Spottbillig? Zu teuer? Was bedeutet das KGV für den Investor?

Wann ist eine Aktie eigentlich billig? Wann ist sie zu teuer? Wenn sie im Vergleich zu dem Kursniveau der letzten Wochen, Monate oder Jahre im Chart „unten“ oder „oben“ ist? Für manche Anleger ist das tatsächlich ein Kriterium. Aber es ist eines mit großen Risiken. Denn das Kursniveau im Verhältnis zu früheren Zeitspannen sagt nichts darüber aus, ob eine Aktie zu Recht gestiegen ist oder es sich da womöglich um eine brandgefährliche Übertreibung handelt.

Das KGV schafft da eine gewisse Abhilfe. Denn es weist aus, ob eine Aktie tatsächlich eher niedrig oder eher teuer bewertet ist. Was aber durchaus „relativ“ sein kann, weswegen wir uns diese Indikation heute einmal genauer ansehen wollen. Zunächst die Frage: Was soll das eigentlich sein, dieses KGV?

Worum geht es in diesem Artikel?

  • VIDEO: Was ist das KGV? Was bedeutet es für den Investor?
  • Worum geht es beim KGV?
  • Wichtige Eckpfeiler bei der Betrachtung des KGV
  • Faustregeln und Fazit
  • KGV anwenden über LYNX

Worum geht es beim KGV?

KGV ist die Kurzform von Kurs/Gewinn-Verhältnis (englisch Price/Earnings-Ratio oder P/E-Ratio). Es beschreibt, wie oft man den aktuellen Gewinn eines Unternehmens, auf eine einzelne Aktie heruntergebrochen, bezahlt, wenn man die Aktie zum aktuellen Kurs kaufen würde. Kurz:

KGV = Aktienkurs / Unternehmensgewinn pro Aktie

Das klingt nach einer seltsamen Bewertungsmethode, ist es aber gar nicht. Nehmen Sie als Vergleich mal eine Wohnung, die Sie erwerben und dann vermieten möchten. Würden Sie da nicht auch den verlangten Kaufpreis ins Verhältnis zu den voraussichtlichen Mieteinnahmen setzen und sich ausrechnen, wie lange Sie brauchen würden, um den Kaufpreis auf diesem Wege wieder herauszuholen?

Ein ertragsstarkes Unternehmen, das entsprechend imstande ist, Ihnen gute Dividenden zu zahlen, ist immer besser als eines, das kaum etwas verdient oder bei denen die Gewinne stagnieren oder gar auf dem Rückzug sind. Und je niedriger das KGV ist, desto schneller verdient das Unternehmen das, was Sie aktuell für eine Aktie bezahlen müssten. Was aber gleich zu einem ganz wichtigen Aspekt führt: Hier darf man auf keinen Fall Äpfel mit Birnen vergleichen. Der absolute Wert eines KGV sagt noch nicht genug aus, man muss genauer hinsehen, um eine „günstige“ Aktie identifizieren zu können.

Wichtige Eckpfeiler bei der Betrachtung des KGV

Es gibt Aktien wie z.B. die des Online-Händlers amazon.com, die trotz eines dreistelligen KGV immer weiter zulegen. Und andere wie z.B. die von Automobilherstellern wie Daimler, die selten in den Bereich eines zweistelligen KGV vorstoßen. Trotzdem müssen die Aktien mit dem niedrigen KGV nicht zwingend „billig“ sein. In Bezug auf das KGV träfe das zwar zu, aber das heißt nicht, dass eine solche Aktie nun so weit steigen müsste, dass sie zu den scheinbar „teuren“ Aktien aufschließt. Warum? Auf folgende Aspekte kommt es an:

Die Branche

Bestimmte Branchen wie z.B. der Automobilsektor haben traditionell ein eher niedriges Kurs/Gewinn-Verhältnis. Das liegt daran, dass man weiß, wie extrem deutlich die Gewinne solcher Unternehmen auf das Auf und Ab der Konjunktur reagieren. Da kann es rasend schnell zu Verlusten kommen, bei den Banken sieht es ähnlich aus. Daher sind hier KGVs um 15 schon teuer, während ein solcher Wert bei Aktien, die zu wachstumsstarken Branchen gehören, denen die Anleger massive Zuwächse in den kommenden Jahren zubilligen, überaus günstig wäre. Da kann dann schon mal ein KGV von 40 oder 50 auftauchen, das die Anleger ohne mit der Wimper zu zucken bezahlen.

Die Dividenden

Das KGV misst nicht, was die Unternehmen an Dividende ausschütten. Nicht immer ist alleine der erhoffte Kursgewinn für den Kauf entscheidend. Es gibt Aktien, deren Dividendenrendite, d.h. die Ausschüttung geteilt durch den aktuellen Aktienkurs, weit über der von Anleihen liegt. Da akzeptieren viele Investoren gerne ein etwas höheres KGV, wenn sie zugleich mit einer hohen Ausschüttung belohnt werden.

KGV-Tabelle_LYNX

Daher muss man immer aufpassen, dass man keine Äpfel mit Birnen vergleicht. Die vorstehende Grafik zeigt die Entwicklung des KGV bei einigen im DAX notierten Aktien. Sie sehen, dass es da durchaus Unterschiede gibt. Die aber darin begründet sind, dass die ganz unterschiedlichen Branchen, zu denen diese Aktien gehören, von den Investoren auch unterschiedlich bewertet werden. Aber:

Die psychologische Komponente

Solche Ansichten können sich über die Jahre stark verändern. Heute als zukunftsträchtig gesehene Branchen können in der Zukunft als weit weniger interessant erweisen. So hat man z.B. für die Solarbranche viele Jahre lang immens hohe KGVs akzeptiert. Heute sieht das ganz anders aus, weil die Anbieter zahlreicher werden, so die Konkurrenz wächst und die Unternehmen Preisdruck spüren, mit dem man früher nicht gerechnet hatte.

Auch Dividenden sind, wenn es mit der Wirtschaft auch mal wieder bergab geht, alles andere als gesichert. Auch dort sollte man eine gute Dividendenrendite als Rechtfertigung eines etwas höheren KGV also sicherheitshalber als potenziell vergänglich einstufen.

Die konjunkturelle Phase

Ein weiterer Aspekt muss bei der Betrachtung von „billig“ und „teuer“ ebenfalls mit einbezogen werden: Befindet sich die Wirtschaft in einer Wachstumsphase oder in einer Rezession? In einer Rezessionsphase wird die Messgröße KGV nämlich oft unbrauchbar. Der Grund: Da pflegen die Unternehmensgewinne vieler Firmen entweder sehr stark einzubrechen oder gar Verluste aufzutauchen. Dadurch kann ein KGV förmlich nach oben explodieren, z.B. dann, wenn die Gewinne um 80 Prozent einbrechen, die Aktie aber „nur“ 50 Prozent gefallen ist. Dann ist das KGV plötzlich deutlich höher. Und natürlich hat sich die Berechnung in dem Moment erledigt, in dem die Gewinne zu Verlusten werden, weil sich das KGV nicht mit negativen Zahlen berechnen lässt.

Billige Märkte, teure Märkte

Auch für Aktienindizes lässt sich ein KGV berechnen, was gerne als Entscheidungsgrundlage genutzt wird, ob man in einen bestimmten Markt investieren sollte oder nicht. Die Berechnung erfolgt, indem man einfach die Gewinne aller im Index gelisteten Aktien entsprechend der Gewichtung der Aktien im Index aufsummiert und durch die Zahl der Aktien (also beim DAX oder Dow Jones durch 30) teilt.

Als Entscheidungsgrundlage pflegen die Investoren dann den langfristigen historischen Vergleich zu verwenden oder aber den Vergleich des aktuellen KGV mit dem eines anderen Index. Die vorstehende Grafik zeigt die Entwicklung des KGV beim DAX seit 1980. Sie sehen: in den Achtziger und Neunziger Jahren lag das KGV deutlich höher als heute. Ist der DAX somit „billig“?

Es hat den Anschein, vor allem, wenn man ihn, wie nachstehend gezeigt, mit dem Dow Jones vergleicht. Letzterer weist ein weit höheres KGV aus, das überdies in den vergangenen Jahren markant stärker gestiegen ist als das des DAX. Aber warum zieht der DAX dann nicht nach?

Da greift wieder die psychologische Komponente. Der US-Wirtschaft trauen die Investoren momentan deutlich stärkeres Wachstum zu als der deutschen Konjunktur. Deswegen sind sie bereit, für US-Aktien mehr zu bezahlen. In den Achtzigern und Neunzigern galt das für Europa, daher lag das KGV des DAX damals höher.

Wenn sich aber die Erwartung eines stärkeren Wachstums in den USA nicht erfüllen sollte, muss das nicht dazu führen, dass der DAX nachzieht. Wahrscheinlicher wäre dann, dass das KGV des Dow Jones fällt, weil man dort aus den plötzlich teuer wirkenden Aktien aussteigen würde.

Faustregeln?

Nach all diesen Betrachtungen wird klar: Simple Faustregeln kann es nicht geben, wenn es um die Frage geht, welches KGV denn nun bei einer bestimmten Aktie als „billig“ einzustufen wäre. Wie kann, wie sollte man da am besten vorgehen?

Nehmen Sei das KGV als ein „Tool“ von vielen, wenn es um die Frage geht, ob man einsteigen sollte oder nicht. Betrachten Sie die Branche und vergleichen Sie einzelne Aktien dieser Branche hinsichtlich des KGV miteinander. Betrachten Sie als zusätzliches Element die Höhe der Dividendenrendite. Und wenn Sie sich da dann eine Aktie „ausgeguckt“ haben, betrachten Sie zugleich die charttechnische Situation:

Auch, wenn eine Aktie grundsätzlich „billig“ ist, sollte man sie nur dann ins Depot nehmen, wenn sie einen Aufwärtstrend vorweisen kann. In ein fallendes Messer zu greifen ist so gut wie nie ratsam, denn ein alter Börsenspruch lautet zu Recht: Was billig scheint, kann leicht noch viel billiger werden!

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Offenlegung gemäß § 34b WpHG zwecks möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den im Artikel erwähnten bzw. als Beispiele gezeigten Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

Hinweis: Charts mit MarketMaker pp erstellt

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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