Technische Analyse – Trends, Widerstände und Unterstützungen

Lassen Sie Charts für sich arbeiten! – Teil 1: Trends, Widerstände und Unterstützungen

Wie sind Sie zum Aktienmarkt gekommen? Wahrscheinlich wie fast alle von uns über den einen oder anderen Tipp von Bekannten oder Verwandten, der Ihnen deutlich machte: Da sollte man dabei sein, wenn man aus seinem Ersparten etwas machen will. Aber kaum jemand hat sich im Vorfeld hingesetzt und erst einmal ein paar Wochen oder Monate Fachliteratur gewälzt, um sich in den wichtigsten Disziplinen der Analyse kundig zu machen. Man fängt einfach mal an und schaut, was dabei herauskommt. Aber bald kommt der Augenblick, in dem jedem klar wird:

Das muss ich mir doch mal etwas genauer ansehen. Und ja, das sollte man tun, um Chancen und Risiken selbst besser entdecken und einschätzen zu können. Denn niemand möchte vom Markt überrascht werden, sei es durch eine Super-Rallye, die man einfach verpasst hat oder einen Kursrutsch, in den man völlig unvorbereitet hineingerät. Aber woher soll man die nötigen Informationen nehmen?

Von uns. Wir liefern Ihnen in dieser Artikelserie das erforderliche Handwerkszeug, um sich sicher durch die Disziplin der Technischen Analyse zu bewegen … in vernünftigen Teilschritten, die wir in fünf Folgen gliedern, die in wöchentlichem Abstand erscheinen werden:

  1. Trends, Widerstände und Unterstützungen: Das Fundament jeder Analyse
  2. Trendwende- und Konsolidierungsformationen: Die wichtigsten Chartmuster in Trends
  3. Markttechnik: Mit diesen Indikatoren sind Sie komplett ausgerüstet
  4. Absicherung: Stoppkurse richtig setzen
  5. Candlestick-Charts: Was diese Charts alles können

Technische Analyse – was ist das eigentlich?

„Technische Analyse“, das klingt, als wollte man Messgeräte an die Kurse anschließen, um zu prüfen, wo ein möglicher Fehler liegt. Und so ganz verkehrt ist das gar nicht. Es geht darum zu erkennen, was in den Kursen „drin“ ist und daraus abzuleiten, was dieses „Ist“, das sich hinter den reinen Kursen verbirgt, für die Zukunft bedeuten kann. Denn Kursmuster der Vergangenheit neigen dazu, sich zu wiederholen, zumal sie durchaus keine wundersamen, zufällig entstandenen Gebilde sind, sondern meist Logik dahintersteckt. Da lässt sich eine ganze Menge herausfinden, was Ihnen für Ihre Investments eine höhere Planungssicherheit liefert. Aber eines gilt es vorauszuschicken:

Die Börse ist keine exakte Wissenschaft! Warum nicht? Weil da eine Komponente enthalten ist, die dafür sorgt, dass es immer nur um das Verschieben von Wahrscheinlichkeiten zu Ihren Gunsten geht, wenn Sie sich der Technischen Analyse bedienen, aber nie um absolute Sicherheit. Und diese Komponente ist der Mensch, die Anleger, selbst. Auch wenn Sie sich konsequent an Signale halten, die Ihnen die Technische Analyse liefert, müssen Sie immer einkalkulieren, dass es andere womöglich nicht tun, sondern emotional, aus dem Bauch heraus handeln. Aber selbst dann, wenn der Mehrheit der Anleger die Nerven durchgehen, sind Sie gut bedient, selbst konsequent das umzusetzen, was Ihnen die Charts an Informationen liefern – denn das setzt sich über kurzfristige Irritationsphasen am Ende immer wieder durch. Gehen wir es an:

Trends: So haben Sie die Chancen im Rücken

Was ein Trend ist, kann man sich denken: Entweder es geht tendenziell aufwärts, seitwärts oder abwärts. Was hilft einem das bei der Entscheidung, ob sich ein Einstieg lohnt oder nicht? Die Grundaussage lautet: Wenn Abwärtsbewegungen jeweils auf einem höheren Niveau als zuvor wieder in steigende Kurse übergehen, heißt das, dass die Marktteilnehmer optimistisch sind, weil sie eine Aktie, einen Index, eine Währung oder einen Rohstoff schon auf einem höheren Kursniveau als attraktiv und kaufenswert einstufen als beim letzten Kursrückgang. Kurz: Wenn Sie ein solches Bild im Kursverlauf sehen, herrscht eine positive Grundstimmung vor – und das ist natürlich immer gut:

Höhere Tiefs

Oft kann man dabei auch sogenannte Trendlinien einzeichnen. Das heißt, man verbindet bei einem Aufwärtstrend mehrere Umkehrpunkte miteinander. Aber Vorsicht: Natürlich kann man immer zwei Punkte mit einer Linie verbinden, das liegt in der Natur der Sache. Erst, wenn sich da ein dritter Punkt findet, der auch auf dieser Linie liegt, kommt eine Aussage zustande. Aber die ist dann umso wichtiger:

Aufwärtstrendlinie

Denn wenn ein dritter Punkt auftaucht – und dann danach ein vierter, gar ein fünfter, die alle im Bereich dieser Aufwärtstrendlinie liegen (ein kleiner Spielraum darf bzw. muss da wie in diesem Beispiel durchaus sein, wie gesagt: Die Börse ist keine exakte Wissenschaft!), wird dadurch klar: Auch die anderen Marktteilnehmer sehen „Ihre“ Aufwärtstrendlinie, die sie identifiziert haben, als Gelegenheit an, um einzusteigen. Sie ist damit also zu einer entscheidenden Orientierung geworden. Denn es heißt nicht umsonst in einer alten Börsenregel:

Wenn man kauft, kauft man am Aufwärtstrend. Warum? Weil es ein negatives Signal wäre, wenn diese Linie, nachdem sie so offensichtlich zum Leitstrahl für eine Aufwärtsbewegung wurde, gebrochen wird. Das bedeutet, dass Sie nahe an einem Aufwärtstrend die Chance haben, zu einem relativ günstigen Kurs hineinzukommen, weil dem Test einer solchen Linie ja ein Kursrückgang vorangeht und Sie zudem die Möglichkeit haben, Ihren Kauf besonders eng über Stoppkurse (mehr zu Stoppkursen in Teil 4 der Artikelserie) abzusichern. Das heißt: Ihre Chance ist hoch, das Risiko aber eng eingrenzbar.

Wenn eine Linie mehrfach bestätigt wird, d.h. alle Anleger sie erkennen und als Einstiegschance ansehen, die Linie dann aber bricht, ist etwas faul. Und dann sollte man zusehen, dass man sich aus der Position erst einmal verabschiedet, denn wenn eine solche positive Orientierung fällt, kippt meist die Stimmung in Bezug auf diese Aktie, diesen Index etc. und mehr Anleger steigen aus. Einige setzen dann womöglich sogar aktiv auf fallende Kurse und drücken die Kurse dadurch erst recht nach unten. Im folgenden Chart sehen Sie ein Beispiel, wenn ein solcher Aufwärtstrend bricht.

Trendbruch

Für Abwärtstrends gilt das Vorstehende übrigens vice versa, also einfach auf den Kopf gestellt: Wenn Sie sukzessive tiefer liegende Zwischenhochs in einem Kurs finden, haben wir einen Abwärtstrend vorliegen. Die Anleger verkaufen in steigende Kurse hinein immer früher, jeweils noch unterhalb des letzten Hochs. Das bedeutet, dass die Mehrheit davon ausgeht, dass dieses letzte Hoch sowieso nicht überboten werden kann und daher schon vorher wieder aussteigt. Da heißt es, solange man nicht als fortgeschrittener Trader auch auf fallende Kurse spekuliert: Finger weg!

Abwärtstrend

Ein Hinweis zwischendurch: Wir haben die Kurse in sogenannten Candlestick-Charts dargestellt. Diese haben eine weitaus komplexere Aussagekraft, d.h. aus ihnen lässt sich viel mehr herauslesen und analysieren, als aus einem einfachen Linienchart, der nur die Schlusskurse miteinander verbindet. Auch das werden wir Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt näher erklären (mehr zu Candlestick-Charts in Teil 5 der Artikelserie).

Trendkanäle

Besonders interessant werden Trends, wenn sie in sogenannten Kanälen verlaufen. Hier gibt es neben der eigentlichen Trendlinie noch eine Parallele dazu. Bei Aufwärtstrends oberhalb, bei Abwärtstrends unterhalb der eigentlichen Basis-Trendlinie. Solche Kanäle zeigen, dass die Marktteilnehmer zwar in Trendrichtung agieren, aber auch immer wieder Gewinne mitnehmen. Das passiert aber, wie Sie am folgenden Chart sehen, zu immer höheren Kursen. Wenn sich ein solcher Kanal identifizieren lässt, zeigt das, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer zwar grundsätzlich optimistisch denkt und handelt, diesen Kanal aber erkannt hat und dementsprechend auch aussteigt, wenn der Kurs in die Nähe dieser oberen Begrenzung kommt … und dann wieder kauft, wenn die untere Begrenzung eines Aufwärtstrendkanals erreicht wird.

Aufwärtstrendkanal

Auch hier gilt übrigens die Regel: Zwei Punkte unten und ein Punkt oben ermöglichen es in einem Aufwärtstrend immer, einen Kanal zu zeichnen. Aber erst, wenn diese drei Punkte bestätigt wurden, sei es durch einen zweiten Punkt auf der Oberseite und/oder einen dritten Punkt an der Basis-Trendlinie, ist ein solcher Trend auch wirklich relevant, weil er von den Investoren als solcher erkannt und umgesetzt wird.

Zwischendurch bemerkt: Genau dieses „Erkennen“ der Formationen ist dabei das Entscheidende. Trendlinien, Trendkanäle und alle anderen charttechnischen Elemente, die sie im Folgenden kennenlernen werden, sind kein Naturgesetz. Sie basieren auf eben diesem „Erkennen“ der Akteure, d.h. das Kursverhalten zeigt Ihnen als Anleger, dass diese Formationen erkannt wurden und man sich nach ihnen richtet: Die Marktteilnehmer kaufen z.B. an einer Trendlinie, weil sie davon ausgehen, dass es die anderen Anleger auch tun werden.

Erst dann, wenn sie durch das Verhalten der Investoren bestätigt werden, sind sie eine wichtige Orientierung. Was auch der Grund ist, weshalb es nur eine überschaubare Zahl solcher Formationen gibt, die allgemeingültigen Regeln gehorchen. Wenn Sie damit beginnen würden, selbst aus Kursverläufen eigene Gebilde zu kreieren, die ansonsten niemand kennt oder sieht, würden die aus ihrer eigenen Formation entstehenden Signale kaum von Erfolg gekrönt sein, denn die anderen Anleger sehen „Ihre“ Formation nicht und haben damit auch keinen Grund, daraufhin ein- oder auszusteigen.

Widerstände und Unterstützungen

Schließen wir dieses erste Kapitel mit etwas ab, das von der Sache her unmittelbar an die Trends anschließt: mit Widerständen und Unterstützungen. Einen Trend haben wir ja noch nicht erwähnt: den Seitwärtstrend. Er ist, wie der Name sagt: eine Seitwärtsbewegung, die sich in einen recht klaren Rahmen pressen lässt, weil die Richtungswechsel der Kurse jeweils in einem recht engen Bereich auf der Unter- und Oberseite stattfinden. Daraus leitet sich ab, dass die Marktteilnehmer entweder kurzfristig unentschlossen sind, wie es weitergeht oder aber mehrheitlich der Ansicht sind, dass der Kurs da, wo er ist, auch sein sollte. In einer solchen Situation würden nur noch wenige aktiv kaufen und verkaufen und dadurch so eine per Saldo seitwärts führende, schwankende Bewegung entstehen.

Seitwärtstrend

Die obere Begrenzung dient als Widerstand für einen weiteren Anstieg, die untere Begrenzung nennt man Unterstützung. Was übrigens auch für Trends an sich gilt: Da, wo ein Kurs wieder nach oben dreht, also ein Wendepunkt entsteht, entsteht damit eine Unterstützung. Wo ein Kurs nach unten dreht, ob in einem Trend oder irgendwo mitten im „Nichts“, also außerhalb relevanter Trendlinien, entsteht ein Widerstand.

Solche Punkte sind wichtige Orientierungspunkte für die Marktteilnehmer. Aus ihnen können Trends entstehen oder auch nicht. Aber für den Moment haben wir dort einfach mal eine Wendemarke. Das bedeutet in das Verhalten der Anleger übersetzt: Dort war ein Punkt, an dem nach einer Abwärtsbewegung eine Veränderung entstanden ist, weil auf einmal wieder mehr Käufer als Verkäufer auftauchten. Warum das so war, ist bei der Technischen Analyse zunächst einmal egal, damit beschäftigt sich die Disziplin der Sentiment-Technik (zu der wir ebenso bald einen Artikel liefern werden). Zurück zur Unterstützung:

An diesem Wendepunkt im Kursverlauf ist also auf einmal das Kaufinteresse deutlich größer geworden. Dieser Punkt unterstützt den Kurs ab diesem Zeitpunkt deswegen, weil die Marktteilnehmer dann, wenn der Kurs wieder an diesen Punkt zurückkehrt, vermuten, dass diejenigen, die dort beim ersten Mal gekauft haben, erneut kaufen könnten. Was dazu animiert, dort sicherheitshalber erst einmal selber nicht mehr zu verkaufen und ggf. sogar auf Verdacht auch wieder zu kaufen. Und so dreht der Kurs oft an solchen Punkten, meist sogar ein wenig oberhalb, wieder nach oben. Hier ein typisches Beispiel dafür:

Unterstützungen

Umgekehrt gilt das für Widerstände, wie sie z.B. einen Seitwärtstrend nach oben begrenzen, aber eben auch irgendwo im Kursverlauf isoliert auftauchen können. Dort hat man den Verdacht, dass diejenigen, die auf diesem Niveau verkauft hatten, erneut aussteigen könnten, wenn dieser Punkt wieder erreicht wird. Also werden viele ihre Käufe erst einmal stoppen, wenn dieser Punkt näher kommt. Einige spekulative Akteure werden aktiv darauf hinwirken, dass der Kurs dort dreht und Short gehen … und so können diese Umkehrpunkte, ob Widerstand oder Unterstützung, zu einer Art sich selbst erfüllender Prophezeiung werden.

Widerstände

Daraus leitet sich auch ab, dass der Bruch einer solchen Unterstützung entsprechend markante Folgen haben kann. Wenn die Erwartung, dass der Kurs an einem solchen Punkt wieder dreht, nicht erfüllt wird, reagieren viele Akteure umgehend, indem sie entweder ihre Verkäufe direkt fortsetzen oder bestehende Positionen, die sie – sinnvollerweise – mit einem Stoppkurs unter diesem Wendepunkt abgesichert haben und im Fall eines Haltens der Unterstützung auch behalten hätten, verkaufen. Der folgende Chart liefert hierfür ein Beispiel.

Bruch einer Unterstützung

Umgekehrt läuft das Überwinden eines Widerstands ab. Wenn an einem Punkt, an dem im Vorfeld eine Wende nach unten entstand, plötzlich kein erneuter Verkaufsdruck einsetzt, sondern der Kurs weiter nach oben läuft, ist das ein positives Signal: Die, die da zuvor ausgestiegen waren, scheinen das jetzt nicht mehr zu tun, der Weg nach oben wirkt also frei. Damit kaufen Anleger, die vorher wegen dieses Widerstands vorsichtig geblieben waren, jetzt doch und helfen dem Kurs so, diese Hürde deutlicher zu überwinden.

Soweit für dieses Mal. In unserem nächsten Artikel unserer Artikelserie zur Technischen Analyse sehen wir uns die interessantesten Chartformationen an, mit denen Sie Ein- und Ausstiegspunkte innerhalb eines Trends identifizieren können und bei einer Trendwende von Anfang an dabei sind.

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Artikelserie: Die Technische Analyse – Lassen Sie Charts für sich arbeiten!

  1. Trends, Widerstände und Unterstützungen: Das Fundament jeder Analyse
  2. Trendwende- und Konsolidierungsformationen: Die wichtigsten Chartmuster in Trends
  3. Markttechnik: Mit diesen Indikatoren sind Sie komplett ausgerüstet
  4. Absicherung: Stoppkurse richtig setzen
  5. Candlestick-Charts: Was diese Charts alles können

 

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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