Aixtron legte am späten Dienstagabend Vorab-Zahlen zum ersten Quartal vor. Die stark genug waren, um die bisherige 2026er-Prognose anzuheben. Dass die Aktie daraufhin stieg, überrascht nicht. Das Niveau, das der Kurs dadurch erreicht hat, indes schon.
Das erste Quartal lief, wie Aixtron berichtete, ziemlich mau. Der Umsatz, der im ersten Quartal 2025 noch bei 112,5 Millionen Euro gelegen hatte, fiel auf 59 Millionen und lag damit am unteren Ende der eigenen Prognosespanne. Der operative Gewinn, gerechnet als EBITDA, fiel auf 11 Millionen nach 34,1 Millionen im Vorjahreszeitraum. Allerdings belastete hier ein Einmalaufwand im mittleren einstelligen Millionenbereich. Zugleich lagen die operativen Kosten aufgrund des niedrigen Umsatzes im Verhältnis höher als vor einem Jahr. Das war alles andere als erfreulich, aber ein Aspekt riss die Sache heraus:
Aixtron meldete einen beeindruckenden Anstieg beim Auftragseingang. Der kam auf 171 Millionen Euro, fast das dreifache des Umsatzes und 30 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2025. Und entscheidend dafür war der Bereich von Anlagen für den Bereich Optoelektronik. Es scheint, dass die Erwartung, dass Aixtrons Ausrichtung auf Technologien mit GaN (Galliumnitrit) und SiC (Siliziumkarbid) bei der Halbleiterfertigung jetzt beginnt, Früchte zu tragen. Da die Anleger darauf bereits im Zuge der massiven Kaufwelle der Aktie seit vergangenem Herbst gesetzt hatten, dürften einige ihre Erwartungen dadurch bestätigt gesehen haben und weiter zugegriffen haben, zumal:
Aixtron hob auf Basis des überzeugenden Auftragseingangs die bisherige 2026er-Prognose an. Beim Umsatz sieht der Anlagenbauer jetzt nach den bislang avisierten 520 Millionen eine Range zwischen 530 und 590 Millionen Euro. Bei der Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (EBIT-Marge) sollen es jetzt nach den bislang avisierten 16 bis 19 Prozent 17 bis 20 Prozent werden. Doch wer da mal nachrechnete und womöglich auch noch einen Seitenblick in Richtung der Analysten warf, dürfte dennoch eine Augenbraue hochgezogen haben, denn:
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Expertenmeinung: Auf Basis dieser neuen Jahresprognose würde bei Erreichen der unteren Prognosespannen für Umsatz und EBIT-Marge ein Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 90 Millionen Euro herauskommen. Im Fall des Erreichens von beiden oberen Zielspannen wären es 118 Millionen. Aber die Analysten hatten bislang im Schnitt ohnehin schon mit 113 Millionen gerechnet. Und sogar auf Basis des Optimums würde ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 50 herauskommen: Für einen Anlagenbauer, auch wenn er im Halbleitersektor agiert, eigentlich viel zu teuer.
Und so ganz anders sehen das die Analysten auch nicht. Zwar reagierten bereits am Mittwoch zwei Experten auf die neuen Zahlen. Aber MWB Research hob das Kursziel nur von 30 auf 33 Euro an und stufte mit „Verkaufen“ ein. Und die Deutsche Bank korrigierte ihr Kursziel zwar von 38 auf 41 Euro, aber erstens ist auch dieses aktuell höchste aller Kursziele mit der gestrigen Rallye erreicht worden, zweitens sieht auch die Deutsche Bank die Aktie nicht mehr als einen Kauf und wertete mit „Halten“.
Angesichts der hohen Bewertung und des Umstands, dass man mit dieser gewaltigen Rallye der vergangenen Monate eine Entwicklung feiert, die sich erst noch in Zeitpunkt und Umfang beweisen muss, kann man sich einem „Halten“ nur anschließen. Und schaut man auf das Chartbild, käme sogar ein Hauch von „Gewinnmitnahmen erwägen“ hinzu, denn wir sehen in unserem Chart auf Wochenbasis, dass die Aixtron-Aktie das Ende 2023 markierte Zwischenhoch mit Schwung überboten hat. Und das wiederum war bis dahin der höchste Kurs der Aktie seit dem Jahr 2001! Hinzu kommt, dass der Kurs sogar auf Wochenbasis markttechnisch immens heiß gelaufen ist, wie der dramatisch tief in der überkauften Zone notierende RSI-Indikator zeigt. Das sieht so sehr nach „zu schnell, zu weit“ aus, dass man hier als Fazit nur konstatieren kann: Vorsicht!

Quellenangaben: Vorläufiges Ergebnis 1. Quartal 2026, Anhebung der 2026er-Prognose, 14.04.2026: https://www.aixtron.com/de/presse/presseinformationen/AIXTRON%20erh%C3%B6ht%20Prognose%20f%C3%BCr%20das%20Gesamtjahr%202026%20und%20gibt%20vorl%C3%A4ufige%20Ergebnisse%20f%C3%BCr%20das%20erste%20Quartal%202026%20bekannt_n13936
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/AIXA.DE/analyst-insights/



