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Eine beeindruckende, Mitte Mai begonnene Kaufwelle endete bei der Zalando-Aktie am Dienstag äußerst abrupt. Auslöser: Eine Quartalsbilanz, die enttäuschte. Doch der Kurs konnte sich recht deutlich vom Tagestief lösen – ein Hoffnungsschimmer, auf den man setzen könnte?
Als ich Zalando letztmalig am 21. Juli an dieser Stelle thematisiert hatte, lautete eine Kernaussage der Analyse: „Man wettet darauf, dass das Wachstum bei Zalando so zügig und konstant weitergeht, dass dieser laufende Kursanstieg sein solides Fundament nachgereicht bekommt. Und ja, das ist grundsätzlich riskant.“ Jetzt, nach den Quartalsergebnissen, muss man hinzufügen: Und ja, das ging schief.
Denn das starke und idealerweise an Fahrt gewinnende Wachstum konnte der Online-Händler mit seinem Zahlenwerk nicht liefern. Zalando meldete zwar ein beeindruckend wirkendes Umsatzplus von 20,8 Prozent auf 3,42 Milliarden Euro. Aber zum einen fiel der Anstieg so hoch aus, weil der kleinere Konkurrent About You im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch nicht in der Bilanz dabei war. Zum anderen hatte die durchschnittliche Analystenerwartung für den Umsatz mit 3,47 Milliarden Euro höher gelegen, wenn auch nur leicht.
Schwerer wog, dass der Gewinn den Erwartungen nicht standhielt. Die Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (EBIT-Marge) sank, sie fiel von 6,5 Prozent im ersten Halbjahr 2025 auf jetzt 6,0 Prozent. Dadurch legte das um Sonderfaktoren bereinigte EBIT deutlich weniger stark zu als der Umsatz, hier kam man nur auf ein Plus von 10,4 Prozent.
Entsprechend unerfreulich war die Anpassung der bisherigen 2026er-Prognose des Unternehmens. Hinsichtlich des avisierten Umsatzanstiegs von 12 bis 17 Prozent sieht man sich jetzt nur noch in der unteren Hälfte dieser Spanne. Und die Prognose für das EBIT wurde nicht angehoben, sondern nur auf der Unter- und Oberseite eingegrenzt: Nach zuvor 660 bis 740 Millionen Euro plant Zalando jetzt mit 680 bis 720 Millionen Euro.
Das alles wäre kein Beinbruch geworden, wenn man am Markt im Vorfeld eher skeptisch und vorsichtig agiert hätte. Doch das Gegenteil war der Fall, wie wir im Chart sehen.
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Expertenmeinung: Kurz nach der Reaktion auf die Zahlen eines wenig inspirierenden ersten Quartals markierte die Aktie am 12. Mai bei 18,61 Euro ihr Jahresverlaufstief. Seither ging es wie an der Schnur gezogen immer höher, obwohl man a) keine neuen Daten von Zalando auf den Tisch bekam – die kamen ja erst gestern – und obwohl b) das Konsumumfeld in der für Zalando entscheidenden DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) bekanntermaßen wacklig war. Trotzdem lief die Aktie in der Spitze um gut 63 Prozent nach oben – bis diese Hausse gestern von der Realität eingeholt wurde.
Zwar hielt die 200-Tage-Linie dem kräftigen Abverkauf stand, der die Aktie am Tagestief um 18 Prozent gedrückt hatte. Und dass am Tief, nahe der bei aktuell 23,50 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie, Käufer anfingen, die Hand aufzuhalten, zeigt, dass das bullische Lager zwar kalt erwischt wurde, aber noch genug Akteure unterwegs sind, die nicht aufgeben wollen. Doch das sollte man nicht bereits als bullisches Signal interpretieren.
Zwar wäre die Aktie aus charttechnischer Sicht erst bärisch, wenn diese 200-Tage-Linie fallen würde. Und auch dann wäre Vorsicht auf der Short-Seite geboten, weil die Bewertung auf dem dann deutlich gedrückten Niveau keineswegs so hoch wäre, dass sie weitere Kursverluste unterstützen würde. Aber um über den Kauf nachzudenken, müsste man eine taugliche Bodenbildung sehen, die in eine Aufwärtswende übergeht. Vorher ist die Aktie weiter gefährdet. Denn die Enttäuschung darüber, dass man hier zumindest in Bezug auf dieses berichtete zweite Quartal auf Sand gebaut hat, könnte dazu führen, dass sich, wer sich hier in Sachen Einstieg zu weit aus dem Fenster lehnt, allein auf weiter Flur wiederfindet.
Quellenangaben:
Ergebnis des 2. Quartals 2026, 04.08.2026: https://corporate.zalando.com/de/finanzen/zalando-ergebnis-q2-2026
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/ZAL.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 04.08.2026 um 22:13 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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