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Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 16.-22.02.2026

Yen-Carry-Trades: Sind sie ein Damoklesschwert für die US-Börsen?

Von

16.02.2026 | 07:00 Uhr

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Die japanische Notenbank hatte im Dezember beschlossen, ihren Leitzins von 0,50 auf 0,75 Prozent anzuheben. Das klingt nach einer für den Rest der Welt irrelevanten Meldung, zumal der Zinslevel so niedrig ist, dass die Maßnahme bedeutungslos wirkt. Aber diese Sache könnte, ebenso wie die politischen Veränderungen in Japan, durchaus Einfluss auf andere Märkte haben, vor allem auf den US-Markt – wegen der Carry-Trades.

Anfang der Neunzigerjahre platzte in Japan eine gewaltige Spekulationsblase. Seither war und wurde nichts mehr wie zuvor. Japan geriet in eine knifflige Situation. Man musste sich als Exportnation gegen die anderen, aufstrebenden Länder im asiatischen Raum behaupten, dazu war es wichtig, dass die Währung schwach bleibt. Denn dadurch hat ein Exportland Vorteile: Die Erlöse erzielt man in Ländern mit starken Währungen und hat so beim Rücktausch in den schwachen Yen eine höhere Rendite.

Die Crux einer schwachen Währung

Das Dumme dabei war und ist aber, dass Japan im Vergleich zu anderen Ländern über ungewöhnlich wenig Rohstoffe verfügt. Die müssen also importiert werden. Und beim Import verkehrt sich die schwache Währung ins Gegenteil, wird also zum Nachteil. Rohstoffe werden in US-Dollar fakturiert, steigt der Dollar also gegenüber dem Yen im Wert, wird die Sache teuer.

Das bedeutet Inflationsgefahr, der man mit höheren Leitzinsen beikommen müsste. Was dann aber normalerweise auch die Währung attraktiver macht, so dass der Exportvorteil eines schwachen Yen dahin wäre. Doch um dieses Problem konnte man sich sehr lange Zeit herumdrücken, weil diese höhere Inflation nicht auftauchte. Der Konsum in Japan selbst kam nie wieder so richtig auf Touren, die Preise hielten sich stabil, in einigen Jahren fielen sie sogar, wie die folgende Grafik zeigt. Kein Grund also für die Bank of Japan (BoJ), die japanische Notenbank, wegen Inflationsrucks die Zinsen anzuheben. Jedenfalls war das lange Zeit so.

Börse aktuell: Entwicklung Inflation Japan von 2000 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Inflation Japan von 2000 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Die Währung konnte problemlos schwach sein und schwächer werden, die großen japanischen Konzerne holten sich ihre Gewinne eben vor allen durch den Export und weniger durch den Binnenkonsum, das glich höhere Rohstoff-Importpreise aus … und der Leitzins lag und blieb bei null, bis Anfang 2024 war er sogar negativ (-0,1 Prozent). Doch der vorstehende Chart zeigt:

Das funktioniert momentan nicht mehr. Im Zuge der allgemeinen Inflationsphase im Jahr 2022 zogen auch die Preise in Japan an. Doch während die Teuerungsrate in den USA und in Europa im Verhältnis zu den zehn Prozent, die sie in der Spitze dort erreicht hatte, wieder drastisch gefallen ist und nahe dem Ziel von US-Notenbank und EZB liegt, wollte sie in Japan einfach nicht wirklich deutlich sinken. Der BoJ blieb nichts anders übrig als zu handeln.

0,75 Prozent sind für japanische Verhältnisse viel … und für die Carry-Trader auch

Anfang 2024 hob man den Leitzins von -0,1 auf +0,1 Prozent an und viele dachten: Das reicht bestimmt schon. Doch das tat es nicht. Im Sommer 2024 ging es auf 0,25 Prozent, Anfang 2025 auf 0,50 und zuletzt auf 0,75 Prozent. Das klingt zwar alles, als würde man da viel Rauch um nahezu nichts erzeugen. Aber die 0,75 Prozent im Leitzins sind der höchste Stand seit 1995!

Der folgende Chart zeigt nicht den Leitzins, sondern die sogenannte Prime Rate, die sich eng an ihm orientiert und den Zinssatz für kurzfristige Bankkredite an beste Kunden abbildet. Sie sehen, dass die jetzt auf 2,7 Prozent gestiegen ist, lange Jahre lag man da um 1,5 Prozent. Gut ein Prozent mehr … na und?

Börse aktuell: Entwicklung Primerate Japan 1985 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Primerate Japan 1985 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Sicher, das wirkt harmlos, aber rechnen Sie sich das mal aus. Wenn Sie einen Kredit von einer Milliarde Yen ein Jahr mit 1,5 Prozent verzinsen müssen, kommen sie da auf 15 Millionen Yen. Bei 2,7 Prozent sind es aber 27 Millionen Yen … damit wird die Sache also gleich mal flotte 80 Prozent teurer. Und das ist eben nicht nur für japanische Unternehmen unerfreulich, sondern kann auch für die sogenannten Carry-Trader gefährlich werden. Wobei das Wort „kann“ deswegen unterstrichen ist, weil das bislang noch nicht passiert ist. Warum die Sache bisher gutging, dazu gleich, erst einmal zu der Problematik selbst:

Was sind „Carry-Trades“ denn überhaupt?

Ein Carry-Trade „trägt“ quasi Geld von einem Währungsraum in einen anderen, um speziell daraus einen Vorteil zu ziehen. Dabei sind Carry-Trades im Yen besonders beliebt, eben weil die Zinsen dort so niedrig sind. Was tun die „Carry-Trader“ konkret?

Sie nehmen einen Kredit in Yen auf, tauschen das Geld in eine andere Währung um und investieren dieses Kapital dann entweder in Anleihen dieses Währungsraums, die deutlich mehr Zins bieten, oder in Aktien. Beispiel: Man nimmt eine Milliarde Yen als Kredit zu 2,0 Prozent Zins auf, tauscht den Betrag in US-Dollar und legt diese dann zu 4,0 Prozent Rendite in US-Staatsanleihen an. Da das nach einer risikolosen Sache klingt, wurde und wird das von nicht gerade wenigen vor allem großen Investoren auch gemacht. Die Sache hat aber einen Haken. Einen, der sich gnadenlos bis vernichtend auswirken kann … oder sich nie zeigt. Es kommt einfach drauf an. Worauf?

Auf die Entwicklung des Yen zu der Währung, in die man den Carry-Trade umgetauscht hat, meist ist das der US-Dollar. Der unten folgende Chart zeigt, warum dieser potenzielle Haken bislang nicht nur ignoriert wurde, sondern genau dieser Faktor die Carry-Trades noch zusätzlich befeuert hat:

Der Zins ist nicht entscheidend, die Sache hängt an der Entwicklung des Yen

Nicht nur die Höhe des Zinses ist also ein Faktor, der entscheidet, ob ein Carry-Trade zu einem lohnenden Geschäft wird, sondern auch die Entwicklung der beiden Währungen, meist neben dem Yen der US-Dollar. Rechnen wir das noch einmal mit der vorher in den Raum gestellten eine Milliarde Yen durch.

Klar ist: Wenn ein Yen-Kredit jetzt 3,0 statt vorher 2,0 Prozent Zins kostet, verringert sich die Gewinnspanne bei einer Anlage in US-Bonds mit 4,0 Prozent Rendite. Aber es wäre ja trotzdem noch lukrativ. Hinzu kommt indes der Faktor der Währung. Angenommen, man hat einen solchen Carry-Trade vor fünf Jahren, im Dezember 2020, gestartet und eine Milliarde Yen zu 2,0 Prozent aufgenommen und seither im Schnitt vier Prozent Zinsen im Dollar-Raum kassiert. Wie stellt sich der Gewinn dar, wenn man den Kredit jetzt zurückzahlt? Da lautet die Antwort eben: Es kommt drauf an. Darauf nämlich, was seither mit dem Wechselkurs Yen/US-Dollar passiert ist.

Börse aktuell: Entwicklung USD/JPY von 2011 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung USD/JPY von 2011 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Der Chart zeigt, dass der Yen im Verhältnis zum US-Dollar in den vergangenen fünf Jahren kräftig an Wert verloren hat. Im Februar 2021 musste man 105 Yen für einen US-Dollar hinlegen, jetzt sind es knapp 153. Das heißt:

Für die eine Milliarde Kredit in Yen hat ein Carry-Trader im Februar 2021 beim Wechselkurs 105 Yen pro US-Dollar 9,52 Millionen US-Dollar hinlegen müssen. Zahlt er die eine Milliarde Yen heute zurück, bei einem Kurs von 153 Yen pro US-Dollar, würde ihn das nur noch 6,54 Millionen kosten. Zusätzlich zu dem Zinsgewinn hätte er also wegen des Abstiegs des Yen über die fünf Jahre hinweg einen Währungsgewinn von sagenhaften 31 Prozent eingefahren!

Aber was, wenn die Sache in die andere Richtung läuft und der US-Dollar/Yen-Kurs fällt, sprich man für einen US-Dollar weniger Yen bekommt? Dann würde es sehr schnell sehr gefährlich. Nehmen wir einmal an, der Zins für den Yen-Kredit betrug 1,5 Prozent, die Zinsrendite der vor fünf Jahren gekauften US-Anleihe lag bei 4,0 Prozent.

2,5 Prozent Zinsgewinn über fünf Jahre macht bei einer Milliarde Yen 125 Millionen Yen. Was wäre passiert, wenn der Dollar/Yen-Kurs nicht von 104 auf 158 gestiegen, sondern auf 80 gefallen wäre?

Dann müsste der Kreditnehmer bei Rückzahlung von einer Milliarde Yen 12,5 Millionen US-Dollar hinlegen, würde also gegenüber den Erwerbskosten von 9,52 Millionen US-Dollar knapp drei Millionen US-Dollar Währungsverlust hinnehmen müssen. Da helfen die 125 Millionen Yen Zinsgewinn, beim Wechselkurs von 80 Yen pro Dollar knapp eine Million US-Dollar wert, auch nichts: Die Sache wäre zum Waterloo geworden.

Je niedriger der Yen notierte, als ein Carry-Trade begonnen wurde, desto größer ist aufgrund des Dollar-Anstiegs der letzten Jahre die Risikotoleranz gegenüber einem stärker werdenden Yen, einfach, weil man in den letzten Jahren einen komfortablen Währungsgewinn-Puffer erreicht hat. Aber wer ein solches Geschäft erst ab 2024 initiiert hat, in der Handelsspanne zwischen grob 140 und 160 Yen pro US-Dollar, hätte einen ziemlich kleinen Risikopuffer.

Niemand will einen starken Yen: Bislang geht die Sache noch gut

Niemand weiß genau, wie viel Geld über Carry-Trades im US-Markt liegt. Vor allem nicht, wo genau und wie aggressiv es investiert ist. Schätzungen bewegen sich zwischen 500 Milliarden und einer Billion US-Dollar. Das kann viel sein, wenn Carry-Trades aufgelöst werden müssen, weil Verluste drohen. An der New York Stock Exchange lag das durchschnittliche Handelsvolumen 2024 um 250 Milliarden US-Dollar am Tag. Da können ein paar Hundert Milliarden schon für großen Druck sorgen, wenn sie in relativ kurzer Zeit abgezogen werden, um in Yen umgetauscht zurück an die Kreditgeber zu wandern. Wenn es denn passiert. Denn die folgende „Nahaufnahme“ der US-Dollar/Yen-Relation seit Ende 2021, die wie oben auch abbildet, wie viel Yen man für einen US-Dollar zahlen muss, zeigt:

Börse aktuell: Entwicklung USD/JPY von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung USD/JPY von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Solange die US-Dollar/Yen-Relation die wichtige Unterstützungszone bei 140 Yen nicht unterschreitet, dürfte das Risiko, dass größere Volumen bei Carry-Trades aufgelöst werden, überschaubar bleiben. Und bislang passiert das nicht, der Yen wird trotz steigender japanischer Zinsen nicht stärker, im Gegenteil. Zwar sehen wir ein volatiles Auf und Ab, seit die BoJ Anfang 2024 erstmals den Leitzins anhob. Aber eine Abwärtswende des US-Dollars, die dazu führen würde, dass man wieder deutlich weniger Yen für einen US-Dollar bekommt, die ist bis jetzt ausgeblieben, trotz steigender Leitzinsen in Japan und fallender in den USA. Ist das logisch?

Logisch ist es nicht, denn auch, wenn die USA immer noch einen markanten Zinsvorteil aufweisen, er wird eben kleiner, das sollte den Yen eigentlich stärken statt ihn zu schwächen. Aber es ist andererseits nicht wirklich überraschend, denn: Niemand will momentan einen starken Yen.

Denn der würde zwar die Importpreise für Rohstoffe und andere Waren aus dem Dollar-Raum und anderen Währungsräumen drücken und dadurch den Inflationsdruck mindern. Aber er würde auch, wie eingangs erwähnt, die Exportperspektiven unter Druck setzen. Die Produktion von internationalen Unternehmen in Japan würde teurer, die Investitionen dort weniger lukrativ. Zugleich würden Importe aus dem Ausland, vor allem aus den USA, billiger und stärker mit den heimischen Waren konkurrieren. Und man müsste fürchten, dass die japanischen Banken allerhand an Kreditvolumen einbüßen, das aus dem Ausland generiert wird und als Carry-Trade-Kredite so lange Zinsgewinne einbringt, solange die Darlehen nicht wegen eines stärker werdenden Yen aufgelöst werden.

Könnte die neue japanische Politik ein Carry-Trade-Risiko werden?

Aber was ist mit der neuen Regierung? Die seit Herbst im Amt befindliche, neue japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hat sich auf die Fahne geschrieben, die Wirtschaft entschlossen anzukurbeln. Mehr Wachstum birgt Inflationsrisiko und damit auch die Möglichkeit, dass die japanischen Leitzinsen und mit ihren die Zinsen für Kredite weiter steigen – oder?

Das ist zwar so. Aber das wird eher nicht sofort passieren. Zudem würde das bereits laufende Carry-Trades – und nur deren Auflösung könnte eine Lawine in Gang setzen, die zu einer Welle an aufgelösten Investments in US-Anleihen, US-Aktien und Positionen in anderen Ländern mit stabilen Währungen führt – nicht betreffen, weil deren Verzinsung ja bei Abschluss des Kredits festgelegt wurde. Dass da dann mittelfristig weniger neue Carry-Trades entstehen, kann zutreffen, das würde aber die aktuellen Positionen nicht tangieren. Und diese neue Wirtschaftspolitik hat ja noch eine andere Auswirkung – und zwar auf den Yen:

Denn noch mehr Schulden seitens des ohnehin dramatisch hoch verschuldeten japanischen Staats schwächen tendenziell eine Währung, weil eine solche Vorgehensweise als riskant angesehen wird … im Moment gleichen sich die Erwartungen von mehr Schulden, aber höheren Kreditzinsen in Bezug auf die US-Dollar/Yen-Relation daher aus, so dass ein Ausbruch der Währungspaars aus der entscheidenden Zone zwischen 140 und 160 Yen pro US-Dollar bislang ausgeblieben ist.

Börse aktuell: Entwicklung Nikkei 225 von Februar 2025 bis Februar 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nikkei 225 von Februar 2025 bis Februar 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Aber bedeutet der Umstand, dass die bisherigen Leitzinsanhebungen und die Erwartung einer veränderten, japanischen Wirtschaftspolitik die Carry-Trades nicht unter Wasser gedrückt haben, dass es auch so bleiben muss?

Das heißt es nicht. Sollten erste große Adressen die Gunst der Stunde eines jetzt noch großen Währungsgewinns durch den bislang weiterhin schwachen Yen zum US-Dollar nutzen und aussteigen, könnte das jederzeit eine Lawine in Gang setzen. Das muss nicht so kommen, aber man sollte besser im Hinterkopf behalten: es kann. Eine entscheidende Zone, deren Bruch das Lawinenrisiko immens erhöhen dürfte, liegt bei 140 Yen pro US-Dollar. Behalten Sie diesen Bereich im Auge!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 13.02.2026 um 9:25 Uhr. Wir beabsichtigen, diesen Artikel mindestens alle zu aktualisieren.

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 07.02.2026 um 23:11 Uhr. Wir beabsichtigen, diesen Artikel mindestens alle zu aktualisieren.

Dass sich, wer sich zu weit aus dem Fenster lehnt, auch mal aus selbigem herausfallen kann, haben Trader bei den Edelmetallen und den Krypto-„Währungen“ unlängst erfahren. Aber es scheint, dass Kapital, das die Kurseinbrüche überstanden hat, nicht auf den Konten geparkt, sondern umgeschichtet wird. Denn auf einmal ziehen am US-Aktienmarkt Aktien davon, die man eher mit der „Old Economy“ in Verbindung bringen würde. Das wirkt vernünftig, ist aber eher riskant.

Erst sacken die zuvor extrem nach oben geschossenen Edelmetalle weg. Dann wird es bei den Kryptos ungemütlich. Und jetzt wackeln auch Aktien von Hightech-Unternehmen, bei denen man langsam Sorge hat, dass sie es mit den Investitionen in die KI übertreiben.

Was z.B. bei den 200 Milliarden US-Dollar, die Amazon alleine in diesem Jahr in diesen Bereich stecken will, durchaus nachvollziehbar ist, immerhin wäre diese Summe fast dreimal so hoch wie die knapp 78 Milliarden, die das Unternehmen 2025 als Gewinn verbuchte. Und wenn man sich fragt, wer all das Werbe- und Konsumwachstum, das die KI für die großen Spieler in diesem Markt generieren soll, bezahlen soll, wenn diese Systeme menschliche Mitarbeiter in rauen Mengen ersetzt und die dann zusehen können, wie sie zurechtkommen, tut man sich mit Antworten schon ein wenig schwer.

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 und Dow Jones im Vergleich von August 2025 bis Februar 2026 | marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100 und Dow Jones im Vergleich von August 2025 bis Februar 2026 | marketmaker pp4

Solange die Hausse lief, hinterfragten das nur wenige. Die Aktien der KI-Nutzer liefen, diejenigen, die die Programme und die Chips dafür entwickelten, liefen mit und in deren Kielwasser auch noch diejenigen, die Anlagen und Speziallösungen für die Chiphersteller entwickeln.

Und auf einmal läuft die „Old Economy“

Doch jetzt wackelt das Kartenhaus. Der Nasdaq 100 als eine Art wandelndes Spiegelbild des KI-Hypes kommt nicht mehr vom Fleck … und zugleich bebt es auch noch im vermeintlich „sicheren Hafen“ der Edelmetalle und bei den Kryptos. Wohin mit dem Geld? Es scheint, als wären alle Autobahnen zum schnellen Gewinn auf einmal Sackgassen. Die Lösung, die angesichts der Performance-Entwicklung der Dow Jones-Aktien im folgenden Chart offensichtlich von nicht gerade wenigen gewählt wurde, verblüfft:

Man stürzt sich auf Unternehmen, die eher in „klassischen“ Branchen agieren. Der US-Baumaschinenhersteller Caterpillar führt die 2026er-Gewinnerliste des Dow Jones aktuell an. Es folgt der Mischkonzern Honeywell, der Ölkonzern Chevron und die Supermarktkette Walmart. Dafür finden sich unter den schwächsten fünf Aktien im Dow Jones gleich drei Dauerläufer früherer Jahre aus dem Tech-Sektor: Salesforce, Microsoft und Amazon. Seltsam?

Börse aktuell: Entwicklung Top und Flop Aktien aus dem Dow Jones im Jahr 2026 | marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Top und Flop Aktien aus dem Dow Jones im Jahr 2026 | marketmaker pp4

Durchaus. Davon mal abgesehen, dass man einerseits erkennt, dass auch bei KI die Bäume nicht in den Himmel wachsen und die Rendite dieser aktuell in diesen Bereich gestopften Milliarden bzw. mittlerweile Billionen durchaus auch unschön mager ausfallen könnte, man aber andererseits gerade Software-Aktien wie Microsoft oder SAP wie sauer Bier verkauft aus Angst, dass die KI viele Softwareanwendungen überflüssig machen könnte, ist dieser auffällige Kapitalzufluss bei Aktien, die man zur „Old Economy“ rechnen könnte, auch riskant.

Immerhin passt jetzt die Marktbreite wieder

Gut, positiv ist, dass die Aufwärtsbewegung des Dow Jones, der mit dem Rückenwind dieser Titel zum Wochenschluss die runde Marke von 50.000 Punkten überbot, damit ebenso wie die Entwicklung des Gesamtmarkts auf stabilere Füße gestellt wird. Dass nur wenige Aktien im Vorjahr die Zugpferde stellten, war ein Risiko. Wenn bei diesen Highflyern etwas nicht mehr läuft, wie es sollte, kann das bei einem Markt, der nur von so wenigen Pferden gezogen wird, leicht zu einer Abwärtswende führen. Dadurch, dass zwar einige dieser Zugpferde jetzt in die falsche Richtung laufen, man das aber durch Käufe in „klassischen“ Aktien auffängt, sehen wir wieder für einen Aufwärtstrend normale Zahlen bei den neuen 52-Wochen-Hochs an der New York Stock Exchange, wie die folgende Grafik zeigt. Aber!

Börse aktuell: Entwicklung von US-Aktien, die ein neues Hoch erreicht haben von von 2021 bis 2026 | marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung von US-Aktien, die ein neues Hoch erreicht haben von von 2021 bis 2026 | marketmaker pp4

Die neuen „Schrittmacher“ der Hausse sind nur, weil sie neu auf der Liste der Top-Performer auftauchen, keineswegs mehr billig, was die Bewertung angeht. Caterpillar hat mittlerweile ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis wie ein Technologietitel. Zudem notieren Caterpillar, Walmart und Amgen bereits über dem durchschnittlichen Analysten-Kursziel, Chevron und Honeywell nur minimal darunter. Das wäre nicht zwingend problematisch, wenn man davon ausgehen könnte, dass die US-Konjunktur und idealerweise auch die Weltwirtschaft „brummen“ und man deshalb kräftiges Wachstum beim Konsum, dem Energieverbrauch, der Bautätigkeit und im Pharma- und Biotechbereich erwarten kann. Denn wäre das der Fall, könnten die Analysten ihre Kursziele in Kürze anheben und es wäre wieder Spielraum für die Bullen vorhanden. Aber ist das denn so?

Das Umfeld passt nicht gerade ideal zu einer „Old Economy-Hausse“

Eben nicht. Zwar wurde eine kleine Aufhellung bei den Daten zur Konsumbereitschaft im Rahmen des von der Universität von Michigan erhobenen US-Verbrauchervertrauens als Argument für die kräftig steigenden Kurse des Dow Jones am Freitag genannt. Aber es gibt auch die Daten zum US-Verbrauchervertrauen, die vom Conference Board erhoben werden. Und die wurden gerade erst Ende Januar auf dem tiefsten Stand seit 2014, sogar noch unter dem Corona-Tief 2020, veröffentlicht, wie die nächste Grafik zeigt.

Börse aktuell: Entwicklung US-Verbrauchervertrauen von 1999 bis 2026 | marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung US-Verbrauchervertrauen von 1999 bis 2026 | marketmaker pp4

Und nicht nur die Weltwirtschaft wächst derzeit nicht gerade üppig, auch die US-Wirtschaft tut das nicht, was wir im folgenden Chart sehen:

Börse aktuell: Entwicklung BIP der USA und Dow Jones im Vergleich von 1989 bis 2025 | marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung BIP der USA und Dow Jones im Vergleich von 1989 bis 2025 | marketmaker pp4

Vergleicht man das US-Wirtschaftswachstum (von dem wir bis jetzt nur Daten bis zum 3. Quartal 2025 haben) mit dem des Vorjahres, sehen wir: Mit +2,3 Prozent wächst die US-Wirtschaft im langfristigen Vergleich eher unterdurchschnittlich. Haben sich diejenigen, die ihr Geld in diese „klassischen“ Branchen umgeschichtet haben, also nur vom Glatteis auf Treibsand begeben, ist diese neue Spekulation also womöglich keinen Deut weniger riskant als die Kaufwellen bei KI, Edelmetallen und Kryptos?

Auch konservativ wirkende Aktien können hochriskant sein

Grundsätzlich ist das meiner Ansicht nach so. Aber das bedeutet nicht, dass man leichtes Spiel hätte, würde man deswegen einfach dagegenhalten, indem man auf die Short-Seite setzt. Viel Luft nach oben hätte der Run in diese „Old Economy“ zwar auf rationaler Ebene nicht. Doch diese extremen Kursausschläge bei den Edelmetallen machen ja klar, dass hier nicht die Vernunft, sondern die Emotionen das Zepter in der Hand haben. Und das schon längere Zeit, denn die Aufwärtsbewegungen ließen ebenso jedes Maß und jede Vernunft vermissen wie die darauffolgenden Kurseinbrüche. Beides unterstreicht, wie viele sich da offenbar ohne Kapitalmanagement und taugliche Absicherung aufs Eis begeben haben in dem Glauben, da werde schon nichts passieren. Das kann also auch in dieser neuen Ausrichtung schiefgehen, nur:

Der vorstehende Chart, der den Dow Jones zusammen mit den Wachstumsraten des US-Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zum Vorjahr zeigt, macht deutlich, dass mageres Wachstum nach einer Phase mit mehr Wachstum zuvor, wie wir das momentan sehen, eine Aktienmarkt-Hausse zwar ab und an gebremst hat, in vielen Phasen aber nicht. Fazit:

Es kann eine Zeit lang dauern, bevor Treibsand die Leichtsinngen schluckt

Wer als Anleger die hohe Kunst des Wegbleibens beherrscht, wird hier, wenn, dann mit Bedacht und kleinem Geld mitziehen … oder eben wegbleiben und sich andere Chancen suchen, die nicht auf Treibsand aufgebaut sind…

… wobei man da, das ist eine ganz persönliche Einschätzung, die selbstredend falsch sein könnte, zum Beispiel ein Auge auf Aktien werfen könnte, die wie z.B. Microsoft und andere Software-Aktien auf Basis eines plötzlich aus der Kiste gezogenen Spuks unter die Räder gekommen sind, nach dem die Software von der KI ins abseits gedrängt wird. Denn wer nüchtern überlegt, könnte bemerken, dass der KI-Hype jetzt fast drei Jahre andauert, diese „Idee“ also eigentlich von Anfang an oder zumindest viel früher hätte auftauchen müssen, aber erst jetzt auf einmal umgeht wie ein Schreckgespenst. So etwas sollte allemal eine hochgezogene Augenbraue wert sein.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 31.01.2026 um 16:45 Uhr. Wir beabsichtigen, diesen Artikel mindestens alle zu aktualisieren.

Am Freitag ereignete sich für viele eine Art „Black Swan“: Etwas, von dem man weiß, dass es rein theoretisch möglich wäre, was man aber für derart unwahrscheinlich hält, dass man das Risiko nicht ernst nimmt. Doch jetzt ist das scheinbar Unwahrscheinliche eben geschehen. Und genau genommen war das Risiko dafür keineswegs gering. Was vermutlich dahinter steckte und was das für die kommenden Tage bedeuten könnte, sehen wir uns hier einmal an.

Wenn Gold an nur einem Tag in der Spitze um 12,7 Prozent und zum Handelsende um 9,1 Prozent wegbricht und man mit Blick auf die anderen Edelmetalle (Silber -26,2, Platin -17,5 und Palladium -16,3 Prozent) konstatieren könnte: „Geht ja noch“, dann ist etwas mal so richtig schiefgegangen.

Ein Crash ausgerechnet im Bereich der Edelmetalle, die doch angeblich eine Art „sicherer Hafen“ sein sollen, das war vermutlich für viele etwas kaum Vorstellbares. Wenn da das Geld nicht sicher ist, wo denn dann? Aber aus heiterem Himmel kam die Sache nicht – im Gegenteil. Was da passiert sein dürfte, wie sich die Lage jetzt darstellt und was gelingen müsste, um Gold, Silber & Co. wieder nach oben zu drehen, gehen wir jetzt einfach mal Schritt für Schritt durch. Erstens: Warum dieser Kurseinbruch?

Börse aktuell: Entwicklung Gold, Silber, Palladium und Platin von Oktober 2025 bis Januar 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Gold, Silber, Palladium und Platin von Oktober 2025 bis Januar 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Was ist vermutlich passiert?

Meiner persönlichen Meinung nach liegt eine Ursache für solche fatalen Situationen darin, dass verblüffend viele Menschen nie antizyklisch denken. Sie folgen mit ihren Ansichten und Handlungen der Herde: Man tut, was die anderen auch tun und wähnt sich dabei sicher, weil ja die Mehrheit nicht falsch liegen kann. Das ist schon im normalen Leben so eine Sache, eine, die dazu führt, dass z.B. zu viele zugleich auf der gleichen Strecke zum gleichen Urlaubsort fahren. Dass Dinge in Mode kommen und wie wild gekauft werden, bei denen man nüchtern betrachtet fragen muss: Wer braucht denn sowas? Aber außerhalb der Börse ist das gemeinhin harmlos. An der Börse jedoch kann es böse enden. Vor allem, weil es hier einen entscheidenden Unterschied gibt:

Man weiß in Wirklichkeit nie, was die Mehrheit denkt. Man weiß nicht einmal, was die Mehrheit tut. Denn das muss sich keineswegs direkt in den Kursen zeigen. Und das dürfte denen, die am Donnerstag und vor allem am Freitag bei den Edelmetallen überrollt wurden, zum Verhängnis geworden sein. Konkret geht es um Folgendes:

Der Kursanstieg war ohnehin schon ungewöhnlich intensiv, hatte aber in den Tagen vor dem Kurseinbruch noch einmal an Dynamik zugelegt, wie der untenstehende Chart des Goldpreises zeigt. Das Problem mit immer nur zyklisch denkenden Akteuren ist, dass sie diese ein aus dem Ruder laufendes Aufwärts-Momentum nicht als Gefahr, sondern als Bestätigung ansehen, mit noch mehr Kapital und noch riskanter zu agieren. Was den Eindruck erweckt, dass alle gerade Long sind, dabei könnten es auch nur relativ wenige sein, die mit extrem viel Geld auf Hausse setzen. Man kann das im Chartbild nicht unterscheiden. Und das Problem bei Derivaten wiederum ist, dass zum Beispiel Futures das auch möglich machen, indem es dort wie folgt läuft:

Börse aktuell: Entwicklung Gold von August 2025 bis Januar 2026 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Entwicklung Gold von August 2025 bis Januar 2026 | Quelle: TWS

Hier gibt es die Möglichkeit, Positionen immer weiter zu vergrößern, ohne neues Geld zuzuführen. Und das liegt an der Struktur der Sicherheitsleistungen, die die Trader bei diesen Derivaten beim Broker zu hinterlegen haben, damit dieser für den Fall einer massiven Schieflage nicht auf einmal auf Verlusten sitzenbleibt, weil der Trader nichts mehr hat. Diese „Margin“ genannten Sicherheitsleistungen sind Teil der Liquiditätsberechnung für ein Trader-Depot. Dazu mal ein grobes, grundsätzliches Beispiel:

Hat ein Trader eine Position in Form eines Futures Long-Kontrakts in irgendeinem Asset, die eine Margin von 4.000 Euro erfordert und insgesamt 10.000 Euro auf dem Broker-Konto, sind diese 4.000 Euro Margin als Sicherheitsleistung blockiert, mit den anderen 6.000 kann er tun, was ihm beliebt … zum Beispiel einen weiteren Futures-Kontrakt kaufen, wodurch dann die Margin auf 8.000 Euro steigt. Es bleiben 2.000 Euro. Sollte diese jetzt doppelt so große Position aber in die falsche Richtung laufen, sinkt auch der Kapitalwert des Depots. Und sobald 2.000 Euro Verlust aufgelaufen sind und der dann auch nur einen Euro größer wird, wäre die Margin-Anforderung nicht mehr erfüllt. Der Trader hätte dann zwei Optionen:

Entweder, er schießt sofort frisches Geld nach, damit der Kapitalstand wieder über die 8.000 Euro Margin steigt. Oder er verkleinert die Position, z.B. indem er einen Kontrakt verkauft, wodurch er wieder genug freies Kapital hat. Tut er das nicht, stellt der Broker die Position sofort glatt. Aber:

Er musste aktiv werden, weil ein Verlust aufgelaufen war und war gezwungen, im Minus zu verkaufen, weil seine Barreserve zu klein war, um größere Verluste bis zum Margin-Level aushalten zu können. Da muss man also immer genau überlegen, wie viel Reserve man behält. Und genau da kommen wir zu der Hausse der Edelmetalle und den zyklischen Tradern zurück:

Wenn „Pyramidisieren“ zur Falle wird

Da, wer zyklisch denkt und gerade schnelles Geld macht, dazu neigt zu glauben, dass da nichts schiefgehen kann und die Jubel-Hause einfach immer weitergeht, neigen viele dann dazu, ihre Barreserve zu klein zu halten. Das alleine ist gefährlich, aber jetzt kommt’s:

Wenn Gewinne erzielt werden, werden diese auch sofort dem Depotkapital zugerechnet, obwohl es ja nur Buchgewinne sind. Wirklich sicher ist ein Gewinn ja erst, wenn er in bar auf dem Konto liegt und nicht, wenn die Position noch läuft. Und diese Systematik, Verluste und Gewinne direkt auf das verfügbare Kapital zu rechnen, birgt für unbesonnene Trader eine fatale Falle.

Denn sie haben so die Möglichkeit, bei aufgelaufenen Buchgewinnen in den bereits vorhandenen Positionen mit diesem Buchgewinn weitere Positionen zu kaufen! Während kluge Trader also bei tief im Gewinn liegenden Positionen einfach Kurs halten und sich so ihr Risikopuffer immer weiter vergrößert, weil die Relation Buchgewinn zu Margin größer wird, kaufen unvorsichtige Trader (bei denen man das Wort Zocker fast nicht vermeiden kann) immer mehr dazu, weil sie sich sagen: Jeder Cent, den ich aktiv in Positionen stecke, vergrößert meinen Gewinn. Man türmt also immer noch ein Steinchen mehr auf, baut eine Pyramide. Aber das wird, jeder erfahrene Anleger erkennt das sofort, zur Katastrophe, wenn …

… die Sache in die falsche Richtung läuft. Denn wer so agiert, hätte bei den Edelmetallen vielleicht mit ein, zwei Futures-Kontrakten angefangen, dann aber irgendwann zehn oder mehr gehabt. Und immer schön mit minimaler Barreserve, denn jeder Euro, der nicht „arbeitet“, ist ja (scheinbar) unnütz. Es sei denn, die Kurse fallen und man bräuchte Spielraum, um die Verluste auszuhalten, bevor der Broker einen freundlich darauf hinweist, dass die Margin-Grenze unterschritten ist und man doch bitte umgehend ein paar Tausend oder, wenn man es so gar nicht lassen konnte, Zigtausend Euro nachschießen möge … die man, natürlich, nicht hat. Und dann geht die Fahrt in der Achterbahn eben rückwärts.

Von der Pyramide zur Lawine

Und das Tempo der Kurse ist in solchen Situationen eine ganz andere Hausnummer als bei der Aufwärtsbewegung zuvor. Denn kaum müssen die ersten, die zu wenig Barreserve für einen größeren Rücksetzer hatten, ihre Positionen verkleinern, ganz verkaufen oder werden durch den Broker „zwangsverkauft“, gibt es Druck auf den Kurs. Das sehen nicht nur potenzielle Käufer, die dann sofort wegbleiben. Das drückt auch die nächsten Zocker mit zu kleinem Risikopuffer in die Margin-Klemme. Die nächsten verkaufen, der Kurs fällt dadurch weiter und die Sache wird zur Lawine, ganz so, wie es der folgende Intraday-Chart von Silber zeigt, der den Donnerstag und Freitag bei Silber auf 15-Minuten-Basis abbildet.

Börse aktuell: Entwicklung Silber am 29. und 30. Januar 2026 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Entwicklung Silber am 29. und 30. Januar 2026 | Quelle: TWS

Ich hatte ja noch am Freitagmorgen im Börsenblick auf diesen höchst verdächtigen „Long Legged Doji“ hingewiesen, der sich bei Gold am Donnerstag etabliert hatte, aber auch bei den anderen Edelmetallen aufgetaucht war. Da gelang es zwar, die Verluste, die durch Gewinnmitnahmen bei zu geringer Nachfrage und vermutlich auch die ersten Margin-Klemme-Verkäufe entstanden waren, einigermaßen wieder aufzuholen. Aber eben dieser Doji dürfte für die gescheiteren unter den Tradern das Signal gewesen sein, ihre Gewinne in Sicherheit zu bringen, indem sie Positionen schließen. Und das reichte, um für diejenigen, die im Irrglauben, Gold, Silber, Platin und Palladium seien eine Einbahnstraße ohne Risiko, Pyramiden gebaut haben, in die Lawine zu reißen.

Nüchtern betrachtet ein klarer Fall von „selbst schuld“. Aber führt diese Eisdusche für diejenigen, die die Kontrolle über ihr Kapitalmanagement verloren haben, auch dazu, dass die Hausse der Edelmetalle vorbei ist?

Wie ist die Lage jetzt?

Noch ist das zumindest, Stand am Wochenende, nicht der Fall. Denn weil die Kurse der vier Edelmetalle derart rasant nach oben davongezogen sind, reichte selbst dieser Crash vom Freitag noch nicht aus, um die für die Aufwärtsbewegung entscheidenden, gleitenden Durchschnitte zu durchschlagen.

Im Gegenteil, wenn wir uns oben den Goldpreis auf Tagesbasis und nachstehend Silber im gleichen Zeitraster ansehen, so haben beide Edelmetalle die Zone der wichtigsten, gleitenden Durchschnittslinien erst einmal gehalten. Es ist sogar zu erkennen, dass die Kurse sich in diesem Unterstützungsbereich von ihren Tagestiefs lösen konnten. Aber ist das bereits ein Beleg dafür, dass dieser Kurseinbruch in den kommenden Tagen und Wochen keine Nachfolger haben wird?

Börse aktuell: Entwicklung Silber von September 2025 bis Januar 2026 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Entwicklung Silber von September 2025 bis Januar 2026 | Quelle: TWS

Nein, das sicher nicht. Denn clevere Trader dürften in dieser Situation ihre Position rasant, aber mit kurzfristigem Zeithorizont gedreht haben, indem sie, als denkbares Beispiel, fünf Long-Kontrakte im Silber-Future nicht mit fünf Short-Kontrakten neutralisiert haben, sondern gleich mit zehn Kontrakten Short gingen, um so eine Netto-Short-Position zu haben. Da läge es dann nahe, Richtung Handelsende umgehend die Gewinne einzustreichen, indem man, um beim Beispiel zu bleiben, die fünf Short-Kontrakte „eindeckt“, indem man sie mit fünf Long-Kontrakten neutral stellt. Und das würde die Kurse, wie geschehen, zum Handelsende wieder etwas nach oben ziehen.

Das hat also noch nichts zu sagen, es bräuchte ein paar Tage eines ruhigeren, tendenziell aufwärts weisenden Handels, bei dem die bisherigen Verlaufstiefs und die unteren Bereiche der gleitenden Durchschnitt-Supports nicht brechen. Das kann gelingen. Aber es muss nicht, denn:

Welche Folgen könnte dieser Crash haben?

Die Frage ist, ob dieser Crash dazu führt, dass normale Anleger wegbleiben und/oder bestehende Bestände verkaufen und die Hausse insgesamt dadurch endet. Denn wer sich nicht intensiv mit den Börsen beschäftigt und sich einfach mal vor Wochen, Monaten oder vielleicht sogar vor Jahren bei den Edelmetallen engagiert hat, mag sich über diese Super-Hausse gefreut, aber die damit einhergehenden Warnsignale nicht erkannt haben. Und dann hinterlässt so ein Crash einen tiefgehenden Eindruck.

Wenn diese Klientel anfängt, ihr Geld aus den vielen Edelmetall-ETFs abzuziehen, weil ihnen der Boden zu heiß wird, mag das Umfeld weiterhin für Edelmetalle sprechen, aber wenn bei den Anlegern der Eindruck entsteht, dass aus einem angeblich „sicheren Hafen“ ein brandheißes Eisen geworden ist, könnten sich die Käufer auch für eine längere Zeit rarmachen. Es kommt ganz auf diese kommenden ein, zwei Wochen an. Wenn die Kurse zeitnah wieder steigen und nicht sofort wieder kippen, hat die Edelmetall-Hausse eine zweite Chance. Wenn nicht, könnte dieser Crash durchaus nur der erste Akt des Dramas gewesen sein.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.