Skip to main content
DAX
SX5E
SPX
NDX
EUR.USD
MDAX
TDX
INDU
Bitte wählen Sie:

Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 09.-15.03.2026

Warum sind die US-Börsen bislang so stabil?

Von

09.03.2026 | 07:00 Uhr

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Heute vor einer Woche konnten die Aktienmärkte erstmals auf die Ereignisse in Nahost reagieren – und es waren keine guten Nachrichten, die da kamen. Der Ölpreis legte massiv zu. DAX und Euro Stoxx 50 verloren im Wochenvergleich 6,7 bzw. 6,8 Prozent. Aber an der Wall Street ging die deutliche Verschärfung der geopolitischen Lage offenbar großenteils vorbei. Dow Jones -3,0 Prozent, S&P 500 –2,0 Prozent, Nasdaq 100 -1,3 Prozent. Ist das ein Signal der Stärke, dem man über den Weg trauen könnte?

Wenn man bedenkt, dass der bei militärischen Konflikten dieser Größenordnung typische „Dollar-Reflex“ zugleich dazu geführt hat, dass der US-Dollar zum Euro in der vergangenen Woche etwa 1,6 Prozent zulegte, hätte ein europäischer Anleger mit einem Nasdaq 100-ETF sogar ein kleines Plus erzielt. Bei Ölpreisen, die in Richtung 100-US-Dollar-Marke haussieren und einer Gesamtsituation die, vorsichtig formuliert, einige unkalkulierbare Aspekte hat. Diese relative Stabilität der US-Aktienmärkte wirft daher Fragen auf. Aber im Gegensatz zu der Frage, wie es konkret im Nahen Osten weitergeht und welche mittelfristigen Folgen daraus entstehen, gibt es zu diesen Fragen auch Antworten.

Börse aktuell: Entwicklung DAX und Dow Jones im ersten Quartal 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX und Dow Jones im ersten Quartal 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Steigende Ölpreise sieht man in den USA gern mal gelassen… zumindest zunächst

Auffällig ist, wenn man einmal zurückblickt, dass die Reaktion der US-Aktienindizes Ende Februar 2022, als Russland die Ukraine angriff, auffällig ähnlich daherkam. Und auch da schoss der Ölpreis in die Höhe. Zeitlich läuft es da gerade fast spiegelbildlich ab wie vor vier Jahren, das sehen wir im folgenden Rohöl-Chart auf Wochenbasis. Und bliebe diese Parallelität erhalten, wäre der Ölpreis jetzt noch nicht einmal „oben“.

Börse aktuell: Entwicklung Rohöl Brent von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Rohöl Brent von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Und auch die Reaktion der US-Aktien läuft bislang sehr ähnlich ab wie damals. Auch Ende Februar bzw. Anfang März 2022 gerieten die Eurozone-Börsen deutlich mehr unter Druck als die in den USA. Der unten folgende Chart des Börsenjahres 2022 zeigt aber: Diese Stabilität des marktbreiten US-Index S&P 500 als Repräsentant für den US-Gesamtmarkt war nicht in Stein gemeißelt. Ab Beginn des zweiten Quartals ging es dann doch abwärts. Was aber nicht unmittelbar mit dem Ukraine-Konflikt zu tun hatte.

Ein Grund, warum viele Anleger in den USA damals so lange gelassen blieben und es im aktuellen Fall ebenfalls sind, lautet: Man glaubt, sich für solche geopolitischen Spannungen nicht interessieren zu müssen, weil sie außerhalb des eigenen Dunstkreises liegen. Die Iran-Aktion der USA hat zwar eine andere Qualität, weil die USA hier selbst aktiv involviert sind. Aber selbst dann sehen viele das als ein Problem an, das sie nur am Rande betrifft. Das ist eine Sache des Militärs, die US-Armee wird als die stärkste der Welt angesehen, warum also sollte man sich da Gedanken machen? Außenpolitische Faktoren spielen für die US-Bürger eine ziemlich untergeordnete Rolle. Etwas anderes jedoch eine weitaus größere: der Benzinpreis.

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 im Jahr 2022 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 im Jahr 2022 | Quelle: marketmaker pp4

Beim Benzinpreis verstehen die US-Bürger keinen Spaß

Für uns in Europa mag es absurd klingen, dass US-Bürger bzw. US-Anleger die Spritpreise als wichtiger einordnen als einen Krieg in Nahost. Aber da ist ihnen eben das Hemd näher als die Hose, zumal die mediale Landschaft dort in zwei Teile gespalten ist. Je nachdem, welche Sender man frequentiert, wird man nicht einmal darüber informiert, dass die US-Führung diese „Kampagne“ in Nahost offenbar gefährlich planlos gestartet hat und die Ziele, die man erreichen will, in schneller Folge durchwechseln.

Aber beim Benzinpreis verstehen viele US-Amerikaner keinen Spaß, denn für sie ist das ein elementarer Teil ihrer Ausgaben. Davon abgesehen, dass der Durchschnittsverbrauch dort deutlich über dem in Europa liegt, sind die Wege dort weiter, meist sogar sehr viel weiter. Und die Alternativen sind für viele dünn gesät bis nicht vorhanden, d.h. man ist auf sein Auto angewiesen. Und weil der Spritpreis in den USA weniger von Steuern belastet ist, schlagen Veränderungen des Ölpreises relativ gesehen dort stärker durch.

Am Donnerstag war der Preis für Superbenzin in den USA im landesweiten Durchschnitt bereits um zehn Prozent zur Vorwoche gestiegen. Der Schnitt lag bei 3,25 US-Dollar pro Gallone. Am Sonntag waren es laut der Übersichtsseite gasprices.aaa.com bereits 3,45 US-Dollar. Anfang Januar lag der Schnitt noch bei 2,81 US-Dollar.

Richtig ist zwar, dass die USA auch deswegen gelassener auf Irritationen bei der weltweiten Ölförderung reagieren, weil man dort schon seit Jahren nicht mehr auf Importe angewiesen ist. Aber natürlich reagieren auch die US-Ölkonzerne und nehmen die Preise nach oben. Und da Benzin dort in Bezug auf die Gesamtausgaben der Bevölkerung eine deutlich größere Rolle spielt als in Europa, führt das dazu, dass die US-Wirtschaft quasi durch die Hintertür doch von diesen geopolitischen Verwerfungen eingeholt wird: durch Inflation.

Wenn wir uns im folgenden Chart einmal ansehen, wie sich die US-Inflationsrate und der S&P 500-Index im Jahr 2022 verhalten haben, erkennen wir hier eine recht enge Korrelation. Aber!

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 Index und US-Inflationsrate von 2021 bis 2023 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 Index und US-Inflationsrate von 2021 bis 2023 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Was wir hier auch sehen ist, dass man die schon Mitte 2021 deutlich anziehende Inflationsrate zunächst nicht ernst genommen hatte. Man war sich sicher: Die Inflation bleibt nicht lange, die geht von alleine wieder weg. Dasselbe dachte man in Bezug auf den gestiegenen Öl- bzw. Benzinpreis. Und hätte man damit richtig gelegen, wäre 2022 für den Aktienmarkt in den USA weitaus weniger schwach gelaufen, als es am Ende der Fall war. Diese Erwartung, dass negative Faktoren als kurze Episode enden, scheint man auch heute zu hegen. Die Frage ist also:

Viele unterstellen ein schnelles Ende der Belastungsfaktoren

Haben diejenigen, die aktuell keinen Grund sehen, sich um die Stabilität der US-Wirtschaft Sorgen zu machen, recht … oder liegen sie womöglich dramatisch falsch?

Die im Strom der Nahost-Nachrichten fast untergegangenen US-Arbeitsmarktdaten weisen erheblich steigende Risiken aus. Ein unerwarteter Verlust von 92.000 Arbeitsstellen im Februar, zugleich aber weiter an der Vier-Prozent-Grenze steigende Löhne, das bringt die US-Notenbank in Sachen Zinssenkungen in eine Zwickmühle. Und käme jetzt durch einen längere Zeit höheren Benzinpreis auch noch der Inflationsaspekt hinzu, würden die Versprechungen des US-Präsidenten, gewaltiges Wachstum zu generieren, noch mehr unterminiert, als sie es jetzt bereits sind.

Börse aktuell: Entwicklung DAX und Dow Jones von 2007 bis 2009 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX und Dow Jones von 2007 bis 2009 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Es ist keineswegs ungewöhnlich, dass sich der US-Aktienmarkt zu Beginn kritischer Phasen deutlich gelassener präsentiert als die europäischen Märkte. Aber keineswegs immer lag man damit in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten richtig. Der vorstehende Chart zeigt beispielsweise, dass man beim Platzen der Subprime-Blase ebenfalls anfangs lange versuchte, die US-Aktien stabil zu halten. Auch, um zu verhindern, dass wenig versierte Anleger unruhig werden, aussteigen und das eine Verkaufslawine auslöst, die man nicht mehr würde stoppen können. Am Ende aber, das wissen wir heute, kam sie trotzdem.

Fazit: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ ist kein solides Fundament

Diese für viele sicherlich überraschende Stabilität der US-Aktienmärkte ist kein Novum. Sie basiert auf der Überzeugung, dass Entwicklungen wie die in Nahost der US-Wirtschaft nichts anhaben können. Die Achillesferse ist aber zum einen die Entwicklung des Öl- bzw. Benzinpreises und zum anderen die schon vor diesem Angriff auf den Iran eher wacklig wirkende konjunkturelle Lage der US-Wirtschaft, die man jetzt angesichts der Nachrichtenflut in Bezug auf Nahost leicht aus dem Auge verlieren kann …

… und auch dazu neigt, es zu tun. Denn Unerfreuliches blendet man nur zu gerne aus, siehe die Entwicklung 2008 oder, aktueller, diese Phase 2022 und die damals eigentlich absehbaren Inflationsprobleme. Darauf zu setzen, dass Dow Jones & Co. auch weiterhin stabil bleiben oder sogar nach oben davonziehen, ist zwar eine Wette, die man eventuell gewinnen könnte. Aber nüchtern betrachtet stehen die Chancen dafür nicht hoch genug, um sie einzugehen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 08.03.2026 um 22:21 Uhr. Wir beabsichtigen, diesen Artikel mindestens alle zu aktualisieren.

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
Firmendepot für Kapitalgesellschaften

Sie möchten ein Depot für Ihre GmbH, AG oder UG eröffnen und Betriebsvermögen in Wertpapieren anlegen? Informieren Sie sich jetzt über unser Wertpapierdepot für Geschäftskunden: Mehr zum Firmendepot über LYNX



Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.02.2026 um 17:48 Uhr. Wir beabsichtigen, diesen Artikel mindestens alle zu aktualisieren.

Börsensprüche gibt es reichlich. Mit ihnen versucht man seit Anbeginn des Börsenhandels, eine eigentlich hoch komplexe Sache zu vereinfachen, indem man so etwas wie Faustregeln liefert, die Orientierung geben sollen. Viele davon sind nur Plattitüden. Manche aber taugen durchaus etwas. Hier ein paar taugliche Beispiele aus meiner Sicht.

Immer, wenn es um irgendwelche, angeblich statistisch fundierte „Faustregeln“ geht, kriege ich noch mehr graue Haare. Sprüche wie „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ oder „wie die ersten zehn Tage, so das ganze Jahr“ wirken zwar wie grandios clevere Hilfestellungen. Aber der Haken ist: Erstens sind solche Dinge nicht bzw. nicht mehr rational unterfüttert. Zweitens liegt ihre Trefferquote nur dann in einem einigermaßen tauglichen Bereich, wenn man die entsprechende Statistik an einem dafür optimalen Zeitpunkt startet. Alles, was mit Prognosen zu tun hat, ist an der Börse eine gewaltig wacklige Geschichte … meine Meinung dazu werden die meisten Leser nach zahlreichen Kolumnen zu diesem Thema vermutlich längst kennen.

Aber nur, weil etwas als flotter Spruch mit simplen Handlungsvorgaben daherkommt, muss es keineswegs zu einfach oder sogar falsch sein. Denn die Börse an sich ist kein Hexenwerk. Das Knifflige an der Sache ist, sich an Regeln zu halten, wenn diese den eigenen Emotionen zuwiderlaufen. Daran scheitern die meisten, nicht an der Börse an sich. Und da sind so ein paar verbale Handreichungen allemal von Nutzen. Ein paar Beispiele, mit denen man meiner Ansicht nach etwas anfangen könnte … und sollte:

Kaufe, wenn niemand kaufen will … und verkaufe, wenn alle kaufen wollen

Auf den ersten Blick wirkt dieser Spruch zu einfach gestrickt, aber es geht da auch nur um das Grundsätzliche: In dem Augenblick, in dem eine Aktienmarkt-Hausse in den Schlagzeilen von Medien auftaucht, die normalerweise mit Börse nichts am Hut haben, weil scheinbar alle jetzt mit Aktien reich werden können, wird es gefährlich. Aus der einfachen Überlegung heraus, dass in dem Moment, in dem auch der letzte mögliche Käufer wirklich gekauft hat, die Luft dünn wird. Umgekehrt gilt das, wenn aus einer normalen Korrektur eine Baisse wird und diese dann panikartige Züge annimmt und/oder auffallend lange anhält.

Börse aktuell: Entwicklung HelloFresh Aktie von 2020 bis 2022 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung HelloFresh Aktie von 2020 bis 2022 | Quelle: marketmaker pp4

Typische Beispiele wären die extreme Hausse in einigen Indizes und Einzelwerten, die bis Ende 2021 andauerte. Oder, im Gegenzug, die lange Baisse 2000 bis 2003, bei der man Anfang 2003 trotz wieder aufgehellter Rahmenbedingungen den Eindruck einer Kapitulation derer bekam, die zuvor immer wieder gegen den Trend gekauft und damit nur immer wieder erneut Verluste erlitten hatten. Dieses Beispiel sehen wir im folgenden Chart. Aber dieser Grundsatz, gegen die Masse zu handeln, wenn der Eindruck aufkommt, dass die Kurse extrem überzogen oder übertrieben gedrückt sind, kann und darf nur sehr allgemein betrachtet werden, denn:

Börse aktuell: Entwicklung DAX von 2000 bis 2003 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX von 2000 bis 2003 | Quelle: marketmaker pp4

In Sachen Timing kommt man damit natürlich nicht weit … eine Übertreibungsphase, egal, ob nach oben oder nach unten, kann deutlich länger anhalten, als man es auf Basis rationaler Überlegungen annehmen würde. Mittel- und langfristig kann dieser Börsenspruch erfolgversprechend sein, aber nur, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass man womöglich noch eine Zeitlang auf der falschen Seite steht, wenn man unmittelbar dagegenhält. Wobei man dazu den folgenden Spruch beherzigen sollte:

Zum Ein- und Ausstieg wird nicht geklingelt

Trends können durch unerwartete Veränderungen der Rahmenbedingungen jederzeit abrupt enden und die Kurse in die Gegenrichtung sausen. Trends können aber auch verblüffend lange andauern. Wann genau und auf welchem Kursniveau eine Wende eintreten wird, die anhält und sich nicht nur als Gegenbewegung entpuppt, kann man definitiv nie vorher genau wissen. Daher hat dieser alte Spruch, dass zum Ein- und Ausstieg nicht geklingelt wird, sprich dass man nie ein klares Signal bekommen wird, dass genau hier und jetzt das Hoch oder das Tief erreicht ist, schon seine Berechtigung, denn er macht eines glasklar:

Stur darauf zu warten, bis einem auf irgendeine Weise deutlich gemacht wird, dass man genau jetzt verkaufen oder im Gegenzug genau jetzt kaufen müsste, ist eine ganz schlechte Idee. Die alte Regel, dass einen Anleger der Versuch, die letzten Paar Euro oder Punkte in einer Hausse mitnehmen zu wollen, am Ende fast immer teuer zu stehen bekommt … entweder, weil diese letzten Schritte zum selbst vorgegebenen Ziel nicht kamen oder man so gierig wird, dass man einfach das Ziel höher legt und es dann nicht erreicht wird … hat schon ihre Berechtigung.

Und das mit dem ausbleibenden „Klingeln“ macht ebenso deutlich: Wann was zu tun ist, wird einem gemeinhin nicht auf dem Silbertablett gereicht, man muss sich schon selbst ein wenig um sein Geld kümmern. Wobei eines gerne vergessen wird, wenn es gerade gut läuft:

Runter geht es immer schneller oder: Was hoch steigt, kann auch tief fallen

Abwärtsbewegungen laufen meist deutlich abrupter ab als Aufwärtstrends. Der Grund hierfür ist, dass viele, teils auch sehr große Akteure die Grundregeln der Märkte einfach ignorieren und stetig weiter zukaufen … ihr Risiko immer weiter steigern, je länger nichts schiefging … und dabei die Absicherung schleifen lassen. Kommt es dann zu einer größeren Irritation, fallen viele aus allen Wolken und neigen zu einer Überreaktion, indem man unlimitiert und bisweilen auch viel zu umfassend verkauft, nach dem Motto: erst handeln, dann denken … aus Angst, ansonsten noch größere Verluste zu erleiden oder ggf. sogar aus Positionen mangels Käufer gar nicht mehr herauszukommen.

Börse aktuell: Entwicklung DAX im ersten Halbjahr 2025 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX im ersten Halbjahr 2025 | Quelle: marketmaker pp4

Diesen Spruch „runter geht es meistens schneller als rauf“ sollte man daher immer im Hinterkopf haben. Denn er macht nicht nur klar, dass das Unerwartete an der Börse zuhause ist, sondern auch, dass man gut daran tut, immer darauf vorbereitet zu sein, indem man sein Risiko kalkuliert und nie ohne Absicherung vorgeht, statt selbstsicher die Zügel schleifen zu lassen. Wobei all diese Sprüche eigentlich am Ende zu einem „Kernspruch“ führen:

„the trend is your friend“

Folge dem Trend oder, in der englischen Variante, „the trend is your friend“. Eine Börsenregel kann kaum lapidarer klingen als diese … und doch tut sich wohl fast jeder immer wieder schwer damit. Denn einfach der Herde zu folgen, ist intellektuell nicht gerade herausfordernd und führt auch nicht zu Ruhm und Ehre, indem man anderen erzählen könnte, genau unten ein- und oben wieder ausgestiegen zu sein. Und das ist nicht das Einzige, was diese simple Regel zu einer kniffligen Sache macht:

Börse aktuell: Entwicklung Nemetschek Aktie von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nemetschek Aktie von 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

So ein Trend muss sich erst einmal etablieren, das erfordert Geduld. Kein Trend verläuft schnurgerade, es gibt immer wieder Gegenbewegungen. Da nicht voreilig auszusteigen, sondern abzuwarten, bis klar wird, ob der Trend erhalten bleibt oder nicht, erfordert Disziplin. Und wenn es sich um Trends handelt, die eigentlich gegen die Logik weitergehen, muss man auch noch imstande sein, eigene Ansichten auszusperren. Dieser Börsenspruch ist ein Nukleus des Investierens. Aber eben nicht so ganz einfach umzusetzen.

Schafft man es, ist man grundsätzlich gut dabei. Gelingt das nicht, wird einem irgendjemand womöglich angesichts hektischer Aktivitäten auf Basis von Nervosität, Besserwissens oder Ungeduld mit dem ebenso platten wie wahren Börsenspruch daherkommen: „Hin und Her macht Taschen leer.“

Das ewige „ja, aber“-Problem

Zieht man einen Strich unter diese Börsensprüche, könnte man als Außenstehender auf die Idee kommen: Börse ist ja eigentlich doch ganz einfach. Und ja, das wäre sie, wenn wir stur nach den Regeln funktionierende Maschinen wären. Aber wir sind nun einmal Menschen und somit mit Emotionen ausgestattet. Die einem im „normalen Leben“ oft zugutekommen, als Anleger aber mehr Schaden als Nutzen einbringen.

Denn dadurch wird die nötige Disziplin und Emotionslosigkeit immer wieder von dieser inneren Stimme unterminiert, die ihre Argumente üblicherweise mit „ja, aber“ beginnt:

Ja, aber vielleicht geht es ja noch höher! Ja, aber das ist jetzt doch schon mehr als billig und bis zum vorherigen Hoch würdest du 100 Prozent Gewinn machen! Ja, aber ich habe das Geld eben jetzt, warum sollte ich warten, langfristig steigen Aktien doch eh? Ja, aber so ein Stoppkurs kann auch mal mehr kosten als bringen, wenn es danach sofort wieder hoch geht. Ja, aber die anderen machen es doch auch so! Die Liste ließe sich abendfüllend fortführen.

Fazit: Börsensprüche sind nicht alle tiefgründige Weisheiten, aber viele taugen durchaus etwas. Nicht umsonst halten sie sich seit Generationen. Aber sie zu beherzigen, ist eben nicht ganz einfach. Mir hat es eine Zeit lang geholfen, sie auszudrucken und um mich herum ins Büro zu hängen. Einfach, um immer wieder daran erinnert zu werden, dass man leicht glaubt, schlau genug zu sein, um keine Regeln zu brauchen, wodurch man indes beweist, dass man dann doch dumm genug ist, das zu glauben.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.02.2026 um 10:07 Uhr. Wir beabsichtigen, diesen Artikel mindestens alle zu aktualisieren.

Richtig gut liefen die meisten Aktien von Software-Unternehmen schon 2025 nicht. Aber Mitte Januar begannen viele von ihnen plötzlich zeitgleich wie vom Blitz getroffen zu fallen. Die KI werde viele Software-Anwendungen vom Markt verdrängen, hieß es als Begründung. Mich beschleicht das Gefühl, dass diejenigen, die jetzt Aktien wie Microsoft oder SAP wie sauer Bier verkaufen, die Sache nicht allzu sehr hinterfragt haben. Ich für meinen Teil hätte da durchaus noch Fragen.

Seit ich Ende der Achtzigerjahre planlos meine ersten Aktien gekauft habe, zügig feststellte, dass cool klingende Unternehmensnamen wie „Bijou Brigitte“ und „Gold Mines of Kalgoorlie“ kein Garant für Gewinne sind und mich daran machte, die Sache doch lieber gründlich von der Pike auf zu erlernen, habe ich schon x-mal erlebt, dass die Masse der Anleger von dieser Sache mit dem Erlernen der Grundlagen wenig zu halten scheint. Erst handeln, dann denken – das scheint ein weit verbreitetes Motto zu sein. Kurz: Ich habe schon viele „dumme“ Trends gesehen, die bisweilen verblüffend hartnäckig waren.

Wobei das keineswegs heißen soll, dass ich glauben würde, die Mehrheit der Anleger wäre dumm. Nur die wenigen, die in kurzen Phasen, in denen irgendeine „Parole“ durch die Börsensäle geistert, massiv aktiv werden, gehören zur Verdachtsgruppe. Die große Mehrheit schaufelt ja nicht andauernd den Depotbestand von links nach rechts, sondern bleibt passiv. Ob diese Mehrheit begeistert über eine Idee ist oder den Kopf schüttelt, sieht man nicht. Aber wer nicht unmittelbar aktiv wird, bremst eben solche Kursimpulse auch nicht, so dass es zumindest so aussieht, als würden alle mitziehen.

Denken wir an die Phase vor dem Platzen der Internetblase, also an die Zeit von Mitte 1999 bis zum Frühjahr 2000. Oder an die Schnapsidee, als Absicherung vor einer durch die Subprime-Blase ausgelösten Krise „echte Werte“ zu kaufen, wodurch Hinz und Kunz in Rohöl „machte“ und der Preis durch die Decke ging, bis er dann komplett zusammenbrach. Oder die scheinbar feste Überzeugung, die durch die Nachwehen der Corona-Phase losgetretene Inflation werde schon von alleine weggehen, das Wachstum, das man erhoffte, aber umso größer ausfallen … eine weitere nicht fundierte „Idee“, die zu dem unschönen Börsenjahr 2022 führte.

Und immer wieder waren die Triebfedern Aussagen, die extrem klangen. Vorgebliche „Gewissheiten“, die entweder Gier oder Angst auslösten und deshalb imstande waren, bei nicht wenigen die Ratio aus dem Spiel zu nehmen. Und immer endeten diese Spielchen damit, dass diejenigen, die ganz am Anfang auf den Zug aufsprangen, in die Reaktion der Masse hinein Kasse machten, während die Masse der Mitläufer am Ende die Gelackmeierten waren. Es ist also unbedingt angeraten, solche plötzlich aus dem Nichts auftauchenden „Trends“ zu hinterfragen um erst dann zu entscheiden: Gehe ich da mit … halte ich mich heraus .. oder halte ich vielleicht sogar dagegen?

Diese Sache mit dem nahenden Software-Sterben als Folge der KI-Revolution gehört für mich in diese Kategorie „hinterfragenswert“. Und ja, ich hätte dazu ein paar Fragen.

Es muss nur einer „Feuer“ schreien …

An der Künstlichen Intelligenz wird nicht erst seit 2023 gearbeitet. Unternehmen entwickeln entsprechende Systeme seit Jahren. Andere entwickeln und fertigen die nötige Hardware oder stellen die Infrastruktur-Umgebung bereit. Ja, keine Frage, wir sprechen hier von einem dynamischen Prozess, von einer Entwicklung, die sukzessiv in die Breite geht und sich beschleunigt. Trotzdem ist es ja eigentlich seltsam, dass der Aktienmarkt erst im Mai 2023, als Nvidia das Thema KI als entscheidenden Faktor starken Wachstums betonte, wirklich darauf aufmerksam wurde … dann aber alle gleichzeitig meinten, dabei sein zu müssen.

Börse aktuell: Entwicklung Nvidia von 2022 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nvidia von 2022 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Es ist wirklich genauso, wie dieser alte Spruch es beschreibt: Es muss nur einer laut genug Feuer schreien, dann rennen alle los … ohne zu prüfen, wo es brennt, wie stark es brennt, ob sie selbst betroffen sind oder … ob es überhaupt brennt. Weil Feuer beim Menschen automatisch eine instinktive Angstreaktion auslöst, die suggeriert: Wer da zu lange nachdenkt, verliert. Wer sich schon ein paar Jahre durch das Börsen-Getümmel bewegt hat, weiß: Das funktioniert nicht nur mit Angst, sondern auch mit Gier.

Was wir wissen, ist: In die Entwicklung von KI-Systemen verschiedenster Art werden Hunderte von Milliarden gesteckt. Große Konzerne wie Alphabet, Meta oder Amazon pumpen Summen in diese Thematik, die irrwitzig wirken.

Was wir aber nicht wissen ist: Was wird bei diesem Investment-Schub am Ende als Rendite herauskommen? Sprich wer wird sich eine goldene Nase verdienen, wer wird draufzahlen oder sogar komplett scheitern? Welche Unternehmen, die sich mit der Thematik befassen oder sie für sich nutzen wollen, setzen sich am Ende durch? In welchen Bereichen wird die KI in zwei, fünf oder zehn Jahren dominant sein?

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 Subindex Halbleiter und Software im Vergleich von August 2025 bis Februar 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 Subindex Halbleiter und Software im Vergleich von August 2025 bis Februar 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Bei mir entsteht der Eindruck, ebenso wie bei den oben genannten Beispielen für „dumme Trends“ differenzieren viele hier nicht besonders, man rennt immer noch blind weiter, weil immer wieder irgendwer „Feuer“ schreit.

Eines aber darf man als sicher festhalten: Wie bei jedem Hype verdienen am Ende einige derjenigen, die nach diesem neuen „Gold“ schürfen, viele aber nicht. Ganz sicher aber verdienen diejenigen, die wie bei den Goldrausch-Phasen früherer Zeiten die Hacken und Schaufeln verkaufen: Diejenigen also, die die Hardware liefern oder die Rechenzentren bauen. Denn sie produzieren und kassieren jetzt … sitzen zudem auf vollen Auftragsbüchern … und wer da am Ende mit der KI selbst erfolgreich ist und wer nicht, ist schlicht und einfach nicht deren Problem. Und das führt mich zum Thema „KI kills Software“ zurück:

Ich frage mich …

Ich frage ich: Wieso kommt man erst jetzt auf diese „Idee“, fast drei Jahre, nachdem ein Statement von Nvidia im Mai 2023 den KI-Hype lostrat. Man weiß, welche Anwendungsmöglichkeiten die KI hat, die auch schon jetzt genutzt werden. Man weiß, dass sich die KI in sehr vielen Sektoren zu einer wichtigen, wenn nicht entscheidenden Größe etablieren kann.  Aber erst im Januar 2026 geht die „Parole“ um, dass das ganz bestimmt fürchterlichen Schaden bei Unternehmen anrichten wird, die Software entwickeln und vertreiben? Sicher, man fragt sich ja bei manchen Dingen bisweilen „wieso ist da denn keiner vorher draufgekommen“, z.B. dass eine ungesunde Lebensweise ungesund sein könnte. Aber wirkt das nicht sehr wie ein Paradebeispiel dafür, dass nur einer laut genug „Feuer“ rufen muss?

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100, Microsoft und Adobe im Vergleich Anfang 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100, Microsoft und Adobe im Vergleich Anfang 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Ich frage mich zudem, ob es realistisch ist zu unterstellen, dass z.B. SAP als Anbieter von Software, die Unternehmensprozesse „all in one“ und sicher abwickelt … oder Nemetschek, die Software für den Bau- und Architekturbereich entwickeln … oder ATOSS Software, die Workforce-Software anbieten … durch KI-Anwendungen überrollt werden könnten. Diese Software-Systeme arbeiten alle mit hochsensiblen Daten, die auf keinen Fall einen klar definierten Bereich verlassen dürfen. Und es geht um Bereiche, in denen kleinste Fehler zum Waterloo werden können. Ist es denn wirklich realistisch zu unterstellen, dass diese Systeme allen Ernstes „aussterben“, weil zukünftig zahlreiche Unternehmen lieber auf KI-Programme setzen?

Ich frage mich darüber hinaus, was diejenigen glauben, die jetzt Software-Aktien ggf. sogar spekulativ auf der Short-Seite handeln, warum es so kommen wird wie eben beschrieben. Richtig ist natürlich, dass einfachere Arbeitsschritte, wie sie z.B. teure Bildsoftware auch liefert, von KI genauso geleistet werden könnten. Das gilt auch für allerhand Aspekte im Bereich Lagerhaltung oder Transportwesen oder bei Versuchsreihen in der Forschung. Aber das ist denen, die entsprechende Software anbieten, ja nicht erst im gleichen Augenblick eingefallen wie dem Aktienmarkt. Man ist ja längst bemüht, die KI in neue Entwicklungen einzubeziehen. Eigentlich wäre es nur dann denkbar, dass dieser Prozess wirklich größere Ausmaße annimmt und sehr viele Software-Firmen in die Bredouille bringt, wenn eines der Fall sein würde:

Börse aktuell: Entwicklung DAX, SAP, Nemetschek und ATOSS Software im Vergleich Anfang 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX, SAP, Nemetschek und ATOSS Software im Vergleich Anfang 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Wenn die Alternativen im KI-Bereich dramatisch preisgünstiger wären als die bisherigen Software-Lösungen. Aber wird das denn so sein? Das weiß doch derzeit noch niemand. Aber eines dürfte klar sein, wenn man sich die Sache mal durchdenkt: Aktuell werden Hunderte von Milliarden in die KI gesteckt. Wenn man die Investitionen der Unternehmen, in die die großen Unternehmen wiederum in Sachen KI investieren, mit dazu nimmt, könnte die Billionen-Grenze leicht überschritten werden … nicht insgesamt, sondern für dieses und für die kommenden Jahre jeweils pro Jahr.

All diese gigantischen Summen fordern am Ende Rendite. Alles, was über Kinkerlitzchen hinausgeht, wird in Sachen KI Geld kosten, man will und muss diese Sache, wie man so schön sagt, „monetarisieren“. Erst, wenn die komplexen, für Unternehmen wirklich tauglichen Anwendungen bereitstehen, wenn sie getestet und robust sind und wenn absehbar ist, was ein solcher Spaß die Firmen kostet, werden diese entscheiden, ob sie sich mehr auf KI als auf die bisherigen Software-Systeme verlassen wollen. Das sind Fragen, deren Antworten in der Zukunft liegen.

Aus meiner Sicht brennt hier gerade ein Strohfeuer ab

Diese vorstehenden Fragen sagen mir persönlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht nur ein „Software-Sterben“ geben wird, sondern dass es auch noch recht bald dazu kommen wird, ist aus meiner Sicht gering genug, um auf Basis dieser „KI-Angst“ abgestürzte Aktien dieser Branche jetzt eher als potenzielle Einstiegschancen in die Watchlist zu packen.

Ich meine, es könnte allemal lohnen, auf Signale im Chartbild zu warten, die die Vermutung unterstützen würden, dass dieser von einigen unterstellte Flächenbrand als Strohfeuer endet, das zwar im Moment lichterloh brennt und bedrohlich wirkt, am Ende aber einen deutlich geringeren Schaden anrichtet als den, den man angesichts der hier gezeigten „Absturz-Charts“ aktuell am Markt unterstellt.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.