Wie Sie einen Trendwechsel rechtzeitig erkennen

Woran erkenne ich einen Trendwechsel?

Das Gefühl, zu spät dran zu sein … welcher Anleger kennt das nicht? Erst ist man skeptisch und vorsichtig … und dann ist ein Trendwechsel in einer Aktie, einem Index oder einem anderen Handelsinstrument plötzlich vollzogen und man fragt sich, ob man da nicht längst hätte reagieren müssen und es jetzt zu spät ist. Die Ursache ist, dass Trendwechsel sehr oft erst deutlich nach den fundamentalen Argumenten für einen Richtungswechsel der Kurse entstehen.

Diejenigen, die dem bisherigen Trend stur folgen, verweigern sich der Erkenntnis, dass die Gegenrichtung längst die richtige wäre. Und die zahlreichen ausschließlich chart- und markttechnisch orientierten Trader reagieren ohnehin nicht auf äußere Einflüsse wie Unternehmensgewinne, Zinsniveau oder Wechselkursverschiebungen. Dadurch entsteht der Eindruck, die Kurse seien gegen diese Aspekte immun, der Trend werde noch längere Zeit beibehalten. Und dann ist der Trendwechsel auf einmal doch da, so wie z.B. im folgenden Chart beim DAX, den viele Investoren schon längst abgeschrieben hatten:

Irgendwann gehorchen die Kurse eben doch der „Schwerkraft“ der Rahmenbedingungen. Und da dieser „Tag X“ vorab scheinbar nicht bestimmbar ist und nach dem logischen Wendezeitpunkt liegt, werden dann sogar meist die auf dem falschen Fuß erwischt, die im Vorfeld sehr genau erkannt hatten, dass die Zeit für einen Trendwechsel reif ist, weil sie innerlich aufgegeben hatten, auf diese Wende zu lauern … oder zu früh und dann mit Verlust darauf gesetzt hatten.

Ein typisches Beispiel war die Baisse 2008/2009. Deren Grund, der Zusammenbruch der sogenannten Subprime-Kredit-Pakete am US-Immobilienmarkt, war bereits im Sommer 2007 mit Händen zu greifen – aber die Aktienkurse reagierten einfach nicht. Im Januar 2008 taten sie es dann doch – und viele fielen aus allen Wolken. Das muss nicht sein. Denn neben den oben genannten, für Trendrichtungen am Aktien, Anleihe- oder Devisenmarkt entscheidenden „Fundamentals“ gibt es noch eine Reihe von Indikationen, die einen nahen Trendwechsel andeuten können. Sehen wir uns einige davon einmal an:

Manchmal ärgerlich spät: Die klassischen Trendwechsel-Indikationen

Grundsätzlich sollte man ja abwarten, bis ein Trendwechsel tatsächlich auf der charttechnischen Ebene bestätigt wurde, bevor man seine Positionen dreht. Aber wenn Sie sich diesen DAX-Chart mit den dafür typischen Indikationen ansehen, werden Sie sicherlich der Ansicht sein, dass es sehr hilfreich gewesen wäre, da zumindest einige Indikationen deutlich früher zu bekommen. Der DAX überwand Anfang Mai 2018 eine wichtige charttechnische Widerstandszone und seine im Chart dick blau hervorgehobene 200-Tage-Linie. Doch das kaum mehr als einen Monat zuvor markierte tief lag gut 900 Punkte unter dieser 200-Tage-Linie und gut 1.100 Punkte unter der oberen Begrenzung der charttechnischen Widerstandszone. Da hätte man doch einiges an Performance gutmachen können, wenn man früher reagiert hätte. Aber wie?

Oft werden Trendwechsel durch charttechnische Trendwende-Formationen indiziert und bestätigt, die eine frühzeitige Reaktion ermöglichen. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel zu den Trendwendeformationen aus unserer Reihe zur Technischen Analyse: „Trendwende- und Konsolidierungsformationen“. In diesem Fall hat der DAX aber keinerlei Trendwendeformation ausgebildet. Steht man dann hilflos da? Keineswegs.

Markttechnische Indikatoren funktionieren oft wie „Frühwarnsysteme“

Markttechnische Indikatoren haben zwar keine zuverlässige Wahrsagefunktion, denn sie sind ja nichts anderes als mathematische Ableitungen der bereits vorliegenden Kurse. Aber sie stellen das Kursgeschehen grafisch anders dar und heben auf diese Weise oft wichtige Veränderungen im Kursverhalten deutlicher hervor. Zwei Indikatoren sind als mögliches „Frühwarnsystem“ für einen potenziellen Trendwechsel besonders interessant, der RSI und der MACD.

Der RSI und seine Divergenzen

Der RSI (Relative Stärke Indikator), dem wir sogar einen eigenen Artikel gewidmet haben (Der RSI: Ein Indikator mit ganz besonderen Fähigkeiten), kann oft Trendwechsel sehr früh indizieren, indem er sogenannte „Divergenzen“ ausbildet. Hier beim DAX fällt auf, dass der Index selbst zwar seit Anfang Februar drei jeweils tiefer liegende Zwischentiefs ausgebildet hat, was einen intakten Abwärtstrend bestätigen würde, der RSI-Indikator aber zeitgleich höher liegende Zwischentiefs zeigte. Das sind sogenannte „positive Divergenzen“ (für Indikationen von Trendwechseln nach unten gilt das jeweils umgekehrt: höhere Hochs im Kurs, tiefere Hochs im RSI) die andeuten, dass der Index trotz der grundsätzlichen Abwärtstendenz stärker ist als er auf den ersten Blick wirkt und sich da ein Trendwechsel anbahnen könnte.

Sich dabei aber alleine auf den RSI zu verlassen wäre riskant. Denn zum einen kann auch eine drei- oder vierfache Divergenz auftreten, bevor es wirklich zu einer Wende kommt und der Kurs bis dahin weiter fallen. Zum anderen können solche Divergenzen auch Fehlsignale sein oder einfach gar nicht auftreten. Wichtig ist nur: Wenn Sie so etwas entdecken, sollten Sie auf diesen Kursverlauf ein Auge haben!

Der MACD: Mehr als „nur“ ein Trendfolger

Wenn dann aber noch ein zweiter Indikator andeutet, dass sich da hinsichtlich eines markanteren Richtungswechsels etwas tut, beginnen risikofreudige Trader bereits aktiv zu werden. Dahingehend ist der MACD interessant. Er dient „eigentlich“ als Trendfolge-Indikator, den man nutzt, um einem Trend zu folgen: Wenn der MACD den übergeordneten Trend mit einem entsprechenden Signal bestätigt, kann man diesem Trend folgen. So generierte der MACD Ende Januar ein Short-Signal, das den Abwärtsimpuls des DAX begleitete. Mit dem MACD als Signalgeber wäre man bis Anfang Februar auf der Short-Seite dabei gewesen. Aber schon da wurde es interessant:

Der DAX erreichte zwar nach Anfang Februar noch tiefere Levels, aber der MACD war die meiste Zeit über auf der Long-Seite. Alleine reicht ein solches Indiz indes noch nicht aus, um aus Short-Trades aus- und in Long-Trades einzusteigen. Aber in Kombination mit der positiven Divergenz des RSI wäre das schon eine interessante Basis, um sich als risikobereiter Trader mit ersten, kleinen Long-Trades zu befassen, um im Fall einer Trendwende auf höherem Niveau bereits einen „Fuß in der Tür“ zu haben und diese Long-Trades dann nur noch aufstocken zu müssen. Aber!

Wenn Sie sich den DAX-Chart genau ansehen, stellen Sie fest: Eine positive Divergenz im RSI und ein Kaufsignal im MACD, diese Kombination gab es auch schon kurz nach dem zweiten Zwischentief des Index Anfang März. Da wäre man mit einem Long-Trade erst einmal ausgestoppt worden. Aber das ist ein Aspekt, mit dem man definitiv als Trader leben muss und kann: Wer frühzeitig bei einer Wende dabei sein will, muss damit rechnen, dass das nicht immer gleich beim ersten Versuch klappt.

Mehr zum MACD und anderen markttechnischen Indikatoren finden Sie in im Artikel: Markttechnische Indikatoren.

Candlestick-Formationen und Umsätze: In der Kombination immens interessant!

Die Candlestick-Charts bergen außerordentlich viele für kurzfristige Trader wichtige Informationen und Signale, die man kennen sollte – auch dazu halten wir für Sie einen ausführlichen Artikel bereit: Das Super-Tool Candlestick-Charts.

Candlesticks können Trendwenden oft deutlich früher indizieren, als es die klassische Chart- und Markttechnik kann. Aber ihre „Prognose-Reichweite“ ist begrenzt. Oft ist es so, dass zuerst die Candlesticks ein Signal generieren und danach die Charttechnik mit einem eigenen Signal übernehmen, d.h. das Signal weiter tragen und verstetigen, muss. Aber es gibt auch außerhalb der üblichen Candlestick-Formationen, die einen Trendwechsel früh indizieren, interessante Kombinationen mit anderen Elementen.

Im folgenden Chart sehen Sie den Kursverlauf der Continental-Aktie. Es fällt auf, dass wir hier zwei Kombinationen aus langen Kurskerzen und hohen, unten im Chart mit eingeblendeten Umsätzen sehen. Die lange grüne Kerze bildete ein Hoch, die lange rote Kerze im April rechts mit den noch höheren Umsätzen hingegen kann die Basis dafür sein, dass der charttechnisch noch nicht vollzogene Anstieg über die rot markierten Widerstände gelingt und somit ein Trendwechsel zurück zu einem Aufwärtstrend vollzogen wird.

Solche Situationen sollte man aber immer mit anderen Indikationen abgleichen. So haben wir bei der Continental-Aktie zwei weitere Indizien, dass es zu einem Aufwärtsimpuls kommen kann. Zum einen gelang es, diese lange rote Kerze mit den hohen Umsätzen umgehend abzufangen – und das auf Höhe der wichtigen, blau eingezeichneten 200-Tage-Linie. Zum anderen konnte sich der MACD-Indikator im Bereich seiner Signallinie halten, statt ein Verkaufssignal zu generieren und zieht jetzt gerade wieder an. Das in der Gesamtheit gesehen indiziert, dass die Chance, dass die Aktie nach oben ausbricht, sehr gut steht.

Unser nächster Chart zeigt zur Abwechslung einmal eine drohende Trendwende nach unten. Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aixtron-Aktie, die mit ihrer 200-Tage-Linie ringt. Würde diese Linie deutlich gebrochen, würde das eine mittelfristig relevante Trendwende nach unten indizieren. Sie sehen aber auch, dass der Kurs sich vor kurzem noch auf einem immens höheren Niveau bewegte. Da wäre es natürlich günstig, bereits vorher absehen zu können, dass ein Trendwechsel droht. Gab es solche Hinweise?

Die gab es durchaus, und zwar durch die Candlestick-Charts und, auch immer interessant, das Kursverhalten auf Höhe der hier hellblau eingezeichneten 20-Tage-Linie, die für kurzfristige Trader oft als Leitstrahl angesehen wird, an der sie in Aufwärtstrends kaufen, in Abwärtstrends Short gehen oder bestehende Short-Trades aufstocken.

Es fällt auf, dass Aixtron am Hoch im März einen „Abendstern“ ausgebildet hatte: Eine grüne Kerze, ein Doji (bzw. hier ein „Hanging Man“), gefolgt von einer langen roten Kerze. Später wurde die 20-Tage-Linie im Zuge einer Gegenbewegung nach oben kurz überboten. Das deutete die Chance an, dass ein Trendwechsel noch vermieden werden könnte. Aber dieser „Ausflug“ endete schon wieder mit einem „Abendstern“ gleicher Machart wie Mitte März. Das war ein erstes, markantes Signal, dass die Bären langsam die Kontrolle über das Kursgeschehen übernehmen. Besonders markant wurde es, als einige Tage später der Versuch, sich erneut über die 20-Tage-Linie zu retten, abverkauft wurde und in einer langen roten Kerze endete. Drei Hinweise auf einen Trendwechsel, die risikofreudige Trader bereits genutzt hätten. Aber bedenken Sie:

Wenn Sie versuchen, schneller zu sein als andere, indem Sie diese Indizien umsetzen, sind die Risiken, dass es doch anders kommt, entsprechend höher. Sie sollten bereit sein zu akzeptieren, dass es nicht gleich beim ersten Versuch klappt und immer zusehen, dass Sie so viele Indizien wie möglich auf ihre Seite bringen, bevor Sie aktiv werden.

Weitere Indikationen, vor allem aus dem Bereich der sogenannten „Market Internals“, die einen Trendwechsel andeuten können, haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengestellt: „Market Internals: Trendwenden früher erkennen.“ Auch diese „Internals“ können immens hilfreich sein, wenn es darum geht, ein wenig früher als andere einen Trendwechsel zu identifizieren!

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Artikelserie: Die Technische Analyse – Lassen Sie Charts für sich arbeiten!

  1. Trends, Widerstände und Unterstützungen: Das Fundament jeder Analyse
  2. Trendwende- und Konsolidierungsformationen: Die wichtigsten Chartmuster in Trends
  3. Markttechnik: Mit diesen Indikatoren sind Sie komplett ausgerüstet
  4. Absicherung: Stoppkurse richtig setzen
  5. Candlestick-Charts: Was diese Charts alles können
Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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