Teladoc: Kann man nach -55% endlich zuschlagen?

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Teladoc Health
ISIN: US87918A1051
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Ticker: TDOC --- %

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Zur Teladoc Health Aktie

Es ist schon erstaunlich, wie man immer wieder auf dieselben Chartmuster stößt.

Die Aktien und Sektoren ändern sich, doch die Boom- und Bust-Zyklen verlaufen immer gleich.
Und egal wie oft man davor warnt, es geschieht wieder dasselbe.

Denn eine Sache ändert sich eben nicht: Die menschliche Psyche.

Mal gehen 3D-Drucker durch die Decke, dann sind es Lithium-Aktien, einige Monate später Marihuana, dann dies, dann jenes. Kürzlich waren es Wasserstoff-Aktien.

Ähnlich sieht es bei den Corona-Profiteuren aus. Egal ob Zoom, Peloton oder Teladoc. Zeitweise kannten die Aktien kein Halten mehr. Ob die Kurse noch zu rechtfertigen waren, interessierte niemanden.
Inzwischen sind die Aktien abgestürzt. Zoom von 588 auf 280, Peloton von 171 auf 100 und Teladoc von 308 auf 135 USD.

Das zeigt, wie wankelmütig die Börse ist. Gestern waren die Aktien noch ein Überflieger, heute stehen sie auf dem Abstellgleis.

Das zeigt, wie gefährlich es ist, ständig den Trends hinterherzujagen. Den Letzten beißen die Hunde.

Von 308 auf 135 und wieder zurück?

Wer an der Börse als Investor erfolgreich sein will, muss hingegen antizyklisch handeln, Crashs zum Kaufen nutzen und die besten Unternehmen einsammeln, wenn sie gerade mal wieder korrigieren.

Teladoc ist von 308 auf 135 USD gefallen. Grund genug, um die Lage zu sondieren.

Als ich die letzte Analyse zur Aktie (Link) veröffentlicht habe, notierte Teladoc noch bei 200 USD. Damals hatte ich eine ganze Reihe von Problemen angesprochen, die das Unternehmen hat.

Man hatte eine gigantische Übernahme durchgeführt. Der Preis erschien mit 19,1 Mrd. USD viel zu hoch und wurde darüber hinaus durch eine ebenfalls gigantische Kapitalerhöhung finanziert.

Heute ist Teladoc selbst „nur“ noch 20,5 Mrd. USD Wert. Es wäre fast witzig, wenn es nicht so traurig wäre.

Wie konnte es dazu kommen?

Und genau hier liegt auch das Problem. Auf den ersten Blick erscheint das Wachstum von Teladoc enorm zu sein.

Bereinigt man die Kennzahlen allerdings um die ständigen Kapitalerhöhungen, sinkt die Wachstumsrate im Corona-Jahr 2020 plötzlich von knapp 100% auf 56%.

In diesem Jahr dürfte das reale Wachstum sogar auf unter 10% implodieren.

Wie konnte es dazu kommen? Teledoc erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatzsprung von 1,09 auf 2,00 Mrd. USD, was einem Plus von rund 80% entspricht.

Die Zahl der ausstehenden Aktien ist seit Jahresbeginn allerdings von 91 auf 156 Millionen Stück gestiegen.
Ein Anstieg von mehr als 70%. Unter dem Stricht bleibt also nicht viel übrig.

Mehr Wettbewerber

So grandios wie die Wachstumsraten von Teladoc, zumindest auf den ersten Blick erscheinen, man sollte den zunehmenden Wettbewerb nicht unterschätzen.

Der Service von Teladoc ist schließlich leicht zu kopieren. Daher ist es erfreulich, dass man eine Kooperation mit CVS an Land ziehen konnte.
Eine ganze Reihe anderer US-Versicherer haben inzwischen eigene Angebote und machen dem Unternehmen Konkurrenz.

Und das nicht erst seit gestern, auch schon während der Pandemie. Bei der Recherche hat sich herausgestellt, dass sich die Nutzung von Telemedizin in den USA im vergangenen Jahr mehr als vervierfacht hat.

Plötzlich wirkt die Umsatzverdopplung von Teladoc nicht mehr so erfreulich. Immerhin ist man wesentlich langsamer gewachsen als die Branche.

Und leider hat die Wachstumsdynamik seitdem weiter nachgelassen.

Im ersten Halbjahr 2021 erzielte Teladoc einen Umsatz von 0,96 Mrd. USD. In der zweiten Jahreshälfte dürfte es unwesentlich mehr werden.
Ob das in Anbetracht gigantischer Verluste ein KUV von 12,5 rechtfertigt, ist fraglich.

Chart vom 21.09.2021 Kurs: 135 Kürzel: TDOC - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 21.09.2021 Kurs: 135 Kürzel: TDOC – Tageskerzen

Ich hatte wirklich angenommen, dass ich bei einem Kurs von 135 zu einem positiveren Fazit kommen würde.
Vor allem, da die Situation aus charttechnischer Sicht gar nicht uninteressant ist.

Teladoc hat in den letzten Wochen mehrfach am Support bei 132 USD gedreht. Ausgehend von dieser Basis könnte es jetzt wieder zu einer Erholung in Richtung 147 USD kommen.
Darüber könnten 153 oder 157 USD angesteuert werden.

Fällt die Aktie hingegen unter 130 USD, trübt sich das Chartbild weiter ein.

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Dass Teladoc ein Krisengewinner ist, ist fast noch eine Untertreibung. Der Umsatz ist explodiert, der Kurs hat sich vervielfacht.
In den letzten Tagen kam es allerdings zu einer Korrektur von 300 auf 200 USD. Ist das die Gelegenheit, um einzusteigen?

Für die Trader

Aus technischer Sicht ist die Lage recht eindeutig. Teladoc ist übergeordnet bullisch und der Aufwärtstrend ist intakt.

In den letzten Monaten starteten ausgehend von 175 USD mehrfach Rallyes und das könnte auch jetzt der Fall sein.
Über 200 USD käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 225 sowie 233 USD.

Fällt die Aktie unter 175 USD, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass es sich um eine Bärenfalle handelt und nur ein Rücksetzer auf den Aufwärtstrend vollzogen wird.

Sollte der Aufwärtstrend allerdings nachhaltig durchbrochen werden, trübt sich das Chartbild zunehmend ein. Unter 150 USD käme es zu einem prozyklischen Verkaufssignal.

(Nach dem Chart geht es weiter)

Chart vom 12.03.2021 Kurs: 192 Kürzel: TDOC - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 12.03.2021 Kurs: 192 Kürzel: TDOC – Tageskerzen

Wie sieht es langfristig aus?

Für Trader reichen die zuvor angesprochenen Rahmendaten weitgehend aus. Investoren müssen allerdings sehr viele andere Faktoren beachten.

Teladoc ist zwar ein Krisenprofiteur, man sollte sich aber immer auch die Frage stellen, wie es zuvor lief und natürlich wie die Perspektive aussieht.

Betrachtet man die Vorjahre, kann man daraus schließen, ob das Geschäft ausschließlich durch Corona befeuert wurde, oder ob es auch zuvor schon gut lief.

Bei Teladoc kommt man an dieser Stelle zu einem eher positiven Fazit. Auch vor der Krise verzeichnete das Unternehmen ein ordentliches Wachstum.
2019 kletterte der Umsatz beispielsweise um 32% auf 553 Mio. USD.

Über die Jahre hinweg wurden allerdings auch mit hoher Geschwindigkeit neue Aktien ausgegeben.

Krisenjahr

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich der Umsatz von Teladoc von 0,55 auf 1,09 Mrd. USD nahezu verdoppelt.

Das hört sich zunächst sehr erfreulich an.
Das organische Wachstum ist allerdings geringer, als es auf den ersten Blick erscheint.

Teladoc hat im vergangenen Jahr zwei Übernahmen mit einem astronomischen Gesamtwert von 19,1 Mrd. USD durchgeführt.
Um das einzuordnen, muss man wissen, dass Teladoc derzeit inkl. der neuen Töchter „nur“ einen Börsenwert von 31,4 Mrd. USD hat.
Der Zukauf war also ein echter Brocken.

Selbstverständlich hatte man so eine Summe nicht auf der hohen Kante. Ein Großteil der Kosten wurde über eine gigantische Kapitalerhöhung finanziert.

Die Zahl der ausstehenden Aktien ist dadurch mal eben von 91 auf 152 Millionen Stück gestiegen und scheinbar möchte Teladoc an dieser Stelle nicht mit der Verwässerung aufhören.

Wie aus dem Geschäftsbericht für 2020 hervorgeht, hat man bereits die Vorbereitungen getroffen, um bis zu 300 Millionen weitere Aktien auszugeben.

Mega-Zukauf

Wohl und wehe hängen von diesen Übernahmen, vor allem dem Diabetiker-Messgerät von Livongo, ab.

Den Kauf von Livongo hat man sich 18,5 Mrd. USD kosten lassen. Egal welchen Maßstab man heranzieht, der Preis war enorm hoch.

Im letzten Quartal, in dem Livongo noch eigenständig Zahlen vorgelegt hat, lag der Umsatz bei 92 Mio. USD.
Für das Geschäftsjahr 2020 erwartete man Einnahmen von rund 300 Mio. USD.

Auf dieser Basis hat Teladoc für das Unternehmen ein KUV von über 60 auf den Tisch gelegt.
Vor einigen Jahren wäre so ein Deal niemals Zustande gekommen. Niemand hätte derartige multiples gezahlt.

Es wird sich noch zeigen, ob sich das als Fehler herausstellt. Ob man am Ende nicht einen Teil der über 14 Mrd. USD an Goodwill in den Büchern abschreiben muss.

Weitere Probleme

Kommen wir zurück zur Geschäftsentwicklung. Auf dem Papier hat Teladoc einen Umsatzsprung von 0,55 auf 1,09 Mrd. USD gemeldet.

Ein bedeutender Teil davon ist auf den Zukauf zurückzuführen und bezieht man die Verwässerung mit ein, dürfte das Umsatzwachstum pro Aktie erstaunlich gering sein.

Dazu, wie hoch das organische Wachstum von Teladoc wirklich war, gibt das Unternehmen daher auch keine Auskunft. Ich konnte auf den Seiten des Unternehmens jedenfalls nichts dazu finden.

Ebenso unerfreulich ist die Tatsache, dass der Umsatz im Vorjahr zwar von 0,55 auf 1,09 Mrd. USD gestiegen, gleichzeitig aber auch der Verlust von 0,10 auf 0,49 Mrd. USD explodiert ist.

Das bedeutet: Doppelter Umsatz, fünffacher Verlust. Die Verhältnismäßigkeiten sind ziemlich unvorteilhaft.

Ohoh

Darüber hinaus hat mich eine Sache wirklich stutzig gemacht.

Die Nutzung von Telemedizin in den USA hat sich im vergangenen Jahr mehr als vervierfacht.
Warum hat sich das Geschäft von Teladoc nicht ebenso stark entwickelt?

Als Investor sollte man sich also ernsthafte Sorgen um die aufziehende Konkurrenz machen. Haben Sie sich den größten Teil des Kuchens geschnappt?

Dass es eine ganze Reihe von Anbietern gibt, die ähnliche Services wie Teladoc und Livongo anbieten, wäre für sich genommen noch kein allzu großes Problem

Das Problem ist, dass die großen Versicherer diesen Bereich für sich entdeckt haben, bei der Konkurrenz eingestiegen sind und dementsprechende Kooperationen geschlossen haben.

Die Versicherungsgiganten Unitedhealth und Humana haben hunderte Millionen USD in die Hand genommen, bauen eigene Services auf und machen Teladoc ebenfalls Konkurrenz.

Ausblick

Für das angebrochene Geschäftsjahr stellt man einen Umsatzsprung von 1,09 Mrd. USD auf 2,0 Mrd. USD in Aussicht.

Ein bedeutender Teil ist auf die Integration von Livongo zurückzuführen. Auch hier stellt sich wieder die Frage, wie hoch das organische Wachstum ist.

Das gilt vor allem „je Aktie“, denn die Zahl der ausstehenden Papiere dürfte munter weiter steigen.

Wahrscheinlich lassen sich trotzdem viele Anleger von der positiven Headline überzeugen.
Es ist zwar bis zu einem gewissen Grad irrational, aber genau das haben wir schon zu oft erlebt.

Bei Risiken und Nebenwirkungen…

Auf der anderen Seite sollte man das Kursrisiko nicht unterschätzen.

Im Vorjahr haben 46% aller US-Patienten Telemedizin genutzt. Ein Viertel davon möchte es zukünftig nicht mehr.

Teladoc selbst erwartet im Jahresverlauf jedenfalls eine deutlich nachlassende Dynamik.
Im ersten Quartal erwartete man einen Umsatz von 450 Mio. und für das Gesamtjahr 2,0 Mrd. USD.

Die Wachstumsraten von Quartal zu Quartal würden in diesem Szenario spürbar sinken.
Werden Anleger auch dann noch bereit sein, die aktuelle Bewertung zu bezahlen, oder kehrt das KUV wieder auf das Vorkrisenniveau von 10-12 zurück?

Derzeit entspräche das einem Kursverlust von mehr als 25%, selbst wenn der Umsatz auf 2,0 Mrd. USD steigt.

Was passiert, wenn die gesteckten Ziele nicht erreicht werden?

Fazit: Die Gesamtsituation bei Teladoc ist hochkomplex und sehr schwer einzuschätzen.
Es bestehen sowohl erhebliches Kurspotenzial, wie auch Kursrisiken.
Wer sich hier engagieren möchte, sollte besser mit einem Stopp arbeiten.