Seit Wochenbeginn ist der Abgabedruck bei allem, was mit dem Halbleitersektor zu tun hat, wieder da. Doch der TecDAX hält sich bisher recht solide, trotz der hohen Gewichtung der Halbleiter-Aktien im Index. Der Grund liegt darin, dass andere Aktien in die Bresche springen.
Die Himmelsstürmer des Frühjahrs sind die Bleigewichte von heute. Infineon, Siltronic, Elmos Semiconductor, Aixtron, SUSS MicroTec: Was bis Juni entscheidend dazu beitrug, den TecDAX auf seit dem Jahr 2000 nicht mehr gesehene Hochs zu tragen, war genauso entscheidend dafür, dass der TecDAX bis vor vier Wochen über die Hälfte der Frühjahres-Hausse wieder abgab. Dann kam es zu Gegenbewegungen bei diesen Halbleiter-Titeln … und der TecDAX erholte sich mit. Doch jetzt wird die Sache interessant:
Es waren nicht allein die Chip-Aktien, die seit dem 23. und 24. Juli, als der TecDAX die 200-Tage-Linie testete und dort mit Schwung nach oben drehte, für steigende Index-Kurse sorgten. Und die Aktien, die da anfingen, in Fahrt zu kommen, halten im Augenblick den Index relativ stabil, obgleich die vorgenannten, teils hoch im Index gewichteten Chip-Aktien wieder ins Trudeln kommen. Der in den letzten Analysen zum Index angesprochene mögliche Favoritenwechsel könnte also funktionieren … zumindest momentan sieht es da recht spannend aus.

Expertenmeinung: Die Aktien, die im Augenblick beim TecDAX die höchste relative Stärke im kurzfristigen Zeitraster aufweisen, sind die zuvor so massiv abverkauften Software-Aktien wie SAP, ATOSS Software, TeamViewer und, aber noch nicht so stark, Nemetschek. Die alleine würden den TecDAX aber nicht so stabilisieren … und tun es auch nicht. Mit dabei sind aktuell die beiden Healthcare-Titel Carl Zeiss Meditec und Siemens Healthineers. Und auch Hensoldt als einziger Vertreter des Rüstungssektors. Kann dieser Wechsel des Staffelstabes auf Dauer funktionieren?
Das muss er eigentlich gar nicht. Denn die Halbleiter-Aktien werden wohl eher nicht ins Bodenlose fallen, dafür gäbe es keine rationale Basis, auch wenn ein weiterer Rückgang grundsätzlich möglich ist … und irgendwann decken selbst die risikofreudigsten Bären ihre Leerverkäufe ein, wenn Aktien überverkauft sind und genug Gewinn aufgelaufen ist. Daher wäre eine Dauer-Hausse bei Software- und Healthcare-Aktien gar nicht erforderlich, um dem TecDAX die Tür nach oben offenzuhalten. Aber trotzdem muss, was bislang funktionierte, nicht auf Dauer klappen, denn:
Es geht in Bezug auf die Trendrichtung und die Dynamik der Bewegungen ja nicht allein um die Sicht der Trader auf die Einzelwerte. Der Gesamtmarkt spielt eine große, oft wichtigere Rolle. Wenn Sparer über ETFs massiv in TecDAX-ETFs investieren, steigt der Index zwangsläufig. Und das dann entsprechend der Gewichtung der Einzelwerte im Index und nicht entlang persönlicher Präferenzen. Und sollte frisches Geld ausbleiben und zugleich in größerem Umfang Kapital aus Fonds und ETFs abgezogen werden, wäre es egal, ob einzelne Titel sich gegen den Trend stemmen: Dann würde auch der Index abrutschen.
Und das Umfeld, dem sich der Gesamtmarkt, d. h. der globale Aktienmarkt, gegenübersieht, ist nun einmal mit Risiken gespickt. Der Iran-Konflikt ist immer noch ein Pulverfass, das die Weltwirtschaft massiv beeinflussen könnte, und das geht über alle Branchen hinweg. Die Investoren rund um den Globus sind entsprechend nervös. Und „zitternde Hände“ bedeuten hohe Volatilität und Überraschungen. Daher sollte man das Chartbild des TecDAX engmaschig im Auge behalten.
Wobei das Umfeld Schwankungen zur Normalität macht, sodass nur Trader, die aggressiv und kurzfristig handeln, mit einem offenen Auge schlafen müssten. Für Anleger, die hier mittel- und langfristig engagiert sind, wäre das letzte Tief, an dem die 200-Tage-Linie verteidigt wurde, wichtig. Diese Marke bei 3.689 Punkten darf der TecDAX nicht unterschreiten … solange das nicht passiert, hätte das bärische Lager hier bestenfalls auf ganz kurzfristiger Ebene Chancen.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.08.2026 um 22:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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