Inhalt
Das sind vier Bausteine einer systematischen Trading-Strategie:
1. Ein klares Regelwerk fürs Trading
Alle Details der Strategie sollten klar und eindeutig definiert sein. Also z. B.: In welchem Markt und mit welchem Handelsinstrument handeln Sie, welchen Chart, welchen Zeitraum, welche Indikatoren verwenden Sie, wann steigen Sie ein, wo liegen Gewinnziele und Stopps. Liegt eine definitionsgemäße Einstiegsgelegenheit vor, so spricht man von einem Trade-Setup.
Beispiel:
Markt: DAX, Instrument: Micro-DAX-Future, Chart: Balkenchart auf Tagesbasis, Zeitraum: wenige Wochen, Indikatoren: Gleitender Durchschnitt (GD) 50 Tage und GD 200 Tage, Einstieg bei Kreuzung des GD 200 durch den GD 50 von unten auf Schlusskursbasis, Gewinnziel 600 DAX-Punkte, Stopp: 300 DAX-Punkte.
Die obigen (und nachfolgenden9 Parameter sind beispielhaft gewählt, es handelt sich ausdrücklich nicht um eine von LYNX geprüfte Handelsstrategie.
2. Ein sinnvolles Money Management
Das Money Management beinhaltet in erster Linie Risiko-Fragen. Zum Beispiel: Wie groß ist eine Positionsgröße bzw. woran bemisst sich deren Größe. Wie hoch ist das maximale Risiko oder Standard-Risiko in Relation zum eingesetzten Kapital bzw. zum erwarteten Ertrag? Was passiert, wenn eine Verlustserie eintritt? Werden dann beispielsweise Positionsgrößen reduziert?
Beispiel:
Professionelle Trader setzen pro Trade meist einen festen Prozentsatz ihres Tradingkapitals aufs Spiel. Das heißt, die Spanne vom Einstieg bis zum Stoppkurs beträgt beispielsweise stets 1 % des Gesamtkapitals. Ein Trader mit einem Kapital von 50.000 Euro würde demnach pro Trade 500 Euro riskieren. Würde er z. B. eine Aktie mit einer Stoppabsicherung bei 10 % kaufen, so läge sein notwendiger Kapitaleinsatz demnach bei 5.000 Euro. Damit dieser Trade Sinn macht, muss das Kursziel deutlich höher liegen als der Kapitaleinsatz, also z. B. bei mindestens +15 % bis +25 %. Der Trader würde dann 500 Euro einsetzen, um einen Gewinn von 750 Euro bis 1.250 Euro zu erzielen.
3. Positionsmanagement
Das Positionsmanagement bezeichnet das Verwalten von bestehenden Handelspositionen. Wird beispielsweise der Stopp nachgezogen, gibt es unter bestimmten Bedingungen Teilverkäufe bzw. Teilgewinnmitnahmen. Werden z. B. Positionen geschlossen, wenn die Veröffentlichung wichtiger Konjunkturdaten ansteht (z. B. Arbeitsmarktdaten oder Fed-Beschlüsse in den USA). Bei einer Aktienstrategie könnte es beispielsweise sinnvoll sein, Positionen bei +/- Null abzusichern, sobald eine Gewinnschwelle von z. B. +15 % erreicht wurde. Auch eine teilweise Gewinnmitnahme ist möglich, sofern diese vorab im Rahmen der Strategie so festgelegt wurde.
4. Einen eindeutigen, messbaren Gewinnvorteil
Damit eine Handelsstrategie überhaupt diesen Namen verdient, muss es einen eindeutigen, messbaren Gewinnvorteil geben, der statistisch signifikant ist. Ob ein solcher Vorteil vorliegt, kann durch Backtesting, d. h. der rückblickenden Betrachtung einer statistisch ausreichenden Anzahl an Trade-Setups, sichergestellt werden oder durch einen vorliegenden Track Record, also eindeutig nachgewiesene und bestätigte Erfolge. Der statistische Vorteil muss laufend im Blick gehalten werden, denn die Märkte unterliegen stetigen Veränderungen. Was in der Vergangenheit profitabel war, muss nicht unbedingt auch in Zukunft funktionieren.
Wie Sie prüfen, ob eine Handelsstrategie profitabel ist
Bei der Überprüfung, ob eine Handelsstrategie profitabel ist oder nicht, ist Folgendes wichtig: Zum einen muss der Betrachtungszeitraum für das Backtesting lang genug sein und alle Marktphasen beinhalten, also zum Beispiel Bullenmarkt, Bärenmarkt und Seitwärtsphasen. Für diesen Zeitraum werden sämtliche (!) Trade-Setups erfasst, sodass die erzielbaren Ergebnisse ausgewertet werden können. Als Faustregel gilt, dass mindestens 200-300 Trade-Setups händisch oder per Computer ausgewertet werden sollten, um valide Ergebnisse in Bezug auf die Gewinnwahrscheinlichkeiten zu erhalten. Das hört sich nach viel Arbeit an und das ist es auch, aber der Aufwand lohnt sich, denn schließlich setzen Sie Ihr eigenes Kapital aufs Spiel. Mittels der Trefferquote kann so aus der Erwartungswert pro Trade ermittelt werden:
So können Sie den Erwartungswert pro Trade ermitteln
Zunächst werden die Ergebnisse aller Gewinntrades aufaddiert und durch die Anzahl der Gewinntrades geteilt. Dasselbe wird dann auch für die Verlusttrades durchgeführt. Multipliziert man die Trefferquote mit dem Durchschnittsergebnis eines Gewinntrades und zieht davon die Verlustwahrscheinlichkeit multipliziert mit der durchschnittlichen Verlusthöhe ab, so errechnet sich der Erwartungswert pro Trade in Prozent und Euro.
Gewinnwahrscheinlichkeit x Gewinnhöhe – Verlustwahrscheinlichkeit x Verlusthöhe = Ergebnis pro Trade
Beispiel:
Ihre langfristige Trefferquote liegt Ihren Aufzeichnungen zufolge bei 55 %. Sie riskieren pro Trade inkl. Brokergebühren stets 1 % Ihres Kapitals und erwarten im Gewinnfall +1,5 % Gewinn bezogen auf Ihr Gesamtkapital, ebenfalls nach Handelsgebühren. Ihre Rechnung lautet dann: 0,55 * 1,5 % – 0,45 * 1 % = 37,5 %
Ihr statistischer Erwartungswert pro Trade liegt demnach bei 0,375 % Ihres Kapitals. Um bezogen auf Ihr Gesamtkapital +37,5 % zu verdienen, müssen Sie also im Schnitt 100 Trades durchführen.
Das hört sich gut an, aber es wird natürlich in Ihren tatsächlichen Ergebnissen signifikante Abweichungen geben, möglicherweise in der Größenordnung +/- 20% aber über eine sehr hohe Anzahl von Trades sollte sich Ihr durchschnittliches Ergebnis statistisch betrachtet in etwa in diesem Bereich einpendeln.
Auf diese Weise betrachtet produziert jede systematische Trading-Strategie mit vergleichbaren Trades auch einen unterschiedlichen statistischen Erwartungswert pro Trade. Wichtig ist, dass dieser Wert über ausreichend viele Trades betrachtet im positiven Bereich liegt. Je mehr Trades Sie durchführen oder testen, desto weniger Einfluss hat der Faktor Zufall auf Ihre Trades und desto stabiler sollten Ihre Trading-Resultate werden.
Bitte machen Sie sich jedoch klar, dass keinerlei Gewissheit besteht, dass eine Trading-Strategie, die früher erfolgreiche Ergebnisse oder positive Statistiken vorweisen konnte, auch in Zukunft genauso funktioniert. Märkte unterliegen einem permanenten Wandel, etwa durch den verstärkten Einsatz intelligenter, algorithmischer Handelssysteme, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz das Kursverhalten beeinflussen. Wenn es Ihnen gelingt, flexibel auf mögliche Änderungen des Marktverhaltens zu reagieren, so haben Sie statistisch gesehen bessere Aussichten, in der Welt des Tradings zu bestehen.
