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Die Hausse der Halbleiter-Aktien hat einen Rücksetzer gesehen, zu Ende ist sie bislang aber noch nicht. Auch im TecDAX stellen die Aktien aus diesem Sektor die großen Gewinner. Aber im Gegensatz zum Nasdaq 100 sieht der Index selbst charttechnisch gar nicht gut aus. Wieso?
Die Begründung für den aktuellen „Zustand“ des TecDAX findet sich, wenn man sich ansieht, wie sich die Gewinner und Verlierer im bisherigen Jahresverlauf darstellen. Die Top 7 kommen allesamt aus dem Halbleiterbereich, als Hersteller oder Zulieferer, ausgenommen Jenoptik, bei der man einen KI-Bezug „entdeckt“ hat. Alle diese sieben Aktien liegen seit Jahresbeginn mehr als 80 Prozent vorne, Spitzenreiter Aixtron kratzt sogar an der 250-Prozent-Marke.
Das Problem ist aber, dass der große Rest keineswegs so bullisch daherkommt. Es folgen noch SMA Solar und Nordex mit Zugewinnen über 50 Prozent, Drägerwerk mit etwa 20 Prozent Plus … und dann kommt in der Relativestärke-Liste schon der TecDAX selbst. Was bedeutet: 21 der 30 Aktien laufen schlechter als der Index selbst. Und das teilweise ganz erheblich: 18 dieser 21 Aktien weisen im bisherigen Jahressaldo ein Minus aus.
Und auch, wenn die Halbleiter massiv gestiegen sind, können sie es nicht einfach problemlos ausgleichen, wenn die anderen großen Sektoren des TecDAX schwach sind. Der Telekommunikationsbereich bröckelt vor sich hin, die Medizintechnik ist schwach, die zahlreichen Vertreter des Software-Sektors noch viel schwächer. Und gerade läuft die nächste Runde Druck bei den Software-Aktien – da wundert es nicht, dass diese „Glorreichen 7“, die vorgenannten Top-Performer, nicht ausreichen, um den Index nonstop nach oben zu ziehen.
Das fällt im Nasdaq 100 deswegen leichter, weil die Halbleiter- und KI-Aktien dort nicht nur zahlreicher vertreten sind, sondern auch deutlich hemmungsloser à la Hausse getradet werden. Aber wie könnte es nun weitergehen mit dem TecDAX? Geht die Korrektur weiter?
Expertenmeinung: Momentan ist das zumindest denkbar, denn nicht nur die Charttechnik weist derzeit Risiken auf der Unterseite aus.

Was das Chartbild angeht, sehen wir im Chart auf Monatsbasis, dass der Juni bislang nach dem fulminant bullisch verlaufenen Mai eine Pleite für das bullische Lager ist. Richtig unerfreulich würde es aus charttechnischer Sicht zwar erst, wenn der TecDAX nach dem jetzt erfolgten Bruch der Ende März etablierten Aufwärtstrendlinie und der Unterstützungszone 3.973/3.995 Punkte auch noch den Bereich 3.796/3.859 Punkte durchbricht. Aber das auszuschließen, wäre gewagt. Grund:
Die „Glorreichen 7“ sind natürlich die Top Picks der bullischen Trader, auch und gerade im Derivatebereich. Und da wird heute abgerechnet: Die Optionen mit Juni-Laufzeit und zugleich zahllose Optionsscheine und auch Zertifikate laufen heute aus. Da könnte so mancher sein Ziel erreicht haben und Kasse machen, ohne sich direkt wieder zu engagieren. Gut möglich ist zudem, dass die Zugkraft bei Elmos Semiconductor, SUSS MicroTec und Siltronic nachlässt, denn deren Aufstieg in den MDAX (in dem sie dann zusätzlich notiert sein werden, im TecDAX bleiben sie) bedingt Käufe, z.B. seitens der den MDAX nachbildenden ETFs. Aber das ist dann erst einmal erledigt, sobald der Aufstieg vollzogen ist … und das wäre am Montag der Fall.

Grundsätzlich könnten die anderen, derzeit schwachen Sektoren Korrekturen bei den Zugpferden ausgleichen, idealerweise sogar überkompensieren. Aber derzeit zeichnet sich eine Aufwärtswende weder bei den Telekommunikationsaktien, den Healthcare- und Medizintechnikaktien und erst recht nicht bei der Software ab. Käme es zur „Wiederbelebung“ dieser Bereiche, wäre es für den TecDAX jederzeit möglich, auch sehr dynamisch nach oben zu drehen. Bleibt das indes aus, sollte man besser einkalkulieren, dass die kommenden Wochen für diesen Index schwierig bleiben und ggf. sogar ziemlich bärisch ablaufen könnten.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 18.06.2026 um 22:04 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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