger besteht in möglichen Kursverlusten während der Laufzeit. Steigt das allgemeine Zinsniveau beispielsweise getrieben durch eine anziehende Inflation, so fallen die Anleihen-Kurse, bis deren Renditen das geänderte Kursniveau reflektieren. Für Investoren, die ohnehin planen, eine Anleihe bis zur Tilgung zu halten, spielen diese Kursschwankungen kaum eine Rolle, denn die Rendite bis zum Laufzeitende wurde bereits mit dem Kauf zum Einstiegskurs fixiert. Wer sein Geld jedoch nur zwischenzeitlich anlegen möchte, um vor dem Laufzeitende wieder auszusteigen, für den wirken sich Kursänderungen voll aus. Wer also z.B. auf Kursgewinne durch ein fallendes Zinsniveau setzt, muss z.B. im Fall einer Zinswende auch mit dem Gegenteil rechnen. Es gilt: Je länger die Restlaufzeit einer Anleihe, desto höher fallen die Kursschwankungen durch Zinsänderungen aus. Dazu kommt der mögliche Kaufkraftverlust durch ein allgemein steigendes Preisniveau.

Hohe Wechselkursrisiken bei Fremdwährungsanleihen

Bei Fremdwährungsanleihen sollten Sie beachten, dass Sie damit ein nicht unerhebliches Wechselkursrisiko eingehen. Wer beispielsweise auf der Suche nach sicheren Staatsanleihen mit positiver Rendite auf die USA ausweicht, wo eine zehnjährige Anleihe aktuell mit immerhin 1,7% rentiert, ist vom EUR/USD Wechselkurs abhängig. Zinserträgen im niedrigen Prozentbereich stehen während der gesamten Laufzeit potenziell weitaus höhere Währungsschwankungen gegenüber. Wechselkursänderungen von 5% bis 10% oder mehr im Jahr sind eher die Regel als die Ausnahme. Deshalb bieten sich Fremdwährungsanleihen vor allem dann an, wenn Sie damit in erster Linie auf Währungsgewinne spekulieren.

Alternative zu einzelnen Anleihen: Anleihen ETFs

Was sind Anleihen ETFs?

Bei einem Anleihen ETF oder Renten ETF handelt es sich wie bei einem Aktien ETF um einen passiv gemanagten Anleihen Fonds, der jedoch, wie der Name schon sagt, ausschließlich in Anleihen investiert. Ein Anleihen-ETF orientiert sich in der Regel an einem Rentenindex, also dem Kursbarometer für das jeweilige Anleihen-Segment. Gemäß der Indexgewichtung investiert der Renten ETF in Schuldverschreibungen, mit dem Ziel den Index so exakt wie möglich nachzubilden.

Vorteile und Chancen von Anleihen ETFs

Anleger, die in einen passiven Anleihen Fonds investieren sparen sich die Umschichtungen, die sie beispielsweise dann vornehmen müssen, wenn Anleihen fällig werden. Auch Ausfälle und Verluste einzelner Anleihen werden im Gesamtportfolio eines Anleihen ETFs durch die Risikostreuung in der Regel gut abgefedert. Dies ermöglicht es den Renten ETFs zur Steigerung der Rendite auch in etwas risikoreichere Anleihen zu investieren. Im Gegensatz zu Direktinvestments, bei denen oft hohe Mindeststückelungen von 1.000 bis 100.000 Euro gelten, sind Anleihen ETFs auch mit geringem Kapitaleinsatz beliebig handelbar. Auch kleinere Beträge von z.B. 50 Euro können im Rahmen von monatlichen Sparplänen in Anleihen ETFs investiert werden. Wie bei allen ETFs sind die laufenden Kosten überschaubar: Die Verwaltungs- und Managementgebühren fallen bei Anleihen ETFs erheblich geringer aus als bei klassischen Anleihen- oder Rentenfonds. Bei Letzteren fressen die Gebühren und Ausgabeaufschläge die geringen Renditen auf dem aktuellen Zinsniveau vollständig auf, so dass Kursanstiege mittlerweile Voraussetzung für eine ansonsten von vorn herein negative Rendite sind.

Nachteile und Risiken von Anleihen ETFs

Auch wenn Einzelrisiken durch Diversifizierung abgefedert werden, treffen die meisten Risiken für Einzelanleihen auch für ETFs als passiv gemanagte Anleihen Fonds zu. Da Anleihen ETFs im Gegensatz zu Einzelanleihen keine Laufzeit haben und das Kapital stets in neue Anleihen reinvestieren, steht vor allem das Kursrisiko durch Zinsänderungen im Vordergrund. Eine kalkulierbare Rendite ist somit ebenfalls nicht gegeben. Besonders bei Anleihen ETFs, die in Fremdwährungsanleihen z.B. im USD-Raum investieren, kommen erhebliche Wechselkursrisiken hinzu. Besondere Vorsicht gilt bei Anleihen ETFs, die in Hochzinsanleihen, sogenannte Junkbonds oder Schrottanleihen investieren. Hohen Renditeerwartungen stehen mindestens ebenso hohe Risiken gegenüber.

Die besten Anleihe-ETFs 2019

Obwohl wir auch gegenüber den mittel- bis langfristigen Aussichten von Anleihen generell eher skeptisch sind, stellen wir Ihnen an dieser Stelle einige Anleihen ETFs vor, die in Euro-Unternehmensanleihen investieren. Staatsanleihen ETFs hingegen lassen wir aufgrund des Negativzinsniveaus im Euro-Raum bewusst außen vor. Gleiches gilt aufgrund des hohen Wechselkursrisikos für auf USD lautende Anleihen ETFs.

Der iShares Euro Corporate Bond Large Cap UCITS ETF (ISIN: IE0032523478 – Symbol: IBCS – Währung: EUR) investiert in liquide Euro-Unternehmensanleihen von erstklassigen europäischen Großkonzernen und hat 2019 per Ende September eine Jahresrendite von 6,5% erzielt. Ebenfalls in Euro-Unternehmensanleihen investiert der Xtrackers EUR Credit 12.5 Swap UCITS ETF (ISIN: IE00B3Z66S39 – Symbol: D3V3 – Währung: EUR). Die Anleihen des ETFs haben eine Restlaufzeit von mehr als 10 Jahren und ein Investment Grade Rating. Der ETF legte seit Jahresanfang 2019 bereits um +21% zu.

In Unternehmensanleihen mit variablen Zinsen und kurzer Restlaufzeit (1-3 Jahre) investiert der Amundi Floating Rate Euro Corporate 1-3 UCITS ETF (ISIN: LU1681041114 – Symbol: FRNE – Währung: EUR). Der Floating Rate Note ETF, der ebenfalls nur in Investment Grade Papiere investiert, konnte zwar seit Jahresanfang nur knapp 1% an Wert gewinnen, dürfte jedoch dann profitieren, wenn das allgemeine Zinsniveau wieder steigt. Die langfristigen Risiken sind deshalb erheblich niedriger als bei ETFs, die in festverzinsliche Anleihen investieren. Wer unbedingt in einen Anleihen-ETF investieren möchte, der sollte sich dieses Wertpapier näher ansehen. Einen Artikel zu allgemeinen Rentenfonds und Anleihen ETFs finden Sie hier: Rentenfonds – Funktionsweise & Definition.

Für Fortgeschrittene: Anleihen-Futures

Fortgeschrittene Anleger mit Erfahrungen bei Termingeschäften können auch über Futures in den Anleihenmarkt investieren. Am bekanntesten ist der Euro Bund Future. Der Bund Future (Abkürzung FGBL = Federal Government Bond Liability) ist ein Terminkontrakt, der sich auf eine fiktive, langfristige Bundesanleihe bezieht, mit einem Kupon von 6 Prozent und einer Laufzeit von 10 Jahren. Der Nominalwert eines Future Kontraktes liegt bei 100.000 Euro. Der Multiplikator liegt demnach bei 1.000 und die Tickgröße bei 0,01 (= 10 Euro). Jeder volle Prozentpunkt (= 100 Basispunkte), den sich der Basiswert bewegt, bringt im Future eine Wertänderung von 1.000 Euro. Der Kontraktwert liegt aktuell mit 174.000 Euro deutlich über dem Nominalwert, da das Zinsniveau meilenweit unterhalb den angenommenen 6% Kupon notiert.

Mit Futures lässt sich auch auf fallende Anleihen-Kurse setzen

Mit einem Future kann im Gegensatz zu Anleihen und Anleihen ETFs auch auf fallende Anleihe-Kurse gesetzt werden, denn es können sowohl Long- als auch Short-Positionen eingegangen werden. Doch Vorsicht: Wer einen Anleihen Future nicht geschlossen oder in den nächsten Kontrakt gerollt hat, der muss eine Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von mindestens 8,5 Jahren und höchstens 10,5 Jahren entweder abnehmen oder liefern. Wer sich für den Bund Future interessiert, dem empfehlen wir unsere Artikel Der Euro Bund Future | Meine Top 5 Futures und Der Einstieg in den Futures-Handel und was Sie dabei beachten sollten. Neben dem Bund Future gibt es noch Futures auf mittlere Laufzeiten (Bobl Future mit Restlaufzeiten von 4,5 bis 5,5 Jahren) und kurzfristige Laufzeiten (Schatz Future mit Restlaufzeiten von 1,75 bis 2,25 Jahren).

Gesamtfazit: Trübe Aussichten für Anleihen: Risiken überwiegen, Anleihen aufgrund mickriger Zinsen unattraktiv, Gefahr einer Blasenbildung am Anleihenmarkt

Grundsätzlich gilt: Wie attraktiv eine Anleihe ist, liegt im Auge des Betrachters bzw. des Investors. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten hängt es daher vom individuellen Sicherheitsbedürfnis des Anlegers ab, ob er Anleihen trotz kümmerlicher Minizinsen attraktiv genug für ein Investment hält. Viele Anleger unterschätzen dabei jedoch möglicherweise die trotzdem stets vorhandenen Zahlungs- und Bonitätsrisiken der Emittenten sowie Kursrisiken aufgrund potenziell steigender Zinsen. Hinzu kommt, dass auch niedrig verzinste Anleihen oftmals zu Kaufkraftverlusten führen, sobald die Inflationsrate höher liegt. Dieses Problem betrifft natürlich auch Barbestände und alle anderen festverzinslichen Anlagemöglichkeiten.

Kurs- und Bonitätsrisiken werden nicht mehr durch Rendite kompensiert

Insgesamt betrachtet werden die Risiken von Anleihen durch die kaum noch vorhandene Rendite nur minimal oder gar nicht mehr kompensiert. Früher oder später wird am Anleihenmarkt „die Musik aufhören zu spielen“, denn dass die Anleihen-Kurse noch ewig weitersteigen ist ausgeschlossen. Kursgewinne wie am Aktienmarkt und „Exzesse“ wie beispielsweise die Kursverdopplung bei der österreichischen „Methusalem-Anleihe“ deuten sogar auf eine mögliche Blasenbildung am Staatsanleihenmarkt hin.

Anleihen-Aussichten: Kaum Rendite und trotzdem Risiken

Die weiteren Aussichten für Anleger sehen daher aus unserer Sicht sehr trüb aus: Denn läuft alles nach Plan, verdient der Anleger unterm Strich so gut wie nichts, geht etwas schief, zieht die Inflation an oder gibt es eine Zinswende, so drohen deutliche Kurs- und Kaufkraftverluste. Und auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist gilt nicht erst seit der Euro-Krise: Selbst „sichere“ Staatsanleihen wären in Extremfällen nicht vor Ausfällen sicher. Vor allem bei derzeit erstklassigen Papieren müsste sich im weltweiten Finanzgebälk zwar erst noch einiges gewaltig verschieben, aber 100% ausgeschlossen ist dies im Falle einer möglichen weiteren Finanzkrise mit Sicherheit nicht.

Damoklesschwert Zinswende: Variabel verzinsliche Anleihen gewinnen an Attraktivität

Gänzlich abzuraten ist Privatanlegern von Investments in negativ verzinste Staatsanleihen, denn ihr Geld ist unter der Matratze bzw. dem nicht verzinsten Sparbuch definitiv besser aufgehoben. Aus unserer Sicht sind Anleihen daher aktuell durch die Bank zu Anlage oder Spekulationszwecken uninteressant oder allenfalls mäßig attraktiv, denn den weiterhin vorhandenen Risiken stehen nur mickrige Zinsen gegenüber.

Einzige Ausnahme könnten mittel- bis langfristig variabel verzinsliche Unternehmensanleihen oder auch inflationsgesicherte Anleihen sein. Floating Rate Notes weisen im Vergleich zu Anleihen mit fixem Kupon bei steigenden Zinsen kaum ein Kursrisiko auf. Denn auch wenn die Politik aus verständlichen Gründen ein starkes Interesse an Niedrigzinsen hat: Vor allem aufgrund von Inflationsrisiken hängt das mögliche Näherrücken einer Zinswende nun als ständiges Damokles-Schwert über dem festverzinslichen Anleihenmarkt. Möglicherweise könnte es sich eher lohnen ggf. über einen Verkauf von wertmäßig gestiegenen Anleihen-Investments nachzudenken, als sich Gedanken über neue Investments am Anleihenmarkt zu machen.

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